Brightwell Holding unterwegs in Schweden

Während ich im Süden unterwegs war, reiste die Delegation der Brightwell Holding durch Schweden. Ein Angebot hat der türkische Investor noch nicht abgegeben und er wird es auch während seines Aufenthalts in Skandinavien nicht tun. Aber wir sind nahe dran, sagte Zamier Ahmed, Brightwell Sprecher der Presse.

Gestern waren die Interessenten aus der Türkei in Göteborg und Trollhättan, am Tag zuvor in Stockholm. Wie allen ernsthaften Käufern, so ist auch Brightwell an einer schnellen Lösung gelegen. Am besten noch im Februar, wenn die Administratoren den Zuschlag erteilen. Auch das Team von Zamier Ahmed sieht die Zeitschiene als entscheidend an, so wie andere mögliche Investoren auch.

Wir wissen wenig über die Brightwell Holding. Unklar ist nach wie vor die Kapitalisierung und die Gesellschafter. Einiges haben die Freunde von Saabsunited gestern geschrieben,  aber belastbare Fakten fehlen immer noch. Weder kennen wir die langfristige strategische Ausrichtung, noch die wahre Firmenphilosophie. Ist Brightwell eine Heuschrecke im klassischen Sine oder ein Investor mit industriellem Hintergrund? Auch die Finanzierung aus fernöstlichen (Öl)quellen klingt mehr dubios als vertrauenerweckend. In einem Interview gegenüber Dagens Industri meinte Zamier Ahmed dass man einige 100 Millionen € in Saab investieren wolle. Wörtlich „flera hundra miljoner euro„.

Einige Hundert Millionen Euro ? Lehnen wir uns zurück, denken wir an Tata, denken wir an Youngman. Tata investiert 5 Milliarden € in Jaguar und Land Rover. Tata baut den Marken ein neues, eigenes Motorenwerk. Jaguar und Landrover sind Marken, welche in einem erheblich besseren Zustand sind als Saab.

Oder Youngman. Nicht dass die Chinesen mein ganz persönlicher Favorit sind. Das sind sie nicht, um mal das klar zustellen. Youngman will im ersten Schritt eine Milliarde investieren. Das als Anfang und sicher noch zu wenig um eine Marke aufzubauen. Denn um Saab dorthin zu bringen wo die Marke sein könnte, braucht es einen langen Atem. Eine Dekade, 10 Jahre, werden nötig sein um Ergebnisse und Martkakzeptanz zu finden. Also 10 Jahre Investition ohne Ertrag.

Erinnern wir uns an Audi. An den positiv autoverrückten Ferdinand Piëch der mit Audi kontinuierlich und hartnäckig sein Ziel verfolgt hat. Audi Quattro, vollverzinkte Karosserie, Audi V8, ein langer, schwerer, steiniger Weg. Ein paar hundert Millionen werden Saab nicht weiterbringen. Saab bräuchte idealer Weise einen industriellen Partner. Mahindra & Mahindra zum Beispiel. Einen anderen Autohersteller. Keine Investmentgesellschaft. Ein paar hundert Millionen? Zu wenig, Brightwell Holding.

Über die aktuellen Verhandlungen mit den Amerikanern gibt es nichts was Brightwell zu berichten hätte. Auch über mögliche Arbeitsplätze hält man sich bedeckt. Noch, denn auch die Frage der Arbeitsplätze wird die Administratoren interessieren. Die Entscheidung fällt nicht nur über den Kaufpreis, auch die Zukunftsfähigkeit des Konzepts spielt ein Rolle.

Brigthwell, das ist sicher, will Saab komplett. Das ist nicht neu, aber es wird immer wieder betont. Das großartige Saab Erbe wird bewahrt werden, die Marke soll sich weiterentwickeln. Die Autos sind sicher, sie retten Leben. Und Saab wird ein schwedisches Label bleiben. Ich höre solche Aussagen gerne und ich glaube dass die Absicht dahinter eine Gute ist. Auch wenn hinter Brightwell einige offene Fragen stehen.

