Saab Wirtschaftsnachrichten und der Sinn eines Blogs

Vor einigen Tagen sprach ich lange mit einem guten Freund. Es ging dabei auch um Bloggers Frust. Seit 18 Monaten dominiert die Wirtschaftssparte, ein Zustand den ich mir nie gewünscht habe. Gute Freunde sind wichtig, denn sie haben meistens gute Ratschläge. “Das Feld der Wirtschaftsthemen solle ich anderen überlassen, lieber über Autos und über die Saab-Szene schreiben.  Das wären doch die Punkte, die mir Spass machen.” Recht hat er. Über Autos aus Trollhättan zu schreiben macht Freude, Ökonomie gab es genug. In Zukunft wird es Wirtschaft nur noch in Zusammenfassung geben, ausgenommen “Breaking News”. Der Blog wird für die Fahrzeuge der Marke Saab geschrieben, die unser Hobby sind.

Im Klartext heisst es dass wir nicht jede Meldung und Ankündigung von NEVS kommentieren werden, zumal das Unternehmen kaum Aussichten auf die Nutzung des Markenamens hat. Wir stecken aber den Kopf nicht in den Sand und beschäftigen uns mit der Vergangenheit. Wir blicken intensiver denn je über den Tellerrand und in die Zukunft.  Wir werden uns in den nächsten Wochen sehr intensiv mit dem Thema Elektromobilität, welches ja die Zukunft sein könnte, beschäftigen. Nur eben auf eine etwas interessantere Weise.

Heute aber gibt es eine Zusammenfassung von dem, was die letzten Tage Thema war in Schweden, und was wir aus oben genannten Gründen nicht publiziert haben.

Geheimnissvolles Trollhättan

Trollhättan ist voller Geheimnisse. Noch ist unbekannt für welchen Preis einzelne Saab Unternehmensteile den Besitzer wechselten. Die Saab Powertrain Abteilung, und auch die Saab Tools AB, sollen einen recht guten Preis erzielt haben. Mitarbeiter von Saab Powertrain haben in den letzten Tagen ausstehende Zahlungen wie Urlaubsgeld erhalten. Auch die Lieferanten werden sich über Gelder freuen können. Im Gegensatz zu den Mitarbeitern und Gläubigern der Saab Automobile AB werden sie nicht leer ausgehen.

Starker Entwicklungsstandort

Saab Kompetenz wird weltweit geschätzt und die Auftragsbücher der einschlägigen Saab Ausgründungen sind gut gebucht. Die ehemalige Saab Mutter GM vergibt Entwicklungsaufträge nach Schweden, was genau dort läuft enthüllen wir am Montag. Dass Trollhättan auch in Zukunft viel Arbeit haben wird scheint sicher. Denn in Deutschland bereitet GM den Kahlschlag vor. Eine gute Quelle erzählte uns von den Konsequenzen, welche die Verbindung von PSA und GM für Opel haben wird. Die Logistiksparte der Rüsselsheimer wird in PSA Hände übergehen. Hört sich harmlos an, ist es aber nicht. Denn dahinter verbirgt sich der komplette After-Sales Bereich, der auch bei Opel hoch profitabel ist.

Ist NEVS eine Chance?

Fredrik Sidahl, CEO der nationalen Lieferanten der Automobilindustrie, sieht es so. NEVS könnte, wenn die Verträge endgültig sind, zu einem Anschub der schwedischen Autoindustrie beitragen. Zwar sieht auch er nur kleine Stückzahlen wenn zum Jahreswechsel 2013/14 der erste mit Batterie betriebene 9-3 vom Band laufen soll. Innovationen, die auf die komplette Branche abfärben, könnten aus Trollhättan kommen.

NEVS will laut Website einen guten Kontakt zu den traditionellen Lieferanten pflegen. Erste Kontakte habe es schon gegeben, so Sidahl im TTELA Interview. Aber noch keine konkreteren, tieferen Gespräche.

