Von Hardware zur Software

Über das Wochenende flüchte ich in garantiert Fasching-freie norddeutsche Regionen. Ein Blogger-Treffen steht auf dem Plan; wir arbeiten daran,  die Geschichte mit unserem 2016er Projekt-Saab in die berühmten trockenen Tücher zu bekommen.  Ausserdem treffe ich nette Saab Menschen, und spätestens am Dienstag lesen wir uns hoffentlich wieder.

Phoenix Photo Event. Trollhattan 2011
Phoenix Photo Event. Trollhattan 2011

Bevor der Saab 9-5 in Richtung Norden startet, folgen noch ein paar Wochenendgedanken. Heute berichtet das Hamburger Wirtschaftsmagazin Bilanz über die digitale Zukunft von Audi. Der Pressetext kam gestern vorab per Mail. Stoff zum Nachdenken – die Branche ist heftig im digitalen Umbruch. Sie erschließt neue Geschäftsfelder. Oder, besser formuliert, sie muss sich neue Ertragsmöglichkeiten suchen.

„Wie BILANZ aus Unternehmenskreisen erfuhr, soll der Umsatzanteil, den Audi mit Informationstechnik, Software und darauf basierenden Dienstleistungen rund ums Autofahren erwirtschaftet, bis 2020 rund die Hälfte des Gesamtumsatzes … ausmachen.“

Und sie transformiert in einem atemberaubenden Tempo. 2020 ist nicht mehr weit. Aus einem Hardware-basierenden Unternehmen wird ein Dienstleister und Software-Anbieter.

„Audi will Software künftig auch über das Internet vermarkten. Die Kunden könnten beispielsweise regelmäßig neue Oberflächen-Designs für Tacho, Drehzahlmesser und die anderen Anzeigen vom Audi-Server herunterladen.“

Hatte ich nicht vor ein paar Tagen über das Ende der analogen Wohlfühlzone geschrieben, und über die Möglichkeit,  „analoges Cockpit Gefühl“ als Option zu erwerben? Dinge passieren rascher,  als man glauben mag.

Saab Iqon. 500 Parameter, offen für Entwickler.
Saab Iqon. 500 Parameter, offen für Entwickler.

Unwillkürlich muss man dabei an ein Unternehmen in Trollhättan denken. Das plant einen Neustart  und will 2018 mit 4 neuen Modellen an den Start gehen. Schweden ist als Markt bestätigt, der „Rest“ von Europa soll folgen. Unklar ist,  unter welchem Markennamen die Fahrzeuge verkauft werden. Klar ist hingegen: die Geschichte mit der Digitalisierung hat man von Anfang an auf dem Schirm. Vielleicht gut, weil man auch ohne Altlasten starten kann.

Wie zum Beispiel ein eigenes Vertriebsnetz. Neben Digitalisierung, neuen Antriebsformen, steht auch der Vertrieb vor dem Wandel. Volvo, die andere schwedische Marke, wird in Zukunft jedes Modell auch per Internet bestellbar haben, andere Marken ebenso. Um so mehr Ausstattungsdetails in Zukunft per Software „freigeschaltet“ werden, und das wird so sein, um so sinnvoller ist dieses Modell. Die Digitalisierung der Autoindustrie – sie ist Chance und Bedrohung zugleich.

„Im Vorfeld des Strategieprozesses analysierte Stadlers Truppe im Detail den Niedergang von Unternehmen wie Kodak, Nokia und Sony. Die Automobilbranche wird von branchenfremden Unternehmen wie Apple und Google bedroht.“

Der Blick zurueck: Bloggers Rueckspiegel
Der Blick zurueck: Bloggers Rueckspiegel

Audi setzt bei den kommenden Herausforderungen auf ein geschlossenes System, will die Schnittstelle zum Kunden bleiben. Die Saab Automobile AB war mit dem Android basierten Iqon System offen für Applikationen von jeder Seite. Entwickler war der Zugriff auf die rund 500 Parameter, die IQon aus dem Fahrzeug hätte liefern können, erlaubt.

