Saab, ein Unding, ein Fahrzeug, eine Philosophie.

Eine ganz besondere Saab Geschichte kommt aus der Schweiz. Patrick berichtet über unglaubliche 44 Jahre mit Saab!

Saab 900er Familie, die „Blauen“ vereint.
Saab 900er Familie, die „Blauen“ vereint.

Saab: Faszination ohne Verfalldatum- 44 Jahre Saab Erfahrung – 20 Modelle – über 1.8 Mio. gefahrene Kilometer

Mein erster Kontakt mit Saab

Frühling 1977, unterwegs mit meinem ersten Saab 96 Hinreise mit 2 Freunden nach Nizza, Monaco Rückreise mit 4 Freunden und einer defekten Vespa auf dem Dach zurück in die Schweiz.
Frühling 1977, unterwegs mit meinem ersten Saab 96 Hinreise mit 2 Freunden nach Nizza, Monaco
Rückreise mit 4 Freunden und einer defekten Vespa auf dem Dach zurück in die Schweiz.

Als ich zehn Jahre alt war, hatte ein Freund meines Vaters für den Transport seiner sieben köpfigen Familie im Jahre 1963 einen Saab 95 angeschafft, Platz für sage und schreibe alle Familienmitglieder, für die kleinsten auf der Notbank im Laderaum, Blick nach hinten. Fast unglaublich, so viel Platz in einem solch kleinen Wagen! Die Vordertüren für den Einstieg waren bei diesem Modell noch an der B-Säule angeschlagen – die Form dieses 95er eher gewöhnungsbedürftig, aber umso faszinierender.

Im Jahre 1971, meine Geschwister und ich waren bereits im Besitze des Führerscheins, musste das Auto in unserer Familie ersetzt werden. Solide und vor allem sicher sollte es sein, da wir vier Jugendliche den Wagen für unsere Ausfahrten benützen durften.

Schon damals machte ich mich stark für den neuen Saab 99, der diesen Kriterien entsprach. Und da sich der Saab 95 nach wie vor bei unserer befreundeten Grossfamilie bewährte, stand der Marke Saab nichts mehr im Wege. Man entschied sich für einen dunkelgrünen 99er mit 1.85 Triumphmotor und 4 Türen, eine Wahl, die in unserem Umfeld Achselzucken auslöste. Denn fast niemand kannte diese Marke, geschweige denn deren Qualitäten. Genau diese wurden schon im kommenden Winter in den Bergen bei einem Selbstunfall auf Glatteis auf die Probe gestellt. Der Saab überschlug sich, ich jedoch konnte dem lädierten Fahrzeug unverletzt entsteigen. Der Ersatz: ein Saab 99 Jahrgang 1972, serienmässig ausgestattet mit Neuheiten wie Aufprallschutzstossstangen und Seitentürholmen. Die geheizten Sitze bedeuteten zusätzlichen Luxus.

Vier Jahre später zeigte sich der Saab wiederum von der besten Seite: mit 100 km/h rammte ich beim Ausweichmanöver wegen eines Tieres einen Kandelaber. Leider wieder Totalschaden, doch ich blieb äusserlich unverletzt.

Meine eigenen ersten Saab Autos

Längst war ich von der Marke Saab überzeugt und kaufte mir anfangs 1976 mein erstes Fahrzeug, einen Saab 96, Jahrgang 68 für CHF 1’000.- frisch ab MFK – leider jedoch mit viel Rost. Diesen 96er hatte ich in der darauf folgenden Zeit in unzähligen Arbeitsstunden restauriert. Die nächsten drei Jahre begleitete mich dieses Fahrzeug im In- und Ausland.

Im Jahre 1978 tauschte ich es gegen eine jüngere Variante, einen Saab 96 Jahrgang 1974 für CHF 3’500.- ein. Den Vorgänger konnte ich mit CHF 2’500.- an Zahlung geben.

Nach weiteren 2 Jahren erfolgte ein weiterer Meilenstein in meiner Saab Geschichte: Ich erwarb den ersten Saab 99 Turbo, ein Vorserienfahrzeug auf EMS Basis, ein Coupés in Bordeauxrot. Bei diesem Fahrzeugwechsel stellte ich fest, wie wertbeständig die Saab Fahrzeuge waren, musste ich doch nur einen geringen Aufpreis für den 99er in Kauf nehmen. Eine zusätzliche Wassereinspritzung, angereichert mit Brennsprit, entlockte dem Fahrzeug 170 PS, mit entsprechendem Turboschub – für diese Zeit ein Wolf im Schafspelz.

