Evergrande Auto (Hengchi) will im 2. Quartal Verkauf starten

Die ehrgeizigen Pläne zum Start der neuen Automarke Hengchi konnte Evergrande Auto bisher nicht realisieren. Doch immerhin steht mit Hengchi 5 LX ein vollelektrisches SUV bereit. Die Genehmigungen für Vertrieb und Produktion sollen erteilt sein, jetzt rüstet sich Evergrande Auto für den Start der Verkaufsaktivitäten. Die Marke bewegt sich in einem stark umkämpften Marktsegment, der Erfolg ist keineswegs sicher. Währenddessen wird in Trollhättan die Liste mit Stellenangeboten immer länger. Die schwedische Evergrande Tochter bemüht sich um den Abschluss laufender Projekte.

Hengchi 5 LX
Hengchi 5 LX

Hengchi 5 LX im 2. Quartal auf dem Markt

Nikkei Asia meldete als erstes Medium, dass nun auch die erforderlichen Genehmigungen zum Verkauf von Hengchi 5 LX vorliegen. Im Vorfeld war bereits durchgesickert, dass Evergrande Auto Vertriebspersonal an Bord nimmt und im 2. Quartal auf dem chinesischen Markt starten will. Zu Beginn wird die Marke Hengchi in nur 15 chinesischen Großstädten, inklusive Peking, präsent sein. Der offizielle Start soll im April stattfinden.

Vermutlich wird Hengchi 5 LX vorerst als einziges Modell in den Ausstellungsräumen zu sehen sein. Lizenzen für den Bau oder Vertrieb weiterer Fahrzeuge wurden bisher noch nicht erteilt. Tatsächlich wäre der Marktstart von Evergrande Auto so etwas wie ein chinesisches Wunder, sollte er tatsächlich gelingen. Das Unternehmen ist schwer angeschlagen, jede weitere Finanzierung ist ungewiss. Die ambitionierten Pläne, mit einem guten Dutzend neuer Fahrzeuge den Markt zu erobern und Tesla zu “jagen”, sind Makulatur.

Abhängig von politischen Entscheidern

In der Wirklichkeit ist Evergrande Auto  mit der Marke Hengchi abhängig von der Gunst der chinesischen Administration und der Provinzverwaltung. Beamte und Kommissionen entscheiden über die Zuteilung von Mitteln, unternehmerische Freiheiten, wenn sie überhaupt vorhanden sind, dürften extrem limitiert sein. Betrachtet man die Lage objektiv, dann hat China zu viele neue Automarken und brächte keine weitere mit dem Namen Hengchi. Dass sie trotzdem an den Start rollen darf, kann man vielleicht als politische Entscheidung verstehen.

Ob man in den nächsten Monaten Hengchi 5 LX im oberen Drittel der Verkaufszahlen finden wird, könnte eine spannende Wette werden. Denn der Evergrande Konzern setzt bei einer kompletten Ausstattung und eingeschränkten Möglichkeiten der Individualisierung auf Kampfpreise. Die Rechnung könnte aufgehen, wenn die Qualität der Produkte aus dem ursprünglichen NEVS Werk in Tianjin stimmt. Was dagegen spricht, ist die Limitierung der finanziellen Möglichkeiten, die keine größeren Stückzahlen erlauben könnte.

Die Börse sieht das ähnlich und entwickelt hier keine Fantasie. Der Wert der Evergrande-Auto Aktie (HK 0708) schwächelt vor sich hin, ein Aufbruch zu neuen Höhenflügen ist nicht in greifbarer Nähe.

PONS und Sango

Währenddessen wird die Liste der offenen Stellen bei der Evergrande Tochter NEVS immer umfangreicher. Wüsste man es nicht besser, man könnte vermuten, dass hier ein Unternehmen autonome Elektroautos bauen wird. Offensichtlich soll das PONS System, eine Software für das autonome NEVS Mobilitätssystem, zur Reife gebracht werden. Auch an dem Sango Projekt, dem Robotertaxi – das ab 2023 durch Stockholm fahren sollte, wird weiter gearbeitet.

Nach wie vor soll der Verkauf von NEVS an neue Investoren vorangetrieben werden, berichten schwedische Pressekreise. Neue Details wurden nicht bekannt. Die Aussage, dass in diesem Frühjahr mit einer Veränderung der Eigentümerstruktur gerechnet werden kann, steht weiter unverändert im Raum.

