Verhandlungen mit Mahindra & Dongfeng
Nachdem wir uns in den letzten Tagen mit unseren Fahrzeugen beschäftigt haben, geht heute der Blick nach Schweden..oder nach Indien. In den letzten 48 Stunden sind in den indischen Medien immer mehr Berichte über die Verhandlungen zwischen NEVS und Mahindra aufgetaucht.

Mahindra gibt dazu keinen Kommentar ab, was ein gutes Zeichen und fast eine Bestätigung ist. Es geht für die Inder um den möglichen Einstieg als Aktionär bei NEVS. Anand Mahindra, der Vorstand und Enkel des Firmengründers, pflegt geschäftlich und privat gute Kontakte nach Schweden. Er dürfte die besten Chancen bei der Saab AB und in der Politik haben, wenn es um den Einstieg in Trollhättan geht, außerdem wird ihm eine Freundschaft zu der Wallenberg Familie nachgesagt.
Der zweite Gesprächspartner, Dongfeng, ist bereits seit einigen Monaten Großaktionär bei Peugeot-Citroen, verhandelt über eine Entwicklungspartnerschaft und die Teilhabe an der flexiblen Phoenix Plattform.
Wie NEVS beide Partner, mit unterschiedlichen Interessen, unter einen Hut bringen will, das erschließt sich nicht. Für Mahindra dürfte der Einstieg auf eine Komplettübernahme hinaus laufen, denn NEVS ist kein Partner auf Augenhöhe. Kai Johan Jiang hat seine Vermögenswerte in China veräußert, die als so tief vermuteten Taschen sind leer. Die Verhandlungsposition von NEVS ist schwach und wird jeden Tag schwächer. Um Steuern und Sozialabgaben zahlen zu können, hat NEVS den Neuwagenbestand als Sicherheit an Svea Inkasso abgetreten, nicht benötigte Lagerbestände werden veräußert, um Liquidität zu schaffen. Für NEVS ist die Lage sehr angespannt, der Zeitkorridor eng.
Dass NEVS in die Insolvenz geht, ist unwahrscheinlich, weder Dongfeng noch Mahindra kann daran gelegen sein. Ebenso wenig der schwedischen Politik, denn es stehen Reichtagswahlen an, noch der Stadt Trollhättan, die immer noch mit hoher Arbeitslosigkeit kämpft.
Ein ausführlicher Hintergrundbericht zur Lage in Trollhättan kommt mit dem nächsten Artikel.
Text & Bild: tom @saabblog.net
>> Ebenso wenig der schwedischen Politik, denn es stehen Reichstagswahlen an … <<
Der Haken an dieser Sicht ist bloß, dass denen ja auch gar nicht "daran gelegen sein" muss, damit SAAB-NEVS in die Insolvenz geht. Das gelänge ja offenbar wohl auch von selbst und ohne Zutun …
Dass man umgekehrt noch zu größeren Anstrengungen bereit sein könnte, um die Insolvenz zu verhindern, bezweifle ich stark.
Ich denke, so unattraktiv ist SAAB für indische Investoren gar nicht. Man hat keine gigantischen Altlasten, der Personalbestand ist für ein Autowerk sehr überschaubar und die Produktion hat (testweise) auch schon gelaufen – NEVS war ja nicht untätig. Der 9-3SC und das Cabrio sind ja auch noch GM-frei in der Pipeline.
Das ist auf jeden Fall besser als die eigenartigen chinesischen Konstellationen der letzten Jahre. Da dort auch immer Behörden verwickelt waren, kann man sich auf nichts verlassen (das geht ja nicht mal bei uns)! Und was im Hintergrund an Politik und Korruption beigemischt wurde, durchschaut sicher kein Europäer.
Ein (Familien-) Unternehmen wie Mahindra ist die letzte glaubwürdige Lösung.
Egal ob Chinesen oder Inder , alle wollen nur kaufen wenn es sich für sie lohnt. Die Beispiele JLR und Volvo hatten nur ein ganz entscheidenten Unterschied zu Saab . Nähmlich alle worden inclusive laufender Produktion , vermarktbarer Modellpalette und vor allem mit Lizenz und Kwow How von Ford verkauft . Die Phönix Plattform mag ja für manchen interessant sein , aber das war`s auch schon . Mit GM Lizenzen sähe die Welt anders aus , aber die Chance hat Herr Muller in den Sand gesetzt.Daher kann man meiner Meinung nach die Situation von Saab sicher nicht mit JLR oder Volvo vergleichen.
Mahindra war schon immer mein Favorit für SAAB. Immerhin läuft ja die Produktion (theoretisch) und der 9-3 OG ist GM-Free. Damit könnte man die Entwicklungszeit bis zu den neuen Modellen überbrücken.
