SAAB News: Verstrickungen…

In Schweden hat die Aufarbeitung der Saab Geschichte begonnen. Die Politik scheint – bis in die höchsten Kreise – tiefer in die Akte Saab verstrickt als ursprünglich erwartet. Saab Administrator Guy Lofalk, der, das muss man fairer Weise erwähnen, vom Saab Management für die Rekonstruktion ausgewählt wurde, engagierte eine PR-Firma, welche die Rechnung nicht an Lofalk, sondern an Saab stellte.


Halvarsson & Halvarsson erbrachte für den Administrator Trainings- und Mediendienstleistungen. Zu einem Stundensatz von 3.000 Kronen, welche Saab in Rechnung gestellt wurde. Anne Petre, ehemalige Saab Juristin, berichtete SVT, dass Saab Automobile sich weigerte, die Kosten in Höhe von 1.8 Millionen Kronen zu übernehmen. Saab habe nie Kontakt zu Halvarsson & Halvarsson gehabt. Besonders pikant, und damit kann man einen Teil der Verstrickungen erahnen, ist die Tatsache, dass mit Ulrika Schenström eine ehemalige Mitarbeiterin Fredrik Reinfeldts als Beraterin engagiert wurde.

Lofalk ist der Meinung, dass alles mit Saab abgesprochen war. Muller und Anne Perte widersprechen. Es ist die Zeit der Abrechnung. Hohe politische Kreise und führende Persönlichkeiten wie Anders Borg und, so wie es aussieht, auch Fredrik Reinfeldt sind betroffen. SVT scheint weiter Recherche zu betreiben und hat den Beitrag zu den dubiosen Rechnungen online gestellt. Saab ist ein großer Krimi mit Stoff für viele dunkle Winterabende. Es bleibt spannend und dramatisch, die Saab-Story ist noch nicht vorbei!

Text: tom@saabblog.net

21 thoughts on “SAAB News: Verstrickungen…

  • Mich überrascht das alles wenig. Ich hatte vor Monaten schon mal auf den unaufgeklärten Palme-Mord und die ebenso von höchster Stelle verhinderte “ESTONIA”-Aufklärung hingewiesen, das war in Schweden schon lange irgendwie anders.
    Aber vor unserer Haustür läuft es ja auch nicht besser, Mehrwertsteuersenkung für Hoteliers, Netzgebhrenbefreiung für Hühnerfarmen und Golfplätze, versuchter Druck auf die Medien – Berlosconi läßt grüßen….Es ist überall nur noch Sumpf!

  • @Karl
    Auch wenn NEVS nicht im entferntesten so viel bezahlt hat wie es Youngman oder Mahindra getan hätten: Es ist schon ziemlich kostspielig, für ein paar Hundert Mio Saab zu “eliminieren”. Und die Frage ist doch auch immer – warum? Bei den ganzen Verschwörungstheorien sollte doch immer auch geschaut werden, wem Saab im Wege stehen könnte. Volvo? Blödsinn.

    Also: Wer hat ein Interesse daran, Saab verschwinden zu lassen? Ausser GM, die lange Know-how abgezogen haben und Verluste auf Saab gebucht haben, dass sie mal die Reissleine gezogen haben.

    • Scheinbar hast du den Film nicht gesehen oder verstanden. Aber sicher wurden dort auch nur Verschwörungstheorien verbreitet.
      Ich kann nur empfehlen sich etwas mit der schwedischen Politik zu befassen.
      Ja, Saab steht nach Ansicht führender Politiker in Schweden Volvo im Weg. Genau deshalb wurde Saab auch für die lächerliche Summe von 1 Mio. Geely angeboten. Da dieses Geschäft geplatzt ist, kam mit der Gründung von NEVS Plan B zum Zuge.
      Die Regierenden in Schweden haben große Angst das Volvo nicht zu halten ist, dafür sind sie bereit große Anstrengungen zu unternehmen. Saab ist klein und stört nur bei der besseren Etablierung von Volvo auf den Märkten.
      Das Geld, dass NEVS für Saab bezahlt hat, woher stammt es? wieviel war es? Warum hat der Staat Saab-Parts gegen seine Überzeugung übernommen? Wenn du das alles hinreichend beantworten kannst, dann kannst du von Verschwörungstheorie sprechen.

