Für den Fiat Panda Trio flog man sogar aus dem All zurück!

Wie werden Autos zum Kult? Zum Ersten muss das Produkt als solches stimmig sein. Zum zweiten die Werbung und die Geschichte, die man rund um das Fahrzeug strickt. Der Fiat Konzern war in beiden Disziplinen einst besonders gut gewesen. Das beste Beispiel ist der Panda, die tolle Kiste aus Italien.

Wie macht man ein preisgünstiges Auto? Man nimmt gerade geometrische Bleche, die einfach herzustellen sind. Den Innenraum möbliert man spartanisch mit Sitzen aus der Campingabteilung und man verkneift sich konsequent alles, was entfernt an Luxus und Image erinnern könnte.

Heraus kommt bei dieser Rezeptur Anfang der 1980er-Jahre der Fiat Panda.

Fiat Panda Trio - und der Mann im All
Fiat Panda Trio – und der Mann im All

Der Fiat Panda war nonkonformistisches Lebensgefühl

Er ist kostengünstig zu produzieren, denn Fiat nimmt nicht nur simpel herzustellende Bleche, auch sämtliche Glasflächen bleiben plan. Das spart Geld. Campingstühle liefern die Idee für eine rudimentäre Bestuhlung. Das spart noch mal Geld. Auf ein Rohrgestänge drapieren die Produktplaner etwas Stoff und fertig ist eine Kiste, die sogar fährt.

So sah einst Basismotorisierung aus, nur sollte sie nicht so genannt werden.

In Deutschland erfanden die Fiat-Werbepartner die Bezeichnung tolle Kiste, was nach Lebensstil und Lebensgefühl klang. Freche Werbung flankierte den Fiat Kleinstwagen und das Rezept traf den Geist der Zeit. Der Panda konnte an die nonkonformistischen Traditionen von Renault R4 (Link) und Citroën 2 CV (Link) anknüpfen. Einen Panda zu bewegen stand für eine konsumkritische Lebenseinstellung, zumindest in deutschen Großstädten.

Im südlichen Italien war die Motivation eine andere. Dort war der Panda als einfaches, flexibles und günstiges Fahrzeug für das Leben gefragt. Die politische Grundeinstellung Frankfurter Sponti Kreise, die aus ihrer Haltung heraus die tolle Kiste bewegten, dürfte in Kalabrien keine Rolle für die Kaufentscheidung gespielt haben.

Im Jahr 1986 rollte bei Fiat bereits die zweite Panda-Generation von dem Fließband. Die modernen F.I.R.E. Motoren, die aus einem voll automatisierten Werk kamen ersetzen die angejahrten OHV Antriebe, sie leisteten zwischen 34 und 55 PS. An der Hinterachse waren die Blattfedern durch Schraubfedern abgelöst worden, der Blech Kühlergrill des Ur-Modells wurde durch einen aus Kunststoff ersetzt.

Reinhold soll Fiat Panda kaufen. Welcher Reinhold?
Reinhold soll Fiat Panda kaufen. Welcher Reinhold?

Der Panda verlor mit der Neugestaltung ein Stück seiner typischen Optik, aber nicht seinen Charakter als tolle Kiste. Damit das so bleiben würde, schob Leo Burnett (Link), die Fiat Werbeagentur, immer wieder freche Anzeigen in der Presse nach.

Reinhold soll zurück zur Erde – Fiat Panda Trio kaufen

Im Jahr 86 präsentierten die Italiener den Panda Trio. Eines der zahlreichen Sondermodelle in der Historie, das es wahlweise komplett in Weiß, Rot oder Schwarz mit den damals unvermeidbaren Dekorstreifen mit Trio Schriftzug zu kaufen gab. Angereichert mit längs gestreiften Sitzbezügen – mehr Besonderheit war nicht.

Die automobile Welt war damals noch ziemlich einfach.

In der Werbung, die Fiat auch im Nachrichtenmagazin Spiegel schaltet, wird ein gewisser Reinhold (unser Mann im All) dazu aufgefordert zurück zur Erde zu fliegen.

Klar, Fiat Panda Trio kaufen.

Nur, wer ist dieser Reinhold? Die ganzseitige, farbige Fiat Werbung lässt mich ratlos zurück? Im Herbst 85 führten die deutschen Astronauten Reinhard Furrer und Ernst Messerschmid an Bord des Space Shuttles Challenger Experimente in der Schwerelosigkeit durch. Reinhard, aber nicht Reinhold. Einen deutschen Astronauten mit Reinhold Vornamen gab es erst viel später. Reinhold Ewald war mit der MIR 97 Mission unterwegs. 11 Jahre, nachdem die Anzeige erschienen war.

Das Rätsel bleibt – wer ist Reinhold? Habe ich etwas verpasst? Vielleicht kann die Schwarmintelligenz der Leser die passende Antwort geben.