Und was, wenn alles genauso geplant war und ist?? Die Chinesen schlafen auch nicht aufm Baum!! Das alles so ganz plötzlich kommt halte ich für unwahrscheinlich. NEVS hat Vorbereitungen getroffen, die Tochter hübsch gemacht, Produktion läuft, der Preis steigt?! Das würde für mich auch die mediale Zurückhaltung von NEVS erklären. Tata und LRJ sind ein Beispiel dafür das es klappen kann. Muss aber nicht!! Volvo hat es ja auch relativ gut erwischt, Saab nicht! Das Herkunftsland ist keine Garantie für ein Gelingen.
Mahindra versucht seit über 20 Jahren, einen Fuß auf europäischen Boden zu bringen. Es gab sogar schon mal eine Planung für eine kleine Montage in Griechenland, für die Jeep-Lizenzbauten. Und lt Wikipedia auch in Deutschland.
Jaguar wollten sie kaufen:
http://www.motorauthority.com/news/1026405_indias-mahindra-pulls-out-of-jaguar-land-rover-bid
Mit Volvo arbeiten sie zusammen:
http://www.informationweek.in/informationweek/news-analysis/281863/volvo-cars-partners-tech-mahindra-app-maintenance-development
Und Aston Martin wollten sie auch kaufen:
http://www.forbes.com/sites/naazneenkarmali/2012/11/26/mahindra-in-race-for-aston-martin/
Die suchen nach Expansionsmöglichkeiten und haben Geld. Ich fänd es super.
Skurril ist es ja schon. Da startet man mit der Produktion des alten 9-3 und plötzlich ist kein Geld mehr da. Wo man doch so viel vor hatte. Und ganz abwegig war das mit den E-Saabs doch nicht. Wo sind die ganzen starken Partner aus China geblieben? Ging denen die Puste aus?
Oder investieren die Chinezen weiter aber nur fuer Werken in China? Wenn Saab dan kein Luft mehr hat werden die mit das versprochenen Geld die resten kaufen und alles nach China rueberbringen.
Eine Strategie????
Irgendwie hat man das doch alles schonmal so oder in ähnlicher Form in der Vergangenheit gelesen. Anfangs sieht alles super aus. Grosse Pläne und Visionen und am Schluss ist doch alles nichts mehr als heisse Luft. Die scheinbar ach so tolle Phönix-Plattform, die eierlegende Wollmichsau, auf die jeder angeblich scharf ist. Scheinbar finanziell potente Investoren stellen sich als Nullnummern heraus und am Schluss gibts Verhandlungen mit Chinesen und Indern die letztendlich scheitern. Der letzte Rest wird dann noch zu Geld gemacht und wiedereinmal mehr wird SAAB in der Insolvenz enden.
SAAB hat nur eine Chance: Einen Investor der extrem potent ist und bereit ist über viele Jahre mehrere Milliarden Euro in SAAB zu pumpen.
So hart wie es ist, aber mit dem aktuellen 9-3 gewinnt man doch nun wirklich keinen Blumentopf mehr. Gutes Design hin oder her. An diesem Auto fehlt es an so vielen Ecken und Enden. Alle Wettbewerber bieten Autos die in allen Belangen moderner sind. Motoren, Assistenzsysteme, etc… Es gibt ja nichtmal ein Naviagtionssystem. Zumal es kaum mehr eine Händlerstruktur und keine vernünftigen Leasing-Angebote gibt.
Bitte nicht falsch verstehen, ich bin ausgesprochener SAAB-Fan und der 9-3 gefällt mir immernoch sehr sehr gut.
Nico, das ist jetzt das Finale, die allerletzte Chance sozusagen. Entweder Mahindra bringt das Ding in trockene Tücher, oder die Saga ist am Ende.
Ich glaube da ehrlichgesagt nicht mehr dran. So traurig wie ich es auch persönlich finde. Wenn denn SAAB so attraktiv wäre, warum steigen nicht Hersteller wie z.B. Geely, Tata, Daimler, VW, Toyota oder BMW ein? SAAB ist eben, realistisch betrachtet, ein finazielles Grab.
Es gibt in Europa einfach genug Kapazitäten. Für die anderen Hersteller, vllt. mit Ausnahme von Geely, würde Saab nichts bringen. Warum sollte zB BMW sich ein weiteres Werk ans Bein binden, nachdem sie iirc gerade erst die eigenen Kapazitäten nochmal erweitert haben? Frontantrieb? Hat BMW selbst, und mehrere Projekte am Laufen. Und Imagezuwachs kommt da auch keiner. Bei Mahindra sieht das anders aus. Für die könnte Saab das sein, was JLR für Tata ist.
