Carl Peter Forster spricht über Saab

Carl Peter Forster ist heute Chefberater der Geelygruppe, zu der auch Volvo gehört. In den Jahren von 2005 bis 2009 war er Präsident der Saab Automobile AB und General Manager von GM Europe. Gegenüber dem Svenska Dagbladet sprach er erstmals über die Krisenjahre bei Saab.

Carl Peter Forster stellt 2008 in Detroit das Saab 9-4x Concept vor
Carl Peter Forster stellt 2008 in Detroit das Saab 9-4x Concept vor

Wie dramatisch die Situation bereits 2005 war, wird bereits im ersten Satz klar. „Jesus! GM hade inte investerat i Saabs produkter på tolv år.„….GM hatte seit 12 Jahren nicht in (neue) Saab Produkte investiert. Als er 2005 zu GM kam, forderte er schnelle Investitionen von 2 Milliarden US Dollar in die Marke Saab. Vier neue Saab Modelle sollten entstehen.

Bereits in der Zeit zuvor hatte Saab ein SUV auf 9-3Basis entwickelt,  und das neue Modell befand sich in einem sehr weit fortgeschrittenen Stadium. Auf Anweisung von GM wurde die Neuentwicklung verschrottet. Eine der ersten Tätigkeiten in der neuen Position war die Aufstellung eines Businessplans. Und dann, im Jahr 2005,  hatte Saab erstmals (!) einen Businessplan, der diesen Namen verdiente. Und einen Vorstand, der bereit war, auf die Marke zu setzen.

Dann kam 2008 die Finanzkrise…

„Es war super frustrierend“ erzählt Forster. „Wir hatten zu spät mit den Investitionen begonnen“.

Die Finanzkrise zwang GM im Juni 2009 in die geordnete Insolvenz. Nur zwei Fahrzeugmodelle für Trollhättan wurden kurz zuvor fertig. Der Saab 9-5 und der Saab 9-4x. Im September 2009 verlies Forster GM.

Zuvor befand sich der Konzern im freien Fall. Für GM Europe war Forster bei Angela Merkel, dann in Brüssel. Es ging um staatliche Unterstützung. Währenddessen wurden die Zahlen bei Saab immer mehr leuchtend rot. Der Rest ist bekannt.

Ich habe daraus meine Lektion gelernt, sagte Forster zum Svenska Dagbladet. Wenn man nicht in die Produktentwicklung investiert, dann funktioniert es nicht.

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Das Interview – es ist das erste Mal, dass Forster so offen spricht – lässt uns ahnen, wie schlecht es über die Jahre um Saab stand. Es zeigt auch, wie merkwürdig planlos die GM-Strategie war. Man investierte auf der einen Seite viel Geld in eine moderne Fertigung und installierte eine der besten Lackieranlagen im ganzen Konzern in Trollhättan. Auf der anderen Seite wurde über 12 (!) Jahre kein Geld für die Entwicklung weiterer Produkte frei gegeben.

Hätte ein 9-3 SUV Saab retten können?

Ein SUV auf Saab 9-3 Basis wäre sicher ein Umsatzbringer geworden. Die kleine Modellreihe war seit jeher für die Stückzahlen verantwortlich. Vielleicht hätte Saab damit, im allgemeinen SUV-Boom, überlebt und wäre heute noch ein Teil von GM. Ob das gut oder schlecht gewesen wäre, das ist die Frage. Auf SU gab es vor einigen Tagen eine entsprechende Diskussion, und manche Kommentatoren sehen Saab bei GM besser aufgehoben als bei NEVS. Die Antwort wissen wir in 5 oder 6 Jahren, wenn wir die Entwicklung unter NEVS-Regie beurteilen können.

