Wir bringen Innovation auf die Straße, sagt Saab und zeigt den 9-5
Als Saab 1997 den neuen 9-5 vorstellte, war im beschaulichen Trollhättan eine Menge los. Direkt neben dem Werksmuseum entstand ein separates Pressezentrum, welches in Laufe der Wochen von mehr als 6.000 weltweiten Pressevertretern besucht wurde.
Deren Erwartungen waren ziemlich hochgesteckt. Denn wann in ihrer Geschichte zeigte die kleine Marke schon eine komplette Neuentwicklung?
Schaut man zurück, dann war das seltenst der Fall. Der Saab 92 1947 war eine völlige Neuheit, der 99 und später auch der 9000. Dann erst wieder der 900 NG und zählt man die ersten 5 Jahrzehnte der Marke zusammen, sind es inklusive 9-5 tatsächlich nur fünf Premieren, die vollkommen neu entwickelt waren. Alle anderen Fahrzeuge waren die Evolution von bestehenden Modellen. Weggelassen haben wir bei der Zählung allerdings die Sonett-Sportwagen, die man dazu zählen könnte – oder auch nicht.
Die hohen Erwartungen von Presse und Publikum erfüllte der 9-5. Denn Saab brachte mit ihm einiges an Innovation auf die Straße.

Wir bringen Innovation auf die Straße, sagt Saab und zeigt den 9-5
Wenn man so mag, dann war der 9-5 vermutlich der Saab, mit den meisten Innovationen überhaupt. Angefangen bei den aktiven Kopfstützen (Link), die eine Weltpremiere waren, wie der B308E Motor (Link). Oder die belüfteten und heizbaren Sitze, die doppelten Sonnenblenden oder die Hochdruck-Scheibenwaschanlage mit drei Düsen. Viele gut durchdachte Kleinigkeiten waren im neuen, großen Saab zu finden, manches war Teil von etwas Größerem, wie das Saab Safeseat Konzept, welches verfeinert worden war (Link).
Die Schweden warben damit aktiv 1997 in deutschen Printmedien – und taten das ziemlich intelligent. Denn statt eine Liste sämtlicher Neuheiten aufzuführen, die vermutlich die wenigsten gelesen hätten, setzte man ein Bild und einen Slogan in die Welt.
Die neue Saab 9-5 Limousine erscheint eindrucksvoll vor bedecktem Hintergrund mit aufgeblendeten Scheinwerfern. Hier setzt beim Betrachter ein individuelles Kopfkino ein. Wo kommt der Saab her, was hat er erlebt? Wie ist die Geschichte, die erzählt wird und jeder sieht und vermutet etwas anderes?

Der Slogan, Innovationen entstehen im Kopf. Wir bringen sie auf die Straße, weckt Neugier.
Denn Saab und die Frankfurter Werbeagentur ADPLUS verraten nichts. Nichts vom Night Panel, nichts über den Flugzeugbau, nichts von aktiven Kopfstützen oder warum das Zündschloss, einmal mehr, seinen Platz auf der Mittelkonsole gefunden hat. Wer mehr wissen möchte, der könnte bei Saab anrufen.
Die Telefonnummer von Saab Deutschland ist vermerkt, oder er kann direkt zum nächsten Vertragshändler fahren.
Saab zeigt Innovation und macht alles richtig
Der 9-5 war ein großer Erfolg, er startete fulminant durch, bei Saab hatten sie alles richtig gemacht. Es schien sogar, als könnte die kleine Marke den Erfolg des 9000 wiederholen. In den ersten Monaten konnte das Werk tatsächlich die Nachfrage nicht schnell genug befriedigen und die Produktion hochfahren. Doch im Jahr darauf liefen sowohl Produktion als auch Nachfrage rund und die Pläne für die Zukunft waren überaus optimistisch.
Man darf sich heute fragen, was mit Saab geschehen wäre, wenn die folgenden Jahre halbwegs nach Plan verlaufen wären. Die Ablösung der ersten 9-5 Generation wäre wohl schon 2003 erfolgt, seine Vorstellung eventuell 2002. Dass er ein Dauerläufer werden würde, war definitiv nie in der Planung.
Der Nachfolger, in Zusammenarbeit mit Alfa Romeo geboren, hätte die 1997 begonnene Erfolgsgeschichte weiter fortschreiben können. Spannend wäre zu wissen gewesen, was die Schweden dann als Innovation geboren hätten. Motorisch war einiges in der Planung, ein Saab mit Hybrid-Antrieb wäre noch das Unspektakulärste gewesen. Aber leider blieb alles nur Wunsch und Möglichkeit – und wurde nicht umgesetzt.