Abschottung oder Offenheit? Wie sieht die Zukunft aus? Das ist offen. Das Auto aber wird Mittel zum Zweck – um Dienstleistungen und Software in seinem Umfeld verkaufen zu können. So wie beim guten, alten Notebook, dessen Preis subventioniert wird. Von Softwarefirmen. Damit sie ihre Produkte in der Grundinstallation mitliefern dürfen. Egal,  ob diese nützlich für den Kunden ist – oder nicht.

Ausstattungsdetails „on demand“, Apps, Downloads, Updates. Die Zukunft ist für Ingolstadt und Trollhättan digital. Wem das alles zu viel ist, der sollte sich einen dieser wunderbaren, alten,  analogen Saabs kaufen. Solange man Hardware, garantiert nicht Internet tauglich, noch zu fairen Konditionen bekommt. Und dann, pflegen, fahren, fahren, fahren.

13 Gedanken zu „Von Hardware zur Software

  • Cockpit als kostenpflichtes Download? Wird das funktionieren? Sind das Dinge, die ich zukünftig bei meinem Auto erwarten kann? Oder fahre ich lieber den 9K weiter? Fragen über Fragen, und ein toller, informativer Artikel zur Zukunft. In dieser Woche war die Mischung extremst genial 😉

  • Bei Tesla gibt es das schon lange: Updates ´runter laden, Batteriesoftware per Mausklick verbessern, mehr Leistung, Autopilot (ich meine damit komplett autonomes fahren, nicht nur Abstandsautomatik). So ist dort die Gegenwart. Bei den anderen Autoherstellern die Zukunft.
    Zitat VW Chef Müller: „Wir dürfen die automobile Zukunft nicht dem Silicon Valley überlassen“
    Ist schon passiert!
    Verbrennermotoren sind ein Auslaufmodell. Lenkräder in 10 Jahren auch.
    Ich fahre begeistert einen Elektro-UP! Der Zweitwagen SAAB 9-3 Biopower, wird in 2 Jahren auch abgelöst. Ich hoffe das NEVS bis dahin ein tolles Auto baut, sonst wechsle ich nach 28 Jahren SAAB zu Tesla.

  • Schon cool und spannend für die kommenden Jahre. Aber vielleicht auch etwas nervig? Ich denke nicht, dass der Verbrenner ein Auslaufmodell ist, sondern dass sich in Europa Plug-in Hybride durchsetzen oder zumindest einen großen Anteil haben werden. Neutral durch die Stadt oder Umweltzonen. Auf jeden Fall kommt das EV ganz stark spätestens ab 18 und wenn NEVS mit SAAB dabei wäre, dann wäre das stark.

  • Danke für diesen „Ausblick“, Tom.
    Spannend sicherlich, wer sich mit Spannung umgeben möchte… Ich werde weiterhin relativ analog unterwegs sein und meinen SAAB auch pflegen. 🙂
    So spannend ich El.-Fahrzeuge finde, desto mehr frage ich mich, woher kommen die Rohstoffe für die geplanten div. Millionen (!!!) von Fahrzeugen und deren Batterien??? Die seltenen Erden sind ja jetzt schon knapp…
    Trotzdem, allen Bloggern ein erfreuliches Wochenende! 🙂

      • Die Akkurohstoffe sind genauer betrachtet nur aus quasi-Monopolgründen so rar und die Seltenerd-Elemente heißen nur deswegen so, weil die Entdeckung zuerst über sehr seltene Mineralien stattfand – es gab damals halt noch keine Massenspektrometer. Aber dennoch macht nach allem was ich bisher gesehen habe ein batteriebasierter Elektroantrieb im Kfz nur in den seltensten Fällen Sinn, genauer: exakt und nur dann, wenn Emissionen lokal verhindert werden sollen. Abgesehen von der geringen Energiedichte aktueller Akkus machen die verschiedenen Umwandlungsverluste bis die Energie, welche im Kraftwerk erzeugt wird wieder auf der Straße ist umwelttechnisch rein gar keinen Sinn. Und da hilft das Argument mit Sonnen- oder Windenergie auch nicht weiter wenn man die für Herstellung, Betrieb und Entsorgung benötigte Energie mit einbezieht.

  • Moin zusammen.

    Sehr interessanter Artikel.

    Aber ich habe das Gefühl, ich bin (zumindest „geistig“) „zu alt“ für diesen ganzen aktuellen Software-GUI-Toucscreen-WLAN-SocialMedia-Wahn im Auto und das „autonome Fahren“.