Mit diesem Saab lernte ich auch einen begeisterten Saab-Garagisten kennen – Marco Lüthi. Bei ihm durfte ich bei Reparaturen selbst Hand anlegen, denn nur so konnte ich mir als Student einen Saab leisten.

Im Jahre 1985 bot er mir einen Saab 900 Turbo mit schwarzer Lackierung und cognacfarbener Lederpolsterung an, ein 16 Ventiler mit 175 PS – wow! Schliesslich hatte ja mein 99 bereits über 250‘000 km auf dem Tacho und wies diverse Macken auf.

Kurz darauf wurde der Saab 9000 lanciert, mit mehr Platz und Raum, gerade richtig für mich, war ich doch inzwischen Familienvater geworden. Dieses Modell durfte ich in 6 verschiedenen Ausführungen innerhalb von zehn Jahren fahren und geniessen. Zuletzt einen 9000 CS Aero mit den hochwertigen Schalensitzen, den Micky Maus Ohren und getunten 250 PS von Hirsch-Performance.

Selbst aktiv für die Marke Saab

Meine Identifikation mit Saab wuchs insbesondere durch mein langjähriges Mandat für den Schweizer Saab Importeur.

Im Jahre 1990 erfuhr ich von meinem Freund und Garagier Marco Lüthi, dass der Saab Importeur, damals die Scancars AG unter der Geschäftsführung von Lars Eriksson und Jens Becker, eine Marketing / Kommunikationsagentur suchte zwecks besserer Kundenbetreuung. Nach einem Auswahlverfahren erhielt meine Agentur am 10. Dezember 1990 zu meiner Freude die Zusage. Somit konnte mein ganzes Saab-Wissen und meine Saab-Begeisterung in dieses Mandat einfliessen. Es beinhaltete die Händlerbetreuung in der Schweiz, Aufbau der CRM Datenbank inkl. Programmierung, die Erstellung von Einladungen für Kundenevents wie Winterdriving am nördlichen Polarkreis in Schweden, Pferderennen in Dielsdorf, Skiwoche im Berneroberland usw. Auch Presseevents im Werk in Trollhättan und Testfahrten gehörten dazu. In den hohen Norden flogen wir selbstverständlich mit einem Saab 340, slow, aber very Saab.

Eine weitere Aufgabe bestand in der Betreuung des Griffin Circle, einem Privatclub innerhalb der Saab Gemeinschaft, welcher regelmässig mit einem Kundenmagazin bedient wurden.
All diese Aktivitäten trugen massgeblich zum bekannten „Saab Spirit“ bei.

Mehr als ein Jahrzehnt durfte ich mit Christoph Bleile, dem damaligen Pressechef von Saab, zusammenarbeiten – eine glückliche Saab Zeit. Daraus resultierte auch der Kauf eines besonders schönen blauen Saab 900 Cabriolet für meine Frau im Jahr 1992, welches ihr mit knapp 300‘000 km noch immer grosse Freude bereitet und von welchem sie sagt, „das gebe ich nicht mehr her“.
Ende einer guten Aera

Auf Grund von Restriktionen durch GM musste Saab im Jahre 2002 den Gürtel immer enger schnallen. Etliche Marketingaktivitäten wurden gestrichen. Die externen Marketingaufgaben wurden kleiner. Das individualistische Gedankengut musste zusehends wirtschaftlichen Kriterien weichen.

Trotz allem begleitete mich Saab weiterhin. Im Zuge der Lancierung des ersten Saab 9-5 im Jahre 1997 erhielt ich meinen ersten Saab 9-5 LPT. Den Aero gab es noch nicht. Doch bereits im Jahre 1998 wechselte ich zum lange ersehnten Saab 9-5 Aero Kombi Hirsch-Performance. Die letzte Anschaffung dieser Modellreihe war ein Troll R mit 300 PS, Jahrgang 2004.

Der wirtschaftliche Einbruch im Jahre 2008/09 hinterliess seine Spuren mancherorts, so auch in der Autoindustrie. Meine Agentur war insofern betroffen, weil Dienstleistungen wie Marketing und Kommunikation bekannter weise zuerst dem Sparstift zum Opfer fallen. Auch ich musste sparen und so trennte ich mich Ende 2008 von meinem Saab 9-5 Troll R Kombi.

