Saab News: Amerikanische Rettung für Saab ?

Update: 13:22

Victor Muller ist in den USA unterwegs um einen neuen Retter für Saab zu finden. Wieder einmal. Laut Dagens Industri wird diese Vereinbarung bis zum Ende der Woche oder zum Wochenende unterschrieben werden.

Fragt sich nur welcher Art der Investor ist und was er bringt. Wahrscheinlich wird er wie immer nur bis zu den nächsten Löhnen und einer Runde Frühstücksbrötchen reichen. Denn schauen wir uns den Plan von Victor Muller etwas näher an, so haben wir folgende Aktionärsstruktur vor Augen.

Nach einer Kapitalerhöhung halten die Investoren Pang Da und Youngman 51 % an Saab. Muller selbst, er läßt sich Darlehen an den Autobauer auf die Kapitalerhöhung anrechnen, hält knappe 30 %. Wären wir bei 81 % in festen Händen, die Altaktionäre aus Spyker Zeiten halten nur noch 19 %.

So sieht die Aktionärsstruktur des Victor Muller aus, sollten die Pläne noch aktuell sein. Zahlen haben den Vorteil präzise Freude zu sein. Mehr als 100 % kann auch Victor Muller nicht verkaufen.

Um die Produktion zu starten und dauerhaft zu halten, sind mindestens 70 bis 100 Millionen € nötig. Was will Muller also verkaufen, um dieses Geld zu bekommen. Das geistige Eigentum von Saab, Patente und Rechte sind verpfändet, das Ersatzteilgeschäft – die profitable Perle, ebenso. Immobilien wurden für wenig Geld verkauft, die Substanz ist weg.

Die Produktion steht über 4 Monate, jeder Tag wird völlig sinnlos Geld vernichtet. Die Situation ist mehr als ärgerlich, denn die Marke hat durch Muller starken Schaden erlitten. Denn die Kundenbasis in Deutschland verschwindet wie das Eis in der Sonne. Haben die deutschen Kunden bislang den Stillstand in Trollhättan akzeptiert, so ist in den letzten Wochen das Verständnis erloschen.

Saab verliert im Leasinggeschäft massiv treue Bestandkunden, die nicht mehr länger warten können. Was ich verstehe. Aus vielen Quellen kommen Meldungen von abgewanderten Kunden, die dies ungern getan haben. Diese Kunden sind weg, für die nächsten 2 bis 3 Jahre ganz sicher. Einen verlorenen Kunden im Leasing Geschäft  zurück zur Marke zu bringen ist schwer. Gerade für Saab, gerade im Wettbewerb zu deutschen Herstellern mit subventionierten Leasingraten.

Es ist traurig, denn Saab wird es in Deutschland schwerer haben den je. Muller sollte endlich jemanden ans Steuer lassen, der etwas vom Automobilgeschäft versteht. Aufsichtsrat, Vorstand und alles andere in einer Person geht nicht. Muller hat Chancen genug gehabt, er hat in diesem Jahr keine Lösung gebracht, sondern die Verschuldung massiv erhöht. Vielleicht kommt aus den USA die Lösung. Vielleicht überrascht uns Muller und landet den großen Coup. Was allerdings unwahrscheinlich ist.

Die Aktie der Saab Mutter Swedish Automobile macht heute ganz interessante Kurssprünge. Was aus zweierlei Gründen interessant ist. Eröffnet wurde zum Tiefstand von 1.19 €, hat dann die 1.70 getestet, ist aktuell bei 1.50 € gelandet. Was sagt der Blick in die Glaskugel ? Die Kosten der Gemini Anleihe, die Muller wieder einmal für Lohnzahlungen abgerufen hat hängt vom Aktienkurs ab. Desto höher, desto besser für Saab. Vielleicht ist es aber auch ein Indikator für eine Lösung die naht ? Mehr verrät die Glaskugel nicht.

