Alfa Romeo 1750 Spider Fastback – das Heck macht den Unterschied
Legenden wollen behutsam gepflegt werden und manchmal sind es die kleinen Dinge, die den Unterschied machen. Dann ist es völlig ausreichend, nur ein Heck abzubilden. Denn die Kundschaft ist aufgeklärt. Sie ahnt, worum es geht. Speziell, wenn es um sich einen kommenden Dauerbrenner handelt. Denn Alfa Romeo fertigte, wie auch Saab, manche Modelle für eine gefühlte Ewigkeit.
Eine unvergessene Konstante in der Alfa Welt war der Spider, der im Frühjahr 1966 das zarte Licht der Welt erblickte und viele Konsumenten glücklich machte. Dass die Produktion erst im Jahr 93 enden würde, war kaum vorauszusehen. Der offene Alfa begeisterte viele Kunden und schon nach 3 Jahren wagten sich die Italiener an eine einschneidende Überarbeitung.
Es war das Heck, welches fortan den Unterschied machte.

Alfa Romeo 1750 Spider Fastback – das Heck macht den Unterschied
Was heute eine Legende ist, das soll 1966 höchst umstritten gewesen sein. Am Heck des Alfa Romeo Spider Duetto sollen sich die Geister geschieden haben. Die populäre Bezeichnung Duetto stammt, nur der Korrektheit halber, aus späteren Jahren. Sie war damals nicht in Gebrauch, Alfa vermarktete das Cabriolet nur als Spider.
Die Kritik und der Druck jedenfalls müssen hoch gewesen sein, sonst hätte der Hersteller nicht umgehend gehandelt und sich zu kostspieligen Änderungen am Blech entschieden. Die rasche Überarbeitung brachte einen geraden, nicht mehr gerundeten Abschluss und im Prinzip verlor der Spider rund 10 Zentimeter Länge.

Wie wichtig und vielleicht auch polarisierend das Rundheck, das später Kult werden sollte war, kann man an den Anzeigen erahnen, die Alfa Romeo in den deutschen Medien schaltete. Die Importgesellschaft zeigte kein komplettes Auto. Das Heck schien ausreichend, um eine Botschaft zu transportieren.
Der neue Spider trug nun den Fastback-Zusatz im Namen, das 1970 beworbene 1750 Modell stellte die leistungsmäßige Spitze dar. 113 PS waren ausreichend, um den kaum eine Tonne schweren offenen Sportwagen zu bewegen, der Alfa typische Klang vermittelte ein höheres Tempo-Gefühl, als es wirklich der Fall war. Wichtig war auch, dass der Mailänder Konzern zu der optischen Überarbeitung ebenfalls noch technische Verbesserungen einfließen ließ.
Der Spider bekam ein Zweikreis-Bremssystem und die Pedale waren jetzt nicht mehr stehend, sondern hängend angeordnet. Ein Umstand, den Freunde des klassischen Alfa heute begrüßen.
Das Fastback verschwand, um zurückzukehren
Das Fastback hielt bis zum Jahr 1983 durch und eine Welle des Entsetzens schwappte über die Alfa Szene, als mit der nächsten Modellpflege dem Spider eine wuchtige Gummilippe als Heckabschluss verpasst wurde. Der damals schon zur automobilen Ikone gereifte Sportwagen hatte die lieblose Überarbeitung nicht verdient. Die Gummilippe wirkte an der zierlichen Karosserie stets wie ein Fremdkörper.

Tatsächlich hatten die Verantwortlichen ein Einsehen und besserten 6 Jahre später nach. Der Alfa Romeo Spider war zu dieser Zeit schon über 20 Jahre im Programm, er war der letzte Überlebende der Zeit, als die Marke auf Heckantrieb setzte. Sportlich war er auch nicht mehr, um die 120 PS Motorleistung reichten nicht mehr dafür aus jemanden davon zu überzeugen.
Trotzdem, vielleicht war man einfach froh, dass es ihn immer noch zu kaufen gab, und der Hersteller (Link) ihn weiter pflegte. Der Effekt war vergleichbar wie beim Saab 900 Turbo oder Land Rover Defender. Man freute sich allein über die Möglichkeit, einen automobilen Klassiker als Neuwagen erwerben zu können.
Im Jahr 1989 verschwand endlich die unsägliche Gummilippe, die eine Designsünde war. Der Heckabschluss ähnelte wieder dem Fastback von 1969, und der Auftritt war annähernd wieder wie aus einem Guss. Die Geschichte endete dann 1993 mit der Produktionseinstellung, der Nachfolger wurde ein Keil. So ganz anders, nicht so erfolgreich, aber auf eine bestimmte Art doch wieder ein typischer Alfa Romeo.
Mit Bildmaterial (1) von Stellantis (Alfa Romeo)
Mit Herz geschrieben (wie immer ;-)) und somit an eine (!) Spider-Nutzerin weitergeleitet.
Ich denke, sie wird sich über die profunden kleinen Infos um diese Ikone freuen. Herrlich.
Ein Freund von mir fuhr einen in ROT, die Fahrten offen waren (sind bis heute) Kult. Der Sound… 🙂
Danke.
Bis auf die kurze Episode der Gummilippe, steht der Spider ganz oben auf meiner persönlichen Traumwagenliste. Danke Tom für den Blick über den saabigen Tellerrand.