Saab Schweden: Diskussion Pro und Contra Saab

Starker Saab Umweltdiesel: 400 NM, 180 PS, Bi-Turbo
Starker Saab Umweltdiesel: 400 NM, 180 PS, Bi-Turbo

Die Schweden scheinen sich nicht einig zu sein, was die Zukunft des Automobilbauers in Trollhättan angeht. Interessant, dass die Front der Saab Gegner und der Unterstützer quer duch Redaktionen verläuft. Dagens Nyheter hat am Wochenende zwei Artikel veröffentlicht, jeweils “Pro” und “Contra” Saab.

Ein Artikel, gegen Saab geschrieben, fordert das Ende der Subventionen für Saab und den Automobilbau. Subventionen ? Ein Subventionspunkt ist das Saab Werk Malmö, welches 1989 mit staatlichen Subventionen entstand. Zum einen löste es das alte Werk Arlov ab, zum anderen war es ein Experiment mit dem Hintergrund der europäischen Werftenkrise. Wie in anderen europäischen Ländern, so wollte auch der schwedische Staat ehemalige Werftarbeiter zu Automobilwerkern umschulen.

Zudem wurde in Malmö eine unproduktive Gruppenarbeit in einer grünen Umgebung mit vielen Pflanzen eingeführt.  Der “Wohlfühlfaktor” der Mitarbeiter stand damals im Vordergund und galt als innovativ. Pflanzeninseln und Entspannungszonen dominierten die Werkshallen. Auch Volvo betrieb ein Werk mit einem ähnlichen Hintergrund, in Schottland gab es bei britisch Leyland neue, subventionierte Werke an ehemaligen Werftstandorten, alle diese Projekte scheiterten.

Für Malmö war 1992 schon das Ende gekommen, das Werk welches auf 60.000 Wagen im Jahr ausgelegt war schloß mit dem Eintritt von GM. 890 Mitarbeiter mussten gehen. Das Saab Werk Malmö wurde später als Kongresszentrum genutzt, aktuell läuft der Abriss. Subventionen aus historischer Sicht.

Weitere Subventionen für Saab sind für den Autor dieses Artikels der Autobahnbau nach Trollhättan und der Eisenbahnanschluß. Eigentlich nomale Infrastrukturmaßnahmen die jeder Staat durchführt, oder durchführen sollte,  um das Land attraktiv zu halten. Was sich der Verfasser vorstellt ist mir unklar. Trollhättan ohne Autobahn, ohne Eisenbahn, ohne Saab. Als nächstes wird dann die Universität geschlossen, das Gebiet der Kommune zur Naturschutzzone erklärt.

Eine blühende Industrie und Wohlstand erfordern eine gute Infrastruktur. Meine Heimatstadt ist Standort von TRW und Takata Petri. Beide bauen Lenkräder und Sicherheitssysteme. Der Standort wird gehalten, weil die Infrastruktur exzellent ist. Eine gute Autobahnanbindung, eine gute Hochschule, der Flughafen Frankfurt vor der Haustüre. Ist die Infrastruktur gut, kommen weitere Betriebe dazu. So zum Beispiel hat sich Magna mit einem großen Entwicklungszentrum angesiedelt und investiert weiter im Hochlohnland Deutschland.

Besser gefallen hat mir der Artikel pro Saab. Automobil Experte Christer Gerlach meint, dass man nicht groß sein muss um zu überleben. Er führt Jaguar und Land Rover als Beispiel an. Jaguar verkauft 50.000 Auto im Jahr. Die Hälfte von dem, was Saab in einem normalen Jahr verkauft. Er sieht die Partnerschaft mit Pang Da. Verkauft jeder der 1.100 Pang Da Händler nur einen Saab pro Woche, haben wir bereits 57.000 Auto im Jahr alleine in China.

Saab baut weltweit die sichersten Autos, hat den stärksten Öko Diesel der Welt und ist von der Produktpalette her besser aufgestellt den je. Saab hat talentierte und findige Ingenieure, sie haben den Innenraum des 9-5 entwickelt, den Saab 9-4x und haben den Allradantrieb von Haldex verfeinert.

Viele kleine Automarken haben eine Nische gefunden, Rolls Royce, Bentley, Dacia, Mini, Subaru. Saab muss seine Nische finden, dann kann Saab gut überleben. Saab kann die Alternative zu den deutschen Nobelmarken sein. Denn, so meint er, wenn in Deutschland, China und USA Audi, BMW und Mercedes in jeder Einfahrt stehen, welche Alternative haben dann noch Rechtsanwälte, Architekten und Zahnärzte.

Die US Regierung hat GM gerettet und Chrysler unterstützt. Das Land Niedersachsen hält 13 % an Volkswagen, Renault in Frankreich gehört zu 15 % dem Staat. Ein vorrübergehender Einstieg des schwedischen Staates, meint Gerlach, würde Saab stabilisieren und das Vertrauen ausländischer Investoren herstellen.

Saab braucht jetzt 5 – 7 Milliarden Kronen sagt Gerlach um durch die Krise zu kommen und die Produktion hochzufahren.

Ohne dieses Geld – keine Produktion, kein Verkauf, keine Einnahmen.

Gerlach schrieb diesen Artikel mit der Überschrift “Mit ein wenig Hilfe auf dem Weg, könnte Saab überleben”. Die Idee der Staatsbeteiligung ist nicht neu, aber die Idee ist gut. Allerdings haben wir es mit einer Regierung in Stockholm zu tun, die dieser Idee ablehnend gegenüber steht.

Ein Leser auf Dagens Nyheter schrieb, dass es sich zu kämpfen lohnt für Saab und für die Arbeitsplätze. Denn sind die Arbeitsplätze erst einmal weg, kommen diese nie mehr zurück. Und die Schweden sollten stolz sein auf den Turbo – und Sicherheitspionier Saab.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Text: tom@saabblog.net