Die Anzeige mit dem Foto habe ich mir damals stundenlang angesehen. Schöne Zeiten…
passend endet die Nummer auf 9595 Schade, dass niemand mehr rangeht…
Wirklich witzig mit der Telefonnummer. Die Homepage gibt es ja aus bekannten Gründen immerhin noch. Ich konnte nicht umhin, da doch mal nachzuschauen. Jedenfalls gibt es dort noch ein Video mit einem schönen Saab 900 OG Cabriolet zu sehen. 🙂 Auch wenn die Botschaft dieses Videos natürlich traurig ist … 🙁
Ein sehr interessantes Foto, dass Du da mal wieder ausgegraben hat, lieber Tom. Die goldgelben Scheinwerfer erinnern mich irgendwie an ein edles alkoholisches Getränk “on the rocks” (welches ich selbst noch nicht probiert habe). Vielleicht geht es ja aber nur mir so. Wie dem auch sei – aus heutiger Sicht, mit den ganzen kaltweißen Scheinwerfern (Xenon, LED oder Laser), wirkt die Optik dieser Anzeige mit den Scheinwerfern einerseits aus der Zeit gefallen, andererseits aber auch sehr edel und interessant.
Wurden diese Anzeigen eigentlich nur in Auto-Zeitschriften lanciert oder auch in anderen Magazinen, z.B. dem Spiegel? Ich kann mich nämlich überhaupt nicht an Saab-Anzeigen erinnern, abgesehen von einem Merianheft über Norwegen. Aber vielleicht hat mich das damals auch einfach nur nicht interessiert. Mein Liebster meint aber auch, als seinerzeitiger Auto Motor und Sport-Abonnent niemals Saab-Werbeanzeigen gesehen zu haben (und erst recht keine Spots im Fernsehen). Schade, schade, wie so vieles!
Im Spiegel (der in der Historie tatsächlich mal lesenswert war) hat Saab sehr viel inseriert. Auch in der Auto-Motor-Sport und anderen einschlägigen Medien. Saab hatte, falls es interessiert, am Anfang der 2000er Jahre in Deutschland das höchste Werbebudget pro Auto, nach Alfa Romeo.
Danke für die interessante Info! Wahnsinn, wie selektiv und falsch doch wohl die eigene Erinnerung ist. Es liegt wahrscheinlich daran, dass ich erst – nach einer rein zufälligen “Infizierung mit dem Saab-Virus” – im Jahr 2001 die Marke überhaupt zur Kenntnis nahm. Und ja, damals hatte ich den Spiegel noch im Abo, jetzt, nach totaler Verflachung, schon lange nicht mehr.
Allein dieses Detail: Hochdruck-Scheibenwaschanlage mit drei Düsen 🙂 !
Spätestens beim “Umstieg” auf ein Fremdfabrikat bemerkte ich (per Zufall), was ich u.a. “verloren” hatte…, und das bei schlechter Sicht nach vorn :-(.
Warum knickte der Verkauf des 9-5 (so schnell) ein?
Hatten alle SAABianer einen 😉 und es gab zu wenig “Umsteiger” ???
Immerhin hat der “Kofferraum” bei SAAB sicherlich polarisiert…
Es gab am Anfang ganz viele Eroberungskäufe. Aber die Modellpflege hätte besser sein können. Ein ewiges Warten auf den Diesel, kein Xenonlicht, die Navigation nach langer Wartezeit nur als Radiolösung etc…
Da kam vieles an Versäumnissen zusammen.
Danke für die Info.
So betrachtet rundet sich das Bild “eingetrübt” ab.
Dazu kommt: Der 9-5 ist heute noch ein richtig gutes Auto, etwas unterbewertet, aber wir wissen was wir an ihm haben.
Genauso ist es. Alleine schon die doppelten Sonnenblenden, zu dieser Jahreszeit einfach Gold wert. Vor einem Jahr hatte ich mal das “Vergnügen”, die vom damals brandneuen Firmenwagem (Passat) zu ertragen.
Und beim Kombi noch eine vernünftige Hutablage, auf der am Rastplatz das Essen serviert werden kann.
Unser Kombi hat leider erst 223.333Km, dauert noch etwas bisher HMC-Plakette