Saab – eine englische Jugendliebe

Saab lebt, mit oder ohne Neuwagen. Das schreibt Thorsten in seiner persönlichen Saab Geschichte, und ich teile seine Meinung. Jeder Leserartikel ist ein Statement für die Marke aus Trollhättan.

Ein Individualist und sein Auto: Thorsten mit seinem Saab 9-3 Cabriolet
Ein Individualist und sein Auto: Thorsten mit seinem Saab 9-3 Cabriolet

Ich bin heute 34 Jahre alt und fahre ein Saab 9-3 1.8t Cabriolet Baujahr 2005. Bin Mitglied bei den Saab-Freunden Erftkreis. Und habe die letzte Limburg Tour des Saab Club Nederland gewonnen.

Seit 2011 lese ich den SaabBlog. An meinem Carport sind Saab-Embleme festgeschraubt. In meiner Garderobe hängt eine Saab-Jacke, im Küchenschrank stehen Saab-Tassen. Saab fasziniert mich. Ich liebe die Marke, den Spirit, die Autos, das Gefühl. Es ist ein Virus ohne Gegenmittel.

Als meine Saab-Liebe begann, war ich 16 und gerade zum ersten Mal in England. Zum Schüleraustausch mit einer Schule, die es heute gar nicht mehr gibt – aber meinen besten Freund gibt es noch, ihn lernte ich damals als meinen Austauschpartner kennen. Und Saab – Saab habe ich auch dort kennengelernt.

Ich stand schon fertig mit Schuhen und Jacke hinter der Haustür meiner Gastfamilie, als es klopfte. Es war Charlie, meine tägliche Mitfahrgelegenheit in die Partnerschule. Charlie war dort Geographielehrer. Und er fuhr ein Auto, das ich toll fand – auf den ersten Blick. So etwas hatte ich nie zuvor gesehen. Ich stieg ein und fiel auf einen ausgesprochen bequemen Wohlfühlledersitz.

Dieses Auto hatte etwas, das ich damals schon nicht in Worte fassen konnte – heute fällt es mir nicht viel leichter. Nachdem Charlie den Zündschlüssel umgedreht hatte, in einem sonderbar platziertem Zündschloss, lauschte ich dem Motor, dessen Akustik meinen Ohren imponierte. So kultiviert, so kraftvoll, aber gleichzeitig unauffällig und unaufdringlich klang er. „What kind of car is this?“, fragte ich Charlie. Der bärtige Fahrer, ein Individualist, der unsere Erde mit allem Drum und Dran liebte, antwortete ohne zu zögern: „Oh, that‘s an old Saab!“ Punkt. Ende. Keine Details, damit war alles gesagt. Und ich hatte es gar nicht verstanden und fragte nochmals. „It‘s a Saab brand car, an old one, but it‘s in good shape“, erklärte Charlie bereitwillig.

Fährt seit 70.000 km mit Autogas: das Saab 9-3 Cabriolet von Thorsten
Fährt seit 70.000 km mit Autogas: das Saab 9-3 Cabriolet von Thorsten

Aha, dachte ich und fühlte mich, als würde ich in einem Exoten sitzen, ohne zu wissen, dass das tatsächlich der Fall war. Ich war während der gesamten Fahrt ein sehr aufmerksamer Beifahrer, der sich – in England natürlich links sitzend – mit 16 Jahren wie ein Fahrer fühlte, dem lediglich das Lenkrad fehlte. Ich bewunderte die Straßenlage, den Motor, den Innenraum, das Ambiente. All das sah so anders aus und fühlte sich so anders an als die Autos meiner Eltern, Verwandten, Nachbarn und Freunde. Und als wir ausstiegen, musste ich erst einmal um das Auto herumgehen, um mir das Markenlogo anzuschauen. „S A A B“ stand dort – das hatte ich noch nie gehört oder gelesen. Seit diesem Schüleraustausch war dieses Wort wie eingebrannt in meinem Kopf. Welches Modell Charlie damals fuhr, weiß ich gar nicht. Hauptsache Saab, das konnte ich zu Hause jedem erzählen: „Ich bin in einem alten Saab gefahren!“ Leider teilte niemand meine Begeisterung. Und doch schlug dort in England eine Jugendliebe ihre Wurzeln, die fortan wachsen und später Früchte tragen sollte.