Doch nicht ohne Saab

Glücklicherweise stand in meiner Garage ja noch ein schon fast nostalgischer Saab 900 Turbo Coupé Jahrgang 93 in blau mit 160‘000 km; es sollte das Fahrzeug für meine Kinder werden. Dieses begleitete mich im Alltag von 2008 bis 2014 und über 260‘000 km.

Verbunden mit diesem Saab lernte ich 2 weitere hochqualifizierte Garagisten kennen.

Erwähnen möchte ich in diesem Zusammenhang Matthias Krauer in Saland bei Bauma, welcher unsere 900er bestens pflegt und wartet. Denn ohne Pflege und Liebe zum Detail geht es nicht.
Und wenn Ersatzteile fehlen, greift Matthias Krauer beherzt in seinen Fundus. Er selbst rüstet auch Fahrzeuge der Saab Baureihen 900 I + II, 9-3 I+II, 9000 und 9-5 I auf. Seine Begeisterung und sein Saab Know-how tragen das ihrige dazu bei.

Johann Heuschmid aus Deutschland mit seiner Crew in Obergünzburg, ehemals in Benningen, habe ich immer dann zu Rate gezogen, wenn ich in der Schweiz nicht mehr weiter kam. Er gilt als Koryphäe in der Instand Stellung von alten Saab Fahrzeugen.
So hatte er das Cabriolet meiner Frau vor 3 Jahren mit einem neuen Dach inkl. neuer Heckscheibe versehen, sowie den Motor und das Getriebe revidiert. Das Fahrzeug ist noch heute von bester Qualität.
Und selbst der Unfall vor einem Jahr konnte meinen Saab 900 Coupé dank Heuschmid nicht in die Knie zwingen. Das Fahrzeug wurde von ihm tadellos repariert dank seines grossen Fachwissens, seiner Erfahrung und nicht zuletzt dank seines riesigen Ersatzteillagers. Er scheut sich auch nicht davor ein fehlendes Teil selbst anzufertigen oder es irgendwo aufzutreiben – seine Beziehungen reichen bis nach Schweden.

Das Saab Fieber hält an

Das Saab Fieber liess und lässt mich nicht los, insbesondere die alten 900er haben es mir nach wie vor angetan. Im Jahre 2011 fand ich in der Schweiz eines der letzten Saab 900 Turbo S Cabriolet Aero Jahrgang 1993 in schwarz mit beiger Lederpolsterung und 138‘000 km sowie einer Topausrüstung mit 175 PS (der Saab mit dem roten Steuerungskasten). Da mein Alltagsauto meine Tochter übernahm und mein Cabriolet für spezielle Fahrten bestimmt ist, habe ich mir vor kurzer Zeit einen Saab 9-5 NG V6 Aero mit 330 PS erstanden. Ein Auto mit etwas weniger Saab Spirit zwar, aber eben ein Saab: hochwertig, sicher und äusserst bequem.

Weshalb diese Geschichte

Die vielen Artikel bei Saabblog.net haben mich bewogen auch meine Saab Geschichte niederzuschreiben und damit aufzuzeigen, dass die Saab Faszination weiterlebt. Hoffen wir sehr, dass sich in Trollhättan nochmals etwas bewegt und zwar in die richtige Richtung.

6 Gedanken zu „Saab, ein Unding, ein Fahrzeug, eine Philosophie.

  • Tolle saabische Leidenschaft!
    LG
    Max

  • Eine grandiose Geschichte! Mit Höhen ud Tiefen, wie das Leben so spielt. Und hinterher kommt der Mensch (meistens) gestärkt wieder zum Vorschein. In diesem Falle wurde die SAAB-Infektion immer stärker 🙂 ! DANKE für Deinen Bericht!

  • Besten Dank für diese schöne Geschichte und den Beitrag. Kürzlich fuhr ich im Tösstal an der ehemaligen SAAB-Garage im Saland vorbei. Alle alten SAAB-Fahrzeuge sind aber nicht mehr dort. Schade.
    Wünsche Dir viel Freude mit dem SAAB Flagschiff.
    Viele Grüsse
    Walter aus der Schweiz

    • Die Garage ist neu an der Frauwisstrasse in Saland, Garage Krauer GmbH. Gruss Patrick

  • Wieder eine dieser wunderbaren Geschichten, wie sie ein VW-, Audi- BMW- oder-sonst-ein-0815-Auto-Besitzer nie in dieser Form erleben und veröffentlichen wird! Danke dafür! Tom,wie wäre es denn mit der Veröffentlichung eines Buches, in dem die ganzen Saab-Stories zusammengefasst werden. Hier auf dem Blog ist doch das notwendige Knw how versammelt!?

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