Werk in Trollhättan wird wieder produzieren…

Das Blog Hauptquartier befindet sich in der Nähe von Frankfurt am Main. Weit entfernt von Trollhättan, Peking oder Tianjin…was man bedauerlich finden kann, denn bei manchen Ereignissen wären wir gerne näher dran. Die letzten Tage waren aufschlussreich in Schweden. Kai Johan Jiang und Mikael Kubu waren Teilnehmer eines Symposiums in Stockholm. Die Zeitschrift Dagens Nyheter besuchte zuvor das Werk und führte lange Gespäche mit CEO Mattias Bergman.

DN im Saab Werk Trollhattan mit NEVS CEO Bergman. Photo Credit: Dagens Nyheter
DN im Saab Werk Trollhattan mit NEVS CEO Bergman. Photo Credit: Dagens Nyheter

Der daraus resultierende, umfangreiche und positive Artikel ist für alle Menschen mit schwedischen Sprachkenntnissen bei DN nachzulesen. Für Leser im deutschen Sprachraum gibt es die Zusammenfassung der interessantesten Aussagen, der verbleibende Rest der Welt muss eine der beiden Sprachen lernen oder sich mit Googles Translator anfreunden.

Fehler eingestanden

NEVS hat in der Vergangenheit Fehler gemacht, einer davon war der Produktionsstart im Dezember 2013. Man hätte, so Bergman rückblickend, besser noch 8 oder 9 Monate gewartet. Es waren damals noch nicht alle Lieferanten bereit, Komponenten wurden teurer als erwartet, einige Partner konnten nicht die nötigen Mengen produzieren. Aber unsere Eigentümer wollten etwas vorzeigen, sagt Bergman. Damit spielt er auf den (verpatzten) Einstieg von Quingdao an, der nach Blog Information mit der Bedingung einer laufenden Produktion verknüpft war.

Als die Gelder ausblieben,  war die Rekonstruktion für NEVS zwangsläufig nur noch wenige Wochen entfernt.

China einflussreicher als zuvor

Nach dem Rekonstruktionsverfahren wuchs der chinesische Einfluss. NEVS hat mit Tianjin und dem Technologieunternehmen SRIT zusätzliche Aktionäre bekommen. Der Einstieg von SRIT, State Research Information Technology Co., erfolgte auf Anregung der Zentralregierung in Peking. Alle Verhandlungen laufen über die Zentraladministration, NEVS ist der Provinzebene entwachsen.

Das, als Anmerkung, zeigt die Bedeutung von NEVS für die Realisierung der nationalen Elektroauto-Offensive.

Peking, sagt Bergman, glaubt an NEVS und das Elektroauto. 2012 wurden in China erst 6.000 EV`s verkauft. 2015 bereits 200.000, für dieses Jahr werden 700.000 Einheiten prognostiziert.

Produktion in Tianjin ab Mai 2017.

Eine Anforderung der Administration in Peking, erzählt Bergman weiter, sei die Produktion vor Ort. Das Werk in Tianjin wird im Mai 2017 die Produktion anfahren. Der Start in China wird Auswirkungen auf das Werk in Trollhättan haben. NEVS stellt aktuell pro Monat rund 50 neue Mitarbeiter ein, bevorzugt für Forschung und Entwicklung. Im Sommer werden zusätzlich rund 100 Produktionsmitarbeiter rekrutiert, um das alte Saab Werk zu neuem Leben zu erwecken und Karosserien für das EV zu produzieren. Später sollen 4 komplett neue Modelle in der Stallbacka produziert werden.

Größte Herausforderung der letzten 50 Jahre.

Die Anforderungen an die Mobilität verändern sich. Eine neue Käufergeneration fordert im Auto mehr Konnektivität. Die Frage von Eigentum muss neu definiert werden. Carsharing und Lösungen wie Uber sind heute bereits ein Thema. Die Autohersteller experimentieren,  um den Anforderungen kommender Generationen gerecht zu werden. Tianjin, wo das neue Werk entsteht, sieht sich als Labor für neue und nachhaltige Mobilitätslösungen,  berichtet Mattias Bergman gegenüber DN.

Mit Aktionär SRIT und Partner Teamsun kann NEVS auf einen Pool von 10.000 Software-Ingenieuren zugreifen. IT, Daten, Software sind der Rohstoff der Zukunft und werden für kommende Fahrzeuggenerationen immer wichtiger.

Kommt Saab zurück…

Die Frage ist unvermeidlich, Bergman hält sich bei der Antwort bedeckt. Man sei mit der Saab AB erneut im Dialog. Wie weit man ist,  möchte er nicht sagen.

Weiter sagt er: In Trollhättan läuft eines der wichtigsten Industrieprojekte Schwedens. Man strebt eine langfristige Lösung in Bereich des Markennamens an. Aber eine Marke bestehe aus mehr als nur Buchstaben. Eine Marke repräsentiert,  wofür das Unternehmen steht. Das Thema wird geklärt sein, rechtzeitig bevor NEVS Produkte auf den Markt bringen.

