Der Toyota Corolla – das Musterbeispiel für Zuverlässigkeit

Zur deutschen Autokultur gehören auch die japanischen Marken dazu, die in den 70er-Jahren in der Bundesrepublik Fuß fassten. Am Anfang waren die Honda und Toyota noch exotische Randerscheinungen gewesen, doch schnell hatten sie sich ein erstes Image erarbeitet.

Das stand markenübergreifend für Zuverlässigkeit und strahlte auf alle Fahrzeuge aus Nippon ab. Im Rampenlicht strahlte aber eine Marke und ein Auto ganz besonders. Der Toyota Corolla, das Musterbeispiel an Zuverlässigkeit schlechthin. Das am meisten gebaute Auto des Planeten gab es ab 1966 und nur 11 Jahre später rollte schon die dritte Generation von den Bändern.

So etwas galt als unerhört, denn zu dieser Zeit waren rasche Modellwechsel fast etwas Unanständiges.

Toyota Corolla (1977)
Toyota Corolla (1977)

Drei Corolla Generationen in 11 Jahren

Saab baute den 99 damals für 16 Jahre, Mercedes den Strich 8 (W114) für 11 Jahre. Das war normal, zählte als werterhaltend und war ein wichtiges Argument, wenn man die Lufthoheit über deutsche Stammtische behalten wollte. Dort wurde die Luft in den 70er-Jahren jedoch merklich dünner, denn die Japaner kamen.

Nimmt man den Toyota Corolla als Vorzeigemodell, dann erkennt man die Problematik. Der Corolla war preiswert, er war gut ausgestattet und hatte Details wie Teppichböden, Kopfstützen und Scheibenbremsen, für die in den Preislisten anderer Fabrikate zusätzliche Kreuzchen zu machen waren, serienmäßig.

Wer sich in das Toyota-Autohaus wagte, der staunte über die gute, nahezu penible Verarbeitung und die vielen Details, die fast schon Luxus verdächtig waren. Kofferräume und Tankklappen waren vom Fahrersitz zu öffnen, der Scheibenwischer hatte eine Intervall-Schaltung. Das machte so manchen Ford und Opel Fahrenden zum Überläufer.

Egal, was der Stammtisch sagte.

Toyota Corolla - der fährt einfach
Toyota Corolla – der fährt einfach

Das Totschlag-Argument aber, pro Nippon Auto, war damals die Zuverlässigkeit. 5 Millionen Corolla fahren, textete Toyota Deutschland 1977 in einer vierfarbigen Werbung in einer Ausgabe der Auto-Motor-Sport. Sie stehen selten in der Werkstatt, womit der japanische Hersteller den Nerv getroffen haben muss.

Liest man die Autohefte dieser Jahre, dann war es mit der Zuverlässigkeit europäischer Anbieter nicht gerade gut bestellt. Der Corolla, den es mit zwei und vier Türen und als Fastback im Stil des Lancia Beta HPE (Link) gab, schnitt in allen Tests und Leserbriefen hingegen unauffällig ab.

Keine Defekte, kein Befund. Der fährt einfach.

Das war langweilig, vielleicht auch für den Stammtisch. Die Werbung 1977 sprach zwar von der Begeisterung auf Rädern, aber das war mit Sicherheit anders gemeint. Denn der Corolla war sicher ein Musterschüler, aber auch die stehen nicht im Ruf, die aufregendsten Typen in der Schule gewesen zu sein.

Die Begeisterung drückte sich bei Toyota (Link) anders aus. Erst 1971 in Deutschland gestartet, standen 6 Jahre später schon 750 Werkstätten und Autohäuser unter Vertrag. Ein enormer, begeisternder Erfolg. Die automobilen Herzen bewegten – damals wie heute –  andere Marken und sicher nicht der Corolla. Dem genügte es, das Musterbeispiel für Zuverlässigkeit zu sein.

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Volvaab Driver
Volvaab Driver
2 Jahre zuvor

Witzig, gleich der erste Satz des Artikels hätte noch bis weit in die 1990er an manchem Stammtisch heftige Reaktionen generiert …

Heute würden nur noch Unbelehrbare widersprechen. Aber schon in den 1990ern wäre es Quatsch gewesen. Japanische Marken hatten sich längst etabliert und eine rasant wachsende Anhängerschaft.

Der Satz ist wieder so ein typischer Tom, bringt etwas Komplexes genau auf den Punkt, was vielleicht noch immer nicht wirklich jedem schmeckt, aber trotzdem genau so und nicht anders, ganz und gar zutreffend ist …

Ein Gedanke dazu. Kann es sein, dass auch japanische Geländewagen an dem schnellen Durchbruch zumindest mancher Marke maßgeblich beteiligt waren?

