Genfer Autosalon 2015

Mark und ich haben in diesem Jahr mit einer Tradition gebrochen und sind nicht nach Genf gereist. Warum? Vielleicht,  weil das Herz immer noch Saab schlägt und weil die Hoffnung auf eine Wiederauferstehung der Marke geringer denn je ist. Das schmerzt, vor allem vor dem Hintergrund, dass Andere ein Comeback feiern.

Genf 2015 - wir haben verzichtet.
Genf 2015 – wir haben verzichtet.

Trotzdem halten wir an alter Gewohnheit fest und verlieren ein paar Worte über das, was in Genf passierte. Vor allem dann, wenn wir einen Saab Link entdeckt haben.

Elektroautos?

Da war mal was…Der Elektroauto-Boom sollte endlich beginnen,  und auf den vergangenen Autosalons war der angebliche Trend ein großes Thema. Tesla zeigte in diesem Jahr die P85D Version des Modell S…keine Neuheit an sich, der Presse bereits bekannt, und lediglich die Allradversion der bekannten Limousine.

Irgendwie ist das Thema EV schon wieder durch – oder noch gar nicht da. Wenn es um Elektromobilität geht, dann war der Audi R8 e-Tron ein Thema. Der geht in Serie, mit zum Tesla vergleichbaren Daten. Und weil das so schön ist, stand der Q7 e-Tron ebenfalls in Genf.  Trotz allem –  das alles zieht momentan nicht. Vielleicht auch, weil kein Elektroauto-Boom für die breite Masse sichtbar ist.

Die ungeteilte Aufmerksamkeit der Journalisten galt auf jedem Fall einer anderen Story. Weil eben die schreibende Zunft immer auf der Suche nach einer guten Geschichte ist.

Borgward

Hmm, das Borgward Comeback. Den dazu gehörigen Artikel auf dem Blog haben rund 1.000 Besucher gelesen. Das ist nicht viel, ein Saab Artikel wird öfter aufgerufen. Auf der anderen Seite ist es für eine Marke,  die 50 Jahre Pause gemacht hat, ein gutes Ergebnis. Viele Fragen sind rund um das Thema offen, und es gibt zwei Beiträge für weitere Informationen.

Dem Manager Magazin gab Karlheinz Knöss ein umfangreiches Interview. “Die Welt” beschäftigt sich ebenfalls mit dem Thema und stellt einige berechtigte Fragen in den Raum.

Während der Pressetage hat Borgward an der Erwartungsschraube gedreht und auch medial mächtig Dampf gemacht. Man kann sagen, der Moment der Aufmerksamkeit wurde perfekt genutzt.

Prominenz wie Sir Stirling Moss (übrigens der Schwager von Erik Carlsson), bekannte Auto-Journalisten, Vertreter der Fan Base und ehemalige Sportstars besuchten den Stand. Die Presseabteilung twitterte das umgehend in die Welt hinaus. Borgward Designdirektor Einar Hareide wurde beim Zeichnen einer Skizze fotografiert. Mit der Frage “zeichnet er einen neuen Borgward….” wurde das ebenfalls an die Follower verbreitet. Nett.

Pressearbeit von Profis. Karlheinz Knöss war bereits bei Saab Deutschland Direktor Öffentlichkeitsarbeit, er versteht eben sein Handwerk. Was andere nicht mit soviel Hingabe tun. Das am Ende des Artikels.

Während Borgward zum Flug ansetzt,  ist ein früherer Hoffnungsträger nicht so ganz sanft gelandet.

Qoros

Tolle Ergebnisse im NCAP Crashtest, große Pläne. Nach vielen Vorschußlorbeeren testet Qoros jetzt die rauhe Wirklichkeit. Die Verkaufszahlen entwickeln sich enttäuschend, die Expansionspläne für Westeuropa liegen auf Eis. Die Eroberung der Welt läuft jetzt etwas langsamer. Zunächst steht der mittlere Osten und Osteuropa auf der Liste, die Hausaufgaben in China müssen auch noch erledigt werden.

