SAAB ist Kult! Loyalität zur Marke mit dem königlichen Greif

Die Saab Story geht weiter. Langsam aber gewaltig nimmt auch die Presse Notiz vom Kampf um die Marke Saab. Die Zeit berichtete darüber,  stellvertretend für 123 Artikel über Saab, die am Montag in der deutschen Online-Presse erschienen sind. Das war der Montag. Am Dienstag gab es dann 244 Artikel. Es geht vorwärts ! Die Geschichte, wenn sie denn zum glücklichen Ende kommt, ist einzigartig. Am 19. Dezember waren wir ganz weit unten, jetzt geht es ständig nach oben, und wir sehen schon etwas mehr als den Silberstreif am Horizont.

SAAB ist Kult!
SAAB ist Kult!

Verwunderlich ist es nicht. Denn überall laufen die Ereignisse zu Gunsten von Saab, und die Käufer beobachten den Markt sehr genau. Die Loyalität zur Marke ist groß und einen Artikel wert. Denn was wir in den letzten Monaten erlebt haben, ist nicht selbstverständlich und oft dem Engagement weniger Personen zu verdanken.

Eine Momentaufnahme bei Händlern, Saab Fahrern und den Mitarbeitern der schwedischen Automarke.

  • Die Saab Mitarbeiter

Am 19. Dezember war Schicht im Schacht. Konkursantrag, das Ende der Ära Muller. Vorher ein nächtlicher Poker vom Feinsten. Letztlich kam das kategorische Nein von GM. Youngman, in der Angst, eine leere Fabrik zu erwerben, zog zurück.

Für die Saab Mitarbeiter in Deutschland eine besonders schwere Situation. Aber auch in dieser schlimmen Lage standen Saab und der Blog in einem engen Austausch, wir haben das Drama hautnah miterlebt. Ein kurzer Blick hinter den Vorhang. Keine Kommunikation mit Schweden, alles in Trollhättan und der restlichen Saab Welt in Schockstarre. Ungewissheit in allen Fragen. In solch einer Situation hätten 90 % das Licht ausgemacht, die Bürotüre abgeschlossen und den Schlüssel per Post nach Schweden geschickt. Nicht so bei Saab ! Es wurde, ohne Bezahlung und ohne jede Sicherheit auf Weiterbeschäftigung, weitergearbeitet.

Übrigens nicht nur in Deutschland. Auch in anderen europäischen Ländern ging es weiter. “Wir bleiben, bis man uns die Iphones abschaltet” stand in der Mail eines Saab-Mitarbeiters, die ich im besagten Zeitraum erhalten habe.  Auch Jan-Philipp Schuhmacher, der deutsche Saab Chef, blieb an Bord. Was in dieser Phase von Händlern und Kunden als selbstverständlich empfunden wurde, war es nicht. Persönliches Engagement für die Marke, ein Ansprechpartner in Deutschland, die Sicherstellung der Ersatzteilversorgung.

Jan-Philipp Schuhmacher ist in Deutschland das Gesicht von Saab, und er steht für die Kontinuität, welche die Marke dringend braucht. Sein Abgang wäre für Saab, den deutschen Markt und die Saab Partner fatal gewesen, was er vermutlich weiß. An guten Angeboten fehlt es bei Auto-Managern in diesen Top-Positionen nicht, und es wäre ein verlockender und bequemer Weg gewesen, die Marke zu wechseln. Er hat es nicht getan. Er hat sich für Saab und für die Herausforderung entschieden.

  • Die Saab Partner

Letzte Woche war ich bei Etehad in Hamburg. Das Team von Masoud Etehad ist, das gebe ich zu, einer meiner Saab-Leuchttürme in der aktuellen Situation. Etehad verkauft, wie schon im letzten Jahr, aktiv die Autos aus Schweden. Importiert auf eigene Verantwortung, organisiert die Presse, trommelt für Saab. Aber es gibt nicht nur den Saab Leuchtturm in Halstenbek.

Nachdem der erste Schock überwunden war, bleiben viele Händler der Marke treu. So weit ich weiß, haben fast alle der aktiven Saab Partner die neuen, vorläufigen Verträge mit der Saab Parts AB unterschrieben. Das ist Saab Spirit!