      • Das Geld stammt sicherlich aus der Portokasse von Anders Borg – aber mal Quatsch beiseite: Der öffentlich gemachte Kaufpreis lag bei in etwa € 200.000.000,00 – insbesondere wenn es um Transaktionen in dieser Höhe geht, ist eine genaue Buchführung durch Hans Bergqist + Mitarbeiter unerlässlich und muß mit Sicherheit diversen Überprüfungen durch amtliche Stellen standhalten.

        Bekanntlich ist Jiang zwar ein millionenschwerer Geschäftsmann – der Kauf einschließlich SAAB-Parts war dann aber wohl doch einen Brocken zu groß.

        Man muß doch nun nicht zwanghaft hinter allen Vorgängen, die aktuell in den Händen von Bergqist und einer Vielzahl von Mitarbeitern liegen, krumme Geschäfte (wie unter Lofalk) vermuten – langsam könnte es dann damit doch ziemlich lächerlich werden!

        • Genau so ist es. Bergqvist wird in diesem Monat einen Bericht für das Gericht abliefern. Dieser wird dann auch im Internet verfügbar sein und damit transparent. Bis Fakten zum Verkauf vorliegen sollten wir uns entspannen und in Geduld üben. Wie immer 😉

        • Joachim, stehst du auf der Lohnliste von NEVS?
          Oder warum verdrehst du alles und versuchst es ins lächerliche zu ziehen?
          Am besten du meldest dich beim schwedischen Fernsehen, die leiden ja scheinbar an zwanghaften Vorstellungen.

          Der Bericht hat sehr eindeutig dargestellt das Lofalk mit Untersützung der schwedischen Regierung gearbeitet hat. Es entstand durchaus der Anschein, dass er einen entsprechenden Auftrag hatte.

          Der Insolvenzverwalter hatte bessere Angebote, als dass von NEVS, trotzdem bekam NEVS den Zuschlag. Da im Gegensatz zu anderen Angeboten NEVS Saab-Parts nicht übernehmen wollte, hat der Staat Saab-Parts übernommen. Dies ist zumindest eine seltsame Vorgehensweise, deshalb ist da Misstrauen durchaus angebracht. Wenn man dann noch die Vorgeschichte kennt, ist die Annahme sicher angebracht, dass es Absprachen und Empfehlungen, vielleicht auch mehr, seitens der schwedischen Regierung gegeben haben könnte.

          Wieso sollten die Bücher von Bergqist nicht in Ordnung sein? Was hat das mit der Einflussmaßnahme durch die schwedische Regierung zu tun?

          Wer steht hinter Jiang? Bisher ist nicht bekannt wer die Geldgeber sind. Es könnten also durchaus die gleichen Quellen sein die hinter Geely/Volvo stehen.

          Der angeblichen Summe von € 200.000.000,00 stehen ja auch Werte gegenüber. Hätte GM Saab einfach geschlossen, was hätte das gekostet? Es kann durchaus lukrativ sein eine Fabrik nur zu kaufen um so Konkurrenz zu vermeiden und die Abwicklung billiger zu machen. Wenn mehrere das selbe Ziel haben, entsteht eine tolle Win-Win Situation, obwohl der erste Eindruck ein anderer ist und die Kosten sind dann für alle zusammen Peanuts.

          Man darf nicht vergessen, die Aktionen der Saab-Anhänger Weltweit haben sicher dazu geführt, dass niemand den Makel anhaften haben möchte, für die Abwicklung von Saab die Verantwortung zu haben, von den Arbeitslosen in Trollhättan ganz abgesehen. Bei einer solchen Ausgangslage, kann die Abwicklung über einen Zwischeninvestor viele Vorteile haben.

          Die bisher von NEVS investierten Summen sind ein Nasenwasser, im Vergleich zu den Kosten die nötig sind eine Automarke wieder zu etablieren. Wenn man noch die erforderlichen Entwicklungskosten und die Betriebskosten der stillstehenden Fabrik betrachtet, dann wird klar, bis jetzt ist nur Kleingeld geflossen.

          Solange NEVS keine kapitalintensiven Schritte vorgenommen hat, sind Zweifel an deren Ernsthaftigkeit angebracht.

          • Hallo Karl,

            vielleicht liegen die Fakten doch etwas anders.

            Bis zu Deiner Feststellung, dass Lofalk und die schwedische Administration zusammengearbeitet haben, stimme noch zu – dazu sollten nun endlich auch die beteiligten Personen Rede und Antwort stehen.

            Dann wurden jedoch neue Personen mit der Sache betraut – mit dem Vorteil, dass nicht nur eine Person (wie zuvor Lofalk) sondern eine ganze Schar von Anwälten unter dem besagten Bergqvist tätig waren und es auch noch sind!

