Produktionseinrichtungen im alten Saab Werk werden verkauft
Es ist das allerletzte Lied nach dem Ende der Saab-Produktion in Trollhättan. Die großen Müller-Weingarten-Pressen und Maschinen zur Blechbearbeitung stehen zum Verkauf. Es ist das Ende einer Epoche, die 1947 begann, und der endgültige Abgesang auf die alte Saab-Fabrik.
Deren neuer Besitzer hatte im letzten Jahr noch ambitionierte Pläne, um erneut eine Fahrzeugproduktion in das Stallbacka Industriegebiet zu holen. Mehrere Optionen flimmerten kurz auf. Das Emily-Projekt hätte Arbeitsplätze und Standort sichern sollen, oder auch chinesische Automarken, die sich in Europa etablieren wollen.

Produktionseinrichtungen im alten Saab Werk werden verkauft
Aus allem wurde nichts, das Emily Projekt versandete, wohl aufgrund mangelnder Akzeptanz rein elektrischer Antriebe und gedämpfter Marktaussichten. Chinesische Hersteller zog es natürlich nicht nach Trollhättan, wo hohe Löhne gezahlt werden und der Grad der gewerkschaftlichen Organisation beachtlich ist. Sie errichten ihre Werke an der Peripherie der EU, dort, wo die Arbeitskosten niedrig und Arbeitnehmerrechte weniger ausgeprägt als in Schweden sind.
Die großen Müller-Weingarten-Pressen bietet ein deutsches Unternehmen (Link) an. Romantiker sollten sich die Bilder aus der Fabrik anschauen, die der Verkäufer hinterlegt hat. Sie sind eine Zeitkapsel zurück in das Jahr 2011.
Für Trollhättan ist die Demontage ein symbolischer und für ehemalige Mitarbeiter ein schmerzlicher Akt. Denn jahrzehntelang standen die Investitionen in neue, größere Pressen für den Aufstieg von Saab und für eine ständig wachsende Produktion. Das ist vorbei, und jenseits aller Saab-Romantik war es schon länger klar, dass in den historischen Hallen keine digitalisierte Auto-Produktion zu realisieren wäre.

Für Trollhättan muss das nicht das Ende sämtlicher Fahrzeugträume sein. Die Stadt ist nach wie vor ein gut aufgestelltes automobiles Cluster, moderne Autofabriken sind heute kompakter als der verschachtelte, vom Göta Älv aus über die Tunhem-Wiesen gewachsene Saab-Komplex.
Wann die Pressen zuletzt in Betrieb waren, ist unklar. Etliche haben bereits Saab 900 und 9000 auf die Straße gebracht, die jüngsten unter ihnen sind aus dem Jahr 2001. Nach dem Ende von Saab wurden im Werk für eine Weile Karosserieteile als Nachschub produziert, auch für andere Marken wurde gearbeitet.
Dass jetzt, mit dem Ausräumen der Produktion, viele Relikte gefunden wurden (Link), ist fast klar. Das große Reinemachen hat erst begonnen, die Hallen werden einer neuen Nutzung zugeführt und für die Fans bleibt mehr als die Erinnerung. Denn sie fahren großartige Autos, die sie täglich begleiten.
Hm, das ist naürlich keine gute Nachricht für uns. Die Pressen passen zu den Werkzeugen mit denen zuletzt Orio noch Blechteile hergestellt hat. Theoretisch müssten die ja auch in Rüsselsheim passen, wenn der 9-5NG dort hergestellt werden sollte. Oder bei einem Zulieferer. Aber das jemand die tonnenschweren Presswerkzeuge für ein paar Kotflügel durch halb Europa fährt ist wohl mehr als unwahrscheinlich. Fraglich ist auch ob die Presswerkzeuge eingelagert oder schon verschrottet sind.
Für einen neuen Nutzer ist das nicht relevant, der kann sich die Teile von Zulieferen kaufen. Generell werden solche Maschinen aufgearbeitet und wo anders eingesetzt.
Ich befürchte, da wird schon sehr viel verschrottet sein. Orio war da ziemlich aktiv und vernichtete Werkzeuge, um dann später – für sechsstellige Beträge – neue zu bauen. Wie das im Detail weitergehen wird, ist offen, vielleicht wurde einiges gesichert und eingelagert, in Trollhättan gab es entsprechende Aktivitäten.
Einen Tag Mäuschen sein in den altehrwürdigen Hallen. Das wäre es. Es ist unglaublich, dass man nach einem Jahrzehnt immer noch Saab Artefakte/Teile (und damit meine ich nicht Produktionsmaschinen) findet. Ich bin überrascht, dass sich noch niemand die Mühe gemacht hat gründlich “aufzuräumen”. Das Museum, der Saabclub, Nevs. Wahrscheinlich sind die Erinnerungen noch sehr frisch um das Gelände wieder zu betreten. Habe ich im Falle des Entwicklungszentrums von einem alten Saab Mitarbeiter tatsächlich so gehört.
Sollte ein Arbeitseinsatz vor Ort nötig sein, ich bin dabei.
Ich glaube, das alles ist für viele ganz hart. Da waren drei Generationen einer Familie bei Saab beschäftigt, Saab war das Leben und der Plan dazu. Den Verlust muss man erst einmal wegstecken, auch weil Saab tief im sozialen Leben mit Sportvereinen und allem Möglichen verankert war.
Neue Autowerke wird es in Schweden keine geben. Der östliche Teil Europas erledigt alles viel billiger, noch günstiger ist es in der Türkei, die immer mehr zum Fluchtpunkt der Hersteller vor dem grünen Wahn wird.
Spannend ist für uns natürlich, dass so viele Ersatzteile gefunden wurden. Dieses Mal ist man ja hoffentlich schlauer als seinerzeit vielfach bei Orio, und man wird sie nicht verschrotten, sondern verkaufen. Gibt es schon eine Idee, welchen Weg die heiß begehrten Teile nehmen könnten?
Komisch ist das Ganze allerdings schon. Gab es keine Bestandsverzeichnisse o.ä.? Das gehörte doch alles zur Insolvenzmasse. Wem gehört es eigentlich jetzt? Dem (kommunalen?) Eigentümer der Halle? Kaufte er mit Inhalt? So oder so aber sicherlich gut, dass die Teile so lange verborgen waren. Sonst gäbe es sie längst nicht mehr.
Die Frage wäre, von wann die Teile sind? Es kann sein, dass NEVS Bleche herstellte, für die ersten NEVS 9-3 in China stammte alles aus Trollhättan.
Da kann manches übrig geblieben sein.