Etehad in Halstenbek steht nicht alleine für den wahren Saab Geist. Immer wieder höre ich in Mails von Saab Partnern mit besonderem Engagement. Das Mobilforum in Dresden ist ganz vorne dabei. Aus der Nachbarschaft hört man Einiges vom Saab Zentrum Leipzig und auch in Gierten wird die Saab Flagge weiter hochgehalten. Andere arbeiten mit leisen Tönen, aber sehr effektiv. Wie die Familie Mucklbauer in Bamberg, wo die Buschtrommeln nur positive Dinge vermelden.

Das ist nur eine kleine Auswahl meiner “Positivliste” der letzten 7 Tage. Im ganzen Land gibt es engagierte Partner, ich kann nicht alle nennen, die sich um die Reparatur unserer Autos kümmern, neue Autos aus Schweden holen, oder alte Saab restaurieren.

Ich habe den Eindruck, dass die “Guten” unter den Händlern dabei geblieben sind. Wie schrieb ein Saab Händler in einer Mail. “Wir bleiben dabei und im schlimmsten Fall verkaufen wir eben Gebrauchte, so lange es geht..

Selbstverständlich ist das nicht ! Ich hatte in den ersten Januar Wochen wirklich Angst, dass das Händlernetz zerbricht. Das ist nicht geschehen. Ein Verdienst der Saab Mitarbeiter und der Saab Partner.

  • Die Saab Fahrer

Alles Engagement ist nutzlos, wenn es nicht angenommen wird. Auch für die Saab Fahrer war der 19. Dezember ein Schock, und viele sahen das Ende der automobilen Träume gekommen. Mit der Zeit, nach dem ersten Schock, haben wir Saab-Fans Standfestigkeit bewiesen. Von wegen Saab Fahrer verweigern sich und kaufen keine neuen Saabs. Das Gegenteil ist der Fall. Ich denke, wir können mal einen kurzen Moment stolz auf uns sein.

In Hamburg fahren etliche neue Saab durch die Hansestadt. In Oberfranken kommt in diesen Tagen ein neuer Saab 9-3x durch das Saab Zentrum Leipzig auf die Straße. Freund Mark und einige andere Saab Fahrer, die den Blog lesen, haben in den ersten Wochen des Jahres für sich oder Familienangehörige neue Schwedenautos gekauft. In den Internet-Auktionen haben einige Saab Fahrer ihr Traumauto gefunden und bestellt. Das Saab Zentrum Frankfurt hat nach der Verkaufsfreigabe durch den Insolvenzverwalter innerhalb einiger Tage mehr als 10 Saab verkauft, der Hof wird wohl in den nächsten Tagen leer werden. Das ist nur eine kleine Bestandsaufnahme und nur die aktuellen Meldungen der letzten Tage.

Loyalität. Die Saab Mitarbeiter sind loyal. Die Händler und die Saab Fahrer auch. Saab ist wirklich Kult und das beweist, dass es viele Menschen jenseits des Mainstreams gibt. Menschen, die es nicht nötig haben, ihren Status via Auto zu definieren. Saab-Fahrer könnten, wenn sie wollten. Aber Saab-Fahrer lieben Understatement und zeitloses Design aus Skandinavien. Deshalb Saab, deshalb Turbo. Leistung auf Abruf.

Die Investoren lesen mit. Die Signale aus Deutschland sind klar und unmissverständlich. Wir sind immer noch da!

Text: tom@saabblog.net

19 Gedanken zu „SAAB ist Kult! Loyalität zur Marke mit dem königlichen Greif

  • Hallo Tom,

    gibt es auf deiner “Positivliste” auch einen SAAB-Partner im Südwestern (Dreieck TR – SB – KL), oder muss ich dafür bis FFM/MZ fahren?

    pb

    • Hallo Phibo

      in Trier gibt es das Autohaus Herz. Saabhändler in 2. Generation und ich muss sagen, bis jetzt war ich mit dem service dort immer mehr als zufrieden!!!

      Grüße aus Lxemburg
      wolli

      • Besten Dank… das nähergelegene SAAB-Zentrum wurde vom angegliederten GM-Händler im Dez. 2009 zum reinen Schaufenster herabgestuft. Service wird zwar noch geboten, aber man kann ja auch mal bei einem richtigen SAAB-Händler “fremdgehen”.