Die zahlreichen Interviews, die Zamier Ahmed gibt sind oberflächlich und voller Floskeln. Selbst zwischen den Zeilen gibt es nichts zu entdecken. Fast nichts. Denn bei einem seiner letzten Interviews ist dem Profi dann doch ein kleiner Versprecher unterlaufen. Ja, es gibt einen Bieter für Saab, dessen Namen noch nicht genannt wurde. Der aber, ausser Brightwell natürlich, gut zu Saab passen würde. Da ist er wieder, der ungenannte Bieter X. Bestätigt von Zamier Ahmed.

Die nächsten zwei oder drei Wochen werden zeigen welche Substanz hinter Brightwell steht. Es wird interessant ob die Türken im Rennen mit den anderen Bewerbern einen langen Atem haben.

In den nächsten Tagen wissen wir mehr. Vertraulichkeit ist vereinbart. Aber Brightwell liebt das Spiel mit den Medien. Informationsfluss ist garantiert.

Text: tom@saabblog.net

10 Gedanken zu „Brightwell Holding unterwegs in Schweden

  • Wir bewegen uns doch alle mehr oder weniger im Nebel, wenn es um die Bewerber für SAAB-Automobile geht – dies hinsichtlich der genauen Pläne sowie der eigentlichen Finanzkraft, die jeweils vorhanden ist. Bei Bewerber X weiß man nicht mal genau, welcher Konzern es wirklich ist.

    Man kann daher den türkischen Investor nicht von vornherein schlechter beurteilen als die Mitstreiter – er könnte uns bekanntlch vielleicht sogar bei positiven Verhandlungen mit GM auf Anhieb sämtliche Modelle bescheren. Dies wäre schon mal besser als unter Youngman-Lotus mit nur den Varianten des 9-3er Modells vorlieb nehmen zu müssen (für einen bestimmten Zeitraum).

    Was Mahindra + Mahindra vorhat, weiß keiner so genau – hier scheint aber die Finanzkraft auf jeden Fall voll auszureichen…

    Somit gibt es bei allen Bewerbern vermutlich positive aber auch negative Seiten. Sollte es sich bei dem deutschen Großkonzern wirklich um Volkswagen oder besser noch um BMW handeln, würde damit wohl der geeignetste Investor feststehen.

    • BMW sollte man nicht falsch einschätzen. BMW als Partner/ Systemlieferant ist OK, aber BMW way of business entspricht nicht der Saab Klientel/ dem Saab Händler. Gerade im Händlerbereich braucht es Stabilisierung und nicht Destabilisierung. Wie hoch ist die „Fluktuation“ bei BMW Händlern?

  • Hallo Joachim,

    wie recht Du doch hast. Seit vielen Jahren hoffen wir auf Unabhängigkeit und auf Finanzkraft. Leider haben wir in den vergangenen Jahren entweder Finanzkraft oder Unabhängigkeit bekommen (obwohl mit Spyker hatten eigentlich weder das eine noch das andere!).

    Jeder Investor, der mehrere hundert Millionen Euro in den Kauf und mindestens nochmals dieselbe Summe in die Zukunft von SAAB investieren möchte, kann uns Recht sein. Denn er sichert damit unseren kleinen Spleen: SAAB Automobile. Diese Hoffnung war am 19.Dezember 2011 nicht realistisch.

