Blaupause

Unser Saab Biotop mag gemütlich sein, die Welt jedoch verändert sich weiterhin. Marken kommen und gehen…manchmal kommen sie auch zurück. Sie erfinden sich neu – oder machen weiter wie gehabt. Eine alte deutsche Marke aus Bremen zelebriert Wiedergeburt unter asiatischen Vorzeichen. Ein Hersteller aus Delbrück, kurzfristig als neuer Stern am deutschen Fahrzeughimmel gehandelt, erfindet sich komplett neu.

Saab Aero X - Traumwagen aus Trollhattan
Saab Aero X – Traumwagen aus Trollhattan

Die Rede ist von Artega, einer spannenden Marke mit ebenso viel Potential wie Dramatik. Dem Artega GT, hoch gelobt in der Presse, wurde 2007 Potential zum Porschejäger attestiert. Die Karriere war kurz – obwohl zeitweise fast 850 verbindliche Bestellungen vorlagen, endete die Produktion des GT nach 153 Exemplaren. Der Krimi um die Marke Artega ist zu erahnen. Spyker und Victor Muller lieferten mit dem B6 Venator Concept auf Artega Basis eine weitere, unvollendete Fußnote zur Geschichte der Westfalen.

Und da sind immer noch die im Raum stehenden Gerüchte über ein fertig entwickeltes, sündhaft schönes Cabriolet auf Artega GT Basis. Spricht man sie an, wird es merkwürdig ruhig. Nein, ich bin kein Insider zum Thema Artega, es ist nur so,  dass kleine Marken jenseits des Mainstreams schon immer mein Herz und mein Interesse hatten. Wer mehr über die Hintergründe wissen möchte, sollte das Interview mit Gründer Klaus Dieter Frers lesen. Es bleiben, leider, Fragen offen, aber ein kleiner Einblick ist gewährt.

Artega ist wieder da! Paragon Vorstandsvorsitzender und Artega Gründer Klaus Dieter Frers kaufte Marke und Wissen zurück, Artega zeigte Präsenz auf der IAA. Der innovative GT allerdings ist Geschichte, es wird nicht zur Neuauflage kommen. Was nicht bedeutet, dass die Vergangenheit in Delbrück keine Rolle mehr spielen würde. Artega mischt mit den weißen GTR Rennwagen im Motorsport mit, außerdem wartet und modifiziert man die produzierten Fahrzeuge im Werk. GT Eigentümer haben ihre Heimat nicht verloren.

Aus der Vergangenheit hat man Lehren gezogen. Eine Regel könnte sein, das man in Zukunft nicht das tun wird, was alle tun. Die Zukunft von Artega schreibt sich rein elektrisch. Erster, faszinierender Beweis der Kompetenz ist der neue Artega Scalo. Zwei Synchron-Hochleistungsmotoren mit einer Peakleistung von jeweils 195 KW, einem Wirkungsgrad von bis zu 98%, einem Drehmoment von 780 Nm katapultieren den Scalo in 3.6 Sekunden von 0 auf 100. Die Reichweite soll 400 Kilometer betragen, Leichtbau mit Polyurethan und Carbon sorgen für ein Gewicht von nur 1.585 Kilogramm.

Vom Scalo werden 12 Exemplare auf Bestellung entstehen; wie viel elektrische Innovation im Scalo stecken,  kann man in der Presserklärung der Paragon Tochter Voltabox zur IAA nachlesen.

Als zweites Artega Produkt der Zukunft steht der Artege Karo auf der Liste begehrenswerter Möglichkeiten. Laut Hersteller eine Synthese aus Quad, Jetski und Motorroller. Ich möchte meinen, er ist ein Spaßmobil. Das Konzeptfahrzeug ist für die Serienfertigung bereit und zeigt, dass Elektrofahrzeuge in interessante Nischen passen.

Artega ist in der Gegenwart vielseitig aufgestellt. Im Hintergrund wacht Autozulieferer Paragon AG; die Schwerpunkte von Artega 2.0 liegen auf Entwicklung, Homologation, Produktion und Prototypenbau. Wer nun Parallelen zu einer Saga aus Schweden herausliest, hat verstanden. Hätte Artega als Blaupause für Saab getaugt?