Update: Eric Geers vom Saab Pressebüro dementiert einen neuen Investor. Die Meldung komme nicht von Saab. Muller war in den USA unterwegs, das bestätigt er, aber wo Muller jetzt ist möchte er nicht mitteilen. Hmm.

Text: tom@saabblog.net

17 thoughts on “Saab News: Amerikanische Rettung für Saab ?

  • Geht mir auch so, ich war schon Mac User als sie auf der Kippe standen (kleine Analogie 😉
    Es ging mir mehr darum aufzuzeigen, dass 100 Mio nicht immer viel Geld sein muss.
    Audi war auch mal marode und ist jetzt sehr florierend, Volvo läuft nicht so schlecht und auch Porsche kam mit kleinen Stückzahlen auf tolle Gewinne und das aktuellste Beispiel Jaguar/LandRover/Tata sieht auch erfolgsversprechend aus.

    Ich bin sicher, mit Saab kann Geld verdient werden, wenn man es auch von der Marketing Seite her richtig anpackt und die Unterscheidungsmerkmale von Saab (Design und Individualität) hervorhebt. Für alle die auf Sicherheit und Qualität setzen kann ich nur sagen, das muss in dieser Klasse Standard sein und ist bestimmt kein USP.

  • Sehe ich genau so, es gab keine Alternative zu VM. Es wollte zu dem Zeitpunkt einfach keiner ran an Saab.
    Insofern haben wir viel VM zu verdanken, der ja mittlerweile alleine kämpft weil alte Haudegen Ihn alleine gelassen haben.
    Aber er wird das Grundproblem der mangelnden Liquidität kaum mehr in den Griff bekommen denke ich. Verkaufen kann er bald gar nichts mehr.
    Und wie Marcus sagt, wer bitte außer einem Konkursverwalter will denn den Job momentan ? Man muß schon sehr an Saab glauben um das durchzuziehen was VM da macht.

  • Ich bin übrigens Saab-Fahrer und Mac-User … ich finde daher natürlich auch, dass beides sehr gut zusammenpasst! 😉

    Allerdings finde ich das Apple-Beispiel nicht sonderlich treffend. Auf wenn 100 Mio für Investoren teils nicht viel sein mag (für Apple wär sowas ein Klacks mit den momentanen über 76 Mrd Dollar Barreserven), aber 100 Mio sind halt eben doch sehr viel, wenn man damit rechnen muss, nie oder höchstens mal sehr, sehr spät Gewinne (oder zumindest wieder die Investition) erwarten zu können (wir sollten nicht vergessen, dass Saab die letzten Jahrzehnte glaub ich nie Gewinne gemacht hat).

  • ich kann mich deiner meinung nur anschliessen.
    kein anderer würde so hart um das überleben von saab kämpfen – und dabei auch noch die richtigen weichen für die zukunft stellen.
    vm ist mit zu wenig kapital gestartet, das war wohl allen klar, aber was war denn die alternative?
    er hat eine zeit lang den fehler gemacht, alles sofort zu publizieren und musste dafür dann herbe schläge einstecken.
    er hat offensichtlich auch daraus gelernt und ich bin immer noch sicher, dass er eine lösung präsentieren wird, die alle verblüfft.

    natürlich braucht er dringend eine mannschaft im hintergrund. um hier gute leute zu bekommen, muss aber zunächst die grundlage stimmen und da ist er wohl dran.
    wer würde denn aktuell diese posten haben wollen?

  • Mmh. War das mit Apple nur so ein Beispiel? Wäre ein interessanter Ansatz. Da passt vielleicht die Zielgruppe, und beide Produkte sind in Design und Technik sophisticated…

  • Also ich wünsche mir natürlich auch sehnlichst, dass Saab weiterlebt (allein schon deshalb, damit auch mein nächstes Auto wieder “eines der schnellste Wohnzimmer der Welt” wird)!!! 😉

    Aber ich frage mich halt immer, wer jetzt bei Saab einsteigen will, wenn es vor 1 oder 2 Jahren (bzw. noch früher) auch schon niemand wollte!?!?

