20 Jahre Saab

Saab Fahrer sind sehr loyal, 20 oder mehr Jahre mit einer Marke sind keine Ausnahme. Für Matthias ist Saab eine Lebenseinstellung, er erzählt von den vielen Jahren mit den Traumwagen der kleinen Schwedenmarke.

Saab 2000 trifft Saab 900
Saab 2000 trifft Saab 900

“Vor 1982 sagte mir Saab überhaupt nichts. Weder in der Nachbarschaft noch bei Bekannten oder Verwandten war dies ein Thema.

Im Herbst 1982 hatte ich dann den ersten Kontakt mit dieser Marke. Ich war gerade mal 13, als ich eine Woche als Schnupperlehrling bei unserer Saab Vertretung am Ortsrand von Münsingen begann. Schliesslich ging es darum, was man werden wollte. Elektriker, Schreiner oder Automechaniker. Also Teste wer sich binden wolle.

Das Thema war schnell abgeschlossen und Automechaniker sollte es nach der Schule werden. Sogleich wurde ein Vertrag mit der Saab Vertretung (und British Leyland) geschlossen um in zwei Jahren die 4-jährige Lehre zu beginnen.

Schon 1982 war Saab für mich das unbekannte Wesen. Die englische Konkurrenz imponierte mich damals mehr. V8 Motoren, toller Sound und viel Leder. (Jaguar) Was ist schon so ein popliger Saab mit 4 Zylindern.

Dies änderte sich ab 1985. Ab jetzt hatte ich mehr Kontakt mit den Fahrzeugen. Bald schon erkannte ich die technische und qualitative Überlegenheit der Saab`s. Nicht das die englischen Autos nicht toll waren, aber der Saab war besser. In fast allen Kategorien.

Ich machte meine Lehre in der Zeit, wo Saab 900 Cabriolet, 900 Aero / 16S und 9000 auf den Markt kamen. Was für ein Run auf die 9000er und Cabrios. Wir wussten zeitweise nicht mehr, wo wir die Neuwagen die vom Transporter abgeladen wurden, noch hingestellt werden konnten. Zeitweise haben wir 6-8 Fahrzeuge pro Woche an Kunden abgeliefert.


Es war auch die Zeit, in der ich mich in Saab “verliebte”. Im besonderen der 900 Aero hat es mir sehr angetan. Ein Kunde der gehbehindert war, bestellte sich einen solchen Wagen. Ich durfte mithelfen das Fahrzeug auf ihn umzubauen. Der schwarze 900 Aero hat mich dabei sehr geprägt und wurde zu meinem Traumauto.

Damals.

Im Frühling 1989 standen die Abschlussprüfungen für meine Lehre als Automechaniker bevor. Ein High light. Na ja Prüfungen sind noch heute nicht mein Ding. Aber noch ein anderes Ereignis prägte diesen Frühling. Mein erster Saab. Ein grüner 900 Turbo 8V Jg. 1982. Innen mit grünem Stoff ausgekleidet und Schiebedach. Ich war glücklich. Eigentlich war mein erster ein 99 Turbo, den ich mit einem Kollegen zusammen gekauft und bald wieder verkauft habe, da wir uns nicht einigen konnten, wer in wann fahren sollte.
Jedenfalls der Grüne musste noch überarbeitet werden. Rost an den Radläufen und angeblicher Getriebeschaden der sich dann als gebrochenes Kreuzgelenk der Antriebswelle herausstellte.
Bald war das Auto fit und während ich den Sommer 1989 im Militärdienst verbrachte, wurde der Wagen geprüft und zugelassen.

Man war ich stolz.

Mit diesem Wagen war ich unter anderem auch in England für einige Monate und in Korsika. Ich behielt in bis über 220`000 km (gekauft mit 150`000 km)

Die Ablösung kam drei Jahre später. Mittlerweile arbeitete ich auf dem Flughafen Bern. Ein 900 Turbo 16V Jg. 1986 musste es sein. Fünftürig und da noch ohne Kat mit 175 PS. Dieser Wagen begleitet mich das erste Mal an ein internationales Saab Club Treffen nach Holland 1994. Entsprechend war ich jetzt auch Mitglied im Saab Club Schweiz. Wo ich mich lange Jahre sehr wohl gefühlt, und viele Freund kennen gelernt habe.

