Saab Krise: Updates aus Schweden zum Wochenende

Heute am Vormittag war ich im Saab Zentrum Frankfurt, wo auch Saab Deutschland beheimatet ist, als Werkstattkunde mit einem meiner Saabs. Die Werkstatt ist nach wie vor gut gebucht, was mich freut und auf dem Gebrauchtwagenplatz waren während meiner Zeit in Fechenheim etliche Interessenten unterwegs.

Natürlich habe ich auf dem Firmengelände einen Mitarbeiter von Saab Deutschland getroffen, der gerade aus der internationalen Telefonkonferenz mit Victor Muller kam.

Saab, das ist die Botschaft, hat nicht aufgegeben oder resigniert.  Das Saab Management in Trollhättan steht in einer sehr engen Abstimmung mit Partnern und Lieferanten rund um den Globus. Am Montag wird Saab gegen den Bescheid des Gerichts Einspruch erheben. Hoffentlich bringt man dann etwas bessere Argumente und mehr Fakten mit. Vielleicht, das ist meine Hoffnung etwas rechtskräftiges aus dem Reich der Mittte. Denn nur Fakten werden die Richter überzeugen können.

Pang Da und Youngman, die neuen (vielleicht) Saab Eigentümer, sind über die Entwicklung der Lage in Schweden überrascht. Beide haben mit einem positiven Bescheid für die Rekonstruktion gerechnet. Gut, jetzt liegt es an den Chinesen, wieder was zu tun.

Einen neuen Feind hat sich scheinbar Victor Muller gemacht. Der Beamte des Kronofogden ist aus mehreren Gründen, na sagen wir mal, verstimmt. Zum einem betont Muller immer wieder die Löhne zahlen zu können, dies könne er aber auf Grund der Arbeit des Kronofogden nicht. Auf die Frage, wo denn das Geld dafür sei antwortete er mit “Vi har dem i en stor låda under mitt skrivbord. Nej, självklart finns de på ett bankkonto”. Frei übersetzt “in einer Kiste unter meinem Schreibtisch. Nein, wir haben es natürlich auf einem Bankkonto”.

Dumm nur dass der Kronofogden dieses Konto nicht kennt und Muller mit dem Beamten darüber nicht kommunizieren mag. Auf jeden Fall wird Muller in Schweden nun die Verletzung der “Offenlegungspflicht” unterstellt.

Wie dem auch sei, was immer man von Muller halten mag oder auch nicht. Diplomatie sieht anders aus.

Luft, oder bessser gesagt eine letzte Frist, kam von den Gewerkschaften. Zeit, die hoffentlich gut genutzt wird. Denn die Gewerkschaften können nur zwischen mehreren Übeln wählen. Schick man Saab in den Konkurs, geht der wichtigste Arbeitgeber der Region verloren. Die Arbeitslosenquote liegt jetzt schon um die 10 % und für ältere Arbeitnehmer wäre der Abschied von Saab wohl auch der Abschied aus dem Erwerbsleben. Das Arbeitslosengeld beträgt zwischen 50 – 60 % was nicht viel ist.

So wartet man weiter auf eine Finanzierungslösung, vermutlich erst einmal bis Dienstag. Gibt es etwas hoffnungsvolles für das Wochenende ?

Leider nein. Unsere Freunde und Mitstreiter auf Saabsunited diskutieren den Plan einer “unofficial reorganization”. Eine nette Idee mit vielen Fragezeichen und noch mehr Unwägbarkeiten.

Stehen und fallen wird die Idee einer Rekonstruktion mit dem Geld aus China, was jetzt da sein muss. Nicht in 3 Wochen, nicht in 6 Wochen. Ohne einen großen Input aus Peking bleibt alles Theorie. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Punkt.

Nutzen wir die Verschnaufspause über das Wochenende. Morgen andere Themen. Garantiert.

Text:tom@saabblog.net

One thought on “Saab Krise: Updates aus Schweden zum Wochenende

Kommentare sind geschlossen.