Aber NEVS ist eben NEVS. Und NEVS hat nur mit einem vorläufigen Vertrag die Reste der Saab Automobile AB gekauft. Was wir letzte Woche vor Ort erfahren haben, das wurde auch diese Woche erneut bestätigt. In der bekannten Konstellation gibt es keine Chance zur Nutzung der Markenrechte. Um seine Ernsthaftigkeit unter Beweis zu stellen will Kai Johan Jiang seine Zelte in China abbrechen und nach Schweden umziehen. Das Misstrauen, welches ihm entgegen gebracht werde schmerze ihn zutiefst, sagte er in einem Interview gegenüber Dagens Industri.

Dass Saab ein “Hochrisiko Projekt” sei, dessen ist er sich bewusst. Aber er arbeite schon zwei Jahre an diesem Projekt und er sei sicher dass die Kapazität der Saab-Fabrik von 190.000 Wagen im Jahr auszulasten sei. Bisher hat er bei den Administratoren eine Sicherheitsleistung in Höhe von 150 Millionen Kronen auf den Kaufpreis erbracht welcher laut Dagens Industri bei 1.8 Milliarden Kronen liegen könnte. Und wenn man den Namen “Saab” nicht für die neuen Produkte verwenden dürfe, dann werde man unter einem anderen Namen Autos bauen.

NEVS Einschätzung vor Ort

Das sind Aussagen die Sinn machen, wenn man die Einschätzung vor Ort in Trollhättan berücksichtigt. Die neuen Produkte sollen auf japanischen Komponenten und Technologie basieren. Ausserdem möchte man Produktionskapazitäten vergeben, was im hochmodernen und flexiblen Werk kein Problem ist. NEVS möchte im Fokus nicht als Produzent auftreten. Den Schwerpunkt sieht man mehr bei Forschung und Entwicklung im Bereich der grünen Mobilität. Mit Saab DNA und Saab Technik sollen die NEVS Pläne nichts zu tun haben.

Gebt uns Informationen!

Einer der wenigen Gewinner der Saab-Krise waren die Zeitungen in Schweden. Die örtliche TTELA und Dagens Industri, um nur einige zu nennen, konnten ihre Auflage steigern und die Internetpräsenzen waren stark frequentiert. Die Werbeeinnahmen stiegen, um jetzt rasant einzubrechen. Ein Gesprächspartner in Schweden kommentierte die Situation, nicht ohne Schadenfreude, so: …jetzt müssen sie (die Zeitungen) über irgendwelche Vögelchen schreiben, die aus Nestern fallen. Und keinen interessiert es.”

Um an Informationen zu kommen hat die TTELA in den letzten Tagen die Telefon Durchwahl des jeweiligen Redakteurs am Ende jedes Saab Aktikels plaziert. Keine Krise, keine Auflage. Bad News sells…

Doch noch eine kleine Spekulation…

Und dann haben wir sie doch, unsere kleine Spekulation. Der SPIEGEL berichtet in der aktuellen Ausgabe über die immer enger werdende Kooperation von BMW und Toyota. Die Herren aus Japan waren vor einiger Zeit zu Besuch in Trollhättan, die aus München ebenso. Nachdem BMW auf einen Schlag den PSA Konzern als Partner und auch GM verloren hat, könnten da doch Absichten sein. So einige Leser die uns per Mail darauf hingewiesen haben. Scheinbar ist der SPIEGEL unter Saab Fahrern als Lektüre sehr beliebt.

Eine Vermutung, denn mehr ist es nicht, die unserem Wunschdenken entsprungen sein könnte. Nein, ich versichere, wir wissen nichts davon. Und wenn wir was wüssten, denn würden wir es dementieren.

Text: tom@saabblog.net

15 Gedanken zu „Saab Wirtschaftsnachrichten und der Sinn eines Blogs

  • “Und wenn wir was wüssten, denn würden wir es dementieren.”

    Dann dementiere mal weiter.

    Auf jeden Fall, obwohl es nur Wunschdenken ist, wirkt es wie einen maßgeschneiderten Anzug, es passt perfekt.

  • Honi soit qui mal y pense !

  • “Eine Vermutung, denn mehr ist es nicht, die unserem Wunschdenken entsprungen sein könnte. Nein, ich versichere, wir wissen nichts davon. Und wenn wir was wüssten, denn würden wir es dementieren.”