Die kultige erste Version des Fiat Panda gab es von 1980 bis 2003 zu kaufen. In Deutschland bis 1996, nur in Italien war er bis zum Produktionsende verfügbar. Die Nachfolger hatten alle nicht das Charisma der tollen Kiste, es fehlte die Coolness und das typisch gradlinige Design.

Die Geschichte geht weiter. Natürlich. Der Fiat Panda ist wahrscheinlich zu genial, um ihn in Ruhe zu lassen. Stellantis bastelt bereits am Nachfolger. Der wird rein elektrisch sein und soll in den großen Radspuren der kleinen tollen Kiste fahren. Die Erwartungen sind hoch, ob sie erfüllt werden, ist offen.

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Volvaab Driver
Volvaab Driver
2 Jahre zuvor

Reinhold …

Vielleicht ist tatsächlich Messner gemeint? Weiß kaum jemand, aber er ist Italiener.
Und ohne Sauerstoffmaske ist man auf knapp 9.000 m über dem Meeresspiegel ja auch schon fast im All. Den Mount Everest hatte er gerade erst 1978 gemacht. Bis 1986 hatte er alle 8.000er komplett. Es würde zeitlich passen …
Weiß auch kaum jemand, aber Helikopter und die meisten Flugzeuge (Propeller) erreichen diese Höhe nicht ansatzweise …
Die ISS “dümpelt” auf ihrer Umlaufbahn auch immer wieder nur 320 km über dem Meeresspiegel. Da sind knapp 9 km zu Fuß, auf das Dach der Erde, schon fast eine kleine Raumfahrt …

Kommt hinzu (siehe unten), dass der Panda sich noch auf den kleinsten und engsten Bergstraßen wohlfühlt und Reinhold Messner medial (auch gerade in D) sehr present war. Und dass man den Panda im Tal gekauft hat …
Je länger ich darüber nachdenke, desto wahrscheinlicher scheint es mir, dass er gemeint ist.

Volvaab Driver
Volvaab Driver
2 Jahre zuvor

Andere Straßen, andere Autos …

Das mag ich total am Panda, auch den jüngeren, dass er so typisch italienisch ist.
Gab auch schon damals (1. Generation) einen Elettra, mit dem Mitarbeiter der Kommunen abgasfrei in enge denkmalgeschütze Gassen fahren konnten. Oder einen 4×4, der Postzustellung auch in entlegenen Bergdörfern ermöglicht hat.

Mich erinnert das an die Geschichte der Volvo Duett. Die Kombiversion des Buckels blieb weit über diesen hinaus noch ein paar Jahre in Produktion – auf behördlichen Wunsch, heißt es.

Noch heute weiß man anhand der Autos manchmal, wo auf der Welt man gerade ist. Ich mag das. Es intensivert das Gefühl, eine Reise gemacht zu haben.
Wir haben vor ein paar Jahren ein Haus in einem entlegenen, italienischen Bergdorf gemietet. Das Dorf und seine schulterbreiten Gassen waren begehbar. Autos blieben draußen. Die Zufahrt den Berg hoch und runter war abenteuerlich. Wir waren vor 10 Jahren die einzigen Ausländer dort und die einzigen Deppen, die das mit einem 9-5 gemacht haben. Vor dem Dorf standen ansonsten immer 3 bis 7 Fiat Panda und 0 bis 3 Suzuki Jimny – je nach Tageszeit …
Rund um die Uhr war jedenfalls klar, wir sind in Italien! Und irgendwie war das echt cool so. 20 Jahre zuvor war es in ganz Schweden auf jedem Parkplatz auch noch so. Alles voll mit Saabs und Volvos.
Urlaubsgefühle auf einem Parkplatz? Ja, doch, das gab es einst wirklich und vielleicht gibt es in Italien noch immer das eine oder andere Bergdorf, das den Eindringlingen Widerstand leistet und am besten mit einem Fiat Panda zu erreichen ist?
Alternativ kommen Asterix und Obelix in einem Renault R4 ;-). Es gibt so Autos (flotte Kisten), die keinen Tester je begeistert haben und doch unter bestimmten Bedingungen allem überlegen sind, was diese sonst so testen …

Der Lizi
2 Jahre zuvor

Ein schwarzer Panda begleitete auch mich einige Jahre. Mit coolen und kühlenden Faltdächern. Um ihn langstreckentauglich zu machen bekam er zwei Plüschsitze aus einem Opel Rekord. Dem TÜV war damals so etwas egal. Die hintere „Sitzbank“ flog raus. So war er auch ein genialer Lastesel für meine Eventfirma. Eine tolle Kiste. Mit Charakter.

Thorsten
Thorsten
2 Jahre zuvor

Einfach genial diese Kiste! Der Panda hat meine Jugend begleitet, er war immer zuverlässig aber nicht der schnellste