Qoros City SUV Foto: Auto-Medienportal.Net/Manfred Zimmermann
Qoros City SUV
Foto:
Auto-Medienportal.Net/Manfred Zimmermann

Das in Genf gezeigte City SUV ist in China bereits auf dem Markt, und in der DNA steckt eine Menge Trollhättan. LeanNova und Semcon waren an der Entwicklung beteiligt, rund 25 ehemalige Saab und Volvo Mitarbeiter arbeiten in Shanghai für die Chinesen.

Ssangyong & Lotus

Sonst noch irgendwelche Saab Links entdeckt?  Zwei Dinge noch. Lotus arbeitet am Comeback. Hat kräftig Personal ab- und Produktionszahlen aufgebaut. Der Mann, der die Trendwende bringt,  ist Jean-Marc Gales. Er war für kurze Zeit in Rüsselsheim Executive Director Saab und Opel.

Leichtbau ist das Credo, trotz fast luxuriöser Ausstattung beim Evora 400. Und trotzdem der Schock: ein SUV kann sich der neue Chef auch vorstellen. Lotus und ein SUV. Wahnsinn !

Noch eine letzte Sache ! Mahindra wird als möglicher Partner für NEVS gehandelt und Tochter Ssangyong präsentierte in Genf den Tivoli. Ein kleines SUV, die erste komplette Neuentwicklung seit dem Einstieg der Inder.

Ssangyong Tivoli. Bild: Ssangyong
Ssangyong Tivoli. Bild: Ssangyong

Während Newcomer Borgward eine tolle Performance bei der Öffentlichkeitsarbeit zeigte, ist bei Ssangyong weniger Leidenschaft zu entdecken. Pressefotos vom Auftritt in Genf gab es am gestrigen Abend weder beim Medienportal der Autopresse, noch im Newsroom von Sssangyong Deutschland.

Auf der Facebookseite findet sich dann, nach Suche im Web, doch irgendwas in diese Richtung. Immerhin. Medienarbeit kann man mit Leidenschaft machen. Oder auch nicht.

14 thoughts on “Genfer Autosalon 2015

  • Borgward ist nur eine Hülle, alle Verhandlungen führt Foton. Da Foton eng mit Daimler arbeitet, könnte es auch eine “Billigmarke” im Daimlerkonzern werden, das würde auch erklären, dass Foton für Borgward gerade in Stuttgart das ehemalige IBM-Hauptquartier von der Stadt übernehmen möchte. Bei den hohen Kosten in der Region ist der Standort sonst eigentlich nicht nachvollziehbar. Bei Smart macht es Daimler ja genauso. Hauptquartier in Böblingen, in Sichtweite von Werk Sindelfingen und die Produktion da wo es billig ist.
    Interessant auch, dass Daimler massiv mit freien Herstellern verhandelt, auch in Nordeuropa.
    Vielleicht ist das ja der Plan-B von NEVS? Montage von billigen Fotonteilen aus denen dann Borgward wird.

    Ansonsten gibt es im Augenblick keinen Hersteller der Kapazitäten einkauft.

  • Der nächste Schritt für NEVS ist erst mal die Verlängerung der Rekonstruktion – die noch nicht bewilligt ist. Eine Entscheidung wird für diese Woche noch erwartet.

  • Mahindra wird immer wieder kolportiert – allerdings kein einziger europäischer Atomobilkonzern.

    Man kann sich mit dem Gedanken an den indischen Großkonzern anfreunden oder eben nicht. Bei Jaguar, unter indischer Ägide, klappt es doch ganz gut. Warum sollte Technik, Design und Qualität (einschließlich der Spaltmaße selbstverständlich) schlechter als bei Jaguar sein – diese Kriterien würden auch bei SAAB unter indischen Investoren weiterhin den erreichten Standard haben. Sonst würde das ganze ja auch keinen Sinn ergeben – Inder oder auch Chinesen haben zwischenzeitlich mit Sicherheit verstanden, wie hochwertige Autos für den globalen Markt herzustellen sind.

    Ich für meinen Teil bin mal auf die Ergebnisse gespannt, die NEVS in den nächsten Wochen publizieren wird – ich tippe weiterhin auf den Einstieg von Mahindra.