  • Schön das Brightwell in Schweden ist. Aber was ist der output? Ein Gebot für Saab können wir angeblich nicht erwarten, solange Brightwell in Schweden ist, so zumindest eine Bemerkung auf SU.
    Ich sehe es nicht ganz plastisch vor mir, dass Brightwell die Erfahrung mitbringt Saab zu betreiben. Es ist zumindest momentan so viel nebulös (wer ist Brightwell wirklich, was mach VM später, wer sind die Investoren wirklich (wenn sie denn aus dem nahen Osten kommen und ihr Geld mit Erdöl gemacht haben).
    Es wäre wirklich interessant bei den Insolvenzverwaltern die Angebote einzusehen und mit zu bewerten, Fragen zu stellen und dann zu sehen:
    – wer ist da eigentlich im Rennen
    – Was ist sein mission statement
    – wie startet er Saab wieder
    – Wie schafft man Vertrauen zu Mitarbeitern und den Entwicklern und behält sie an Board oder holt sie zurück
    – welche Märkte werden mit welcher Priorität angegangen/ werden neue Märkte überhaupt in der ersten Phase adressiert oder konzentriert man sich erst einmal auf Stabilisierung, Phoenix und kalkuliert einen Verlust für die nächsten 3-4 Jahre ein
    – vor allem aber wie finanziert man das Vorhaben und was sind die Reserven und kritischen Pfade

    Es sind jetzt nicht die Powerpoint Hengste/ die „Macher“ gefragt, sondern die ruhig agierenden Senoritäten, die mit Erfahrung und Verstand die Pfade definieren. Das Saab Management muss von innen kommen und man darf nicht den Fehler machen ein externes, wild zusammen gewürfeltes Team aufstellen – jeder für sich ein TopShot, aber es fehlen die Emotiomnen für Saab und das rüberbringen der Emotionen.

    • Wie soll das Management von innen kommen? Ein neuer Eigentümer wird die Sache so angehen, wie er es im wahrsten Sinne des Wortes am sinnvollsten und am effektivsten sieht. Gerade das bisherige SAAB-Management war nicht so recht brauchbar (einschließlich Jan-Ake Johnson) – Produkte sehr gut aber Management Note 5!

      Man kann auch nicht Brightwell Emotionen für SAAB-absprechen – mit welcher Begründung?

      Das momentane Verwalter-Trio wird sicherlich Hauptaugenmerk auf Finanzstärke und Zukunftsplanung richten. Es dürft ja nicht allzu schwierig sein, hier den geeignetsten Investor herauszufinden.

      In Deinem Kommentar von 9.02 PM war davon die Rede, dass das Geschäftsgebahren von BMW nicht dem SAAB-Klientel entspricht – was gäbe es denn am BMW-Geschäftsgebahren eigentlich auszusetzen?

      • Saab hat keine schlechten Personen im Management gehabt – nur konnte keiner unter VM sich entfalten – meine persönliche Meinung. Leader ship basiert nicht auf einer Person, oder sollte nicht.
        Der Begriff Geschäftsgebahren ist ein wenig hart. Es wurde alles gegat.

        • Jan-Ake Johnson war lange vor VM an Bord und hat auch in dieser Zeit keine herausragenden Management-Leistungen vollbracht – Durchsetzungsvermögen in Richtung GM gleich 0!

          Was ist mit „gegat“ gemeint?

          • Meine Kommentare haben leider ab und an solche Stilblüten. Mein iPad ist da halt kreativ. Den richtigen Buchstaben beim Tippen weggelassen oder falsch gewählt und schon kreiert die Rechtschreibkorrektur aus gesagt ein gegat 😉

