Kindheitstraum erfüllt: „Ein mal zwei macht drei Saab“

“Wir suchen Sie und Ihren Saab” – Leserwettbewerb. Platz 3.

Schon mit 10 Jahren war Christoph Kloke von der Marke aus dem hohen Norden fasziniert. Die Nachbarn der Großeltern waren es, die bei Christoph Kloke aus Brilon im Hochsauerland im Alter von 10 Jahren „Saabgene“ entwickeln ließen.

Saab 900 I Cabrio vor dem Schloß Bruchhausen im Sauerland ©2014 Christoph Kloke
Saab 900 I Cabrio vor dem Schloß Bruchhausen im Sauerland ©2014 Christoph Kloke

Da stand er, dieser außergewöhnlich designte Saab 99 in schwarz. „Immer wieder war ich fasziniert, wenn ich dieses aus meiner Sicht wunderschöne Auto sah. Vaters BMW oder der Audi des Onkels weckten bei mir kein besonderes Interesse. Da war ich anders als die Jungs in meiner Klasse“, schmunzelt der heute 46-Jährige. „Solche Autos gab es ja quasi wie Sand am Meer.“

Bis zum ersten eigenen Saab dauerte es dann aber noch viele Jahre. Mit 18 reichte das Geld noch nicht für einen Robusten aus dem Norden. Weder ein Händler war in der Nähe, noch der Vater konnte überzeugt werden zur richtigen Marke zu wechseln.

„Als das Saab 900 I Cabrio auf den Markt kam, blieb es zunächst auch nur bei einem Traum. Doch schon damals wünschte ich mir, mir eines Tages ein schickes in weiß kaufen zu können.“

Nach Studium, einigen Jahren im Beruf und Hausbau wurde im Jahr 2000 dann endlich der erste Saab gekauft. Ein familienfreundlicher 9-3 wurde beim neuen Saabhändler vor Ort angeschaft. Doch Christoph Kloke wollte mehr. Bei mehreren Schwedenreisen fiel im immer wieder die urige Form der alten Saab 92, 93 und 96 auf. „2002 hätte ich fast einen 96 Zweitakter mitgenommen. Obwohl das Auto in sehr gutem Zustand war und auch nicht viel Kosten sollte, verließ mich der Mut.“ Die Bemühungen waren nicht umsonst. Ein schwedisch stämmiger Hamburger lass von Christophs Beschreibungen des tollen Saab 96 in einem Internetforum und holte dann den Wagen nach Hamburg. Als Dank wurde der Sauerländer nach Hamburg zur Probefahrt eingeladen.

Mit dem eigenen Oldtimer sollte bis 2007 dauern, denn immer wieder, wenn der Vater einer Tochter ein passendes Auto im Internet fand, standen Beruf oder Familie mit ihren Verpflichtungen im Vordergrund. Im Juli 2007 machte die Familie Urlaub auf der Nordseeinsel Spiekeroog. Hier fand er beim Surfen im Netz einen grünen Saab 92 und einen weinroten 93, die beide in der schwedischen Region Halland zum Verkauf standen. Ein Anruf, halb auf Englisch, halb auf gebrochenem Schwedisch, brachte dann endlich den Durchbruch. Kaum zurück von der Insel, ging es mit einem Freund, Auto und Trailer nach Schweden.

„Der schicke 93A aus dem Baujahr 1957 wurde es schließlich. Es war wie Liebe auf den ersten Blick.“ Dem Verkäufer Gunnar standen die Tränen in den Augen, als sein Schmuckstück auf dem Trailer stand und gen Deutschland fuhr. Doch Gunnar wusste es in guten Händen, denn seine Verkaufsbedingung war: „In Deutschland anmelden und regelmäßig fahren – und immer den Strohhut auf der Ablage mitführen. Und nicht an einen Amerikaner teuer verkaufen.“ Gesagt, getan. Bis heute.

In Deutschland dauerte es dann leider drei Monate, bis alle Abnahmen gemacht und Auflagen erfüllt wurden – für den schwedischen Vorbesitzer war das absolut nicht verständlich. „Für mich auch nicht, aber es ist in Deutschland schon mal komplizierter. Davon ungetrübt habe ich nun schon seit sieben Jahren einen absolut zuverlässigen und alltagstauglichen Oldtimer mit Seltenheitswert.“

Er zieht immer wieder viele Blicke auf sich. Zum einen wegen der runden, weiblichen Form, zum anderen aber auch aufgrund der „Mädchenfängertüren“ und der Winker. Rund 10.000 Kilometer ist der Sauerländer inzwischen mit dem urigen Saab gefahren. Nicht nur im Sauerland sieht man ihn damit – Touren bis nach Hamburg sind kein Problem für den soliden Schweden.