Übertragen wir das Szenario von Westfalen in das Västragötland… Dann könnte man auf dem Blog folgenden Text lesen, der in vielen Teilen leider reine Fiktion ist:

” Saab bringt zum Comeback eine rein elektrische Version des Aero X. Ein elektrischer Supersportwagen aus Schweden, innovativ, traumhaft schön, extrem teuer. Saab ist zurück, der Aero X wird in 12 Exemplaren produziert. Ein Paukenschlag und endlich das,  was Saab und die Freunde der Marke verdient haben. Saab war immer fortschrittlich, anders als die anderen, der Aero X in seiner elektrischen Variante ist dem Ruf der Marke angemessen.

In der Pipeline ist ein elektrischer Zweisitzer, der je nach Ausstattung als reines Funmobil oder als grüner Stadtwagen zu haben sein wird. Natürlich kümmert man sich im Werk um die Saab Historie. Man ist der Geschichte verpflichtet! Besitzer klassischer Saabs können Restaurierungen nach Werksstandard bestellen, die letzten konventionellen Produkte aus Trollhättan, der Saab 9-5 NG und der 9-4x werden mit Updates weiter gepflegt und den individuellen Kundenwünschen angepasst.

Das Saab Werk steht offen für Fremdfertigung, Entwicklung und Prototypenbau. Auftragsarbeiten für andere Hersteller sind ein weiteres Standbein der Marke.” Hoppla…

Und schon verschwimmen Fiktion und Wirklichkeit. Den Elektro Supersportwagen Aero X werden wir nie sehen. Wir können aber im Museum eine Träne vergießen,  wenn wir ihn sehen. Auch ein elektrisches Funmobil mit dem Saab Logo erscheint weit weg. Warum eigentlich? Quer denken, andere Wege gehen als die Masse, das hätte doch gut gepasst.

Besondere Lösungen suchen…kreativ sein. Seit 2012 haben wir davon nichts mehr gesehen. Nur NEVS Industrial Services wurde Realität, dort scheint die Auftragslage stimmig…auch wenn alles andere fehlt. Verpasste Möglichkeiten ohne Ende. Schade !

Und nun? Vielleicht liest ein Ingenieur in Schweden mit, findet die Blaupause interessant, übersetzt sie auf Saab Verhältnisse. Noch innovativer, schwedischer, verrückter. Spannend wäre das schon.

21 Gedanken zu „Blaupause

  • Oh Mann, leider nur Fiktion. Das wäre es gewesen, NE.. baut den AERO X. Ist aber nicht, mag gar nicht drüber nachdenken!

  • Zu schön um wahr sein.
    Ich bin froh, dass ich zumindest das Modell in 1:43 in einer tollen Verpackung besitze.
    Der Aero ist auch als Modell ein Traum. Beim Besuch im Saabmuseum musste natürlich auch ein Bild vor dem Aero gemacht werden

  • Der SAAB Traumwagen überhaupt! Hätte TESLA alt aussehen lassen. Bis heute frage ich mich warum man nicht Mut zum innovativen Neubeginn hatte. Ist wohl vorbei, da kommt nicht mehr.

  • Es ist weiterhin UNGLAUBLICH, das der SAAB AERO X nie wirklich wahr wurde und wohl vieles in der Tonne gelandet ist… 🙁
    In der Tat, Tesla hätte sicherlich große Augen gemacht! 😉
    Schade.

  • Aero X geht nicht, da hat GM die Rechte und wird sie nicht freigeben.
    Aber elektrische Fahrzeuge will NEVS produzieren. Wenn wir Glück haben,
    dann besitzen sie etwas Saab-Spirit und das Saab-Logo. Wartet noch 3 Jahre ab!

    • Wo die Rechte der einzelnen Studien liegen, ist durch die Eigentümerwechsel der letzten Jahre schwer zu sagen. Auch mit einer Prognose der nächsten 3 Jahre tue ich mir schwer. Da ist vieles möglich, in jeder Hinsicht.

  • Genau Troll4ever, wir müssen uns gedulden. Ich finde den NEVS weg bis jetzt sehr nachhaltig. Wir hatten schon genügend leere, überstürzte Versprechungen in der Vergangenheit bekommen.

  • Aus wessen Feder stammt eigentlich das Design des AeroX
    Auch interessant, dass der Wagen saabuntypisch eine nach hinten geneigte Fensterlinie hat

  • Kann mir durchaus vorstellen das SAAB AB vielleicht die Rechte irgendwann mal an ganz jemand anderes verkauft…..