Bergman hat sich viel Zeit für DN genommen. Selbst schwierigste Themen, wie die Fehler vergangener Zeiten und der chinesische Einfluss,  kamen auf den Tisch. Einige Tage später nahm Kai Johan Jiang an einem Symposium in der schwedischen Hauptstadt teil und sprach über Unternehmensführung in schweren Zeiten. Neue Qualitäten bei NEVS und eine Ernsthaftigkeit,  die ich in der Vergangenheit über lange Phasen vermisst habe.

NEVS sammelt Sympathiepunkte und auch das Prickeln kehrt zurück. Die lange vergeblich gesuchte Spannung auf das,  was kommen wird,  ist erneut spürbar, und im Herbst könnte das gute alte Saab Werk zu neuem Leben erwachen. Womit wir bei dem schwersten aller Themen sind. Dem Saab Markennamen. Dazu gibt es Gedanken von meiner Seite. Morgen auf dem Blog.

20 Gedanken zu „Werk in Trollhättan wird wieder produzieren…

  • Sehr interessant. Schön Tom, dass Du uns so aktuell informierst. Ich denke, wir alle brennen immer auf solche Informationen. Es klingt auf jeden Fall besser, als noch vor einem Jahr.
    Schönen Sonntag

    • Die Dinge werden besser, das ist wirklich gut so. Vor allem für Trollhättan!

  • hallo Tom, seit etwa 1/2 Jahr lese ich Deinen/Euren Saabblog, der immer sehr interessant
    geschrieben ist. Vielen Dank dafür. Ich selbst bin Saabfan seit 1985 und habe meine
    ganze Familie ( Frau und 2 Kinder ) mit Saabs ausgestattet, die ebenfalls großen Gefallen
    an den Fahrzeugen haben. In 3 Jahren sind 2 von den 4 Saabs Oldtimer.
    Außer der Rostproblematik und der Undichtigkeit von Lenkgetrieben ( inzw. 5 Stk. )
    habe ich bei meinem Saab 900 Turbo bei über 500.000 km Laufleistung kein
    größeres Problem gehabt. Motor, Getriebe, sogar Stoßdämpfer sind noch im
    Original und nur einmal die Kupplungsscheibe gewechselt bei 400.000 km. Wo gibt es das
    sonst bei einem anderen Fahrzeug?
    Gib mir mal Eure Kontonummer an, damit ich Euch etwas unterstützen kann.
    Herzliche Grüße aus Heidelberg
    Dietmar

    • Danke für die Worte! Mark und ich achten den Themen ausgewogen zu halten, und wir freuen uns wenn der Blog gefällt! Für jede Unterstützung sind wir dankbar, Mail ist unterwegs!

  • Ich habe es in einem Autoforum schon geschrieben: Der Name SAAB steht auch für Militär, nämlich für Kampfflugzeuge und da hat der schwedische Staat ein Wörtchen mitzureden….
    Saab war und ist ein Entwickler und Produzent von Flugzeugen. Nicht umsonst tragen manche Modelle einen Zusatznamen wie z.B. Viggen….

    • Ja, aber erstens ist das allgemein bekannt und zweitens, was soll uns das sagen?

      Wenn National Electric Vehicle Sweden schwedische Arbeitsplätze in signifikanter Zahl und tatsächlich hochwertige Produkte schaffen sollte, könnte sich die Politik damit schmücken wollen.

      Dass der Staat mitredet, könnte – je nachdem was NEVS auf die Beine stellt – sowohl für als auch gegen eine Verwendung des Markennamens sprechen, oder nicht?

      • Militär ist etwas anderes als die Politik. Das Militär bestimmt grösstenteils das, was die Politik machen soll, damit deren Kriegsmaschinerie (hier Flugzeuge) weiter unter dem Namen gebaut wird und das hier noch von einer schwedischen Firma. Oder meinst du, die kaufen im Ausland so Modelle wie den Starfighter, Eurofighter oder die Phantoms? Mitnichten denke ich. Da dürfte der Name Saab dieser Firma auf jeden Fall in den Händen des schwedischen Staates bleiben und weiterhin deren Flugzeuge kaufen. Oder meinst du, der Name Volvo wäre auch verschwunden, bloss weil die PKW-Sparte an Geely nach China mehrheitlich ging? Volvo baut auch Busse, LKWs und Baumaschinen und exportiert die weltweit.

  • Hallo Tom, das sind doch gute Aussichten, an einem sonst recht trüben Tag. Mir persönlich werden die zu erwartenden Mobilitätansprüche, inklusive Carsharing vermutlich nicht mehr zu vermitteln sein. Die zukünftigen Käufergenerationen in den Metropolen der Welt denken hier anders und müssen dies vermutlich auch. Parkflächen werden immer knapper, zudem gibt es nach Abgabe des Fahrzeugs keine laufenden Kosten. Wie gesagt, nix für mich, aber diese Entwicklungen werden nicht aufzuhalten sein. Eine emotionale Bindung an ein Fahrzeug oder auch an eine spezielle Fahrzeugmarke kann in Zukunft wohl nur schwer aufgebaut werden. Unsere Spezies ist somit voraussichtlich ein Auslaufmodell. Darum sollten wir am Besten unsere gut gepflegten und gehegten Fahrzeuge und unsere Gemeinschaft genießen. Ein Saab Carsharing Computer- EV wird dies nicht transportieren können. Ich bin dennoch auf deine Fortsetzung gespannt.