Vier neue Saab – wir kennen nur drei…

Eine Frage bleibt aber offen. Carl Peter Forster spricht von vier Fahrzeugen, die neu für Saab entwickelt wurden. Wir kennen die Saab 9-5 NG Limousine und den 9-4x. Nummer drei wäre der Sportkombi gewesen, welcher unvollendet in die Spyker-Zeit kam und dann in Trollhättan fertig entwickelt wurde. Die Serienreife war gegeben, nur kam es nicht mehr zur Produktion. Fehlt nach wie vor ein weiterer Saab. Ist es ein Fahrzeug basierend auf der Phoenix-Plattform, die,  so erzählt es die Legende, ohne Wissen von GM entwickelt wurde? Oder gab es einen weiteren unvollendeten Saab – vielleicht ein kleiner, kompakter 9-1?

Diese Fragen könnte Carl Peter Forster beantworten, und vielleicht tut er es eines Tage. Wenn er will.

Text: tom@saabblog.net

Bild: General Motors

 

 

13 Gedanken zu „Carl Peter Forster spricht über Saab

  • Toller Artikel, vor Allem das Ende liest sich fast so spannend wie ein Krimi 🙂

  • Moin zusammen.

    Sehr schöner und interessanter Artikel!
    Und über GM kann man sich teils wirklich nur wundern.

    Ein großer neuer 900 ´er mit Fließheck hätte mich ja immer wieder gefreut!
    (Wenn ich mal überlege, was wir alles problemlos und dank riesiger Klappe auch sehr komfortabel an Zeugs z.B. in unsere 9000 ´er gekriegt haben: Kühlschränke, Möbel, Waschmaschinen, etc.) 😉

    • Das war doch die Philosopie dahinter….Das man mit einem Saab 900 oder 9000 ins nächste Ikea Möbelhaus fahren und einladen konnte. Die Schweden dachten zumindest etwas weiter, als später GM….

  • Der 540 (9-3 III) war schon 2008 auf dem Reißbrett, damals noch basierend auf Eps II (zu groß mit 4,8m), dann Delta II (Die Big wheel version, Astra OPC, mit der Länge vom Zafira hätte gut gepasst) und kurz vor der Pleite von GM sogar Gamma II (Corsa), kein Wunder dass man in Schweden wieder mal eigene Brötchen backen wollte.

  • Irgendwie erschreckt mich dieser Artikel. Wenn man liest, wie ein Großkonzern tickt, dann werde ich ratlos. Bei GM hat man scheinbar nichts gelernt. Nachdem man OPEL fast mit CHEVROLET kaputt gemacht hat, nimmt man die Marke vom Markt. Sie so langfristige Strategie aus?

    • Opel hat sich selber demontiert, mit hundslausiger Qualität in den achziger und neunziger Jahren…. Habe zu dieser Zeit in einer GM USA/Opel Vertretung gearbeitet… mit den Caddys, Buicks, Chevys usw. hatten wir wesentlich weniger Probleme als mit den Rüsselsheimern….
      Und ist der Ruf mal hin…

  • So it goes 🙁 Ich bin sicher Forster hätte noch mehr erzählen können.

  • So kann man viel über Fehler lernen die selbst Großkonzerne ins straucheln bringen. Kann man nur hoffen das es NEVS besser macht und schnell neue Modelle bringt. Ein 9-1 zb. derlässt sich auch gut als EV vermarkten.

  • Autosalon Brüssel 2014 (14. – 26. Januar), http://www.autosalon.be : Von SAAB findet man über die (auf der Eintrittsseite) kein Wort. Eigenartig; oder schade. Auch wenn Brüssel nicht unbedingt zu den ganz grossen Salons zählt.

    • Die erste Automesse für Saab wird Peking sein. Über europäische Auftritte ist nichts bekannt und ich rechne vor der Autoshow in Paris nicht damit. Aber vielleicht überrascht man uns…

      • Als Ergänzung: Die Stimmungslage bei VOLVO. – Die Zukunft liegt in China ?
        Quelle: http://www.tijd.be/dossier/autosalon/CEO_zaait_onrust_over_toekomst_Volvo_Gent.9452166-7593.art

        Interne Übersetzung aus dem Flämischen (aus De Tijd)

        Der CEO (von VOLVO) verbreitet Unruhe zur Zukunft von VOLVO Gent (Belgien)

        Der Schwedische Autohersteller VOLVO, heute in den Händen von Geely (China), zieht die Ausfuhhr aus China in die USA und nach Europa in Betracht. Das hat CEO Hakan Samuellsson im Umfeld des Autosalons in Detroit ausgesagt.

