Der Citroën Visa II probt vorsichtig die Kompatibilität mit der Masse

Den Citroën Visa zeichnete ein geniales Konzept aus. Er bot vier Türen auf kleinsten Raum und eine Fahrkultur der höheren Klasse. Als nicht so ganz kompatibel mit den Erwartungen der Käufer lokalisierte Citroën jedoch schon kurz nach dem Debüt 1978 das Außendesign. Es schien zu polarisierend für diese Fahrzeugkategorie, vielleicht transportierte es eine Portion zu viel Avantgarde.

Ohne die inneren Werte umfangreich zu verändern, warum hätte man das auch machen sollen, schalteten die Marketing-Spezialisten schnell in den Kompatibilitätsmodus um. Der Auftrag ging an Heuliez (Link), einen französischen Karosserieschneider, welcher den Visa neu einkleidete. Als Ergebnis präsentierte Citroën 1981 der Visa II.

Citroën Visa II (1981)
Citroën Visa II (1981)

Citroën Visa II im Kompatibilitätsmodus

Heuliez gelang das Kunststück, die Karosserie zu glätten und sie sachlicher und moderner wirken zu lassen. Der prominent große Kunststoff Kühler fiel der Operation zum Opfer, der neue Grill geriet einfacher und eben kompatibler zum erhofften Massengeschmack. Die neue Seitenbeplankung verstärkte den konservativ-seriösen Auftritt, der Visa II übernahm jetzt die Designsprache des großen CX.

Spannend dabei ist, dass bei dieser umfangreichen Aktion der Innenraum des erst 3 Jahre zuvor präsentierten Kleinwagens nicht angerührt wurde. Es blieb beim Einspeichenlenkrad und auch der legendäre PRN Satellit war weiterhin (noch) an seinem Platz.

Der Visa II - Citroën schickt ihn frisch gestaltet in den Ring
Der Visa II – Citroën schickt ihn frisch gestaltet in den Ring

Mehr Motoren für den Citroën Visa II

In der Basisversion gab es weiter den bekannten Boxermotor mit zwei Zylindern, der im 2 CV zur Legende wurde und dessen Fahrgeräusch man Jahrzehnte unwillkürlich mit der Marke assoziierte. Dessen Fahrleistungen wurden allerdings bereits in ersten Tests (Link) kritisiert und jetzt gab es zwei Peugeotmotoren für ein leistungshungriges Publikum. Im Visa II Super E leistete der kleinere, schon bekannte, mit 1,1 Litern Hubraum 50 PS. Im Super X verwöhnte erstmals ein 1,2 Liter Aggregat sogar mit 64 PS. 155 km/h waren fortan in der Spitze möglich, bei einem nach wie vor geringen Verbrauch für die damalige Zeit.

Das Super X Modell stellte 1981 die Spitze der Visa Produktpalette dar, doch die Zukunft würde noch viel mehr bringen. Für Citroën war der Visa II der Champion, der mit doppelseitigen Anzeigen gefeiert werden musste.

Nicht ganz ohne Grund, denn Fahrkomfort und Ökonomie waren damals bemerkenswert. In der Kleinwagenklasse mit vier Reisenden bot kaum ein anderes Fabrikat so viel Raum und Bequemlichkeit. Dass sie sich dafür beim Gepäck einschränken mussten, denn ausreichend Platz war nur bei umgeklappter Rückenlehne vorhanden, muss aber auch erwähnt werden.

Ring frei - Citroën Deutschland wirbt für das überarbeitete Modell
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Citroën – Intelligenz auf Rädern

Citroën warb mit dem Slogan Intelligenz auf Rädern, den man auch auf den Heckscheiben von Fahrzeugen aus diesen Jahren heute noch entdecken kann. Auch da ist was dran, denn 3,69 Meter Außenlänge und ein Gewicht von klar unter einer Tonne zur Beförderung von vier Personen sind heute Fabelwerte.

In der Gegenwart wiegt schon manches Batteriepack so viel wie ein kompletter Visa II in der Basisversion. Und vielleicht sollten wir uns fragen, was mit uns nicht stimmt, dass sich die Mobilität zu fahrenden Schwergewichten entwickelt hat.

Doch darum geht es hier nicht. Es dreht sich alles um alte Autos, die manchmal ziemlich besonders waren und um Fahrzeugkultur.