    • Die Aussichten geben Hoffnung, auch was NEVS aktuell tut beginnt mir zu gefallen. Ich denke aber, dass es persönlichen Fahrzeugbesitz auch in Zukunft geben wird. Vor allem in speziellen Fahrzeugklassen, während reine Gebrauchsfahrzeuge wohl zu Mobilitätslösungen mutieren werden.
      Die alten Schätze, wie wir sie so mögen, finden immer Liebhaber, wir pflegen sie weiter und schreiben darüber!

  • Was haben Grundig, Blaupunkt, Dual und AEG mit Saab gemein? – Der informierte Leser ahnt schon worauf ich hinaus will: Alle genannten Firmen waren vor langer Zeit starke Marken, die für Qualität und Design standen. Heute sind sie Dank fernöstlichem Einfluss nur noch eine bloße Hülle, die schlechte Qualität billig verpackt dem unkritischen Konsumenten unterjubeln will. Ein traditionsreicher Markenname dient nur noch als Siegel vermeintlicher Qualität, dass sich bei genauerem Hinsehen und spätestens bei längerem Bestimmungsgemäßem Gebrauch als durch und durch minderwertig entpuppt. Leider. Ich habe größtes Verständnis für die Inhaber der Saab-Markenrechte, dass sie bei der Neuvergabe immer noch zögern…

  • Gute Nachrichten am Sonntag und NEVS nutzt die zweite Chance, weiter so!

  • Zweite Chance? Sie hatten nie eine und werden auch keine bekommen- zumindest nicht was Autos unter dem Markennamen SAAB anbetrifft….

  • Erstmal sehen was dabei überhaubt rauskommt.
    Das Thema neuer Inivationen
    in Sachen zukünftige Mobilität ist nichts neues das hört man auch von den anderen
    Herstellern.
    Leider wurde auch mal wieder nicht ein kleiner Einblick in das zukünftige Design
    gezeigt und ob die Fahrzeuge Qualitätsmäßig mit den Europäischen Automobilen mithalten können ist auch noch die Frage.
    Für mich ist das nur das übliche blabla…

  • DANKE, Tom für diese aktuellen Informationen.
    Ja, auch deswegen lese ich den Blog! Es prickelt bei der SAAB-Info… 🙂
    Was NEVS betrifft warte ich ab. Bei NEVS prickelt es nicht.
    Überhaupt lehne ich firmische Konstrukte mit maximaler (und totalitärer) staatl. Beteiligung ab.

  • Tom, binn gespannt was Heute im Blog veroefentlicht wird. Aber diesen Beitrag vom Sonntag lasst sich gut schmecken.

  • Bin ich auch der Meinung was die Beteiligung von staatl. Regierungen und ganz ins besondere wenn es eine chinesische, diktatorische, pseudokommunistische Regierung ist. Da haben wir ja gesehen was passiert, wenn man bei diesen Herren in Ungnade fällt. Aber die Aussage von Herrn Bergmann, dass eine Marke aus mehr besteht als Buchstaben, deute ich so, dass man auch bei NEVS langsam Zweifel bekommt, ob das was in Trollhättan bei NEVS passiert und der Weg den sie gehen wollen überhaupt noch was mit dem Namen Saab zu tun hat und ob man für ihr Vorhaben diesen Namen überhaupt noch braucht oder ob es vielleicht nicht doch besser wäre sich für die neue Firma, die neuen Produkte und den neuen Weg den man eingeschlagen hat, selber einen neuen Namen zu machen. Meine Meinung : Saab baut Flugzeuge und Rüstungstechnologie und keine Autos mehr. NEVS will Autos bauen die fast keinen Bezug mehr dazu haben zu den Autos, die es von Saab gegeben hat. Wieso sollen diese Autos von NEVS dann Saab heißen? Da war Tesla schlauer und hat sich einen Namen gegeben und gesichert und mittlerweile auch einen Namen gemacht, den man eindeutig sofort etwas elektrischem zuordnet. Auch in den USA hätte es genügend Auswahl an stillgelegten Automarken gegeben wie man das Kind hätte nennen können.

    • Richtig Peter! Saab baut Flugzeuge und für die Rüstungsindustrie und keine Autos mehr. Scania mit LKW und Bussen ist auch schon lange raus.

  • Vielleicht ist es wirklich besser, wenn Saab Geschichte bleibt als langfristig durch fernöstliche Einflüße als Marke abgewertet zu werden. Das ist meine Befürchtung!

  • Nevs hat zu lange die Saab – Gemeide zu Narren gehalten , Die haben es einfach nicht verdient den Namen Saab zu tragen.

    • Genau so ist es! Auch meine Meinung!

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