        Eine solche Ausfuhr (aus China) wäre eine schlechte Nachricht für die VOLVO-Fabriken in Schweden und in Gent (Belgien), welche heute die USA und Europa belieferen. Sie würden eine harte interne Konkurrenz von chinesischen Schwester-Nierlassungen bekommen.Bei VOLVO Gent arbeiten 5000 Leute.

        Bis heute war die offizielle Aussage von VOLVO, dass die Autos aus den chinesischen Fabriken ausschliesslich für den chinesischen Markt bestimmt sind.Heute wird erklärt, dass die chinesische Produktion auch anderswo verkauft werden kann. „Aber es gibt noch keinerlei Beschlüsse“ unterstreicht der Sprecher Stefan Elfström.
        „Wir müssen Gespräche führen und Menschen überzeugen, wenn wir Premium-Autos aus China exportieren wollen“ erklärte Samuelsson in Detroit. Geely liess schon früher durchblicken, dass man mit VOLVO zusammen entwickelte Autos ab 2016 in die USA zu exportieren gedenke.

        „Es ist noch nicht direkt für morgen, dass die chinesischen VOLVO kommen“ ist darauf die Reaktion der Gewerkschaft BBTK, welche darauf verweist, dass die chinesische Fabrik in Chengdu soeben erst eröffnet wurde. „Wenn es den Chinesen gelingt, Autos von einer bestimmten (hohen) Qualitätä herzustellen, dann wäre das vielleicht eine Möglichkeit“ erkennt BBTK-Gewerkschafter Peter De Sutter. „Ob das Wrklichkeit wird, ist eine andere Frage. Ob die Welt auf Autos aus China wartet, ist erst recht eine andere Frage“.

  • Leider verstehe ich die Aussage nicht. „Nicht mehr investiert“ wäre für mein Gefühl ein Zufluss von Mitteln von Außen. Ich kann verstehen, wenn GM der Ansicht gewesen wäre, dass sich Saab aus sich selbst heraus finanzieren sollte, zumal ja die Technologie des Gesamtkonzerns zur Verfügung stand. Du, Tom, interpretierst das aber anders, nämlich als wenn selbst Saab-eigene Gewinne nicht mehr zur Entwicklung verwendet werden durften, was ein ziemlicher Unterschied ist.

    Schließlich heißt das ja insgesamt immer noch nicht, dass keine neuen Saabs entwickelt wurden. Irgendwann habe ich gelesen, dass die Entwicklungsabteilung in Trollhättan auf die Hälfte geschrumpft wurde, auf ca. 450 Leute. Damit kann man natürlich keine eigenständigen Autos mehr bauen, sondern nur noch die Design-Deko. Aber natürlich konnte Opel weiterhin Saabs entwickeln und in Trollhättan bauen lassen. Und das war doch auch die Strategie, auch wenn sie einige Jahre später mal wieder über den Haufen geworfen wurde (vgl oben), vermutlich nachdem sich zeigte, dass Saab ne schlagkräftige Entwicklergruppe hatte und Opel eigentlich nicht so motiviert war, die tollsten und interessantesten Saabs zu konstruieren (das war ja die Zeit, wo Opel so viele GM-Modelle entwickeln musste, dass sie nicht mehr dazu kamen, auch noch Opels zu entwerfen).

    • Meine Interpretation ist, dass GM nicht in neue Saab Produkte investiert hat. Saab selbst war dazu nicht in der Lage, da die Gewinne in Schweden über Jahre immer auf Null oder auf Verlust gerechnet wurden. Möglichkeiten dazu gab es viele. Damit hatte das Unternehmen im Konzern keinerlei Möglichkeiten eigenverantworlich zu investieren. Für GM war dies ein Vorteil, solange man die Gewinne anderer Konzenrmarken in Schweden steuersparend gegenrechnen konnte.

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