    Schön geschrieben 😉

  • Hallo Tom und alle, die sich um diesen Blog so intensiv kümmern! Ich bin, wie so viele Andere auch, davon beeindruckt, mit welchem Herzblut ihr diesen Blog betreibt!!! Auch wenn ich erst seit wenigen Wochen ein “echter” Saabianer bin, interessiere ich mich doch schon länger für diese Marke. Genau genommen seit den Zeiten des 99-ers, nur daß es damals nicht so aussah, als ob ich jemals so ein Auto fahren könnte, was sich aber durch politische Veränderungen glücklicherweise geändert hat.

    Ich bin fast täglich auf diesem Blog unterwegs, um die neuesten Infos zu erfahren, denn was mit der Marke passiert ist, gerade passiert und in Zukunft sein wird, ist spannender als jeder Krimi. Deshalb sollten diese Infos auch weiter hier erscheinen, denn ich denke, dass uns die Schweden in Bezug auf die Marke bestimmt noch überraschen werden. Was ich besonders für die “Saab-Freundlichen” hoffe, denn diese scheinen zur Zeit doch sehr verunsichert zu sein wie es für sie weiter geht (Hier ein freundlicher Gruß und Dank an das Mobilforum Dresden für für den superschnellen und freundlichen Ablauf der Bestellung!!).

    Was mir aber auch schon aufgefallen ist ist, daß der Bereich Fans und ihre Autos seit einiger Zeit etwas verwaist zu sein scheint. Deshalb halte ich die Ankündigung von Tom, sich wieder mehr auf zu diese Themen konzentrieren zu wollen für sehr gut. Ich würde mich z.B. gern mit Erfahreneren über technische Details und den akustischen Ausbau austauschen wollen. Oder gibt es dazu andere Foren?

    Viele Grüße aus Dresden

    PS: Ein kleiner Gedankensplitter aus dem Bereich Spekulationen: Was ist eigentlich aus dem Liefervertrag für die Motoren von BMW an Saab geworden?! Oder wird da noch mehr daraus? 😉 … oder

    • Hallo Troll9-3SC. In der Vergangenheit war man bei Motortalk recht gut aufgehoben was den Erfahrungsaustausch angeht. Wobei die Saab Gruppe dort stark abbgebaut hat. Bei Saab-Cars.de schreibt man mehr über die älteren Baureihen, aber auch dort kannst Du es probieren. Leider weigern sich unsere Autoren standhaft parallel zum Blog noch ein Forum zu betreiben.

      • Hallo Frank Christ, danke für die Info, aber bei Motortalk hatte ich unabhänig davon vorher schon gesucht und kaum etwas verwertbares gefunden. Saab-Cars habe ich gerade über die Termine gefunden und angefangen zu stöbern. Vielleicht ergibt sich ja über “unseren” Blog auch ein persönlicher Kontakt zu diesen Themen, denn ein Forum neben dem Blog … diese Arbeit ;/ Da kann ich Tom’s Ablehnung verstehen!

        • Hi Troll,

          um was geht’s dir beim akustischen Ausbau? Willst du einen Lautsprecher auf Rädern damit dich auch der Nachbar fünf Strassen weiter hört oder willst du einfach nur einen anständigen Sound? Was hast du im Moment?

          Mir würde es um einen “moderaten” Ausbau gehen. Gegen das AS3 in meinem alten 93 kackt das Info 150 im neuen nämlich ziemlich ab. Ich will einfach nur einen besseren Sound. Gerade wenn man mal lauter mach ist das Info 150 völlig überfordert und grottenschlecht.

          Falls du noch völlig planlos bist kann ich dir vielleicht helfen. Hab auch mal in diversen Foren gesucht. Was ich gefunden habe ist für mich jenseits von Gut und Böse: Innenverkleidung raus, alle Kabel neu, dickes Stromkabel unterm Auto verlegt weil innen kein Platz, Türen isoliert, Bassbox in den Kofferraum, etc. So etwas kommt bei mir nicht in Frage, das muss billiger und einfacher gehen.

  • Ein typischer Tom Artikel und trotz des Hintergrunds köstlich zu lesen. You make my Day!

