Es gibt mehr als 1,4 Millionen Gründe, die 2023 für Saab sprechen
Wenn schon der scheinbar unvermeidliche Jahresrückblick sein muss, dann einer, der sich nur um Saab dreht. Die Welt selbst entwickelte sich in diesem Jahr nicht unbedingt erfreulich, wir lassen sie außen vor. Mit Kriegen, Katastrophen und Ideologien werden sich andere beschäftigen müssen.
Und während da draußen der Sturm tobt, machte sich das kleine Saab Biotop 2023 wirklich gut. Das mag erstaunlich klingen, ist es doch 12 Jahre her, dass in Trollhättan die Tore schlossen. Die Marke sollte nicht mehr existent sein, weder in den Medien noch auf der Straße und in den Werkstätten.
Sie ist es aber doch, was die Magie rund um Saab ausmacht. Denn sie ist krisenerprobt, scheinbar unsterblich und Teil einer automobilen Saga. War also alles erfreulich 2023? Vieles war es wirklich, aber nicht alles. Denn selbst das schwedische Turbo-Biotop kann die allgemeine Situation nicht völlig ignorieren.

Mehr als 1,4 Millionen Gründe, die 2023 für Saab sprechen
Es ist wirklich kaum zu fassen. 12 Jahre nach dem Ende der Autoproduktion in Schweden ist das SaabBlog Magazin so beliebt wie nie zuvor. Eigentlich ist es so, dass 2012 das beste Jahr in der Geschichte des Projekts war. Es war eine dramatische Zeit, und viel Fantasie war vorhanden, die ein mögliches Weiterleben der Marke sah. In Trollhättan übernahmen chinesische Investoren, die viel versprachen und nichts davon einlösten, das Ruder. Im Ergebnis brachten die Ereignisse 1.348.959 Leser auf diese Seiten.
Das war das Allzeithoch, und es schien ausgemacht, dass es nie mehr zu übertreffen sein würde. Es gab keinen Ehrgeiz, dafür den Rekord einzustellen und eigentlich keine Basis. Denn die Geschichte war auserzählt – was sollte da noch kommen?
Elf Jahre später registriert die Statistik mehr als 1,42 Millionen Leser für das SaabBlog Magazin, und das Allzeithoch von 2012 ist Vergangenheit. Mit den Besucherströmen scheint Saab beliebter und geliebter denn je zu sein, es ist fantastisch!
Ist es das Streben gegen den Zeitgeist, der analoge Autos immer beliebter macht, der berühmte und nicht definierbare Lunatic-Faktor, oder alles zusammen? Ich habe keine Ahnung, die Zahl aber ist unglaublich.
Leider ist es so, dass 2023 in der Saab Welt längst nicht alles so perfekt war, wie man es vielleicht meinen möchte. Das Umfeld, in dem wir uns bewegen, berührte auch die Saab Situation an sich. Da sind unsere Saab Werkstätten, die unter zu viel Arbeit leiden. Leiden ja, denn wenn permanent zu viel Arbeit zu erledigen ist, dann ist das auf die Dauer alles andere als gut.

Die Saab Werkstätten arbeiten auch 2023 am Limit
Es fehlen Fachkräfte – erfahrene, versierte Schrauber mit Saab Fachwissen. Dass einige Werkstätten ausbilden ist gut, dass neue dazukommen ebenfalls. Aber es deckt den Mangel an Personal und an Kapazitäten bei Weitem nicht. Die daraus resultierende Konsequenz war immer öfter ewige Wartezeit auf einen Termin. Einige Werkstätten nahmen manche Arbeiten gar nicht erst an.
Das wird 2024 in dieser Art weitergehen. Eine Entspannung ist nicht in Sicht, was auch mit der deutschen Politik zu tun haben dürfte. Der destruktive Kurs, der blind gegen alles zielt, was automobiles Kulturgut mit einem Verbrenner ist, macht es jungen Menschen schwer, sich für einen Beruf, der vielleicht keine Perspektive mehr haben könnte, zu entscheiden.
Wie wichtig gute Werkstätten und ihre kompetente Beratung sind, war in diesem Jahr immer wieder erfahrbar. Da verkauften Menschen, mit tränenden Augen, ihren Saab. Der hatte dann nicht selten noch ziemlich wenige Kilometer, wurde aber als nicht reparabel eingestuft.
In der Regel waren es jedoch immer Kleinigkeiten, die den Ausschlag gaben.
Ein Ersatzteil, das nicht lieferbar war. Fehlende Saab Kompetenz einer großen Werkstattkette oder auch das Problem, welches auch die Saab Werkstätten quält. Niemand wollte sich intensiv mit dem alten schwedischen Auto beschäftigen, abwimmeln kann auch Notwehr sein, und die Dramen nahmen ihren Lauf. Verkauft wurde natürlich zu Spottpreisen, und in der Regel bekam ich die Geschichte erst dann erzählt, als es schon zu spät war.

Es liegt nicht daran, dass es keine Saab Ansprechpartner geben würde. Der 1. deutsche Saab Club hat eine Werkstattliste, die aktuell und für jeden einsehbar ist (Link). Das Problem ist das oben Genannte – es fehlt die Zeit. Hilferufe per Mail werden wahrscheinlich gelesen, aber es mangelt fast überall die Kapazität, sich umfassend zu kümmern.
Wir sind Vorbilder für nachhaltiges Agieren
Das ist schade und gehört zu den bedauerlichen Dingen des Jahres. Denn jedes Mal spielt sich ein kleines Drama ab, und meist gibt es eine emotionale Bindung zum Auto, die über Jahre gewachsen ist. Es müsste so nicht sein! Denn eigentlich gibt es immer weniger Gründe, keinen alten, analogen Saab zu fahren. Jenseits der Tatsache, dass es nachhaltiger ist, ein Produkt möglichst lange zu nutzen, als sich ein neues in China bauen und um den halben Erdball transportieren zu lassen, ist die alte Technik robust und bezahlbar in der Wartung.
Ersatzteile dafür zu suchen, das kann anstrengend sein. Aber auch hier gab es 2023 Gutes zu berichten. In Schweden läuft die Ersatzteilproduktion an historischer Stelle hoch, Skandix schließt immer wieder Lücken in der Versorgung und hat weitere Produkte in der Vorbereitung. Enthusiasten werfen den 3D-Drucker an und erstellen Teile in Eigenregie. Die Dynamik der Szene ist beeindruckend.