Es gibt immer noch ÜBERkapazitäten. Wirklich von Interesse kann Saab aktuell nur für einen aufstrebenden Konzern ausserhalb Europas sein, da kommt eigentlich nur der asiatische Raum in Frage. Eine Premiummarke für lau ohne Modellpalette aber mit neuer Plattform im Entwicklungsstadium, dazu Händlerstützpunkte in Europa, über die man später auch die eigenen Produkte vermarkten kann. Ich denke auch, entweder die Inder oder Abwicklung.
Na ja, SAAB ist eine Option auf die Zukunft, wenn man die richtige Strategie und den entsprechenden Hintergrund hat. NEVS hatte es nicht, das ist klar. Zwei verlorene Jahre, schlechte Arbeit der Insolvenzanwälte, was tut die schwedische Politik? Ach ja, der oberste Schwede fährt ja weder Volvo noch SAAB sondern 750iL 🙁
Nico,
die von Dir aufgezählten Konzerne haben alle ihre Produktionslinien und machen etwas daraus – ich traue Mahindra ohne weiteres zu, dass sie genau wie der andere große Inder Tata (hat bekanntlich Jaguar übernommen) “das Kind schaukeln” werden!
Neue Modelle auf der PHOENIX-Plattform sind fast produktionsreif – jetzt fehlt nur noch gutes Design und entsprechendes Marketing.
Nebenbei bemerkt, hat der Mahindra-Konzern auch Ssangyong übernommen. Bei den weltweit vertretenen Händlern stehen allerdings hauptsächlich Geländewagen – hier würden sich neue SAAB-Automobile zusätzlich extrem gut machen!
Warten wir einfach mal ab.
Hallo Nico, Du hast ja leider so Recht.Es wird sich kein potentieller Investor finden, der von null anfangen wird. Die Zeit etwas neues zu entwickeln hat heute keiner mehr. Und da man zwischenzeitlich mit Saabprodukten kein Geld verdienen kann, ist die Chance gegen null,das irgendein Investor sich hier noch engagieren wird. Kein Hersteller kann es sich erlauben mehrere Milliarden vorzustrecken. Erstrecht nicht mit einem offenen Ende, ob oder wann damit Geld verdient werden kann. Wir sollten alle unsere Schätze hegen und pflegen. Saab wird es nicht mehr geben. Leider.
Björn,
PHOENIX ist fast fertig – somit wird Mahindra nicht bei 0 anfangen und hätte wohl kaum seit Monaten mit NEVS verhandelt, wenn nicht
echtes Interesse bestehen würde.
Das Mahindra über ausreichende Finanzmittel verfügt und davon auch im erforderlichen Umfang in SAAB investieren wird, sehe ich eigentlich als gegeben an – Tom liegt mit seiner Ansciht richtig, wenn er davon ausgeht, dass NEVS kein Partner auf Augenhöhe ist und womöglich letztendlich eine Komplettübernahme durch Mahindra angepeilt wird.
Warten wir die nächsten Tage einfach mal ab, was passiert.
Hallo Detlef,
wir alle befinden uns seit Jahren was Saab betrifft im Bereich der Spekulationen. Welches Interesse (wenn es das überhaupt gibt) Mahindra hat weiss keiner von uns. Von O anfangen heißt, das Saab nichts aber auch garnichts hat, was Vertriebsnetz, Fahrzeuge oder europäische Infrastruktur betrifft. Bei Volvo oder Jaguar war das anders. Dort sind die Geschäfte weitergeführt worden. Saab hat z. Zt. überhaupt nichts. Leider.
Björn,
mit der Aussage, SAAB hat z. Zt. überhaupt nichts, beleidigt man die verbliebenen standhaften SAAB-Vertretungen weltweit – hier könnte doch eine Vielzahl von Firmen aufgführt werden!
Im Falle Mahindra (als Investor) käme als großer Vorteil hinzu, dass dieser Weltkonzern global über hunderte von Ssangyong-Niederlassungen verfügt – ich könnte mir vorstellen, dass ein Teil davon Interesse hätte, auch SAAB-Automobile mit anzubieten.
Ich denke, die Verbindung M&M mit SAAB wäre eine aussichtsreiche Konstellation.
Hmmm … ich frag mich immer mal wieder, was heute mit SAAB wäre, wenn man “vor Jahren” schon gleich Mahindra gewählt hätte.
Erstaunlich finde ich auch, das Mahindra immer noch irgendwie Interesse an SAAB zu haben scheint.
Moin Tom,danke für Deine ausführliche Berichterstattung, das hört sich doch Alles ganz gut an. Weiter so und einen schönen Tag.
LG
DHS