    Und wie viel eigenständige Autofirmen gibt es denn noch, die es auf unter/um die 100.000 Stück/Jahr bringen?

    Was ich von VM halte, habe ich hier ja schon mal durchklingen lassen.
    Und welche amerikanische Firma sollte denn jetzt (und warum nicht früher) Interesse an Saab haben? Wozu würde Saab denn passen? Wer “bräuchte” die Schweden überhaupt als Marke?

    Wie gesagt, ich hoffe wirklich, Saab schafft es!!!
    Aber durch dieses ganze “Anbiederungs-PingPong” (Europa, USA, China, etc.) und dieses “Geldhinundhergeschiebe” ist mein Vertrauen in die Rettung und die Seriosität der “Firma” (nicht der Autos!) in letzter Zeit doch etwas gesunken … leider! 🙁

  • 1. Aktien können auch vermehrt (verwässert) werden, wenn auch nur mit der Zustimmung der bestehenden Aktionäre und zudem kann Geld nicht nur über Aktien und Verkäufe reinkommen, sondern via Darlehen, wenn auch bei der aktuellen Lage von Saab nicht ganz billig :-(.

    Ich bin jetzt kein expliziter Fan von VM und alles richtig gemacht hat er bestimmt auch nicht (wobei zeigt mir den, der in dieser Situation alles richtig gemacht hätte), aber er ist im Moment die einzige Option und wenn er nicht mehr für Saab unterwegs ist ohne eine Basis geschaffen zu haben, sehe ich wirklich schwarz.

    Ich glaube auch, dass an der Sache was dran ist und für gewisse Leute/Investoren sind 100 Mio nicht die Welt (Gewinn Apple in einem Quartal 7’100 Mio!!) und die suchen das (kalkulierte) Risiko. Wenn es funktioniert ver x-facht sich das Kapital. Amerika war schon immer das Land der Risikoninvestitionen, da könnten wir uns in Europa durchaus eine Scheibe abschneiden. Lassen wir uns überraschen, Saab liegt wohl auf der Intensivstation (einmal mehr), ist aber noch lange nicht tot!

    Und noch was: 1’000 Bestellungen im July bei einer brachliegenden Produktion sind aus meiner Sicht ein eindrückliches Zeugnis einer loyalen Kundschaft.

  • wir sollten eines nicht vergessen, ich denke ohne VM und seine Vision gebe es wohl unsere Understatement Marke nicht mehr. Was dem Unternehmen derzeit fehlt ist ein Jan Ake. Beide zusammen haben sich hervorragend ergänzt. VM ist nur am Löschen und es ist die Frage wann er sich die entscheidende Frage stellt, was zuerst kommt. Saab, oder seine Gesundheit! Wie lange will er denn diesen Spießrutenlauf noch durchhalten? Seine Visionen waren ansteckend, nun braucht er ein solides (Personal)Fundament zum umsetzen und einen guten Investor. Somit Unterstütze ich die Aussagen von Detlef Rudolf. Ich denke auch die meißten von uns haben schon die eine, oder andere Erfahrung mit einer Bank gemacht. Hier bei der EIB wurde doch sehr kontraproduktiv gearbeitet. Und wer weiß auf wessen Befehl hin! Ich denke hier wurde bewußt so gehandelt, um anderen Investoren die Möglichkeit zu geben Saab sehr günstig einzukaufen, damit später die Profite in andere Taschen fließen und somit dicke Provisionen an die Bank.

  • Zum Update: Wenn Herr Geers mit so knappen Worten etwas dementiert, dann ist mit Sicherheit etwas dran. – Nicht nur ungeschickt, sondern eigentlich schon unseriös, empfinde ich die Aussage, daß er sich zum momentanen Verbleib nicht äußern will. Immerhin gibt es eine interessierte Öffentlichkeit.

