SAAB Talk: Gutachten, Personalien, offene Stellen

Während wir an unserer Saab-Klassiker-Kollektion für den Saab Fan Shop arbeiten, kommen aus Schweden Wirtschaftsmeldungen zum Thema Saab. Eigentlich haben wir genug von den Wirtschaftsgeschichten, aber sie gehören eben dazu. Ursprünglich sollte zum 30. November ein Bericht der Saab-Administratoren dem Amtsgericht in Vänersborg vorgelegt werden…

Einige Prototypen der Saab Klassiker Collection

Dieser wird sich verzögern, aber es gibt bereits ein Gutachten der Wirtschaftsprüfer über den Zeitpunkt der Insolvenz, aus welchem erste Details bekannt wurden. Demnach soll der Zeitpunkt der Zahlungsunfähigkeit schon zum Jahresbeginn 2011, spätestens jedoch mit dem Produktionsstop am 6. April eingetreten sein. Gut 8 Monate vor Stellung des Insolvenzantrags also.

Eine neue oder gar erstaunliche Erkenntnis ist das nicht, aber auch kein Grund, jetzt das böse Wort „Konkursverschleppung“ in den Mund zu nehmen. Denn so einfach ist das nicht, kamen doch immer wieder Gelder aus verschiedensten Quellen, und es konnten Löhne, Gehälter und Steuern – teilweise auch offene Forderungen –  bezahlt werden.  Zudem bestand die Aussicht – zumindestens zeitweise – alle Forderungen bedienen zu können. Die endlose und mittlerweile lästige Spyker-Saab-Muller-GM-Geschichte wird mit diesem Gutachten nicht abgeschlossen werden und wird immer mehr zum  Fall für die Gerichte.

Diese und die Anwälte werden daran ihre helle Freude haben. Denn es geht dabei auch und hauptsächlich um die Rückzahlung größerer Summen, welche die Administratoren der Konkursmasse einverleiben wollen. GM soll ein paar Millionen zurück überweisen, Spyker auch, Muller sowieso und natürlich auch Lofalk. Zusätzlich im Raum steht der Eindruck der Steuerhinterziehung.  Zahlungen von Youngman sollen nicht richtig gebucht worden sein, was im Chaos der dramatischen Tage des Jahres 2011 kein Wunder wäre.

Okay, fest stehen zu diesen Themen einige Dinge. Wir werden von diesen Geschichten noch des Öfteren erzählen, aber das alles bringt uns Saab nicht wieder. Auch die verschwundenen Arbeitsplätze können dadurch nicht zurückgeholt werden, und an eine Quote für die Lieferanten ist ebenfalls nicht zu denken. Die ganze Story nutzt letztlich nur den Anwälten aller Seiten, welche die Gerichte noch Jahre belagern werden.

Noch mehr Randnotizen aus dem Saab-Umfeld gab es in den letzten Tagen.

Personalie 1:

Martin Larsson, ehemals bei der Saab Automobile als Hoffnungsträger und Nachfolger von Victor Muller gehandelt, hat einen neuen Arbeitsplatz bei Plastal. Als neuer CEO übernimmt er den Platz von Per-Ewe Wendel, der das in der Automobil – Zulieferindustrie tätige Unternehmen zum Jahresende auf eigenen Wunsch verlässt. Larsson, der unter anderem Einkaufschef bei GM war, hatte sich nach dem Saab-Konkurs mit einem Consulting Unternehmen selbstständig gemacht. Plastal ist ein traditioneller Saab-Lieferant und könnte bei einem Neustart erneut mit an Bord sein.

Personalie 2:

Roger Malkusson, der auf 20 Jahre Saab-Erfahrung zurück blicken kann, ist mittlerweile in China gelandet. Seit drei Jahren ist er als Executive Manager Vehicle Integration bei Qoros tätig. Eine ähnliche Position begleitete er zuletzt bei Saab. Für Qoros wird es im nächsten Jahr ernst, die ersten Produkte rollen nach langer Vorbereitungszeit vom Band. Zeit für gute Presse. Gegenüber dem Svenska Dagbladet betonte er die schwedische Beteiligung am israelisch-chinesischen Projekt und lässt stolz durchblicken, dass Qoros Auto als erstes Produkt aus China alle internationalen Standards erfüllen wird.

Offene Stellen bei den Chinesen in Trollhättan…

Sollen wir eigentlich noch über den Investor aus China schreiben? Die Blog-Ausrichtung wird sich in Zukunft immer stärker an unseren Autos und an der Saab-Szene orientieren, aber wir behalten die neuen Eigentümer des Werks unter Beobachtung. In Trollhättan schreibt man von Zeit zu Zeit neue Jobs aus. In den letzten 14 Tagen waren es ein Industrieelektroniker ( der Arbeitsplatz scheint mittlerweile besetzt ), ein Projektleiter für die Produktion  und ein Projektleiter Karosseriebau.

Wenn sich die Dinge wirklich in die richtige Richtung entwickeln sollten, dann entwickeln sie sich sehr, sehr langsam. Drei Stellen in zwei Wochen, das ist nicht viel. Aufbruchstimmung sieht anders aus…

Text: tom@saablog.net

Bild: saabblog.net

5 Gedanken zu „SAAB Talk: Gutachten, Personalien, offene Stellen

  • Bei NEVS geht es wirklich nur langsam vorwärts. Wollte man nicht jetzt mitteilen ob der 9-3 wirklich geabut wird und ob die Lieferanten mitspielen?

  • BTW: Nettes Mousepad, gute Idee 😉

  • Hallo Saabfans 🙂

    mich wundern die teilweise wiedersprüchlichen Aussagen in diesem Berichte:

    … Plastal ist ein traditioneller Saab-Lieferant und könnte bei einem Neustart erneut mit an Bord sein.

    Okay, fest stehen zu diesen Themen einige Dinge. Wir werden von diesen Geschichten noch des Öfteren erzählen, aber das alles bringt uns Saab nicht wieder.

    Oben berichtet man, dass Plastal bei einem Neustart als Lieferant mit an Bord sein könnte und unten schreibt man, dass all diese Vorkommnisse uns SAAB nicht wiederbringen.

    FRAGE:
    „Sind diese Aussagen reine Spekulationen oder köchelt da was leise vor sich hin im Land der Trolle?“ 😉

    Gruß aus Bayern

    • Bitte im Zusammenhang lesen. Zwei verschiedene Themen. Juristereien und Gutachten = bringen uns Saab nicht zurück. Neue Produktion im Werk, durch NEVS (aktuell wohl spekulativ) = Plastal wäre dabei. 😉

  • Hallo Tom,

    so betrachtet macht es Sinn. Es war auch ein kleiner Versuch, vielleicht noch ein Quäntchen mehr an Informationen zu bekommen 😉

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