Saab News: Der keine Lösungstag…und der Saab Faktor

Saab Probleme und keine Lösung in Sicht. Gestern war Saab, neben den schrecklichen Ereignissen in Norwegen, das beherrschende Thema der Medien. Heute fällt auf, dass keiner eine Lösung hat. Vielleicht auch keine will. Denn das Problem bei Saab ist in erster Linie ein “Geburtsfehler”. Verursacht von GM.
Der Saab CEO
Victor Muller ist in China. Ist er wirklich ? Eine offizielle Bestätigung haben wir nicht, denn Muller ist sehr medienscheu geworden. Spielte er früher mit der Presse und lies seinen Charme wirken, so hat er sich heute komplett zurückgezogen. Ein Zeichen von Frustration ? Die Nerven eines Victor Muller müssen sehr angespannt sein, der Druck, der von jeder Seite auf ihm lastet ist enorm. Gibt er auf ? Nein, er kämpft.
Er hat viele Fehler gemacht und damit viel wertvolle Zeit verloren. Aber er bemüht sich Saab in den, wie er sagt, sicheren Hafen zu bringen.
Ich bin kein Victor Muller Fan, zugegeben. Aber der raue Ton in Schweden hat mich gestern dann doch überrascht. Hoffen wir dass Muller die Situation rettet und dass mit chinesischer Hilfe das Maleur ein Ende findet. Und hoffentlich eine tragfähige, zukunftsträchtige Lösung nach Hause bringt.
Antonov ist auch keine Lösung…
Lars Holmquist, von der europäischen Zuliefervereinigung CLEPAS, sagte der Presse dass die EIB Antonov und seinen Fond Gemini gestoppt hätten. Für Lars Carlstöm, den Antonov Sprecher, gibt es eine geheime Absprache zwischen der Regierung und der EIB. Angeblich hätte die Regierung eine geheime Agenda, sei auf den Weg zur Dienstleistungsgesellschaft und habe den Automobilbau abgeschrieben. Verschwörungstheorien.
Immer mehr hat man den Eindruck, dass viele Amateuere am Werk sind, jeder seinen Senf dazu gibt, aber niemand eine Lösung hat.
Der Geburtsfehler…
Das Problem liegt ganz am Anfang der Geschichte. Völlig aus dem Auge verliert man eine Tatsache. Der Saab Verkauf von GM wurde völlig überhastet und unverantwortlich betrieben.
Der Automobilbauer wurde an die, aus Sicht der finanziellen Leistungsfähigkeit, falschen Leute verkauft. Ford hat soziale Verantwortung gezeigt, hat sich Zeit gelassen, obwohl auch der Fordkonzern genau wie GM unter Druck stand. Heute investieren Inder und Chinesen Milliarden in die ehemaligen Ford Töchter.
Dieser “Geburtsfehler” ist die Quelle aller Saab Probleme. GM trägt die Verantwortung. Der Kredit aus Luxemburg hat die Situation nur noch zusätzlich verschlimmert.
Was will man in Luxemburg…
Immer wieder frage ich mich welche Rolle die Luxemburger Bank spielt. Immer mehr gewinnt man den Eindruck dass in Luxemburg europäische Industriepolitik gemacht wird. Investoren mit, vielleicht, etwas fragwürdigem Hintergrund, dürfen nicht investieren.Wohlgemerkt, es geht bei Saab um ein mittelständisches Unternehmen mit gerade einmal 3.600 Mitarbeitern. Kein Weltkonzern, kein Rüstungsunternehmen. Ein lizenznehmender Autobauer um genau zu sein.
Kredite werden nicht zugeteilt, aber Sicherheiten freigegeben wenn es um fragwürdige Geschäfte wie den Immobilienverkauf geht. Ein Verkauf, der dem Unternehmen mehr Schaden als Nutzen bringt. Die Liegenschaften sind weg, das Geld verbraucht, die Produktion steht. Saab ist von der Substanz weiter geschwächt.
Will man Saab entsorgen und den Markt bereinigen ? Es wäre nicht das erste Mal in der eueropäischen Industriegeschichte dass kleine, innovative Unternehmen von Banken vom Markt genommen werden.
Der Saab Faktor
Es klingt seltsam, aber der “Saab Faktor” existiert. Wir Saab Fans wussten es schon immer. Aber Dagens Industri, Saab Skeptiker aus Leidenschaft, hat den “Saab Faktor” neu entdeckt. Das Göteborger Blatt hat heute “Konkursexpertin” Marie Karlsson-Tuula, zum Fall Saab befragt.
Frau Karlsson-Tuula sagte “dass es vielleicht seltsam klingt – aber es scheinen keine Regeln für Saab zu existieren”. Eigentlich, sagte Sie “ist das Unternehmen zahlungsunfähig, aber es geht immer weiter.” Um so erstaunlicher da “nur Victor Muller auf der Brücke steht”. Saab also eine “One-Man” Show ist.
Erstaunt ist sie auch das seit Monaten mehr als 3000 Mitarbeiter in Wartestellung sind, bezahlt werden und keine Entlassungen stattfinden. Saab ist erstaunlich. In jeder Hinsicht.
Es ist wirklich erstaunlich, auch die Zukunftsplanung geht weiter. Denn obwohl wir seit vier Monaten keine neuen Saab von den Bändern rollen sehen, läuft die Entwicklungsabteilung weiter. Und siehe da, der Elektro Saab 9-3 ePower ist da.
Wie es weitergeht…
Die Chinesen werden den schwedischen Fisch nicht von der Angel lassen. Das habe ich wiederholt geschrieben und denke immer noch dass es so ist. Aber die Chinesen haben strenge Regeln zu beachten, können nicht so investieren wie es von unserer Seite wünschenswert wäre.
Vermutlich wird, auf welchen Wegen auch immer, eine weitere Geldspritze kommen bis die Administration in China den Einstieg genehmigt. Die Hängepartie ginge über Wochen oder Monate weiter.
Wünschenswert wäre Klarheit und laufende Bänder. Und ein zuverlässiger Investitionsplan.
Nur mit sehr viel Glück werden wir diesen Zustand demnächst sehen. Aber, wir werden noch einige Zeit starke Nerven brauchen.
Text: tom@saabblog.net