  • Muller ist für Saab rufschädigend. Jede Woche ein anderer Investor. Vielleicht sollten wir einen offenen Brief an Saab, die EIB und die Regierung schicken…. 😉

  • 😉 wir können ja eine Unterschriftensammlung machen, so wie die Gewerkschaften in Schweden es tun… Hier geht es ja auch um unsere Gesundheit…Nerven! 😉

  • …der Hol(b)l(e)änder muss weg!!!

  • Hallo Detlef,
    es wäre schön wenn es weiter geht… doch wie Du schon schreibst…”(bei guter Lenkung des Unternehmens)” und da haben viele ,ich auch, etwas Bauchschmerzen… denn 11.000 Bestellungen sind noch lange nicht gebaut und wenn es noch lange still steht werden die wohl auch nicht gebaut!

  • Hallo,

    na wenn der gute Hr. Muller noch einen Retter auftreibt, dann kanns ja nur noch besser werden.

    Viele Grüße aus dem Spessart
    M.

  • Hallo zusammen,

    die negative Sichtweise in einigen Kommentaren teile ich aus folgendem Grunde nicht: SAAB hat aufgrund der internationalen Anhängerschaft (momentan liegen bereits ca. 11.000 Bestellungen vor) immer noch die Möglichkeit künftig ein höchst profitables Unternehmen zu werden (neue sehr gute Modellpalette, nach wie vor eine gute Mannschaft in Trollhättan und vieles mehr).

    Bei künftig gutem Marketing kommen mit Sicherheit tausende Neukunden weltweit dazu – das Deutschland nur ein kleiner Markt für SAAB ist, hat unterschiedliche Gründe, die teilweise nicht mal nachzuvollziehbar sind, andererseits bei der Gesamtentwicklung aber eher eine untergordnete Rolle spielen.

    Die Möglichkeiten am Weltmarkt sehen natürlich auch Investoren in “Wartestellung” – und genau dies wird ihnen künftig (bei guter Lenkung des Unternehmens) auch ordentliche Profite bescheren – mal sehen, was die nächsten Tage kommt.

    Viele Grüße aus Schleswig-Holstein
    Detlef Rudolf

  • Hallo,

    ich gucke hier auch immer morgens mal rein, weil ich das hier sehr interessant gemacht finde. Und irgendwie hat das ja etwas von einem Fortsetzungskrimi, wenn auch einem bei dem der Hauptdarsteller leider unsere geliebte Marke ist…
    Leider kann ich auch nicht mehr sehen, daß Saab noch zu retten ist. Alles ist verpfändet und verkauft, das Geld wird sinnlos für zu Hause sitzende Arbeiter verbrannt. Am Ende kann Saab auch gar nicht mehr von einem Großen gekauft werden, weil im Enddefekt nichts mehr da ist was man zusammensetzen kann.
    Aber es gibt ja heute schon virtuelle Fabriken und phantasieren wir mal, warum soll nicht Magna zum Beispiel in Zukunft die Saab´s fertigen ganz ohne eingene Saab Fabrik. Und andere Modelle wiederum Velmet ? Saab mal wieder der kreative Kleine ?!?
    Na ja wie gesagt morgentliche Phantasien 🙂

  • Hallo Gemeinde,

    ich schau fast stündlich hier rein ob es was neues gibt, das liegt wohl auch an der sehr interessanten Schreibweise vom Admin! Sehr sehr gut….
    Doch was da über SAAB so an die öffentlichkeit kommt ist ja eher zu heulen… Es ist echt ein Jammer für die super Marke, doch was der Herr Muller da so macht… man oh man…
    Was passiert wenn die Chinesen ihre Verträge stornieren, wegen Täuschung ,kann das passieren? Wenn der Typ überall alles verkauft ist doch schon fast nix mehr da? 😉
    Na dann… einen sonnigen Tag…

Kommentare sind geschlossen.