    • Hallo Phibo
      Ich kann mich dem Wolli nur anschliessen.
      Auch ich bin aus Luxemburg und mein Auto fühlt sich sehr Wohl bei der Familie Hertz

      Grüsse
      René

  • Hallo Tom,
    ich muss mich wieder einmal melden, um Ihnen zu sagen,dass unabhängig von der zeitlich und inhaltlich unglaublichen Saab-Story der letzten Monate Ihnen sicher eines Tages der grosse Saab-Verdienstorden umgehängt wird. Das Zähigkeit aber auch Diskretion Erfolg haben wird ist ein Teil des Saabphänomenes.
    Deshalb werden wir auch in der Entscheidungsendphase die Geduld in der Hoffnung auf ein gutes Ende aufbringen, ohne gleich die Prospekte des Wettbewerbes zu studieren.
    Bin gespannt wer das Rennen macht. Dann wird es erneut spannend.
    Gruß
    Achim

  • Dem kann ich nur beipflichten. Nachdem der Opelhändler hier in der Region letztes Jahr das zu “sinken drohende Schiff” auf der Stelle verlassen hat und heute nicht einmal mehr einen Service für seine ehemaligen SAAB-Kunden anbietet hat der SAAB-Partner meines Vertrauens hier in der Nähe einen kühlen Kopf und vor allem Loyalität bewiesen und ist zweifelsfrei ein vertrauenswürdiger Ansprechpartner auch in solch schwierigen Zeiten. Respekt und dickes Lob!

  • Das liest sich gut ! Eine schöne Momentaufnahme der aktuellen Lage in Deutschland. Ist wohltuend nicht jeden Tag Wirtschaftsspekulationen und Verschwörungstheorien lesen zu müssen.

  • Ich melde mich mal zu Wort denn als SAAB Fan kann man schon den Katzenjammer bekommen, nach den letzten Monaten. Es freut mich um so mehr daß der SAAB Chef in Deutschland nicht hingeworfen hat. Meinen Respekt und meinen Dank an Herrn Schuhmacher und an seine Mitarbeiter.

    Viele Grüße Frank

  • An dieser Stelle ein großes Lob aus Tirol. Wir verfolgen das Geschehen. Unser einzig verbliebener Händler( Auto Meisinger ) hat schon seit Monaten keine SAABs mehr. Seit dem Gezehre an SAAB stieg auch bei uns die Nachfrage. Aber die verbliebenen SAABfreunde sind wohl auch bei uns treu. Ein Hoch auf die Händler, die in diesen harten Zeiten durchhalten.

  • Hallo Tom,

    danke für diesen ,wieder mal, sehr gut geschriebenen Artikel….

    Kann mich da nur anschließen… SAAB lebt, im Mobilforum Dresden sowieso 😉 in Leipzig auch in Erurt sind zwar kaum noch SAAB´s zu sehen (außer die ganzen Angestellten SAAB´s ) 😉 doch die Manschaft steht bereit… nur in meiner Stadt…es ist echt schade… aber egal… es gibt es aber noch !

    So…jetzt, dicke Jacke an…und die Plane von der SAABine runter…es sind 6Grad plus…Oben ohne fahren ist angesagt!!!!

    Einen sonnigen Mittwoch….

  • Ein weiterer Vorteil in der Übernahme durch einen Automobilkonzern (bevorzugt einen, der in Europa und auch Nordamerika als etabliert betrachtet werden kann) wäre, daß man auf ein gut ausgebautes Händlernetz zurückgreifen kann. Bei den meisten wäre SAAB dann wohl zwar die Nebenmarke, aber immerhin besser, als ein solches Netz erst wieder umständlich vom Reißbrett weg aufzubauen, wie es wohl bei einer Übernahme durch Youngman, Brightwell oder Mahindra der Fall wäre.

