Der Brabus-Saab – Geschichte wiederholt sich (nicht) (2)

Die Karosserie des Saab wurde von Brabus nur in Details verändert, die dem Saab aber entgegen der sonst geltenden Bottroper Philosophie seinen Charakter lassen. Der Lufteinlauf ist mit schwarzen Lochblechen verkleidet, außen sitzen runde Nebelscheinwerfer. Das Auspuffendrohr ist oval, aus Edelstahl und etwas größer als beim Standardmodell.

Die Bereifung besteht aus 225/45er-Radialreifen von Nokian, aufgezogen auf in diesem Fall Dreispeichen-Felgen von OZ, die mit dem SAAB/Scania—Emblem auf einer Carbonimitat Scheibe versehen sind. Die Felgen erinnern an den Saab Klassiker und fügen sich daher nahtlos ins Gesamtbild ein. Ich habe die Bilder einiger aktueller Saab Felgen neben ein Bild des Autos gehalten und kann mir keine so richtig als Ersatz vorstellen.

OZ - Brabus Saab Felgen
OZ – Brabus Saab Felgen

Manche beklagen die mindere Qualität der verbauten Materialien. Über diese kann ich mich nicht negativ äußern. Es ist eben so, dass die Lochbleche tief über der Straße und noch dazu frontal in Fahrtrichtung stehen, und daher ein leichtes Ziel für aufgewirbelte Steine und sonstigen Schmutz sind. Dementsprechend zeigen sich irgendwann Schnitzer im Lack, die man aber auch selbst ausbessern kann. Die Qualität ist also nicht ganz so gering, wie das manche Foristen behaupten – ist eben alles eine Frage der Pflege.

Der Innenraum des Brabus Saab

Im Innenraum hat Brabus zweifelsohne die meisten Änderungen vorgenommen. Eingestiegen wird über verchromte Trittleisten (bitte nicht betreten!) mit dem Saab Emblem. Im Ledersitz niedergelassen, fallen sofort das Karbon-Armaturenbrett und die Karbon Applikationen am Lenkrad auf. Während die im Lenkrad auch nach 13 Jahren noch ansehnlich sind, ist es mit dem Armaturenbrett so eine Sache.

Edle Einstiegsleisten des Barbus Saab
Edle Einstiegsleisten des Barbus Saab

Verarbeitet wurde leider kein Karbon—Vollmaterial, sondern anscheinend eine Karbon Folie (oder ein Imitat) mit Kunststoffbeschichtung, die nach 13 Jahren Sonnenbestrahlung in ungünstigem Licht schon etwas zerschossen aussieht. An zwei Ecken hat sich zudem die Klebung gelöst, dieser Mangel lässt sich allerdings auch mit mittelmäßigem Bastelgeschick selbst beheben.

Allerdings sieht keine der Alternativen (Aluminium, Holz, hell oder dunkel) wirklich besser aus als das Karbon. Ich kenne die Kostenvorgaben, die GM oder Saab Deutschland Brabus (Link) gesteckt hat, nicht. Mit etwas weniger Sparen hätte man hier unter Umständen eine höhere Qualität und damit ein besseres Aussehen im Alter erkaufen können. Auch weitere Details – namentlich die Türgriffe und Türinnenverkleidungen – hätten so noch in Angriff genommen werden können.

Armaturenbrett des 9-5
Armaturenbrett des 9-5

Die meisten Armaturen sind mit Aluminiumblechen über dem Kunststoff verblendet, diese sehen auch nach 13 Jahren noch sehr schick aus. Im Einzelnen sind es die Radio—/Kassetten—/CD—Einheit, das SID und das ACC—(Klimaanlagen—) Modul, die hiervon profitieren, ebenso der Lichtschalter. Hier lösen sich auch die Verklebungen nicht auf. Beim Austausch einer der Komponenten können mit Fingerspitzengefühl die Verblendungen vom alten auf das neue Gerät übertragen werden.

