Jonas Fröberg über den 2014er Saab 9-3 Aero

Mein schwedischer Lieblingsjournalist Jonas Fröberg vom Svenska Dagbladet war in Trollhättan und hat letzte Woche den 2014er Saab 9-3 Aero zur Probe gefahren.

SAAB 9-3 2014 © 2014 saabblog.net
SAAB 9-3 2014 © 2014 saabblog.net

Seine Sicht auf das erste Fahrzeug von NEVS sieht in etwa so aus:

Ist der Saab 9-3 ein neues Auto?

Nein, er entspricht in etwa dem 2011er Modell, das wir als Griffin kannten. NEVS hat zwar rund 100 Teile getauscht, aber nicht so viel verbessert. Denn einige Lieferanten sind nicht mehr im Geschäft und mussten ersetzt werden oder kamen durch die Trennung von GM nicht mehr in als Partner in Frage.

Motor und Getriebe

Es sind die gleichen Komponenten die wir aus dem Griffin kennen. Der Motor kommt auch im 9-5 NG zum Einsatz, Saab hat noch einige dieser Motoren am Lager (Anmerkung: NEVS hat diese Komponenten zugekauft). Das 6-Gang Schaltgetriebe und die Automatik sind bekannte Teile aus dem GM Regal.

Wie fährt sich der Saab?

Gut. Die Karosserie scheint etwas steifer geworden zu sein, der Motor liefert die Kraft, wenn sie abgerufen wird. Aber man merkt, dass der Saab in die Jahre gekommen ist.

Wann kommt das Elektroauto?

Die ersten Fahrzeuge werden jetzt produziert, die ersten 200 gehen als Testflotte nach China. Die Serienproduktion wird im Herbst starten, und es sollte möglich sein, im nächsten Jahr Elektroautos in Schweden zu kaufen.

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Ist der 9-3 279.000 Schwedenkronen wert?

Wenn man Saab mag, ja. Der 9-3 ist ein wirklich schönes Auto. Aber die 12 Jahre sind spürbar und es gibt keine aktiven Sicherheitssysteme und kein modernes Entertainment.

Kann man den Wagen kaufen?

Es gibt kostenlosen Service für 3 Jahre. Allerdings wird es schwierig, sollte es Saab nicht schaffen zu überleben. Aber es gibt viele Servicestützpunkte.

Wovon hängt alles ab?

Alles hängt davon ab, wieviel Geld NEVS zur Verfügung hat. Und man wird extrem viel Geld brauchen, um wieder Wasser unter den Kiel zu bekommen. Das erfordert Durchhaltevermögen und Behörden in China, die alles genehmigen.

Liegt Fröberg richtig…

Fröberg ist, wie wir wissen, Saab Liebhaber. Bevor er und sein Fotograf Magnus Hjalmarson Neideman den 9-3 in der Stallbacka abholten, waren beide im Saab Museum mit Peter Backström verabredet und dann gemeinsam beim Mittagessen. Er formuliert sehr diplomatisch, liegt aber richtig. NEVS baut, im Moment, nichts anders als einen 2011er Griffin. Als Fingerübung für die Produktion und um die Belegschaft entsprechend zu trainieren. Und als Angebot für die schwedischen Fans, die sich einen neuen Saab kaufen wollen. NEVS hat, um so weit zu kommen, viel Geld investiert und wird es auf lange Sicht weiterhin tun.

Das kommende Update wird zeigen, wie gut die Idee war, einen Neustart mit dem „alten“ 9-3 zu wagen. Denn immerhin sind bis dahin zwei Jahre oder mehr seit der Übernahme der Marke ins Land gegangen. Viel Zeit, in der man auf der Phoenix Plattform ein neues Modell fast zur Serienreife hätte bringen können.

