Polestar als nächste Fantasie für Trollhättan und die Saab-Fabrik

Eigentlich ist es wirklich vorbei. In der ehemaligen Saab-Fabrik wird seit Monaten aufgeräumt. Die alten Produktionsrichtungen, sofern sie nicht bereits vor Jahren nach China verschifft wurden, werden demontiert und weiter verkauft (Link). Die altehrwürdigen Hallen werden vermietet, aber der größte Teil steht noch zur Disposition.

Natürlich greift gerne die Fantasie um sich, wenn es darum geht, was als Nächstes geschehen könnte. Polestar, als Mieter in Räumen des ehemaligen Saab-Entwicklungszentrums schräg gegenüber den Werkshallen, kündigt ein neues Elektroauto an. Der Polestar 7 soll den Durchbruch bringen und als kleines, bezahlbares Fahrzeug in Europa produziert werden (Link).

Kommt mit dem neuen Polestar auch das ersehnte Revival für den ehemaligen Saab-Standort Trollhättan?

Saab Werk in Trollhättan, Eingang zur Produktion im April 2012
Saab Werk in Trollhättan, Eingang zur Produktion im April 2012

Polestar als nächste Fantasie für Trollhättan und die Saab-Fabrik

Der chinesisch-schwedische Hersteller möchte so die Zollproblematik der EU und die sich abzeichnenden Herausforderungen für in China produzierte Elektroautos in anderen Teilen der Welt umgehen. Polestar ist chronisch defizitär, die Finanzierung gilt jedoch durch die Geely Gruppe als gesichert, und der ehemalige Opel-Chef Michael Lohscheller soll die Marke endlich in Richtung Erfolg und Profit trimmen.

In Schweden sehen Teile der Medien in Polestar immer wieder den Hauch der Saab-Nachfolge. Was daran liegen kann, dass fast zwangsläufig ehemalige Saab-Entwickler eine gewisse Beteiligung an den partiell in Göteborg entwickelten Fahrzeugen leisten. Vielleicht ist es auch die Vorstellung, dass es so sein könnte, wenn man wollte, der hier die entscheidende Rolle spielt.

Die Ankündigung der Produktion in Europa sorgt auch in Trollhättan für Wirbel, in den Medien rechnet man sich Chancen aus (Link), welche allerdings mit reichlich Fantasie bestückt sind. Denn überall in Europa stehen aktuell produzierende Werke zur Disposition. Audi schließt die Fabrik in Brüssel, Stellantis hat einen kompletten Strauß von Werken zu viel. Volkswagen würde die Produktion in Sachsen lieber heute als morgen loswerden und vielleicht noch Emden und Kassel dazu.

Blick auf die Produktion vom Flugfeld aus, April 2012
Blick auf die Produktion vom Flugfeld aus, April 2012

Was spricht für den Saab Standort Trollhättan

Wer in Europa eine Produktion etablieren möchte, hat die Wahl. Es sind gute Zeiten für Käufer und schlechte für diejenigen, die eine Immobilie vermieten möchten. Für die alten Saab-Hallen in der Stallbacka spricht kaum etwas, vor allem wenn man aktiv produzierende Standorte als Alternative hat.

Allerdings könnte man den Standort Trollhättan als solchen in die Waagschale werfen. Polestar ist mit der Entwicklung und Test-Einrichtungen bereits vor Ort. Viele Partner des Unternehmens haben ihren Sitz in der Stadt oder in deren Umfeld und an Göteborg, mit weiteren Geely Firmen und der Volvo Produktion, ist Trollhättan fantastisch gut angeschlossen. Die kurzen Wege und die Konzentration der Geely Gruppe in Südschweden könnten tatsächlich ein Argument für den ehemaligen Saab-Hauptsitz Trollhättan sein.

Allerdings ist es so, dass Li Shufu, der Eigner des Geely Konzerns, in der Vergangenheit immer wieder die Möglichkeit hatte, zuzugreifen. Die Saab-Fabrik war einst um vieles moderner und effizienter als die veralteten Volvo-Anlagen auf Hisingen. Und das Werk war für einen symbolischen Preis zu haben. Auch hier gab es reichlich Fantasie, viele in der Stadt sahen in den ersten Monaten 2012 den Volvo-Schriftzug bereits auf der ehemaligen Saab-Produktion.

Nicht so Li Shufu. Er entschied sich 2012 gegen Trollhättan, wie auch bei den Gelegenheiten zuvor und danach.

4 Comments
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Ken-Daniel
1 Jahr zuvor

Auch wenn es natürlich für Trollhättan wünschenswert wäre, denke ich eher, dass zukünftige Polestars im slowakischen Kosice produziert werden, nachdem ja Volvo dort eine neue Fabrik errichtet.

Mac Saab
Mac Saab
1 Jahr zuvor
Reply to  Ken-Daniel

Das vermute ich auch. Polestar bekommt kein eigenes Werk, die sind viel zu erfolglos dafür. Im Prinzip sind es nur Geelys, nur teuer verkauft.

C. Bleile
1 Jahr zuvor

Die Entscheidungsfindung, wo Geely in Europa produziert um den Strafzöllen zu entgehen ist rein finanzgetrieben. Das kann in Polen wie in Spanien sein. Fragt sich wir hoch das Investment für eine E-Automobil Produktion in Trollhättan wäre und vor allem auch wie sich die Steuerbelastung in Schweden präsentiert. Wenn ich die Preise von Volvo PKW anschaue, lässt es sich in Schweden scheinbar nicht günstig produzieren.

Aero-93
Aero-93
1 Jahr zuvor

Wenn Geely was in Trollhättan machen sollte, dann nur wenn der Preis (nach unten) stimmt… ;-).
Leere Hallen gegen funktionierende PKW-Werke…
Wie Du schon sagst, gute Zeiten für Käufer.