SAAB Wochenende: Notizen aus der Saab Welt

Der Plan B für Trollhättan.

Victor Muller war legendär für seinen Plan B. Muller ist Geschichte. Der aktuelle Plan B für Trollhättan kommt von der Fouriertransform. Wenn es für die Administratoren nicht möglich ist, eine komplette Lösung für Saab zu finden, dann wird der Staat intervenieren. Mit dem Innovatum und (Saab)-Combitech betreibt man bereits LeanNova, eine Entwicklungs- und Ingenieurgesellschaft mit ehemaligen Saab-Mitarbeitern. Auch bei Vicura, einem Saab Spin-Off im Bereich Antriebstechnologie, ist Fouriertransform zwischenzeitlich eingestiegen.

Schwarze Saabs - schwarze Nacht. Saab Nightlife in Frankfurt
Schwarze Saabs - schwarze Nacht. Saab Nightlife in Frankfurt

Fouriertransform-CEO Per Nordberg meldete am Wochenende sein Interesse an der Saab Prototypen Werkstatt, der Infotainment Entwicklung und den Prüflaboren an. Am Freitag hatte man schon Interesse an den Fertigungseinrichtungen bekundet. Man hat bei den Administratoren noch kein Angebot abgegeben, beobachtet aber die Situation sehr genau und steht in permanenter Abstimmung mit den Verwaltern.

Per Nordberg geht damit in Stellung gegen alle Investoren, die Fabrikanlagen abbauen und in China neu errichten wollen. Bemerkenswert für unsere zurückhaltenden Schweden, welche immer im Konsens leben möchten. Volvo hat Ambitionen und ein entsprechendes Angebot vorgelegt. Volvo handelt damit gegen nationale Interessen und sitzt aktuell zwischen den Stühlen. In China wird der Autohersteller aus Göteborg als ausländisches Unternehmen gehandelt. In Schweden handeln die chinesischen Volvo-Eigentümer gegen schwedische Interessen. Keine schöne Situation !

Verfolgt Per Nordberg seinen Plan weiter, dann hat am Ende der schwedische Staat die komplette Saab-Kompetenz vereint. Die Saab-Ersatzteilversorung in Nyköping wird bereits staatlich beeinflusst, jetzt kämen die Entwicklungs- und Produktionseinrichtungen hinzu. Schwedisches Wissen soll nicht in andere Länder abwandern.

Noch ist es ein Plan B, noch scheint alles auf einen Komplettverkauf hinzudeuten. Es ist in erster Linie ein starkes politisches Signal und ein Warnschuß an alle, welche die Saab Hinterlassenschaft ausschlachten wollen. Aber es sind auch interessante Möglichkeiten, die plötzlich in Trollhättan erscheinen. Vielleicht sollte man weiterdenken, überlegen, welche Motivation dahinter stehen könnte. Denn plötzlich wäre der schwedische Staat in der Lage, innovative Autos zu entwickeln und zu produzieren, was er weder auf lange noch auf mittlere Sicht will. Ein neuer Anfang für Trollhättan?

Willkommen in der Realität – Part I

Saab hat es in den letzten Jahren nicht einfach gehabt. Jede andere Marke hätte das letzte Jahrzehnt nicht überlebt. Saab hat mindestens die 9 Leben einer Katze. Saab ist ein Rohdiamant, der behutsam geschliffen werden sollte. Unter der GM Herrschaft wurde die schwedische Kultmarke konsequent vernachlässigt. Die Eigentümer aus den Niederlanden setzten noch eins drauf. Zerrten die Marke durch jede nur mögliche negative Schlagzeile. Das hat Spuren hinterlassen. Seit 2001 sinkt der Markenwert beständig, sagt eine ALG Studie. Eine Überraschung ist das nicht, für das Saab-Comeback braucht es einen langen Atem.

Studien und Statistiken sind die eine Seite. Das Leben hat seine eigenen Wahrheiten. Saab ist extrem lebendig und hat eine tolle Anhängerschaft !

Willkommen in der Realität – Part II

Hamburg liegt an der Elbe und hat eine große, loyale Saab-Community. Frankfurt liegt am Main und holt in Sachen Saab langsam, aber gewaltig auf. Am Freitag war in der Main-Metropole wieder ein Saab-Treffen angesagt, und es kamen um die 20 Teilnehmer. Saab-Fans aus Nordhessen, Nordbayern und aus dem Mainzer Raum trafen sich, um über klassische und aktuelle Schwedenautos zu reden. Der „harte Kern“ aus Frankfurt schwächelte etwas, dafür waren neue Teilnehmer dabei.

Wolfgang hatte eine kleine Saab Boutique organisiert, für die Teilnehmer gab es Fan-Artikel zu Sonderpreisen.

Das aktuelle Thema am Freitag war das ungeklärte Schicksal des Saab-Zentrums Frankfurt und die Saab Werkstätten in der Region. Die Zukunft des Autohauses in Fechenheim ist nach wie vor unsicher. Die Uhr tickt schnell und laut, ein Investor wäre zum Einstieg bereit, aber klare Signale gibt es nicht. Unterschiedliche wirtschafliche Interessen der Beteiligten machen es nicht leichter. Im schlimmsten Fall schließen die Tore am 31.03. für immer.

