SAAB News: Ausstieg bei 500 Millionen

Erinnern wir uns an das Drama um Saab, an das Bieter-Rennen in Schweden. Und erinnern wir uns an unseren Favoriten, den wir als Wunschpartner für Saab hatten. Vieles ist heute noch unklar, und manchmal kommt zumindest Licht in die Sache aus Quellen, wo man es am Wenigsten erwartet.

Trollhattan am Kanal in der Morgenstunde

Mahindra & Mahindra + Aston Martin?

Seit gut einer Woche schwirrt das Aston Martin Gerücht durch die Autowelt. Tatsache ist, dass der in Kuwait beheimatete Investor Investment Dar Co. gerne seine Anteile an dem Sportwagenhersteller von der Insel verkaufen würde. Investment Dar Co. ist Aston Martin Hauptaktionär mit 64 % und soll, glaubt man Bloomberg, die Rothschild Bank engagiert haben, um Käufer zu finden. Investment Dar Co. selbst dementiert – inoffiziell. Ein offizielles Statement fehlt.

Zwei Firmen werden als mögliche Käufer gehandelt. Toyota und Mahindra. Mehrere Analysten haben, wie allgemein üblich, sich mit diesen Szenarien beschäftigt. Dass Mahindra & Mahindra die geforderte Summe, man spricht von 800 Millionen US Dollar, zahlen wird, gilt als unwahrscheinlich. Mahindra schwimmt zwar auf einer Erfolgswelle, für das neue kleine SUV Quanto gab es in zwei Monaten 10.000 Bestellungen, ist aber hauptsächlich mit der Einführung der 2010 erworbenen Marke Ssangyong beschäftigt.

Mahindra, so die Analysten wie der in Mumbai beheimatete Business Standard, sei mehr auf der Suche nach einer günstigen Gelegenheit. Aus diesem Grund sei man auch beim Rennen um Saab ausgestiegen. Der Preis für den Hersteller aus Schweden habe nahe bei 500 Millionen Dollar gelegen. Im Hinblick auf die weiter zu erwartenden Investitonen bei Saab sei das zu viel gewesen, und man habe sich verabschiedet.

Hmm….. 500 Millionen Dollar also !  Rechnen wir den Preis für das Werk, die Saab Parts AB, Powertrain und Tools zusammen, dann sind wir so in etwa bei dieser Summe. In Schweden erzählte man damals, dass den Indern der Preis für die Ersatzteil-Tochter in Nyköping zu hoch gewesen sei. Die Nachrichten aus Mumbai untermauern dies.

Stimmt das, und so scheint es, dann ist der Verkauf nach Indien an der harten Haltung des Staates gescheitert. Der wollte den vollen Preis und war zu keinem Abschlag bereit. So wird demnächst aus der Saab Parts AB ein Unternehmen in Staatsbesitz.

Mahindra wollte keine 500 Millionen Dollar zahlen, und Geely, Volvo Eigentümer, sollte den Saab Automobil Konzern für eine einzigste Million übernehmen.

Geely erfolgreich = Volvo nicht

Ob Geely ein guter Eigentümer für Saab gewesen wäre, ist fraglich. Die Antwort werden wir nie erfahren. Ob Geely eine gute Mutter für Volvo ist, das werden wir irgendwann wissen. Während es mit Volvo nicht gut läuft, ist Geely auf dem Weg nach oben. Im Oktober verkauften die Chinesen 48.609 Autos. Ein stolzes Plus von 35 % gegenüber dem Vorjahr, was auch dem stark angezogenen Export zu verdanken ist. Mehr als jeder vierte Wagen wurde exportiert.

Während Geely boomt, läuft Volvo in China weiter im Rückwärtsgang. Die Verkäufe brachen im Oktober um 11.7 % auf 3.389 Fahrzeuge ein. Damit hat sich der Abwärtstrend weiter beschleunigt, bis September lag der Rückgang gegenüber dem Vorjahr noch bei 7.3 %.

Geely hat mit Volvo, oder mit der Volvo DNA einiges vor. In Kürze soll eine neue Marke gegründet werden, die so will es Geely, eine Art Chinesische Volksmarke werden soll. Die Technik soll weitgehend von Volvo kommen und das Design soll eindeutig skandinavische Züge tragen. Aktuell sucht der Geely Designchef, zu Besuch in Göteborg, Mitarbeiter für dieses Projekt.

Autoindustrie ohne Autos = Zukunft

Wie die Zukunft der Autoindustrie in Schweden in vielleicht 5 Jahren aussehen wird,  ist eine spannende Frage. Vorgestern gab es im Saab Bilmuseum einen recht düsteren Termin zu diesem Thema. Professor Bo Dahlbom von der Universität Göteborg hielt einen, wie Besucher erzählten, recht gespenstigen Vortrag seiner Zukunftsvisionen.

Sein Credo „wir sollen nichts tun was die Chinesen billiger können“ kommt auf folgende Konsequenz. In Schweden wird eine Autoindustrie ohne Autos entstehen. Schweden wird als Serviceplattform oder als „Think Tank“ Ideen liefern. Die Frage, die es zu lösen gäbe, sei nicht wie man von A nach B fahren würde, sondern was man in der Zwischenzeit während der Fahrt tun könne.