Pedale mit Saab Gravur

Die Pedalerie ist ebenfalls überarbeitet worden. Mit Gumminoppen gegen Abgleiten gesicherte Edelstahlpedale ersetzen die Standardmodelle, alle sind mit dem Schriftzug SAAB beschriftet, ebenso die Fußablage links. Mit den Jahren nutzen sich die Oberflächen schon ab, aber das liegt in der Natur der Sache, wenn man mit Straßenschuhen die Pedale bedient. Polieren bringt hier wenig, außer vielleicht der Kasse des beauftragten Autopflegebetriebs.

Pedale mit Saab Gravur
Pedale mit Saab Gravur

Mehr Chrom finden sich am Schalthebel (der auch mit dem SAAB/Scania—Emblem versehen ist, anstelle eines Schaltschemas), am Handbremshebel und den Lüftungsöffnungen auf der Beifahrerseite. Das Chrom wirkt ebenfalls nach 13 Jahren noch frisch und nicht abgegriffen, auch hier ist es wohl eine Sache der Pflege.

Saab-Scania Schaltknauf
Saab-Scania Schaltknauf

Wird der Innenraum durch die Brabus—Überarbeitung aufgewertet? Nicht für jemanden, der kein Chrom mag. Ich fand es zunächst auch gewöhnungsbedürftig, konnte mich mit der Zeit aber immer mehr damit anfreunden. Außerdem harmoniert das Karbon meiner Meinung nach am besten mit dem übrigen Armaturenbrett.

Die Holzausführung sah zumindest im Katalog nicht sonderlich hochwertig aus, und die Aluminiumvariante mit dem schwarzen Instrumententräger und den  nicht verblendeten Armaturen wirkte wie aus dem Metallbaukasten. Mein Plädoyer geht daher in Richtung Aufwertung, mit Steigerungspotential.

Und wie fährt sich der Brabus Saab?

Hervorragend. Die klassischen SAAB—Tugenden, insbesondere auf der Langstrecke, gehen nicht verloren, und das sportlichere Fahrwerk macht aus dem SAAB zwar nicht Hungaroring (Link) tauglich, verbessern aber dennoch die Straßenlage in engen Kurven.

Die 170 PS motorisieren einen zwar nicht übermäßig sportlich, aber dennoch gut genug, um beim Fahren und Beschleunigen jede Menge Spaß zu haben. Dazu der bequeme Innenraum, der auch auf der Rückbank üppige Platzverhältnisse bietet, und der große Kofferraum, der neben dem Reisegepäck auch mal größere Messapparaturen schluckt. Alles lässt dem Saab eigentlich viel von seinem ursprünglichen Charakter. Die Überarbeitung von Brabus hat sich auf einige Details beschränkt, war in diesen Punkten aber gründlich. Mit einem großzügigeren Kostenrahmen hätte man wahrscheinlich auch noch weitere Details angehen können.

Ich hätte mich sehr gefreut, zu sehen, was Brabus aus dem 9—5 NG gemacht hätte, mit vielleicht ebendiesem großzügigeren Rahmen. Unter Umständen hätte sich hier vielleicht sogar eine Alternative zu Hirsch Performance ergeben – und bekanntlich belebt Konkurrenz das Geschäft. Die Antworten auf die daraus entstehenden Fragen werden wir aber wohl nie erhalten – leider.

Saab 9-5 Brabus Edition
Saab 9-5 Brabus Edition

Übrigens – wo sind wir hingefahren?

Die Bilder zu diesem Text entstanden am Hirbacher Weiher, kurz hinter der französischen Grenze. Der Weiher war mal eine Wehranlage und gehört zu einer Reihe künstlich erschaffener Gewässer entlang der „Route de la Ligne Maginot Aquatique“, mit deren Hilfe die Franzosen das Durchmarschgebiet der Deutschen im Angriffsfall in eine Sumpflandschaft verwandeln wollten – der Erfolg des Planes ist bekannt.

Seit den 60er Jahren wurden die Grundstücke um die Gewässer dann verpachtet oder verkauft, und befinden sich heute zumindest am Wochenende fest in deutscher Hand. Dennoch ist es hier herrlich ruhig und erholsam – genau die richtige Gegend für einen Sonntagsausflug, um mit dem turbogeladenen SAAB über leere französische Landstraßen zu fegen.

– Ende –