Es wäre mehr als schade, nicht nur für die Mitarbeiter. Denn im Großraum Frankfurt gibt es eine große Saab Gemeinde, die einen kompetenten Stützpunkt verdient hätte. Aber vielleicht kommt eine Lösung, freuen würde es mich.

Die Aktivitäten der Community sind vielfältig. Ein Besuch des Internationalen Saab Treffens in Spa steht auf dem Plan, eine gemeinschaftliche Spessart-Ausfahrt im Frühsommer ist eine der nächsten Aktivitäten.

Mein Dank geht wie immer an Wolfgang, der das monatliche Treffen organisiert und auch an Ralf, der sich immer mehr einbringt. Ohne die beiden geht es nicht !  Erst kurz nach Mitternacht löste sich die Runde auf. Das spricht für einen gelungenen Event !

Das nächste Frankfurter Saab Treffen folgt Ende März. Wir freuen uns darauf!

Text: tom@saabblog.net

7 Gedanken zu „SAAB Wochenende: Notizen aus der Saab Welt

  • Wem kann man wirklich trauen, in Bezug auf seine Aktivitäten in Sachen SAAB-Automobile?

    Ich für meinen Teil traue weder dem Verwalter-Trio noch dem Herrn Per Nordberg – irgendwelche Geheimhaltungsabkommen zwischen möglichen Investoren und dem Trio könnten sich auch als äußerst Nachteilig entpuppen. Die Öffentlichkeit tappt stets im Dunklen!

    Man sollte bei den wöchentlichen Pressekoferenzen mit dem Trio als Journalist etwas mehr „nachbohren“ – was bisher in Sachen Investoren publik wurde ist eigentlich so ähnlich wie gar keine Information. Im Grunde könnte man auf diese Pressekonferenzen auch völlig verzichten!

    Das Ganze ist in meinen Augen bisher lediglich ein riesiges Gemauschel. So können weder die Investoren noch das Trio mit der interessierten Öffentlichkeit umgehen.

    D. R.

  • Ergänzend zu deinen Anmerkungen.

    Es gibt so ein schönes Sprichwort. Worte sind genug gewechselt ,Taten wollen wir sehen.

    Alles andere schadet SAAB und seinen Freunden.

    U.B.

  • Leider kann ich mich nur anschließen – der Worte sind im Laufe von Monaten wirklich genug gewechselt.

    Es kann doch eigentlich nicht angehen, dass ein Aufgebot von 3 Oberverwaltern und sage und schreibe 50 weitere Anwälten nicht in der Lage sind, in nunmehr seit über 2 Monaten einen passenden Investor herauszukristallisieren (zumal nach deren eigenen Angaben sogar mehrere namhafte Interessenten Gebote abgegeben haben).

    Auch die Geduld der treuesten SAAB-Anhänger sollte nicht überstrapaziert werden – wie Ulrich richtig darlegte, wäre jede weitere Verzögerung schädlich. Die weltweite SAAB-Gemeinschaft will endlich Taten sehen!

    • Ich glaube man kann das Prozedere nur einschätzen, wenn man den Aufwand von großen Ausschreibungen(z.B. WTO, oder schon generell im. Handelsblatt publizierte) gesehen hat. Da geht es in mehreren Runden darum mit messbaren Kriterien die besten Bewerber um den Zuschlag zu bestimmen, um dann in die eigentliche Verhandlungsrunde einzusteigen.
      Und nicht vergessen, die Insolvenzverwalter benötigen ein bindendes Angebot und müssen den Businesscase (the best package for the region) nach vorher festgelegten Kriterien gewichten und bewerten. Allein den Kriterenkatalog zu erstellen dauert. Ob es da vergleichbare Fälle gibt mag ich bezweifeln.

  • Es ist wohl wirklich nicht von Vorteil, wenn alles hinter verschlossenen Türen vor sich geht – irgendwelche Mauscheleien könnten so leichter passieren. Ich halte es für glaubwürdiger und transparenter, die Sache so anzugehen, wie Youngman es gemacht hat. Hier ist sowohl die Höhe des Gebots als auch die Planung (zumindest im Groben) öffentlich gemacht worden.

    Geheimniskrämerei hat meistens einen negativen Beigeschmack. Es geht ja nicht nur um die Vorteile, die einzelne Investoren oder die Verwalter sich ausmalen möchten – es gibt beispielsweise weltweit Händler und Saab-Fans, die jetzt endlich mal sehen möchten, wohin die Reise eigentlich geht.

    Viele Grüße aus Schleswig-Holstein
    Julie

    • Gehen wir einmal davon aus, dass auch in Schweden die Vorgaben zur Diskriminierungsfreiheit bestehen und die Bewertung der Gebote nachvollziehbar sein müssen und das es einen Beschwerde- & Einsichtsrecht für alle Beteiligten gibt, dann kann man den Aufwand und Restriktionen verstehen.

      • Mal sehen, was die morgige Pressekonferenz bringt – nach der langen Zeit der Bearbeitung wäre eigentlich eine Aussage in Sachen Komplettübernahme mal etwas konkreter angezeigt.

        Schnellschüsse wie bei VM gab es ja glücklicherweise nicht – andererseits wäre eine Überdehnung der Bearbeitungszeit aus den allseits bekannten Gründen aber mindestens ebenso von Nachteil für den Fortbestand von SAAB.

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