Nun stand das nächste Projekt an: Ein weißes Saab 900 I Cabrio. Diesen Traum erfüllte sich der Sauerländer vor vier Jahren mit einem Model aus dem Jahre 1989. „Es ist wunderschön mit diesem Auto über die Lande zu fahren oder aber auch mal Dank Turbo richtig Gas geben zu können. Ein einmaliges Fahrgefühl.“

Zwischenzeitlich bekam die Saabfamilie weiteren Zuwachs. Ein gebrauchter und sehr gut gepflegter 9-3 TiD 1.9 Kombi ist seit Dezember 2013 das neue Familienauto. Gebaut wurde der geräumige Schwede übrigens genau am 7. Dezember 2007, dem 40. Geburtstag des aktuellen Besitzers. „Das war eine riesen Überraschung, als ich das Auto in Bamberg kurz nach meinem 46. Geburtstag abholte. Vorher wusste ich nur von der Erstzulassung in 2008, nicht aber, dass es sechs Jahre zuvor exakt an meinem Geburtstag in Trollhättan vom Band lief.“

In besonders guter Erinnerung ist dem 47-Jährigen das Treffen mit Saab-Rennlegende Erik Carlsson im Juni 2013 am Saabmuseum in Trollhättan. Der Sauerländer war mit seiner Lebenspartnerin Katja von Kiel aus im Konvoi mit 40 anderen Saabfahrzeugen mit seinem Saab 93 zum Saabtreffen aufgebrochen.

„Erik Carlsson begutachte den alten Saab und gratulierte mir. In seiner freundlichen und herzlichen Art wünschte mir der 85-Jährige alles Gute – privat und mit dem schönen 93. Wir sollen von den ausländischen Teilnehmern diejenigen gewesen sein, die mit dem ältesten Saab angereist waren. Das hat uns schon mit reichlich Stolz erfüllt.“

Christoph Kloke bleibt auf jeden Fall vom Saab-Fieber infiziert. Nun hält er Ausschau nach einem selten 95 Zweitakter. Ein Saab 99 Turbo wäre auch denkbar. Er wünscht sich aber auch, dass bei Saab die aktuellen Probleme bald der Vergangenheit angehören, weiter produziert wird und dann auch neue Autos in Deutschland verkauft werden. „Auch ein Elektrofahrzeug käme da in Frage. Das könnte ich dann mit meiner Photovoltaikanlage aufladen. Mit Wehmut erinnere ich mich an den Besuch im Saabmuseum vor einem Jahr. Es ist so schade, dass vielen fortschrittlichen Entwicklungen der schwedischen Ingenieure nicht zum Durchbruch verholfen werden konnten.“

Text & Bilder: Christoph Kloke

11 Gedanken zu „Kindheitstraum erfüllt: „Ein mal zwei macht drei Saab“

  • Lieber Patrick, wir freuen uns sehr, von Dir zu hören! Ja, Trollhättan vor gut einem Jahr war genial. Wir haben schöne Erinnerungen an das Festival und die vielen freundlichen Menschen. Wiederholungsgefahr! Uns geht es soweit gut, Dir hoffentlich auch! Beste Grüße aus dem Hochsauerland – morgen kommt übrigens Besuch aus der Schweiz zu uns – leider ohne Saab!!! Katja & Christoph

  • Super Bericht, danke! Kann mich noch gut an den tollen weinroten 93 erinnern auf dem Trip nach Trollhättan letztes Jahr. Hoffe es geht euch gut, viele Grüsse aus der Schweiz, Patrick

  • Toller Bericht und natürlich wunderbare SAAB´s ! SAAB Spirit pur…:-)

    • Ja, der Spirit lebt! Herzlichen Dank!

    • Dankeschön! Den Link habe ich im Artikel völlig vergessen … schönen Gruß zurück!

  • Herzlichen Glückwunsch!!! Auch mir schwärmt so etwas vor!! 😉
    93b, 9-3 I und 9-3 II….Danke für den tollen Bericht!
    Grüsse aus der Schweiz

    • Herzlichen Dank, freut mich sehr!

  • Wie schön, danke! für den Bericht. Und herzlichen Glückwunsch zum Gesamtkunstwerk: drei perfekte Saabs vor dem Holzhaus und die Tochter hat auch einen schwedischen Namen.
    beste Grüsse aus dem Süden

    • Vielen lieben Dank! Wunderbarer Kommentar. Beste Grüße aus der “Mitte”. Christoph Kloke

      • Hallo Christoph!

        Was für einen 95 Zweitakter suchst Du denn? Rund- oder Langnase?
        Da ich mit meinen 8 Sääben mehr als ausgelastet bin, überlege ich manchmal in schwachen Minuten, ob ich mich nicht doch noch von dem einen oder anderen Wagen tennen soll. Beim 95 fiele es mir zwar sehr schwer, aber wenn er in wirklich gute Hände käme, würde ich zumindest drüber nachdenken…
        Du kannst mir gerne ein mail schicken, falls Du nährere Informationen haben möchtest. ( g.nie- ÄT – tele2.at ).

        liebe Saab Grüße
        Gerald

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