Suzuki assoziiere ich noch immer stark mit dem SJ (Vorgänger vom Jimny) und japanische Autos der 1980er (mit Ausnahme von Honda) insgesamt mit Geländewagen. Das SUV als Gattung war noch nicht ersonnen und das Angebot ähnlicher Fahrzeuge aus (west-) europäischer Produktion war dünn. Plötzlich waren überall Suzuki SJ, Toyota Land Cruiser und Datsun/Nissan Patrol im Straßenbild. Gefahren als Zugfahrzeuge, oder von Freizeitaktiven, Weltenbummlern und solchen, die sie tun wollten.
Die Großen (langer Radstand) boten auch große Kofferäume und eine angenehme Ladekante. Mancher Patrol oder Land Cruiser dieser Jahre hat wohl auch einfach als “Überkombi” einen Käufer gefunden?

Auch wenn das auf dem dt. Markt wahrscheinlich keine Volumenmodelle waren, so ja vielleicht doch so etwas wie Türöffner, Steigbügelhilfen, Markenbotschafter?

Nur so ein Gedanke. Es kommt mir jedenfalls so vor, als hätten sich japanische Importe auf dem Markt für Allrad in den 1980ern nicht nur rasant gewisse Anteile erobert, sondern diesen sogar dominiert. Vielleicht haben diese Zugfahrzeuge als Zugpferde eine signifikante Rolle bei der Etablierung der jeweiligen Marken gespielt? Vielleicht auch nicht?
Ich assoziiere die 1980er und 1990er in diesem Segment jedenfalls sehr mit japanischen Autos. Abseits von Geländewagen sieht es anders aus. Da sind mir auch Japaner durchaus bewusst, aber Europäer dominieren meine Erinnerung.

Volvaab Driver
Volvaab Driver
2 Jahre zuvor
Reply to  Volvaab Driver

P.S.
Keine Ahnung, ob es jemand interessiert oder es überhaupt jemand nachvollziehen kann?

Aber diese farblich triefenden und bis zum geht nicht mehr farblich gesättigten Anzeigen der 1970er, die man hier sieht, waren technisch tatsächlich enorm anspruchsvoll.

Ist das Interieur dieses Corollas etwa grünstichig? Oder dessen Kennzeichen? Nix davon. Aber dessen Foto ertrinkt geradezu in Grüntönen. So wie andere Autos schon zuvor in der Sonne ihrer selbst (Ford Capri) oder in Blautönen fast ersoffen sind …

Es war jeweils ein rein analoges Ersäufnis und dieses parallel zu farblich neutralen Innenräumen oder Chromleisten zu kreieren, war ganz großes Handwerk. Die Fotografen dieser historischen Anzeigen haben meinen maximalen Respekt.

Heute sind das nur Mausklicks eines Teenagers. Damals war es ein echtes Experten-, schon fast Geheimwissen, das so zu können. War eine echt gute Zeit für fähige Fotografen …

Meinen Respekt haben sie auf jeden Fall, obwohl ich die Ergebnisse nicht immer mag. Man müsste sie aber erstmal mit der gegebenen Techn

Volvaab Driver
Volvaab Driver
2 Jahre zuvor
Reply to  Volvaab Driver

Ik toppen können. Gar nicht so leicht!

Ebasli
2 Jahre zuvor

Wie mir ein weitgereister Bekannter mal sagte, prägen vor allem im arabischen Raum fast ausschließlich Toyota Corollas (alle in weiß) das Straßenbild. Im asiatischen und afrikanischen Raum soll es nicht viel anders sein. Auch bei Mietwagen ist es wohl so. Ich bin in den 90ern mal im Urlaub die US-Westküste runter und rauf gefahren. Als Mietwagen hatten wir – na was wohl – einen weißen Toyota Corolla. Er ist eben nicht umsonst “das meist gebaute Auto des Planeten”. Das allerdings wusste ich vor diesrm Artikel noch nicht.

Der Lizi
2 Jahre zuvor

Was Tom beschreibt, gilt heute auch noch. Nicht ganz freiwillig, musste unser kleiner familiärer Fuhrpark durch einen Nicht-Saab erweitert werden. Die behördlich verordnete Zwangsbeglückung kommt aus dem Hause Toyota. Ein CH-R Hybrid. Bedauerlicherweise völlig emotionslos tut er das, was man von einem Auto erwartet: er fährt. Und das äußerst zuverlässig. Dazu recht flott und sparsam. Die fast 200 PS Systemleistung genehmigen sich im Durchschnitt 5,2 Liter Benzin. Die Anzahl der Werkstattbesuche liegt konsequent bei 1 Mal jährlich- zur Inspektion. Erfolgt diese in einer Markenwerkstatt, wird dies mit einer sich automatisch verlängernden Garantie belohnt. 15 Jahre lang. Auf das gesamte Fahrzeug.