    • Komisch, diese Idee hatt ich auch schon. NEVS wird SAAB niemals zurück bringen, da fehlt es an Allem. Die komische Verkaufsaktion des 9-3 ist das letzte Auschlachten, mehr ist auch nicht mehr da. Meiner Meinung nach überleben die die nächsten 12 Monate nicht, es fehlt der Plan und der Background zum Erfolg.

      • Es wurde doch bereits mehrfach darüber informiert, dass der NEVS Geschäftsplan in diesem Herbst bekanntgegeben werden soll.

        Derzeit sammelt man noch Geld ein (Verkauf der Rechte am letzten 9-3) und möchte dann vermutlich mit noch zusätzlichen weiteren Geschäftspartnern einen guten Start hinbekommen.

        Wegen eines eigenen Produktportfolios wäre natürlich auch die Wiederaufnahme der Gespräche mit der SAAB AB angezeigt. Vielleicht tut sich ja bereits etwas hinter verschlossenen Türen – bekanntlich posaunt man bei NEVS nicht gleich jede Aktivität im Stile eines VM heraus.

        Ich finde, wir sollten die Ankündigung neuer SAAB-Modelle durchaus mit ins Kalkül ziehen – übrigens deutet auch auf den NEVS-Internetseiten nach wie vor alles auf eine SAAB-Wiederbelebung hin..

        • Blog Autor Michèl hat den direkten und guten Draht zu NEVS, er wird berichten wenn es etwas zum Geschäftsplan gibt. Der Herbst zieht sich kalendarisch bis in den Dezember. Abwarten ist angesagt.

  • Die letzte Nachricht;, zusammenarbeit mit TUBITAK, macht wiederum deutlich das NEVS sich weiter entwickelt als Hersteller und Entwickler von andere Auto’s und damit versucht finanziel zu ueberleben. Gut natuerlich rein geschaeftlich aber wir bekommen niemals mehr Saab zurueck. Pflegen wir unseren Saabs zu gut wie moeglich und zeigen damit was Saab einmal war. Traumen wir nur das was Tom hier schreibt einmal realitaet werden koennte.

    • So wie ich das verstehe, wird am Elektrosaab weiter entwickelt?! Vermutlich langsamer als gedacht, aber schon. Und dass NEVS versucht, ansonsten die Entwickler zu beschäftigen, auch mit Sachen, die sofort Geld reinbringen, ist doch gut.

      Das hat auch Porsche mal so gemacht. Die hatten zu viele Ingenieure für die paar Produkte und haben daher Auftragsarbeiten zur Auslastung der Entwicklung ausgeführt, Beispielsweise für Seat. Das hat weder Porsche noch Seat geschadet.

  • Ich rechne mit nix und beobachte! Wenn was schönes Saabiges dabei rauskommt, cool. Wenn nicht, dann eben nicht.

  • Im Moment sammelt NEVS Kapital, in China, in der Türkei … . In Deutschland sollen demnächst 400 Wasserstofftankstellen gebaut werden. Die Brennstoffzelle erscheint serienreif, die vermehrte Vernetzung der Autos startet. Wer weiß, was bald an der Stelle im Auto zu finden ist, wo heute der “fossile” Motor brummt ? Ich finde die automobile Zukunft spannend, warum sollte NEVS dort nicht mitmischen ? Das technische Potential ist allemal da. Und warum sollte das neue Produkt nicht SAAB heißen ?

  • Tom den Artega hatte ich in einem Saab Forum schon mal zum Beginn der IAA vorgestellt und das der rein elektrisch, zu einem Porschejäger werden wird. Ob 911 oder den neuen auch rein elektrisch fahrenden Porsche….

  • Ein Aero X, ich weiss nicht. Wieviele hätten von dem im Jahr abgesetzt werden können? 1000, 2000 Stück? von dem kann keiner leben. Was Saab gefehlt hat oder eben fehlt ist eine Weiterentwicklung vom 93x. Wenn ich sehe wie diese Tiguans, Kugas und Konsorte verkauft werden. Oder auch der XC60 von Volvo. Da hat Saab leider den Zug total verpasst. Einen mittleren SUV von Saab und ich würde ihn sofort kaufen!

    • Ein mittleres SUV von Saab gab es (fast) schon… Auf Basis der 9-3, sehr weit entwickelt, und auf Anweisung von GM wurden die Prototypen verschrottet. War nach meinen Informationen um das Jahr 2005 herum. Saab hätte zum richtigen Zeitpunkt das richtige Auto im Angebot gehabt.

  • Im vergleich zum Aero X ist der Artega eine verfaltete Kitschkiste.

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