  • Hallo Tom,

    andererseits sind die Wirtschaftsnachrichten auf diesem Blog auch von einer SAAB-würdigen Qualität, während sich andere Blogs, ohne Namen zu nennen, für meinen Geschmack in zu marktschreierischer Manier für den ein oder anderen falschen Bieter aus dem Fenster gelehnt haben, und den Spekulationen gefrönt haben. Hier war immer alles sehr seriös, diskret, und mit einem realistischen Blick auf die Dinge. Wirklich gute Arbeit, dafür, daß das nicht das Anliegen des Blogs war.

    Bei PSA und Opel schlägt die GM-Kooperation übrigens mittlerweile um sich…. die Tage habe ich im Videotext erst gelesen, daß PSA mal wieder einen Vorstand (Philippe Varin) feuert – auf Betreiben der Peugeot-Familie, die mit der Zusammenarbeit alles andere als froh ist. Und bei Opel soll nach dem Sanierungsplan (gestrige Meldung) bei Lieferanten und Materialien gespart werden. Dumm nur, daß das Billigsegment hierzulande schon von Dacia und “Chevrolet” (die ich nur in Anführungszeichen nenne, denn ein Chevrolet ist für mich was anderes) erfolgreich bedient wird.

    Es ist schade… auf der Liste der Modelle, die ich gerne mal noch fahren würde, stehen etliche Peugeot- und Citroen-Modelle. Französische Autos haben mir immer sehr gefallen…. aber in den letzten Jahren haben beide bei mir viele Sympathien verspielt.

    • Hallo Phibo,

      dann nutze die Zeit jetzt. Bei mir war es genau andersrum, ich habe in den 90er und frühen 2000er-Jahren alles durchgefahren und besessen, was ich schon in den 80ern wollte. Ich habe 90 mit 18 meinen Führerschein gemacht. Ich bin Alfa, Lancia und Citroen gefahren, und bin seit 2 Jahren bei Saab gelandet. Ich bin froh, noch echte Alfas, Lancias und Citroen gefahren und besessen zu haben, das gibt es ja nun alles nicht mehr. Einen XM gibt es günstig, aber die Reparaturkosten waren schon bei jungen Gebrauchten immens, habe an die 10.000 DM reingesteckt, allerdings über Jahre. Auch der Alfa 75 hat einiges verschlungen, selbst der Lancia Y10, aber Spaß gemacht haben sie immer, wenn sie gut fuhren. Aber ist bei Saab ja auch nicht anders 😉

      LG,
      Phil.

      • Ich hatte bisher einen 205 (wenn auch mehr aus technischem Interesse, einen Führerschein hatte ich da noch nicht) und einen 405 (Vorgänger des SAAB). Übrigens hätte ich statt des 9-5 beinahe ein 406 Coupé gekauft… das war allerdings schon deutlich abgefahrener als der SAAB, daher der Markenwechsel.

        Gegenüber von meiner Wohnung parkt der Mitarbeiter einer Schreinerei, der mir gelegentlich das Stück meiner Begierde vor die Nase stellt…. einen Citroen XM V6 in Bordeau-rot… sieht einfach unheimlich chic aus. Der Prototyp einer keilförmigen Karosserie… und der Klang….

        Sorry, wollte nicht zu sehr ins Schwärmen geraten.

  • Hallo aus der Schweiz
    Ich würde es sehr schade finden wenn die Wirtschaftsinfos aus guter Quelle fehlen würden.
    So sind alle über den weiteren Verlauf mit Saab informiert, was schlussendlich auch Saab hilft wenn
    Saab im Gespräch beleibt.

    • Tom wird wohl immer zusammenfaswend liefern. Finde ich gut, denn es nimmt den Gerüchten rund um SAAB den Wind aus den Segeln. In der Vergangenheit wurde zu viel Schden durch Falschmeldungen in der Presse verursacht.

  • An der einen oder anderen fundierten Wirtschaftsnachricht wird wohl auch in Zukunft Bedarf vorhandensein ( wozu kauft man eine schöne Fabrik und will dann erstmal nichts dort bauen….), aber ich denke für uns alle ist das SAAB Auto eigentich wichtiger als der leider derzeit damit verbundene Wirtschaftskrimi.

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