Viele Jahre später, ich hatte das Abitur und mein Technikjournalismus-Diplom längst in der Tasche, arbeitete ich einige Jahre lang als Redaktionsleiter in einer kleinen TV-Produktionsfirma. Und die produzierte allerhand Fernsehbeiträge und ganze Sendungen ausschließlich zum Thema Automobil. Ich plante TV-Magazine, drehte und schnitt Beiträge, verfasste und übersetzte Texte… kümmerte mich eigentlich um alles. In Redaktionen, die nur aus wenigen Leuten bestehen, ist das so. Das Tolle aber ist: Wenn man über die Automobilbranche schreibt, muss man die Autos ja testen. Sie fahren, begutachten, im Alltag auf die Probe stellen. Und deshalb sind die Hersteller aus purem Eigennutz so großzügig und stellen Medienvertretern auf Anfrage Testfahrzeuge bereit – üblicherweise 14 Tage lang am Stück. In meinen Jahren beim Fernsehen fuhr ich hunderte verschiedene Autos, ständig standen andere vor der Tür.

Am wichtigsten war mir aber die regelmäßige Bereitstellung eines Saabs. Darum kümmerte ich mich stets persönlich. So bestellte ich meistens schon im Januar das 9-3 Cabriolet für die Sommermonate: mal einen Aero, mal einen Vector, mal Automatik, mal Schaltgetriebe, ich hatte sie alle. Und das waren die tollsten automobilen Wochen im Jahr, selbst bei Regen. Meine Begeisterung für Saab war nämlich über die Jahre ungetrübt erhalten geblieben. So war ich es auch, der immer freiwillig zu den Fahrzeugpräsentationen von Saab fuhr, egal, ob diese in Frankfurt, in Göteborg oder Trollhättan stattfanden.

Mir war seit jeher klar: Eines Tages möchte ich ein solches Fahrzeug besitzen, pflegen, fahren und mich täglich darüber freuen. Die Preisklasse passte aber damals noch nicht so ganz zu meinem Geldbeutel. Also sollte es zunächst ein Traum bleiben, der hoffentlich nicht bis zur Rente dauern würde. Somit bestellte ich fleißig weiter meine Testwagen und genoss meine eigenen, persönlichen Saab-Wochen. Mit jedem Test, nach jeden Dreharbeiten war ich überzeugter von der Marke. Und stand damit oft allein da, denn die Kollegen waren von Saab weniger überzeugt und frönten eher diversen Premiumherstellern aus Süddeutschland. Mir aber machte es eine Freude, den schwedischen Hersteller immer wieder ins rechte Licht zu rücken.

Fremdmarken aufgepasst: Nur ein Saab ist dieses Parkplatzes würdig.
Fremdmarken aufgepasst: Nur ein Saab ist dieses Parkplatzes würdig.

Vor wenigen Jahren dann tauschte ich den Beruf des Fernsehmachers gegen den eines Verwaltungsbeamten. 2009, das Jahr der Medienkrise, zudem der Automobilkrise, all das hatte sich nicht mit einem jungen Medienmacher vertragen. Für mich war dort kein Platz mehr. Und so hatten auch die so beliebten Fahrzeugtests ein Ende. Das „Saab-Loch“ klaffte zwei Jahre lang in meinem Lebenslauf.