  • Qoros gehört nicht Mahindra, vermutlich meinst Du Ssangyong. Skeptisch bin ich auch, auf Mahindra setze ich nich mehr.

  • Ich hoffe jedenfalls, dass die Saab AB ihren Namen nie wieder für Experimente hergibt. In meinen Augen wäre M. ein solches.

  • Immer mehr gewinne ich den Eindruck, dass es für uns Saabfans eigentlich nur zwei Perspektiven in Trollhättan geben sollte: a) besiegeltes Ende von Saab oder b) Übernahme durch einen fähigen, (europäischen) Großkonzern der den Markt versteht.
    Alles andere ist doch Wunschdenken und zu viel Optimiusmus – der in der Vergangenheit immer geschadet hat. Siehe Spyker und jetzt NEVS.
    Mahindra sehe ich da übrigens auch nicht – in der Position unsere Saabbedürfnisse zu befriedigen. Man hat ja schon genug Probleme mit Qoros. Das Gesamtpaket eines Saabs muss stimmen – das dürfen wir nicht vergessen. Und nach diesem Gesichtspunkt sollte auch ein neuer Eigner gesucht werden und NICHT nach dem Kriterium, dass es sonst keine Zukunft mehr gibt.
    Für Mahindra wäre das natürlich ein großer Streich – aber was wäre das denn für uns? Ich weiß nicht, ob ich mich mit einem Fahrzeug von Mahindra identifizieren könnte – wir Europäer haben ja dann doch noch irgendwie ein anderes Automobilverständnis: Spaltmaße, Qualität, Design, Innovativität, Markenführung.
    Und das alles extern einzukaufen – dafür ist Mahindra dann glaub ich doch zu klein. Ich bin skeptisch: Lieber oben erwähnte Variante a) als Mahindra. Just my 2 cents.

  • Danke für das Feedback und den Kommentar zu Qoros. Das erklärt dann schon manches. Mit Borgward wird die Nagelprobe recht bald kommen. Der Fahrplan steht: IAA, erstes Serienmodell, nicht lange nach der Präsentation in Kundenhand. Ist schon ambitioniert 😉

  • Hallo Tom, liebe Saab Lovers, Ich war 2 Tage in Genf und konnte eigene Eindücke sammeln. Zu Deinen Aussagen bezüglich Borgward, ja es ist richtig es wurde viel TamTam gemacht,wir werden sehen, wieviel Wahrheitsgehalt daran ist, ich bin skeptisch. Zu Qoros, es wundert kaum, dass die nicht richtig aus den Löchern kommen, bei dieser Verarbeitungsqualutät! Bei Lotus bin ich überzeugt wird es Neuheiten geben. Simon Wood Chiefengeneer ist nach Abstechern bei Lamborghini und Bugatti wieder zurück. Als ehemaliger GM’ler erfährt man so einiges

  • Ist mal ein anderes Thema als die frustrierende NEVS Sache. Kann und mag ich nicht mehr hören. Passt gut für den Blog, so als zwischendurch zu SAAB 😉 Sind schon ganz mutig die Borgwardianer…

  • Schon bald nach der IAA sollen die ersten Autos geliefert werden. Das wäre ja der Wahnsinn 🙂 Tom bitte & unbedingt dran bleiben, das ist spannend!!!

  • Ich bewundere den Mut der Investoren für den Neuanfang dieser Nostalgiemarke Borgward. Wird interssant sein, ob dieses Produkt am Automarkt bestehen kann. Da gehört eine ganze Menge Zuversicht dazu.

  • Hallo Tom,
    danke für den tollen Bericht vom Genfer Salon; die Berichte über die Auferstehung von Borgward in den div.Zeitungen sind interessant und eigentlich wieder typisch.Schön für Borgward, mal sehen was daraus wird.

  • Ich kenne Borgward noch von meine Jugend aber kenne Saab noch besser weil, trotz alle Schwierigkeiten der letzten Jahren, es noch immer viele Fans gibt die wollen das Saab wiederkehrt.
    Aber ob das so einfach ist fuer Borward die schon 50 Jahren vom Markt sind?
    Ich betrachte mit einiger Skepsis diese Ruekkehr. Aber Mut ist da und das ist vieleicht das wichtigste?

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