            Wir sollten nun diese Leute nicht in die gleiche Schublade zu Lofalk stecken und hinter Jiang muß nicht zwingend ein weiterer Geldgeber stecken – bisher konnte man immer lesen, dass Jiang alles aus eigenen Mitteln finanziert. Er hat schließlich florierende Firmen diverser Ausrichtungen in China.

            Auf SAAB United wird aktuell berichtet, dass nunmehr auch Mitarbeiter für die Auto-Produktion eingestellt werden sollen – wäre dies nicht auch Deiner Meinung nach die richtige Vorgehensweise um in absehbarer Zeit loszulegen?

            Viele Grüße aus Stormarn

    • …war da nicht mal (und nicht nur am Rande) die Rede davon, dass der gesamte schwedische Staat sich langfristig nur noch von administrativen Aufgaben ernähren wollte? Da passt allerhöchstens noch das Zusammenbauen von E-Mobilen ins Geschäftsmodell einer gesunden schwedischen Zukunft, quasi als Übergangslösung für die Unverbesserlichen, die sich unbedingt von körperlicher Arbeit ernähren wollen. Abstrus aber leider wahr.

    • Also auch wenn GM Know-how abgezogen hatte, sollte man nicht vergessen, dass auch das Geld von GM kam um dieses Know-how zu erarbeiten.
      Auch ich hätte am liebsten von all den Möglichkeiten Lotus-Youngman als Käufer von Saab und Übernahme aller Mitarbeiter gesehen.
      Doch kann ich auch sehr wohl GM verstehen, leider, dass sie nicht bereit waren das ganze Know-how an die Chinesen zu übergeben. Denn alle neuen Fahrzeuge von GM beruhen auf der (ich glaube) Sigma-Plattform des Opel Insignia; Saab 9-5; Buick und auch der neue Cadillac XTS. Und da kann man leider wirklich nicht das ganze Wissen für einen Spottpreis von 400 Mio an die Chinesen übergeben, wenn man genau weiss, dass die das kopieren und nachher in tausendfacher Form damit den Rest der Welt überschwemmen werden.
      Leider haben sicher auch die Jungs von GM in Sachen Saab Fehler gemacht, aber was die schwedische Regierung mit Saab machte, das nennt man Hinrichtung!

      Deshalb ist die Aufarbeitung des Falles Saab äusserst wichtig, um die Wunden zu heilen, und um Saab wieder zurück ins Leben zu holen.

      Auch war es zynisch zu Glauben, dass nachdem ein Weltkonzern wie GM gescheitert ist, ein VM mit einer Produktion von nicht mal 20 Fahrzeugen im Jahr es schafft Saab’s überleben zu sichern.

  • Die Sache mit Lofalk und Konsorten ist einerseits Vergangenheit – die Aufarbeitung dieser Ungeheuerlichkeiten ist andererseits dennoch von größter Wichtigkeit und natürlich nur in der Gegenwart machbar.

    Wir sollten allerdings die Köpfe nicht nur hängen lassen, sondern auch mal an die Zukunft denken – GM (der andere Übeltäter neben schwedischer Regierung und Lofalk) ist glücklicherweise nicht mehr dabei und man sollte nunmehr mit NEVS das Machbare nach vorn bringen. Ob dabei der Start mit den alten Modellen gelingt oder doch gleich die E.-Modelle und evtl. sogar Hybrid-Modelle auf der Phoenix-Plattform herauskommen bleibt abzuwarten – ich sehe die Entwicklung insgesamt eigentlich eher positiv.

  • Für uns wird die Story aber kein gutes Ende mehr haben. Solche Schweinereien, und das ausgerechnet in Schweden, hatten mit Sicherheit die Wenigsten von uns auf der erahnt. Es ist nur schade, da wir alle mit soviel Herzblut dranhängen und so lange gebangt & gehofft hatten. Eigentlich hat man doch alle Betroffenen, ob Kunden Angestellte, Fans usw. fürstlich verar….!!!!

    • ………..eben, Bullerbü ist schon lange abgebrannt !

  • Die schwedischen Poltiker sind halt auch nur noch unterdurchschnittlich, was deren politische Vorgehensweisen angeht (kann man auch bei anderen Dingen feststellen) – in Sachen SAAB ist diese Unterdurchschnittlichkeit wie sich jetzt nach und nach herausstellt leider zusätzlich sogar in den kriminellen Bereich abgerutscht!