Schweden denkt und China baut. So meinte es der Professor. In Trollhättan kann man, als eine Art von großem Versuchslabor,  heute schon das Ergebnis solcher Visionen begutachten. Die Ingenieure haben Arbeit, das ist gut so. Man entwickelt und forscht für Autohersteller überall auf der Welt. Aber was macht der Rest ?  Bei meinem letzten Besuch in der Saab Stadt waren die unschönen Resultate dieser Entwicklung zu sehen.

Bei Sonnenaufgang war ich unterwegs vom Swania, immer den Kanal entlang, in Richtung Bilmuseum. Dabei auf der Suche nach schönen Fotomotiven. Zu sehen bekommt man Einwohner, die – mit zuviel Alkohol im Blut – den Nachhauseweg nicht mehr gefunden haben. Oder leere Flaschen, die entlang des Wegs von einer durchzechten Nacht künden. Vor zwei Jahren gab es diese Anzeichen noch nicht, aber wem soll man es verdenken? Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Perspektiven mies.

Wie war das noch mit Schweden und dem Volksheim? Vorbei. Oh Schweden, wie hast du Dich verändert…

Text: tom@saabblog.net

Bild: saabblog.net

7 Gedanken zu „SAAB News: Ausstieg bei 500 Millionen

  • Die SAAB Geschichte ist immer noch voller Geheimnisse. Was hätte alles sein können..

  • Interessante Details zu Mahindra. Vielleicht hätte NEVS sich lieber um Aston Martin bemühen sollen (obwohl sie dann heute wohl NEVGB heißen würden 🙂 ).

    Noch ein Gedanke zu dem genannten Vortrag. Wenn der Vortrag auf „Schweden denkt, China baut“ zusammenfassbar ist, zeugt das in meinen Augen von einer gewissen Arroganz des Vortragshaltenden. Mit diesem Ansatz -so meine Prognose- wird sich der eine oder andere schneller umgucken als gedacht.

  • Auch was von Professoren kommt, sind fast immer Einzelmeinungen – es gibt aber auch Ausnahmen: Unsere sog. Wirtschaftsweisen haben sich bereits häufig sogar im Kollektiv geirrt – die spätere Wirtschaftsentwicklung kam völlig anders als vorhergesagt!

    In meinem Bekanntenkreis gibt es auch einige Professoren aus verschiedenen Fachrichtungen – es sind halt allesamt in erster Linie Theoretiker, die mit dem tatsächlichen und alltäglichen Leben wenig Berührungspunkte haben.

    Es ist mir völlig unverständlich, was der schwedische Professor von den Chinesen hält. Die können auf absehbare Zeit mit Sicherheit auch selber denken und entwickeln (siehe Japan). Damit würden dann auch noch die restlichen Arbeitsplätze in der Region Trollhättan verschwinden – mit dem auf die Zukunft gerichteten Denken klappt es bei Professor Bo Dahlbom nun anscheinend wirklich nicht!

    Viele Grüße aus Hamburg

  • Ja die Prognose ist düster,
    Ohne Wertschöpfung keine Zukunft!
    Gute Nacht Europa…. Hoffe das die Gelehrten wieder einmal falsch liegen

  • Eine ganz seltsame Denkweise die zu unseren konfliktscheuen schwedischen Freunden passt. Statt die Herausforderung anzunehmen und einfach alles besser als die Chinesen zu machen lassen wir es lieber ganz sein. 🙁

    • Leider ist es so, dass sich nicht nur im Land Schweden viel verändert hat…..

  • So richtet man einen ganzen Wirtschaftszweig zugrunde – zu glauben, dass in Schweden entwickelt und in China gebaut wird, erinnert an GM – Komponenten und Produkte auf der ganzen Welt billig zusammenkaufen und unter verschiedenen Labels weltweit verkaufen. Das käme in Italien und Frankreich keinem in den Sinn. So werden wir nun mit KIA-Hyunday-Chevrolets beglückt, die vor nicht allzu langer Zeit noch nicht mal einen Airbag hatten, geschweige denn einen primitivsten Crash-Test erfüllt haben. Hauptsache billig! Das gleiche, was mit SAAB passiert ist, läuft nun mit Opel ab. Ich denke nicht, dass dies eine Perspektive für SAAB-Fahrer ist, die ein unkonventionelles Fahrzeug mit Charakter und technologischen Alleinstellungsmerkmalen suchen.
    Wie heute bekannt wurde, gibt SAAB Aero eine Garantie an die Schweiz, SAAB-Grippen-Flugzeuge rechtzeitig liefern zu können. Will man die auch in Schweden entwickeln und in China fertigen lassen, wenn die ganzen Zulieferketten dorthin abgewandert sind ? Gemäss Wikipedia wird das Flugzeug in Schweden gefertigt, die Komponenten stammen vor dort oder aus Europa, der USA oder aus Südafrika.
    Immerhin hat die Familie Wallenberg, die SAAB seinerzeit an GM verscherbelt hat, eine Spende an das SAAB-Museum gemacht. (Ironie). Das Familienvermögen de Wallenbergs wandert zwischenzeitlich um die Welt und sucht sich neue Investitionsmöglichkeiten. Obwohl ich sehr wirtschaftsfreundlich bin – dies ist Kapitalismus, wie ich ihn mir NICHT vorstelle. Die Menschen, die dahinterstehen und von Arbeitsplätzen abhängig sind, bleiben auf der Strecke!

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