Projekt Cecilia

Im vergangenen schwedischen Sommer zeigte das Bil Museum Meilensteine der Saab 9000 Entwicklung. Die Geschichte hinter dem ersten großen Saab ist bekannt. Sie begann schon in der Mitte der 70er des vorigen Jahrhunderts. Saab benötigte ein größeres Fahrzeug, um in neue, prestige- und ertragsträchtige Segmente vorzustossen.

Saab Cecilia
Saab Cecilia

Saab galt schon damals als kleiner Produzent;  die komplette Entwicklung eines neuen Modells ohne fremde Hilfe war undenkbar. Unterstützung kam vom Fiat Konzern, der Auftakt zur Tipo4 Story, aus welcher der Saab 9000, der Lancia Thema, Fiat Croma und Alfa 164 hervorgehen sollten. Der Plan, mit 75 % Gleichteilen Kosten zu sparen, ging aber nicht auf.

Die Philosophie der Hersteller war zu unterschiedlich: Lancia konstruierte den Thema von außen nach innen, Saab nahm den umgekehrten Weg. Die Kooperation zwischen Nord und Süd endete bereits 1981, bei den Gleichteilen blieb es bei 4 Türen.

Nur beim Design konnte sich Italien gegen Trollhättan durchsetzen. Coggiola, Bertone, Ital Design und das Team um Björn Envall lieferten Entwürfe. Den Zuschlag erhielt Ital Design nur Giorgetto Giugiaro. Der lieferte den Entwurf einer Limousine, eines Fließhecks, und eines Kombis (?). Letzteren haben wir nie gesehen. Saab Designchef Björn Envall sollte erst Jahre später beim CS zum Zug kommen.

Das Cecilia Projekt

Seit 1975 waren die ersten Erprobungsträger unterwegs. Umgebaute Saab 99 testeten Fahrwerksteile, ab 1979 konnte man merkwürdige Saab 900 in der Umgebung von Trollhättan beobachten. Ihr Code Name: Cecilia. Was aussah wie ein 900 auf Testosteron, war ein Versuchsträger. Unter der Karosserie steckte die 9000 Bodengruppe mit der neuen Antriebseinheit. Der rund 15 Zentimeter längere Radstand, die um ca. 8 Zentimeter gewachsene Spurweite  zeigen das Wachstum, welches man beim Umstieg sofort wahrnimmt. Der klassische 901 geht heute als Kleinwagen durch, während der Innenraum des 9000 den Eindruck unendlicher Weiten bietet.

Die im Bil Museum gezeigte Cecilia ist ein relativ später Versuchsträger. Sie stammt aus dem Jahr 1982 (oder 81, die Quellen sind nicht eindeutig), trägt die Fahrgestellnummer 17. Der Zustand ist original, sie wurde für das 30 Jahre Saab 9000 Jubiläum nach langer Zeit aus dem Magazin des Museums geholt. Ihr Zustand war nicht immer gut, sie wurde erkennbar aufpoliert, ohne die Patina zu nehmen. Ein Arbeitstier, kein Ausstellungswagen. Man sieht ihr das Arbeitsleben als Versuchsfahrzeug an. Auf dem Tacho stehen 56.310 Kilometer, der Innenraum trägt kultigen roten Velours.

Cecilia ist ein authentisches Stück Historie. Saab 9000 Fahrer erkennen mit einem Blick unter das Auto sofort, welche Technik hier fährt. Die robuste, Schraubfeder geführte Starrachse mit Panhardstab spricht eine klare Sprache. In den 80er Jahren Stand der Technik, der 9000 fährt sich damit sehr komfortabel.

Hinter Cecilia parkten im Sommer 2015 der erste 9000 Turbo, die Saab 9000 CS Ecosport Studie. Eine weitere Geschichte über spannende Innovationen. Demnächst Thema auf dem Blog. Mit dem 9000 CC fuhr Saab in den 80er Jahren aus der Krise, zuvor standen die Bänder oft wochenlang still. Die Premiere des großen Saab löste Begeisterung aus. Wer einen Kaufvertrag für einen 9000 CC in der Tasche hatte, konnte ihn mit Aufpreis weitergeben. Lieferzeiten von mehr als einem Jahr, die es weder zuvor noch danach bei Saab geben sollte, sorgten für lange Wartefristen.

Die Bedeutung des 9000 CC für die Markengeschichte wurde lange unterschätzt. Zeitweise war er fast vergessen, wurde von den Fans ignoriert. Schade !  Der erste 9000 ist das Auto, welches die Individualisten-Marke Saab über die 80er Jahre rettete. Nur wenige Exemplare werden es zum H-Kennzeichen schaffen.

4 Gedanken zu „Projekt Cecilia

  • Vielen Dank für den Bericht! Für mich als «Neu-Saab-Fahrer» eines 9000ers (BJ 1990) sehr interessant.

    Toll, dass auch ein Cecilia-Fahrzeug überlebt hat und nicht nach Produktionsbeginn ins Recycling gegeben wurde.

  • Hallo Tom,
    vielen Dank für diesen Beitrag. Ich habe Cecilia letztes Jahr im Bil Museum gesehen und bekam Zweifel ob ich am Vorabend nicht doch zuviel Lattöl getrunken hatte, als ich den quer eingebauten Motor in dem 900er sah. Viele Grüße

  • Interessanter Bericht!

    Ist aber nicht auch der 9000 das Auto, das dann doch Probleme machte, weil die Entwicklung so teuer war? Ich hab in einem Buch gelesen, dass Saab 3 Projekte gestartet hat, mit der Technik des 9000 den neuen 900 zu entwickeln, was aber immer zu teuer wurde. Offensichtlich doch ein Versuch, die Entwicklungskosten über ein zweites Modell etwas abzufangen. Trotz des Erfolgs und der langen Laufzeit des 900 scheint für dessen Neuentwicklung zuwenig Geld dagewesen zu sein.

    Es würde erklären, warum der 9000 doch ein Erfolg war. „Premium“ bedeutet nämlich eigentlich nicht mehr Kohle für den Verkäufer, sondern ein überlegenes Produkt für den Käufer. das haben die Leute einfach gemerkt.

    • Vermutlich hast Du „Saab – die ersten 40 Jahre“ gelesen. Saab hatte einfach keine Plattform für den 901 Nachfolger, und alles was entwickelt wurde war zu nahe am 9000. Weil zu groß. Und hätte den 9000 kanibalisiert. Ich denke aber dass Saab mit dem 9000 Geld verdient hat, auch wenn man viel Unsinn getrieben hat. Zum Beispiel der Fertigungsanlauf in Malmö.

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