    Das diese Leute auch sehr gut mit GM “zusammenarbeiten” konnten ist ja wohl selbstverständlich.

    Was bei allen Politikern weltweit immer besonders gut klappt, ist das füllen der eigenen Taschen. Dabei läuft auch in Schweden, wie man sieht, alles ohne Probleme ab!

  • Ihr habt sicherlich Recht, dass es SAAB nun nicht mehr hilft.
    Oder eben doch? – Ich bin der Meinung, dass es die MArke SAAB durchaus helfen kann, zumindest den Ruf etwas besser werden zu lassen. Denn es wird ja nun immer offensichtlicher, dass SAAB durch zahlreiche Missgriffe und Intrigen zerstört wurde.
    Wenn es gelingt, diese Tatsachen vernünftig an die Öffentlichkeit zu bringen, kombiniert mit einer funktionierenden Ersatzteil- und Werkstattversorgung und glücklichem Handeln von NEVS, dann könnte es für die Zukunft von SAAB gar nicht mal so schlecht aussehen!
    Momentan kann ich der Entwicklung sogar wieder etwas Positives abgewinnen.

    • NEVS ist ein “Strohmann” der schwedischen Regierung und wurde nur gegründet um Saab zu eliminieren. Von NEVS etwas zu erwarten, dass eine positive Entwicklung für Saab bedeutet, ist naiv.
      Fragt sich keiner, warum gerade kurz vor der Veröffentlichung im Fernsehen, NEVS auf einmal prüft den 9-3 mit Verbrennungsmaschine neu aufzulegen?
      Zwei Volvo-Leute sollen eine neue Saab-Zukunft organisieren? Volvo steht mit dem Rücken zur Wand und die schwedische Regierung versucht alles um Volvo zu retten, dazu gehört auch die Zerschlagung von Saab. Nachdem verschiedenste Versuche gescheitert sind, wurde NEVS gegründet um Saab endgültig zu eliminieren.
      Den Verlust der Arbeitsplätze von Saab kann die schwedische Volkswirtschaft verkraften, wenn Volvo dicht macht, dann wankt Schweden.
      Wer die Sendung aufmerksam verfolgt hat, der hat gemerkt dass da noch viel im verborgenen Steckt.

      • Hallo Karl,

        sicherlich sehen doch auch Jiang und die anderen Spitzenleute bei NEVS, dass SAAB im Grunde keine weltweite Konkurrenz für Volvo ist – die sind doch nicht derart dumm wie die Leute bei GM.

        Ich nehme vielmehr an, dass versucht werden soll, neben Volvo die SAAB-Automobilsparte wieder zum Laufen zu bringen, damit auch hier wieder Arbeitsplätze entstehen und Jiang künftig vor allen Dingen ein florierendes Unternehmen lenken kann.

        Außerdem ist Jiang ein selbständiger Unternehmer, der lediglich vor längerer Zeit mal bei Volvo beschäftigt war – dies sollte man eher positiv sehen, da somit die Autoindustrie für Jiang kein Neuland ist!

        • Dann schau dir mal die Verbindungen an, zwischen den handelnden Personen. Jiang hat gerade zu den verstrickten Personen aus der Regierung ein enges Verhältnis.

  • Wen wundert da noch irgendwas? Verstehe einer die Politiker die ein nationales Symbol wie SAAB möglichst geräuschlos entsorgen wollten. Aber SAAB ist nicht tot, das Interesse ist international und wie Tom schreibt, die Story ist noch nicht zu Ende!

  • …..und was nützt das der Marke SAAB??? – Eigentlich gar nicht’s, würde ich jetzt mal behaupten…. Ganz im Gegenteil! Endkunden und Vertragshändler schütteln da nur den Kopf……

    • Das ist richtig. Die Aufarbeitung kommt für die Marke und für etliche 1000 Arbeitsplätze viel zu spät. Deshalb beschäftigt sich das Blog Team ab Montag lieber mit der Gegenwart und mit unseren Autos!

      • Leider hilft es unserer Marke sicher nicht!
        Es sollte uns aber doch etwas ausmachen, ob unsere Marke ‘gestorben’ oder ‘getötet’ wurde!
        Ganz nebenbei bemerkt ist der Wirtschaftskrimi auch ein Teil der SAAB-Geschichte und als Fan
        sollte man doch auch darüber informiert sein. Wissen beugt Gerüchten vor…

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