Und was nicht lieferbar ist, das kann größtenteils instand gesetzt werden. Auch das ist eine Erkenntnis des Jahres 2023 – es gibt für fast alles eine Reparaturlösung. Reparieren statt tauschen oder wegwerfen. Das schafft lokale Wertschöpfung und schont die Ressourcen.
Eigentlich sind die Saab Menschen Vorbilder für nachhaltiges Agieren, was zu den 1,4 Millionen Gründen, die für Saab sprechen, obendrauf kommt.
Einen Umweltpreis werden wir sicher dafür nicht bekommen, aber wenn ich einen Wunsch für 2024 frei haben sollte, dann diesen hier. Ich möchte endlich E-Fuels an den Tankstellen sehen. Die Politik soll handeln statt versprechen, konkret jetzt! Denn nicht der Verbrenner ist böse. Es ist der fossile Energieträger, der ersetzt werden muss.
Allen Lesern des SaabBlog Magazins wünsche ich einen perfekten Start in das Jahr 2024. Danke für Ihr großes Interesse, die Unterstützung und auch die Geduld und Nachsicht, die Sie mit mir hatten. Wir lesen uns im neuen Jahr wieder.
Vielen Dank und allen ein gesundes neues Jahr!
Der Blog selbst ist einer der besten Gründe. Man lernt hier viel, bekommt Tipps für Ersatzteile, Service, Reparatur, Pflege und Upgrades, Veranstaltungen, Auktionen etc. Dazu Merchandising, historisch Interessantes, gute Unterhaltung rund um SAAB.
Gibt wohl kaum eine Automarke, die ohne finanzielle Interessen einen derart genialen After Sales Service hat.
Einfach klasse. 1,4 Millionen Leser können nicht irren!
P.S.
Ich verkneife mir da zum Jahreswechsel alle (Energie-) Politik, aber wenn ich einen Wunsch frei hätte, wäre es BioFuel statt E-Fuel.
Ganz unpolitsch: Es braucht 53 kWh Strom um 1 kg Wasserstoff zu erzeugen. Der hat aber nur 39 kWh Brennwert. Was ganz besonders absurd ist, wenn er wieder in Gaskraftwerken mit einem Wirkungsgrad von max. 70% verstromt wird. So werden aus 53 kWh (die ich ja schon einmal hatte) 27,3 kWh. Wozu das denn?
Es ist ein Etikettenschwindel. Da habe ich 53 kWh aus großen Solarfeldern oder Windparks und halbiere sie ohne Notwendigkeit, nur um sie als E-Fuel labeln zu können? Es ist der reinste Wahnsinn und er (zumindest die Weichenstellung) passiert genau jetzt.
Ein Frohes Neues an alle, aus dem schönen Rheinland an alle.
Danke Tom, für deine tollen Geschichten, freue mich auf ein weiteres Jahr mit dem Saabblog 🙂
Das Werkstattproblem bekam ich im letzten Jahr auch zu spüren, da mein Stammsaabschrauber die Segel strich….Die Werkstattdichte mit Saaberfahrung ist in meinem Dunstkreis denoch recht hoch….
SAABastian habe ich auch für mich entdeckt, leider nicht als Werkstatt(falsches Bundesland) aber als Ersatzteile-Lieferant, ein sehr netter Kerl mit viel Saab im Blut 🙂
Ups… Ein frohes neues Jahr an alle, aus dem schönen Rheinland.
Hey Tom….ein nachträgliche Bearbeitungsfunktion nach abschicken eines Kommentars wäre gut 😉
Manchmal tippt man komische Dinge, welche dann in Stein gemeißelt sind…..
Ich habe im 2023 einen Saab gekauft, den 2.8 V6 2005 Kombi.
Bin sehr zufrieden , er ist schon ein besonders Auto aber macht viel Freude.
Immer wider SAAB.
Bin grad in Hua Hin in Thailand
Nichts könnte die Absurdität des Europäischen Selbstbashings in Bezug auf Mobilität drastischer kontakarieren als die Dichte und Unbekümmertheit des asiatischen Individualverkehrs .
Eines steht fest: Der Planet wird nicht in Europa gerettet und schon gar nicht von ein paar Saab Fahrern den man ihr geliebtes, nachhaltiges Vehikel madig macht .
Deutschland, nein Europa schafft sich gerade selbst ab und woke ,zumeist im geschützten Bereich tätige ,Pseudophilosophen treiben das Meinungsklima zum wirtschaftlichen Suizid .
Die Asiaten halten sich den Bauch vor Lachen wie die einst für ihre Technologie bewunderten Deutschen kampflos die Segel streichen.
Dir Tom, deinen Mitstreitern und euren Familien wünsche ich einen guten Rutsch in ein glückliches Neues Jahr und danke euch allen, dass ihr das Saab-Fahren so toll macht.
Mit herzlichem Gruss
aus der Schweiz
James
Saab ist und war halt immer besonders. Macht 2024 bitte weiter so!
Großartig, danke an Alle und an Tom!