Wiederum drei Jahre später hatte ich nun die Möglichkeit, mein Traumwagen zu kaufen. In einer Einstellhalle in Wil SG stand ein weiser 900 Aero Turbo 16V mit Schiebedach. Wow, den musste ich haben. Durfte aber meine Begeisterung dem Käufer nicht zeigen. Schliesslich ging es noch um die Preisverhandlung.

Ich bekam den Wagen. Begeisterung pur, nur musste ich mich noch etwas gedulden. Der Wagen wurde mir eine Woche später vom Verkäufer nach Bern geliefert, da er sowieso nach Bern musste.
Dieser Wagen wurde von mir gepflegt und gehegt. Konnte ich mir doch ein Traum verwirklichen, der in der Lehre sehr weit weg war. Mit dem Wagen war ich in fast ganz Europa unterwegs und natürlich auch an Intern. Saab Treffen. Einmal hat er mich in der Nacht vom Intern. Saab Club Treffen in Dänemark in 12 Stunden zurück nach Hause (südlich von Bern) gebracht. Ich habe es genossen, in der Nacht bei wenig Verkehr den Wagen auf der Deutschen Autobahn einmal ausfahren zu können.

Bald schon wurde der Aero durch ein 900 Cabriolet ergänzt. der Zufall wollte es, dass ein Arbeitskollege jemand kannte, der unbedingt sein Cabrio verkaufen wollte. Zu einem super Preis.
Nach Besichtigung des Fahrzeugs wusste ich auch wieso der Preis so super war. Das Auto war etwas verwahrlost und brauchte unbedingte Pflege. Wenigsten war das Verdeck fast neu. Das Blechkleid musste aber aufgefrischt werden. Rost nur an kleinen Stellen ein Thema.


Das Turbo Cabriolet begeisterte mich aber von Anfang an sehr. Hatte es doch Vollausstattung und sogar einen “Air Flow Kitt” an Board. Silber mit schwarzem Verdeck war eher selten anzutreffen und mit den richtigen Saab Felgen (16”) aufgehübscht, waren wir sogar in der Tschechei (Brünn) am Intern. Saab Treffen und am Nordkap bei der Northern Lights Challenge 1997 dabei.
Jeder sagte damals, “ich spinne doch, mit einem Cabriolet in den Norden zu fahren. Da ist es immer kalt”. Ich bin ausser an 3 Tagen und bei der hin und Rückreise immer offen gefahren. Auch wenn es ausnahmsweise einmal kalt war.

Nachdem ich meine jetzige Frau kennen gelernt hatte, hatten wir schon bald einmal drei Saab 900 (Cabriolet & zwei Aero) vor unserer Wohnung stehen. Meine Frau fuhr zu diesem Zeitpunkt einen 900 Aero in Rot Jg. 1987. Sie liebte Ihren Wagen ebenfalls sehr. Mir wurden die vielen Wagen zeitweise zu viel. Zudem gelüstete es mich etwas neueres zu besorgen. Den 900 Aero, der auch unser Hochzeitsauto war, konnte ich ja jederzeit noch fahren und den Sound geniessen.

Da sah ich ein 900SE Turbo 16V LE (Limited Edition) Coupe. Dieser Wagen gab es so nur in der Schweiz, der ja für Saab in Europa schon von jeher sehr wichtig war. Deshalb gab es hier immer wieder Sondermodelle um die Käufe noch mehr anzukurbeln. Der LE war auf 100 Stück limitiert und es gab 50 Stück in Silber und 50 Stück in Schwarz. Mein auserwählter war die Nummer 70 in Silber.
Der 900II ist eigentlich zu Unrecht verschrien als GM Saab oder Saabopel. Klar, Saab musste Komponenten aus dem GM Regal verwenden, was gerade in der ersten Generation 1994 zu einigen Mängeln führte. Wenn man Saab Fahrer ist. Ein Opel Fahrer hat mir einmal erzählt, der 900II sei um längen besser als sein Vectra. Dies “Mängel” wurden in den folgenden Jahren fast komplett von Saab ausgemerzt.