So lange, bis 2011 mein Kompaktwagen des Rüsselsheimer Autobauers einen kapitalen Getriebeschaden mit einem riesigen Rattenschwanz erlitt. Reparatur unwirtschaftlich, Fahrzeug abstoßen, das war klar. Aber was dann? Ich stand vor der großen Entscheidung: Wieder ein Billigwagen, der sicher seinen Zweck erfüllt, keine Frage, aber der nicht mit Herzblut verbunden gewesen wäre? Oder aber sollte jetzt der Zeitpunkt gekommen sein, nach einem gebrauchten Saab Ausschau zu halten? Ich haderte, wog ab, schlief eine Nacht nach der anderen darüber, zählte mein Geld und überlegte erneut. Am Ende gewann mein Herz, und es wurde ein Saab. Schon nach kurzer Zeit hatte der nächstgelegene Saabhändler einen Gebrauchten zum Verkauf, der genau meinen Vorstellungen entsprach. Einkaufserlebnis inklusive erwarb ich ihn, sechs Jahre alt, gerade einmal 55.000 Kilometer auf der Uhr, Top-Zustand, einwandfrei gepflegt. Und da ich schon vorher so gute Erfahrungen mit LPG gemacht hatte, ließ ich meine neue „Saabine“ gleich auf Autogas umrüsten. Direkt vom Saab-Händler, der sich preislich auf ein akzeptables Niveau handeln ließ. Und der astreine Arbeit machte, alles top. Denn ich war auf eine Koryphäe gestoßen, einen Saab Master Technician, der unsere schwedischen Autos in- und auswendig kennt. Der selber zwei Turbo-Saabs mit LPG-Umrüstung zu Hause hat und weiß, was er tut.

So mündete eine Jugendliebe in England tatsächlich 15 Jahre später in eine überzeugte und zufriedene Saab-Zukunft. Heute freue ich mich jeden Morgen, wenn ich in meinen Saab einsteige: in einen überaus bequemen Ledersitz vorne links, wie 1996 in England, allerdings nun mit Lenkrad vor mir. Ein Fahrzeug, das man nicht fährt, sondern pilotiert. Ein „Exot“, der mehr Gemeinschaft mit sich bringt, als ich mir je hätte träumen lassen. Ich glaube, der Spirit, das Engagement der Saab-Gemeinde ist seit der doppelten Trollhättan-Pleite noch deutlich gewachsen. Und das macht Saab aus. Saab lebt, ob mit oder ohne Neuwagen. Das erlebt man fast täglich hier im SaabBlog, aber auch dort draußen in der aktiven und treuen Saab-Gemeinde. Ich für meinen Teil bin jedenfalls froh, mein Modell mein Eigen zu nennen. Und freue mich auf weitere Clubtreffen, Rallyes, Ausfahrten und die IntSaab in Norwegen im kommenden August.

Ach ja… seit September 2014 lerne ich intensiv Schwedisch. Denn seit vielen Jahren bereise ich mit purer Begeisterung dieses Land. Irgendwie passt alles zusammen.

Jag önskar er en god fortsättning på det nya året – naturligtvis med Saab! 

8 Gedanken zu „Saab – eine englische Jugendliebe

  • Die Sonne scheint und dazu ein toller Artikel am Morgen. So kann der Tag gut starten! Super

  • schöner Bericht, mein SAAB hat auch das SU im Kennzeichen. ich habe früher als Flugzeugmechaniker an der SU22 geschraubt (Sukhoi 22) und diese Verbindung zu den Flugzeiten findet sich im Kennzeichen wieder und es bereitet mir Freude.

  • man darf nicht zu viel überlegen! Einfach zuschlagen 🙂 . Ich habe mein ersten gebrauchten Saab als Student gekauft. Konto war leer… aber mein Glück war/ist vollkommen! Ich musste viele Jobs extra arbeiten um nicht nur mein Studium zu finanzieren… bereue nichts!

  • Was mich jetzt wirklich beeindruck ( und freut, und auch ein Bisschen wundert ), soviele Autos zu Testzwecken und dann an Saab hängen geblieben! Da ist gar nichts falsch daran, versteht mich richtig, aber ich wundere mich schon. Gerade natürlich in D, wo ja nichts über Deutsche Autos geht, finde ich das grossartig! Und ja, verstehen tu ich es natürlich sowieso.

    • Tja, Hans… Saab hatte für mich immer das gewisse Etwas, das mir keine deutsche Marke geben wollte und konnte. Und genau das hält Saab auch jetzt am Leben. Ich finde die Lebendigkeit der Marke trotz langen Werksstillstands wirklich bemerkenswert – kann das auch nicht bis zu Ende schlüssig erklären, weil Saab eben ein Gefühl ist.

  • Eine tolle Geschichte!
    Danke dafür 🙂

  • definitiv schön! 😀

  • Wunderbar! Danke für Deinen Beitrag! So fängt der Sonntag klasse an… :-), und Frühling wird es auch noch….

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