    „Du kannst ja nicht mal an deinem Wagen das Tachodesign ändern“ war übrigens mal ein Haupt-Argument eines Freundes gegen meinen 2011´er-Saab.
    Ich hab das damals nicht ganz verstanden und heute tu ich es irgendwie auch noch nicht (ein Armaturenbrett ist doch kein iPad).

    Ich freu mich weiterhin lieber über ein relativ klassisches und „zurückhaltendes“ Cockpit in meinem Auto – und hoffe das auch noch recht lange!
    Am Wochenende werde ich das zumindest mal wieder länger auf dem Weg zur Küste und zurück geniessen können …. 😉

  • Bei allem E-Enthusiasmus: Hat man einmal die Lebensdauer der Batterien berücksichtigt – und vor allem, wieviel der Ersatz kostet? Nach 8-10 Jahren stehen unverkäufliche E-Autos herum, da sich der Erst-/Zweitkäufer um die Investition von ca. 18.000 Euro (Preis für die Smart-Ersatzbatterien) drückt?
    Tolle Zukunft! Ich bin in China mehrere Male mit den BYD-Taxis mit gefahren. Niedriger Geräuschpegel und das rasche Anfahren vom Stand war schon eindrucksvoll, aber das Aufladen nach 300 km ist schon nervig. Auch verzichte ich gerne auf die immer größer werdenden Touch-Displays, nicht umsonst entwickelt die Industrie an Oberflächen mit unterschiedlicher Rauhigkeit, damit die „Tasten“ auch blind betätigt werden können. Wer will dies im Auto? Der gleiche Dumpfsinn mit den elektrischen Handbremsen, die nur ein „digitales“ Bremsen erlauben. Also keine dosierte Schleuderwende im Ernstfall mehr möglich… Ich bleibe mit Genuss bei meinem 96 und 9-5.

  • Gerade heute Mittag lief in der ARD im Buffet etwas, was die Automobilbranche revolutionieren wird. Ein PKW, der sich an andere PKW „hängt“, mitfährt in einem Konvoi, selbstständig über Kreuzungen fährt (ohne Ampeln und Kreisverkehr). Eine Person „fährt“ den Wagen, die Räder drehen sich beim Einparken so, dass der Wagen quer einparkt und evtl. sich hochstellt, damit der Platz nicht grösser wird, als wie ein Fahrrad für sich einnimmt…. Das ist die Zukunft! Wird vom DFKI in Bremen entwickelt….

  • Habe 4 von diesen analogen Dinger namens Saab und mache genau das was Tom vorschlägt, pflegen und fahren! Und ich werde sie lange pflegen und fahren. So eine digitale Kiste aus dem Audiland kommt mir nie in die Garage!

  • Hallo zusammen, mich treibt aktuell ganz was anderes herum:
    Bei meinem 9-5Aero Kombi (2006) suche ich die Möglichkeit, das Infotainment-System blue-tooth-fähig zu machen, damit ich mich im Zweifel von meinem CD-6-Fach Laufwerk irgendwann trennen kann. Z.B. Musik über iPhone. etc.. Die rsetlichen Funktionen sollten erhalten bleiben. Ich benutze die alte Navi-DVD zwar nur noch selten, aber manchmal taugt das immer noch ganz gut, wenn man weitläufig umfahren will. (Neues Navi an Fensterscheibe vorhanden.)

    Mein Autoradiohändler in Bayreuth will mindestens 2000,- € haben, dann würde das große Originaldisplay mit ersetzt. Ist mir zu teuer bei 255tkm, auch wenn er genial fährt.

    Kennt jemand eine andere Lösung? Infos gerne an w.h-s@gmx.de

    • Es gibt von Saab eine Bluetooth Lösung. Artikel 32025900 und Kabelkit 32025900. Funktioniert ab 2006. Bitte mit dem Saab Partner, der nächste wäre Saab Zentrum Bamberg, Verfügbarkeit und Anwendbarkeit klären!

  • Danke Tom!! Werde ich tun. Schönen Restsonntag noch, Wolfgang
    @Hans S.: Fahre mit meiner Frau auch 4 Analoge:-)

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