Mein Weg zu Saab

Saab Lesergeschichte.

Im Alter von etwa 7 Jahren durfte ich meinem Nachbarn bei der Reparatur seines Autos helfen. Im Sommer 1983 gab es für mich nichts Spannenderes! Nach Erledigung meiner Hausaufgaben rannte ich zu seiner Garage und durfte mit Schmirgelpapier die Radkappen, die Felgen und einen Kotflügel bearbeiten.

Saab 9-3 von Marc-Michael
Saab 9-3

Er hatte eine Käuferin für sein Auto, die allerdings einige Bedingungen an den Kauf geknüpft hatte. Sie wollte u.a. neben Felgen in Wagenfarbe auch die Beseitigung eines Unfallschadens und der ein oder anderen Roststelle. Ich kann mich heute noch daran erinnern, wie ich mich wunderte, dass ein Auto, das mindestens 10 Jahre älter war als der Opel meiner Eltern, so viel weniger Rost hatte.

Selbst der Chromelenker meines Fahrrades (ein grünes Klapprad von Kettler) hatte mehr Rost. Auch war es sehr viel schwieriger den Lack vom Blech zu schmirgeln als versehentlich mit dem Bremshebel meines Fahrrades eine Schramme im Lack des Autos meiner Eltern zu verursachen. Nach ca. 2 Wochen täglicher Arbeit hatte ich den Wagen richtig lieb gewonnen und war traurig als der Tag der Fahrzeugübergabe kam. Als Erinnerung machte er damals Bilder von mir vor seinem Auto, die er mir damals schenkte. Es war ein grüner SAAB 96 Bj. 1970.

Etwa 8 Jahre später saß ich mit Klassenkameraden während einer Freistunde (verbotenerweise) auf der Fensterbank unseres Klassenzimmers im zweiten Stock. Wir konnten von unserem Fenster die Straße sehen. Direkt unter uns lag ein Zebrastreifen. An diesem Tag, es war heiß und die Sommerferien standen bereits vor der Tür, hörten wir auf der Straße den damals aktuellen Sommerhit von Roxette “Joyride”. Der Song wurde allmählich lauter bis wir sahen woher er kam.

Vor dem Zebrastreifen hielt ein schwarzes Cabriolet mit schwarzen Ledersitzen und auffälligen, außergewöhnlichen Alufelgen. Der Fahrer wirkte sehr entspannt und schien seine Fahrt zu genießen. Es war ein SAAB 900 Turbo Cabrio – vermutlich Bj. 1991. Ab diesem Moment stand für mich fest: Mein erstes Auto würde ein Cabrio sein! Nach meiner Ausbildung war es soweit. Ich fand ein VW Golf Cabriolet Bj. 1990. Es war schwarz und hatte schwarze Kunstledersitze. Den Kauf meines Erdbeerkörbchens hatte ich während den 12 Jahren, in denen ich es beinahe täglich fuhr, nie bereut. Meine Freundin teilte meine Begeisterung für dieses Auto nicht im gleichen Maße. Die Sitze waren im Sommer zu heiß, es gab keine Klimaanlage, Airbags waren nicht vorhanden, die Türen zu dünn, der Kofferraum zu klein, der Fahrtwind zu laut (und machte Gespräche ab 100 km/h unmöglich) und zuletzt fehlte noch ein Spiegel in der Sonnenblende auf der Beifahrerseite 😉. Eines machte sie mir unmissverständlich klar: Sollte ich an Nachwuchs denken, müsse der Wagen weg. Somit war also das Lastenheft geschrieben und ein Kombi die logische Konsequenz.

Doch waren die Kombis zu diesem Zeitpunkt wenig überzeugend. Ein VW Passat war zwar sehr geräumig, hatte aber einen uninspirierten Innenraum. Diese Eigenschaft teilte er sich leider mit dem Ford Mondeo, dessen Heckleuchten mir zwar gefielen, da aber das Fahrerlebnis im Innenraum stattfindet, er dennoch nicht in Frage kam. Ein Mercedes war trotz Premiumanspruch zu rostanfällig. Der Opel roch im Innenraum unangenehm nach Kunststoff und der BMW war im Unterhalt schlichtweg zu teuer. Was blieb waren französische, italienische oder japanische Fahrzeuge – und diese kamen für mich nicht in Frage: Zu reparaturanfällig, zu divenhaft, zu verspielt.

Wie es der Zufall wollte, riss eines Morgens im Januar 2013 aufgrund der extremen Kälte der Keilriemen meines Golfs. Ich musste dringend zur Arbeit. Als der Vater meiner Freundin meine missliche Lage erkannte, gab er mir ohne zu zögern die Wagenschlüssel seines SAAB 9-5 Kombis. Sein Auto sprang souverän an und ließ mich durch den tiefen Schnee dank seines Forderachsenantriebs sicher in den Straßenverkehr einfädeln. Die Ledersitze waren bequem. Der Innenraum unmittelbar nach dem Start wohlig warm. Ich hörte auf meiner Fahrt zur Arbeit Radio. Die Klangqualität war sehr angenehm. An der Ampel fiel mir die clevere Mechanik des Getränkehalters ins Auge. Wie wäre es einen zweiten SAAB in der Familie zu haben? Am Abend begab ich mich im Internet auf Recherche.

2 Monate später stand ein SAAB 9-3 1.8T Vector SportCombi Bj. 2005 vor der Tür. Und was soll ich sagen: Auch der Nachwuchs ließ nicht lange auf sich warten!

Saab Lesertasse 2015
Saab Lesertasse 2015

Danke für die Saab Geschichte! Habt auch Ihr etwas zum Thema Saab zu erzählen?

Die Geschichte einer unvergesslichen Urlaubsreise, der erste Kontakt mit der Marke aus Trollhättan oder einfach warum Saab zum automobilen Leben dazu gehört. Was immer es ist, schreibt uns. Wir belohnen jede Veröffentlichung auf dem Blog mit einer exklusiven Saab Lesertasse!

3 thoughts on “Mein Weg zu Saab

  • Das liest sich wunderbar, vor allem die Stelle mit dem Roxette-Hit dazu – die Art der Schreibe ist sehr gelungen. Leider endet die Geschichte so abrupt – wurde gekürzt, kommt da noch ein zweiter Teil?

    Das Designelement ‘Hockeyschläger’ hast Du im Feldwegbild, das den SportCombi schräg hinten von der Beifahrerseite zeigt, perfekt eingefangen… der Übergang in den weiterführenden Weg, genau das gefällt mir. Ich find’ das Foto richtig gut gelungen. Bitte mehr davon, wenn noch mehr da ist. 🙂

  • Schöne Geschichte. Besonders der Anfang mit dem 96. So könnte auch ein ganzes Buch anfangen.

    Ich wünschte, der Lack meiner 9-5 SC Chrombrille hätte auch die beschriebenen Qualitäten. Leider kann man die Deckschichten aber quasi abrubbeln. Eine einzig kleine Unachtsamkeit und schon wird die graue Grundierung sichtbar …

    Dafür war die Lackierung vermutlich umweltfreundlicher als im letzten Jahrhundert?
    Ein grundsätzliches Phänomen jüngerer Autos?

  • Wunderbar! Sehr angenehm mit dieser SAAB-Geschichte den Tag zu beginnen! 🙂 🙂

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