    PS: Löst sich ein Auto, das von M&M gebaut worden ist, eigentlich im Regen auf? 😉

  • Hallo Tom,
    danke für diesen Artikel! Habe zwar nie an einer Zukunft für Saab gezweifelt und mit dem Upgrade auf einen 9-5II und einen neuen 9-3 SC für meine Frau auch meinen bescheidenen Beitrag geleistet. Auch hier in Zürich sind wir auch weiterhin bestens bei Hirsch aufgehoben. Ich hoffe einfach inbrünstigst, dass sich der von dir angesprochene Silberstreif am Horizont bald konkretisiert und nicht als Fata Morgana entpuppt. Wäre ja nicht das erste mal, wobei dein Blogg ja da immer zurückhaltend war wenn es um die Verbreitung von Gerüchten, Mutmassungen und Hirngespinsten ging.
    Es bleibt spannend und der täglich mehrmalige Besuch auf dem Blogg wird wohl noch eine Weile weiterbestehen.
    Ich mach es glaub wie Alex und gehe jetzt in der Einstellhalle mal einen Blick unter die Winterplane werfen…..

  • Hallo Tom,

    sehr guter Artikel, der unsere aller Situation sehr deutlich macht.Deine Betrachtung zu J.P.Schuhmacher teile ich voll und ganz.Schon bei unserem Treffen in Leipzig habe ich gespürt, der Mann brennt für unsere Marke.Ich sehe ihn heute noch jubelnd aus dem Auto aussteigen und laut rufen”Saab ist verkauft….!”Leider wurde durch GM nichts daraus.Wer weiß, für was es gut war.
    Bin krank unsd lese gerade das Buch “Spirit of Saab”, einfach toll.Sollte jeder Saabfahrer/in auf dem Nachtschrank haben(um gemeinsam drin zu lesen)
    Viele Grüße.

  • CMD… nix mit in der Garage…ich fahr ne Runde…offen! 😉

    Wolfgang…das Buch ist echt gut,habe ich auch da… und was Herr´n Schumacher angeht…besser hätte ich mir Mister SAAB Deutschland nicht wünschen und vorstellen können…sehr gut drauf der Mann !

    PS: Gut… Tom natürlich… doch der soll Pressesprecher machen!!! 🙂

  • Hallo Tom,

    wann ist denn der Sendetermin bei VOX (Reportage zum Thema SAAB-Automobile aus dem Autohaus Etehad?

    Die beiden schönen Oldtimer (SAAB 92 und SAAB 96), die dort zum Verkauf stehen (oder standen) werden hoffentlich mit zu sehen sein.

    Viele Grüße aus Schleswig-Holstein

    • Hej Julie

      Der Termin steht noch nicht, wird aber garantiert vorher hier veröffentlicht. Die beiden Oldtimer bleiben bei ETEHAD und werden nicht verkauft. Was ich gut finde und ich denke der Trennungsschmerz wäre zu groß… 😉

      Viele Grüße aus Nordbayern (…fast Hessen)!

  • 🙂 Selbst die Bild-Zeitung 🙂 hat es heute auf Seite 1
    Überschrift für SAAB interessieren sich 14 !! Bewerber.
    Jetzt bekommt es also schon das einfache Volk gesteckt das an SAAB was dran ist.

    MfG
    Bastler

  • In Nordhorn, bei Familie Snippe und Ihren Mitarbeitern, welche schon über 25 Jahre Saabisten sind ist man ebenfalls bestens aufgehoben. Vielen Dank für Saabblog es ist eine erfrischend schöne Adresse.

  • Mal etwas Positives, zumindest klingt es so. Aber ich glaube dran, dass es weiter geht. Habe deshalb am 3. Dezember einen 9-5er Kombi Aero gekauft und damit den Fuhrpark komplett auf Saab umgestellt. Nachdem unser Volvo V70 weg ist, steht nun noch ein 9-3er Cabrio (gelb, Bj. 98) im Carport. Wenn schon, denn schon. Und es ist ein schönes Gefühl, wenn einen wildfremde Autofahrer bei beiden Typen ansprechen und sagen “Schönes Auto, pflegen Sie es gut, wer weiß wie es mit Saab weitergeht.” Ach Mensch, hätten all die stillen Bewunderer doch mal einen Schweden gekauft, statt Deutschtümelei oder Japanaffinität zu betreiben. Was solls, “Lebbe gehd weida”.

Kommentare sind geschlossen.