            Quote: Durchsetzungsvermögen in Richtung GM = 0

            Der war gut. Da habe ich wohl etwas verpasst. JAJ war der geduldete Brandmanager. Die finanzielle Kontrolle war damals bei GM und auch die Kontrolle über Entwicklungen (z.B. Saab Powertain AB wurde unter GM zu GM Powertrain AB, alle Entwicklungen mussten mit Opel abgestimmt werden) auch.
            Was ich damals zwischen den Zeilen gelesen habe, stellt JAJ in einem anderen Licht dar. Er hat frühzeitig mit einem kleinen Team die Absplittung von GM geplant und hatte das dann mit der eingereichten Insolvenz vor gut zwei Jahren in einem geschickten Schachzug vollzogen und GM die Kontrolle entzogen. Er hat Saab wieder mt eigenen Strukturen versehen und das Grundgerüst zur Verfügung gestellt, damit der neue Besitzer hier ansetzen kann. Leider kam dann alles anders. Es standen nicht die ausreichenden Geldmittel mit dem neuen Besitzer bereit, der EIB Kredit wurde zu einem unangenehmen Korsett. VM machte dann GM nervös mit independence Sprüchen, dem BMW Deal für Phoenix und den Expansionsgelüsten in China. Auch wenn VM auf seiner letzten Pressekonferenz von einer guten Beziehung gesprochen hat (bis Lofalk erschien), glauben möchte ich das nicht.
            Unter VM gab es den neuen Design Chef aus Amerika mit italienischen Wurzeln. Saab hat keine schlechten Designer.
            Aber wie es im Detail wirklich war werden wir wohl nie erfahren.
            Nehmen wir mal an Brightwell wäre in der Lage Saab zu übernehmen und es würde eine neue Management Crew eingesetzt. Was passiert in solchen Fällen meist? Aus meiner Erfahrung werden auf dem Papier ganz clevere Personen angeheuert, die es gewohnt sind in viel grösseren Organisationen/ Strukturen zu arbeiten. Oftmals ist so ein Job meist nur das Sprungbrett zum nächsten Job. Es zählen kurzfristige Erfolge und nicht der langfristige. Meist reorganisiert man dann erst einmal und sorgt für Frust (Neubewerbung auf die neu geschaffenen Stellen), Reibungsverluste und unterbrochene Workflows.
            Für mich macht es mehr Sinn einen gestandenen Saabianer einzusetzen für einen Posten. Der kennt die Firma, er lebt dafür. Zudem geht es jetzt darum schnellstmöglich wieder die Strukturen aktiv zu haben und mit Kontinuität nach vorne zu gehen. Saab hat jetzt keine Zeit für irgendwelche Managerspielchen oder andere Nebenkriegsschauplätze.

        • Das sehe ich ganz ähnlich.

          Wenn das SAAB-Management an sich schlecht gewesen wäre, hätten wir nicht dieses unglaubliche Committment der Mitarbeiter auf allen Ebenen über die letzten Monate gesehen.

          Gutes Management heißt zwar im Endeffekt, dass die Zahlen stimmen. Andererseits lebt SAAB von seinem „Spirit of SAAB“, der die Marke besonders macht. Dieser Spirit zieht sich durch alle Unternehmensebenen und es wird eine echte Herausforderung sein, ihn zu bewahren. Wenn das nicht funktioniert, ist SAAB innerlich tot.

          Menschen ändern sich nicht von heute auf morgen, und es wird daher sehr schwer sein, Manager aus einer anderen Unternehmenskultur zu finden, die sich ehrlich auf diesen „Spirit of SAAB“ einlassen und ggf. auch alte Verhaltensmuster und Denkweisen ablegen. Da habe ich doch etwas Probleme, mir die typischen deutschen Automanager bei SAAB vorstellen…

          Für mich wäre des beste Weg, einen starken, erfahrenen CEO zu finden, der es schafft, anspruchsvolle Ziele mit dem SAAB-Management zu erreichen.

          • Volle Zustimmung. Ich interpretiere einen starken CEO einfach einmal so:
            – kann delegieren
            – er führt
            – er setzt Strategien im Unternehmen um
            – er kann unterscheiden zwischen Management/ sog. Overhead, Support und dem Kernprozess und weiss wo er sich in der Prozesslandschaft bewegt => delegieren/ führen

            Er muss nicht zwangsläufig einen Nadelstreifenanzug tragen und den Weltrekord im fliessenden Englisch Schnellsprechen aufstellen. (Ähnlichkeit mit lebenden Personen sind rein zufällig und nicht gewollt 😉 )

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