Saab auf Vox und die Zukunft der Marke

Gestern lief unser Saab Beitrag auf Vox. Eine positive Saab Geschichte, die allen Beteiligten richtig viel Spaß gemacht hat. Aber es gibt noch mehr über die Saab Zukunft und über das, was Mikael Östlund zu erzählen hatte, zu berichten.

Vertauschte Rollen - Markus Lafrentz hinter der Kamera @ 2014 saabblog.net
Vertauschte Rollen – Markus Lafrentz hinter der Kamera @ 2014 saabblog.net

Denn natürlich kann man in einem kurzen Beitrag nicht den kompletten Dreh bringen, 95 % des Materials geht niemals auf Sendung, und deshalb sprechen wir heute noch einmal kurz über den Tag in Kiel.

Unser Fokus liegt auf dem wichtigsten Teilnehmer, der aus Schweden zugeschaltet war. NEVS Pressechef Mikael Östlund hatte bereits im Vorfeld das Team von Vox mit Material unterstützt. Auf die Anfrage der Redaktion nach einer Liveschaltung reagierte er positiv, und alleine seine Bereitschaft zur Teilnahme ist ein Statement. Es zeigt uns, dass der deutsche Markt in der Zukunftsplanung der Schweden einen Stellenwert hat.

Im Vox Beitrag war Östlund nur kurz zu sehen, was verständlich ist. Denn die kompletten 17 Minuten, die er zugeschaltet war, sind nur für Menschen interessant, die Saab auf dem Radar haben. Nicht aber für die breite Mehrheit, die sich für Details die uns bewegen, nicht interessieren wird.

Und natürlich hat man bei solchen Gelegenheiten immer die Hoffnung auf „breaking news“. Man erhofft vielleicht eine Ankündigung, dass Saab nach Deutschland zurückkehrt, aber dafür ist es die falsche Bühne und der falsche Zeitpunkt. Die meisten Aussagen kannten wir dann auch schon vom Produktionsstart im Dezember. Etwa dass Saab mit den neuen Modellen wieder weltweit liefern wird. Die Feststellung, dass es 2014 keine Neuwagen für uns geben soll, ist etwas frustrierend…aber zu verschmerzen. Denn zum Einen denken Autohersteller in Modelljahren und nicht in Kalenderjahren, und zum Anderen ist die etwas fernere Zukunft  ausnahmsweise interessanter als die Neuauflage des 9-3.

NEVS hält sich bedeckt, daran haben wir uns gewöhnt, und ist Meister im Tiefstapeln. Einige Sätze, die Mikael Östlund über die Lippen gingen, haben wir hingegen zum ersten Mal in der Öffentlichkeit gehört. Konkret klingt das dann wie folgt.

Mikael Östlund über die Phoenix Plattform:

…wir arbeiten an der Phoenix Plattform…

Bisher wurde das Thema Phoenix Plattform unter Verschluss gehalten. Auf Nachfrage gab es, je nach Tagesform, ein Lächeln oder nur Schweigen. Erst die Fabrik zum Laufen bringen, dann den 9-3 als Neuauflage produzieren, dann würde man mit den Arbeiten an der Plattform beginnen. So die offizielle Ansage –  und das ist Tiefstapeln par excellence.  Denn die Erwähnung sagt uns, dass in Schweden daran gearbeitet wird. Und das nicht erst seit gestern.

Es kommt aber noch etwas besser, denn im nächsten Satz wurde Östlund konkreter und legt noch ein Schmankerl nach:

…auf der Phoenix Plattform kann man sowohl ein sehr großes, als auch ein sehr kleines Auto bauen…

Wir sind es auch gewohnt, diese Aussagen übersetzen zu müssen. Übersetzt,also im Klartext heißt das: wir arbeiten an einem kleinen und einem großen Saab. Ein kleines Stadtauto für Europa, ein großer, repräsentativer Saab für China. Und da wir davon ausgehen können, dass auch am 9-3 Nachfolger gearbeitet wird, ergibt sich für uns die Situation, dass in Schweden eine komplette Produktfamilie auf Basis der Phoenix Plattform heranwächst. Wann die Modelle kommen, kann sich jeder selbst ausrechnen, der sich mit den Entwicklungszyklen der Autoindustrie beschäftigt.

Mikael Östlund über das Saab EV für Europa:

…wir könnten das Elektroauto auch in Europa verkaufen. Aber die Kunden wollen es (noch) nicht…

Spannend ist die Frage, ob es das erste Elektroauto von Saab auch in Europa geben wird. Der Vertrieb in Schweden wäre im Frühjahr 2015 vorstellbar, so hören wir. Wenn die Politik mitzieht und die nötige Infrastruktur fördert. Scheinbar gilt das auch für den Rest von Europa. Zwar hält man sich bei NEVS bedeckt und argumentiert mit fehlender Nachfrage. Aber ist es wirklich so? Wollen wir keine Elektrofahrzeuge? Was wäre, wenn die Infrastruktur vorhanden wäre?