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Der Verriss im Expressen…

Nicht jeder in Schweden formuliert so freundlich wie Fröberg. Ein Tag nach seinem Artikel im Svenska Dagbladet kam ein kompletter Verriss der NEVS Strategie im Expressen. Dort fragt man sich ebenfalls, ob ein komplett neues Modell nicht der bessere Weg gewesen wäre. Und wieviel Markterfolg eine auf Elektroantrieb umgerüstete 12 Jahre alte Plattform denn haben kann. Da ist was dran.

Auch Vi Bilägare war im Test nicht so freundlich wie erwartet und kann den 9-3 nicht loben. Dem 9-3 ist sein Alter anzumerken und im direkten Vergleich mit einem aktuellen Kompaktwagen, ausgrechnet einem Opel Astra, erscheint der Saab zierlich, meint das Magazin. Nicht ohne einen Atemzug später anzumerken, dass man trotzdem mit dem Saab sehr gut zurecht kommen kann.

Dabei ist das Problem hausgemacht und die kritischen Berichte waren nicht zwangsläufig. Denn, eigentlich ist die Presse in Schweden pro NEVS eingestellt und sieht die Arbeitsplätze, die in Trollhättan neu entstanden sind, und die Perspektive für die Zukunft.

Aber – auch mit Fan Brille – der 2014er 9-3 ist vieles, aber Eines nicht. Er ist sicher ein gutes, sicheres und ein elegantes Auto. Aber er ist ganz sicher kein neues Auto. Wer wie NEVS den Sticker „Nya 9-3“ auf seine Fahrzeuge klebt, der ist nicht gut beraten und verkennt die Realität. Entsprechende Berichte in der Presse wie jetzt in Schweden sind die Folge. Dabei gäbe es ungezählte andere Möglichkeiten, den 9-3 entsprechend zu vermarkten.

Das 2014er Saab wird nur in limitierter Auflage gebaut. Irgendwann zwischen 2.000 bis 3.000 Modellen wird Schluss sein, es kommt vermutlich das Update, der Kombi und der 2015er Jahrgang. Dann kommt der 9-3 aller Voraussicht nach auf mehr Märkte. Die 2014 Auflage war zur Aufwärmung, der 2015er Jahrgang macht ernst. Das wird spannend, die Karten werden neu gemischt.

Text & Bild: tom@saabblog.net

 

 

 

4 Gedanken zu „Jonas Fröberg über den 2014er Saab 9-3 Aero

  • Das ist natürlich das Risiko, wenn man mit einem bekannten Fahrzeug an den Start geht. Eine 9-3 Klassiker Edition, oder so ähnlich, wäre wohl die bessere Bezeichnung für das MY 14.

    • Ja..9-3 klassiker edition… klingt fair so. Aber wie sollte dann der MY 2015 heissen? Tja… „new“ wird er ja auch nicht. Und diese ständige upgrades auf alter Basis haben ja in der Vergangenheit nicht so richtig was gebracht. Warten wir mal ab… ganz spannend wird es wenn wir endlich mal ein Konzept sehen, was auf der phoeniX Plattform ensteht… ( bestimmt erst 2015…)

  • Ich muss ehrlich sagen, wenn ich mir einen neuen 9-3er hole, dann muss sich schon eine ganze Menge mit dem Upgrade getan haben. Vor allem würde ich gerne was neues im Innenraum sehen. Nicht dass das jetzige schlecht wäre auf keinen Fall. Aber wenn ich mir ein neues Auto kaufe, möchte ich Veränderungen sehen, sonst genieße ich meinen weiter! Von Außen ist mir das weniger wichtig.

  • Liebe Presseleute, bitte um den jetzigen 9-3er nicht so viel Gedöns machen (weder positiv noch negativ)- dies wird vermutlich von NEVS auch nicht gewünscht.

    Hier geht es doch wirklich nur um das Warmlaufen von Organisation und Produktion.

    Kurz vor Abverkauf der letzten „Klassiker“ sollten dann aber reichlich Aussichten auf den sog. PHOENIX folgen!

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