10 Comments
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Aero-93
Aero-93
4 Jahre zuvor

Evtl. bekommen die verprellten ETW-“Besitzer” ja einen Hengchi vor die Tür gestellt. Dann stimmen zumindest die “Verkaufszahlen” in den nächsten Quartalen…
Zitat: … offenen Stellen bei der Evergrande Tochter NEVS immer umfangreicher.
Das ist so und so interpretierbar: viel zu tun am Göta Älv oder rette sich wer kann…
Ich hoffe für die Region und Mitarbeiter auf Ersteres.

bergsaab
4 Jahre zuvor

Ich will einen Sango für mein Dorf! …. 😉

Volvaab Driver
Volvaab Driver
4 Jahre zuvor
Reply to  bergsaab

Der ist gut. Bin gespannt, ob der Sango überhaupt nach Stockholm kommt …
Ob er ggf. funktioniert, ob er (wiederum ggf.) von der Zielgruppe angenommen wird und ob sich das (nächstes Fragezeichen) für dessen Betreiber auch wirklich rechnet …

So manche Mobilitätsdienstleister von morgen kommen inklusive ihrer Investoren mittlerweile in der Gegenwart an. Und die ist hart, produziert längst Pleiten und Rückzieher – sei es von den vollständig albernen E-Scootern, über Bikes bis hin zum Carsharing.
Alles nur just for fun. Nix davon funktioniert wirklich. Nicht im Zentrum von Metropolen und außerhalb schon gar nicht …

Käme der Sango 2023 tatsächlich nach Stockholm, stünden die Chancen nicht schlecht, dass Ihr Dorf schon 2027, oder 2028, spätestens 2030 einen geschenkt haben könnte, wenn es denn wollte. Ein paar Tonnen E-Scooter kann sich Ihr Dorf schon heute aus einer x-beliebigen Metropole abholen 😉

bergsaab
4 Jahre zuvor
Reply to  Volvaab Driver

Ich halte ja die ganzen zusätzlichen Verkehrsangebote für verstopfte Großräume für nicht zielführend da der Sango zum Beispiel auch nur im Stau stehten würde. Im ländlichen Raum wo es wenig Verkehr und kaum Angebote gibt kann ich mir das schon eher vorstellen. Problem hier ist eher der Personaleinsatz für Busse ohne Mitfahrer. Zu Zeiten wo keine Busse fahren oder als Rufbus nach Veranstaltungen oder als Zubringer zu späten Bahnverbindungen im Vorstadtbereich ist so ein Sango ggf. durchaus sinnvoll.

Volvaab Driver
Volvaab Driver
4 Jahre zuvor
Reply to  bergsaab

Okay, verstehe …

Ich hielt Ihren 1. Kommentar für augenzwinkernde Ironie. Da war ja auch so ein Emoji. Aber so erklärt, hat der Gedanke tatsächlich etwas für sich. Ein Sango im Dorf, warum nicht?

Ich fürchte aber, das wird nix. Bis dato setzen alle Mobilitätsdienstleister auf die Innenstadt von Großstädten. Und dabei folgen sie einem wirtschaftlichen Zwang und scheitern trotzdem. Wie soll da ein Sango im ländlichen Raum funktionieren?

Kriegt dort jeder Sango eine eigene Servicestation und entsprechend Personal? Das wird nix …

bergsaab
4 Jahre zuvor
Reply to  Tom

5G ist tatsächlich schon im Dorf angekommen,…nur leider nicht flächendeckend. Die alten Funklöcher sind auch die neuen.
@Volvaab Driver: ..hab den Smily schon gesehen :-). Aber bei dem Thema wird immer auf die Großstädte geschaut. Im ländlichen Raum bestellen und bezahlen die Verkehrsverbände den ÖPNV. Oft sind es große Busse die mit Fahrer und 2 Fahrgästen in die nächste Stadt unterwegs sind. Da kann sogar gespart werden wenn der Sango ohne Fahrer und nur mit den Fahrgästen unterwegs ist. Sollten mal 15 Leute fahren wollen sind halt 3 Sangos die im Konvoi fahren erforderlich. Was mir eher noch am Sango fehlt ist die Möglichkeit ein Fahrrad mitzunehmen,…da brauchen wir noch den Cargo-Sango !

Volvaab Driver
Volvaab Driver
4 Jahre zuvor
Reply to  bergsaab

Vielleicht kommt da THULE ins Spiel?

Mehr als einen Heckträger braucht der Sango ja nicht, um auch Fahrräder mitzunehmen.

Meine Skepsis gegenüber dem Sango (speziell im ländlichen Raum) ist ganz anderer Natur. Er braucht, wie autonom auch immer er fährt, ja trotzdem Personal und Infrastruktur. Ein “Betriebshof” rechnet sich aber nur zentral, nur ab einer gewissen Flottengröße, nur mit einer gewissen Auslastung der gesamten Flotte und somit – wenn überhaupt – nur in Ballungsräumen.

Ich verstehe aber Ihren Gedanken und Ihre Argumente.
Ein passgenaues Mobilitätsangebot mit geringen Kosten für Mensch und Umwelt hätte was für sich. Große und meist leere Linienbusse sind keine vernünftige Lösung für den ländlichen Raum.

Freising86
Freising86
4 Jahre zuvor

Es würde mich freuen, wenn sich NEVS von Evergrande loslösen könnte. Dann aber bitte keine weiteren chinesischen Eigentümer sondern eine faire Chance für Trollhättan mit seriösen Investoren.

Kochje
Kochje
4 Jahre zuvor

Noch so viele Frachenzeichen und noch soviele Unsicherheiten. Dabei sehr wenig Kapital fuer ein solches Unternehmen.
Wer weiss, Traumen sind auch in China moeglich.
Aber bin gespannt wie es mit das Unternehmen von NEVS weitergeht. Dies liegt uns am meisten ans Herzen.