Natürlich blieb auch mein `95 900SE Turbo nicht von meinen Modifikationen verschont. Wie dies auch schon bei seinen Vorgängern der Fall war, wurde Fahrwerk, Motorleistung, Auspuffanlage und Bremsen von mir überarbeitet.

Weil ich soviel Spass an meinem Coupe hatte, versuchte ich ein paar Jahre später es mit einem 900SE Turbo 16V Cabriolet. Gekauft 2003 ein paar Monate vor der Geburt meines Sohnes musste es unbedingt Kinderwagen tauglich sein. Ein vierrädriger Kinderwagen musste im Kofferraum Platz finden. Auch bei offener Fahrt. Das Passte.

Bald schon wurde auch der Sohn mit dem Feeling des offen Fahrens vertraut gemacht. Dick eingepackt, begleitet er uns bis heute auf einigen Touren mit dem Cabriolet.

Wer meint, dass sich ein Cabriolet von Saab nicht als Alltags- und Ganzjahres Auto eignet, der Irrt. Der Wagen wurde ab 2003 bis 2011 als dieses eingesetzt. Da verschwanden dank dem umklappbaren Rücksitz auch schon mal ganze, lange Möbelpakete im Kofferraum. Zu Erstaunen des Verkäufers. Das Fahrzeug ist noch heute in meinem Besitz. Wird aber nur noch bei guter Witterung oder als Ersatzwagen eingesetzt.

Aktuell wird ein Saab 9-5 Aero Kombi als Alltagsauto verwendet. Ich liebe das Fahrzeug. Ein Top Reisewagen. Leistung, Platz und viel Fahrfreude bietet mir der 9-5 mit Jg. 2002.

Eigentlich wollte ich nie ein 9000ender oder 9-5. Zu gross und zu viel Spritverbrauch. Nun bin ich aber vom grossen Saab sehr angetan. Es wird wahrscheinlich auch nicht mein letzter sein. Egal was in Trollhättan noch so abgehen wird, oder auch nicht. Ich fahre so lange Saab wie dies mir möglich ist.

Einige Ideen und Projekte sind noch in meinem Kopf, die gerne in den nächsten Jahren umgesetzt werden möchten.

Übrigens, meine Frau fährt heute einen Volvo V40 Turbo (T4). Vor einigen Jahren wurde es immer umständlicher an gewisse Ersatzteile für alte 900er zu kommen. Auch die Saab Vertretungen in der Region waren oftmals keine Hilfe, da sie kein Interesse mehr daran hatten, sich mit den alten Saab`s abzugeben. Deshalb wurde der 900 Aero bald einmal verkauft. Leider.

Vielleicht erkennen auch unsere Saab Vertretungen (wie in Deutschland) noch die Möglichkeiten, wie sie vielen treuen Saab Fahrern in unserer Region Bern / Thun kompetent und zuvorkommend helfen könnten. Mein Vater fährt auch schon seinen 6. Saab. Er wurde seinerzeit von mir infiziert und möchte auch nichts mehr anderes fahren. Aktuell einen 9-3 Vector Kombi. Im Saab Club Schweiz bin ich seit einigen Jahren nicht mehr dabei. Persönliche Gründe und eine damals kranke Frau haben meine Prioritäten geändert.

Nichtsdestotrotz wird man mich gelegentlich auch an Internationalen Saab Treffen oder anderen Anlässen die mit Saab zu tun haben sehen können. Saab kann und ist bei mir eine Lebenseinstellung.”

3 thoughts on “20 Jahre Saab

  • Schöne Saab Story! Man spürt das Herblut vörmlich! Allzeit gute Fahrt!
    Gruss aus Basel, Hans

  • In diesem Artikel ist das SAAB-Gen tief verwurzelt….
    DANKE für die Teilhabe! 🙂 und weiterhin gute Reise im SAAB!

  • Ein gut geschriebener Artikel.

    Ich finde, ein Artikel bekommt noch mehr Wahrheitsgehalt, wenn er wie hier von einem Fachmann kommt, der sich auch mit dem “Innenleben” von Automobilen auskennt.

    Das mit dem 9-5 Kombi (“Top Reisewagen”) kann ich nur unterstreichen.

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