Ausserdem scheint sich der Trend hin zum Elektroantrieb langsam auch bei uns zu entwickeln, und ein innovatives EV auch für Deutschland wäre gut für das Image der Marke. Denn die Marke muss sich neu erfinden. Daran führt kein Weg vorbei.

Text & Bilder: tom@saabblog.net

 

8 Gedanken zu „Saab auf Vox und die Zukunft der Marke

  • Moin.

    Schöner Beitrag gestern! Gratuliere!

    Und bei den ganzen besonderen Saabs in Kiel lief mir fast der Speichel aus dem Mund! 😉

    Wenn das mit NEVS so stimmt, lohnt sich das Warten ja auch noch für 1-2 (oder notfalls auch 3?) Jahre. Die „alten“ Saabs sind ja auch immer noch gut!

    Leider muss ich meinen ollen schwedischen Lastenesel nach einer Reise an die Küste nun in die Werkstatt bringen …. (hoffe, ist nur eine Kleinigkeit: brummt sehr laut). 🙁

  • Klingt gut & motivierend! Hatte schon die Befürchtung daß man ewig viel Energie in den ollen 9-3, so schön er auch ist, steckt. So sieht die Zukunft schon viel besser aus!

  • Dass die jetzt schon an der Phoenix Platform oder am EV-2 arbeiten hat man auch früher gehört. Es hieß ja von vorne rein, erstmals den EV-1 fertig machen und dann den EV-2, und wenn die in ein paar Tage mit der Produktion vom EV-1 anfangen wollen, dann sollte die Entwicklung längst abgeschlossen sein. =)

    „….aber die Kunden wollen es nicht.“ Eigentlich gibt es einen Markt für E-Autos in Europa. In Norwegen klappt es prima, in den Niederlanden habe ich den Eindruck als ob man dort ein paar Autos absetzen könnte, und in Deutschland seitdem e-Golf ist die Politik auch bereit was in die e-Infrastruktur zu investieren. Außerdem, hierzulande gibt es genügend wohlhabende die besonders reizend fänden einen e-Cabrio zu besitzen.

    Meine Meinung ist aber, dass NEVS sich in der richtige Richtung bewegt, und dass mein Sohn auch einen neuen Saab wird kaufen können, falls er es so wünscht. 8)

  • Wäre trotzdem schön wenn es als Überbrückung den 9-3 in D geben würde. Es besteht Bedarf und etliche Kunden werden sonst zur Abwanderung genötigt.

    • Also ich denke, wenn man wirklich bald eine neuen will wird es engagierte Saab Händler geben, die jemand in Schweden kennen …
      Ein schöner Film, und auch wenn es uns Enthusiasten nicht gefällt, vermeidet das Statement von NEVS, das nicht so informierte enttäuscht von der Saab Werkstatt zurückkommen, “ die gibt es ja doch nicht“. Sicher ein guter Beitrag um von „Saab?, sind die nicht pleite ?“ zu „Saab, das ist doch ein tolles Auto“ zu kommen.
      Nur sollte mal jemand einen 9-3BJ 2002 neben einen BJ 2014 stellen, da ist nicht alles aber manches anders. es gibt genug andere Beispiele von renomierten Herstellen wo das Grundgerüst ähnlich lange trug / trägt.

  • Da muss ich Franken Troll recht geben. Ob kleiner oder großer SAAB.
    Im Moment hat man sich noch nicht einmal zu unseren eigenen Händlern positioniert. Das hätte schon unabhängig davon, bei ernsthaften Interesse in Europa zu verkaufen passieren sollen und müssen.
    Nun werde ich auch langsam meine Flotte SAAB (5!!!) auflösen und in die Erneuerung mit anderen Marken gehen. Warten, und vage Vermutungen können auch nicht die Lösung sein. Schade ! Ein bisschen Hoffnung habe ich noch, aber die Zeit läuft davon.

  • Hab mir das natürlich Live angesehen… Auch mein ehemaliger Saabhändler sagte mir damals schon, er könnte Saabs verkaufen, wenn es nur welche gäbe… Schön, dass es aber Händler gibt, die der Marke die Stange halten und, wie das Autohaus Lafrentz zeigt, sich auch aktiv um die Saabs kümmert und mit speziellen Teilen versorgt. Top! Danke dafür.

    Saabige Grüße an Wien an alle und an Sie Hrn. Lafrentz (letzten Herbst, der schwarze 9-3 SC vom Burger King 🙂
    Joachim

  • Die meisten heutigen Saab-Fahrer sind Langstreckenfahrer. Das ist mit den derzeitigen Akkus nur seeeehr eingeschränkt möglich. Es liegt außerhalb NEVSs Bereich, das zu ändern, denn soweit ich weiß, gibt es keine angeschlossen Universität mit Forschungseinrichtungen für Elektrochemie, weder in Trollhättan noch in China. Das dauert noch alles ziemlich übel länger, als ich mal gedacht habe.

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