Sammlerstück Saab Turbo X – hier kommt seine Geschichte

Wir drehen die Zeit zurück und schreiben das Jahr 2012. Es ist Mittwoch, der 3. Oktober. Deutscher Nationalfeiertag. Während die Nation noch die Feierlichkeiten vorbereitet, sind Ralf Muckelbauer und ich frühmorgens in Richtung Belgien aufgebrochen. Etwas unpatriotisch vielleicht, doch mit guten Gründen. Unser Ziel ist ein Saab Turbo X.  der irgendwo in Belgien zum Verkauf steht. Eine Saab Rarität, die Ralf haben möchte und die es zu bewahren gilt.

Saab Turbo X
Saab Turbo X

Die Zeiten sind nicht gut für Saab. Der Konkurs ist erst einige Monate her, Vieles liegt in Trümmern. Zu den wenigen Menschen, die nicht sofort ihr Saab Schild abschrauben, gehört Ralf. Für ihn war es nie eine Frage, ob es mit Saab weiter gehen würde oder nicht. Seine Werkstatt in Bamberg würde immer offen sein für Fahrzeuge aus Trollhättan. Und er würde immer Saab fahren.

Saab im Herzen

Weil er Saab im Herzen hat, fahren wir nach Belgien. Dort wartet ein Turbo X auf uns mit wenigen Kilometern. Unterwegs plaudern wir über Saab und die Welt – entspannte Benzingespräche. Der Diesel im 9-3 brummt ebenso entspannt vor sich hin, wir reden und reden. Eigentlich ist es mehr Ralf, der erzählt. Geht es um Saab, dann ist er schwer zu bremsen. Autofahren vor 9 Jahren war recht cool, so wie Saab fahren eben recht cool ist. Kein Computer scannt permanent die Augen und quiekt entsetzt, wenn der Blick für 3 Sekunden zum Beifahrer geht und nicht der Straße gilt.

2012 das heiße Ding - Mercedes CLS
2012 das heiße Ding – Mercedes CLS

Kurz vor der Grenze machen wir Rast. Dieses bekannte amerikanische Restaurant mit dem goldenen „M“ wartet mit seinem Frühstück auf uns. Vor dem Eingang parkt ein neuer Mercedes. Ein CLS Shooting Brake, der uns beiden gut gefällt. Ein modisches Auto, von dem heute kein Mensch mehr redet.

In Belgien wartet der Besitzer schon auf uns. Es ist einer dieser belgischen Orte, die so typisch und gesichtslos sind, dass ich den Namen längst vergessen habe. Schnell spüren wir, dass hier verkauft werden muss. Die äußeren Umstände sprechen alle dafür, es lauert ein wirtschaftlicher Engpass dahinter oder sonst ein Schicksal.

Raus aus dem Verlies in die Freiheit!
Raus aus dem Verlies in die Freiheit!

Der Turbo X ist gut

Der Saab ist abgemeldet, steht trocken in einer Garage und ist etwas eingestaubt. Unter der dünnen Staubschicht wartet ein exzellent gepflegtes Fahrzeug. Es lässt uns ahnen, dass der Verkäufer auch schon goldene Zeiten feiern durfte. Rote Nummernschilder haben wir mitgebracht, der Saab erwacht zum Leben, der V6 Turbo dröhnt unverschämt laut und rotzig  durch die engen Straßen,  als möchte er zeigen,  wie froh er ist, sein Verlies verlassen zu dürfen.

Der belgische Turbo X ist gut. Er ist ein Neuwagen, gepflegt, geliebt und was auch immer. Schon damals machen es die Umweltgesetze schwer und teuer, ein solches Auto zu erhalten. Der Besitzer kennt die Situation. Die Verhandlungen sind deshalb kurz und machen keinem von uns Spaß. Der Saab ist zwar kein Schnäppchen, aber er ist sein Geld wert. Denn schon 2012 war das Angebot knapp.

Das gute Stück: Turbo X und 9-3 Diesel
Das gute Stück: Turbo X und 9-3 Diesel

Wir kassieren das gute Stück ein, die roten Nummernschilder bleiben dran. Ein paar Orte weiter genießen wir die köstliche belgische Küche, während auf dem Parkplatz zwei Saab auf die Fahrt nach Deutschland warten.

Turbo X fahren und erhalten

Im Prinzip geht es Ralf damals um einen soliden Turbo X mit möglichst kompletter Ausstattung. Und die hat der Kombi. Es sind Schiebedach, Premiumleder, Bose-Soundsystem und die großen 19″ Felgen an Bord. Alles, was man sich bei dem Allrad Kombi wünscht, nur die elektrische Sitzverstellung fehlt. Aber damit kann er leben.

Gastfreundschaft und leckere belgische Gastronomie
Gastfreundschaft und leckere belgische Gastronomie

Der Turbo X, so ist der Plan, wird sein Auto für die Freizeit. Um durch das Fichtelgebirge zu fahren, fränkische Landschaft und Gastronomie zu genießen und einfach Freude zu haben. Andere Menschen kaufen sich einen Porsche oder Ferrari, unter Umständen einen Maserati oder so.

Der Saab Mensch fährt Turbo X. So einfach ist das eben.

Deutsch - Niederländische Grenze
Deutsch – Niederländische Grenze

Dass genau das mit der Freizeit in den kommenden Jahren schwierig werden wird, ahnen wir nicht,  als wir nach Deutschland hineinfahren. Beide Saab fliegen in Richtung Frankfurt, der Turbo X bleibt für einige Tage Gast in meinem Carport. Dann verschwindet der Saab in Richtung Bamberg.

Bloggers Heim - Turbo X trifft Turbo X
Bloggers Heim – Turbo X trifft Turbo X

Die Sache mit dem Lieblingsauto

Aus dem Blick ist er aber nicht. Ich sehe den Turbo X öfter wieder, wenn ich in Bamberg bin. Er steht zwar die meiste Zeit trocken in einer dunklen Halle – was gut ist, da die Karosserie nicht altert und der Saab seinen Neuwagencharakter behält. Doch der Plan mit dem Freizeitauto greift nicht. Freizeit wird bei Ralf Muckelbauer in den folgenden Jahren ein rares Gut.

Saab sorgt für eine stets volle Werkstatt, und mit den Autos von Subaru hält eine weitere Marke Einzug. Auch sie ist in der Nische platziert, so wie Saab, nur mit einem anderen Anspruch. In der Konsequenz wächst das Autohaus, es kommt zum Neubau. Außerdem sind da noch ein Saab 9-5 NG und ein Saab Cabriolet, gegen die der Turbo X einen schweren Stand hat.

Die nächste Generation in Bamberg. 2020 - Turbo X und Lars
Die nächste Generation in Bamberg. 2020 – Turbo X und Lars Muckelbauer

In der Konsequenz wird er zwar regelmäßig gewartet und bewegt. Aber er behält den niedrigen Kilometerstand und wird niemals zum Alltagsfahrzeug. Er reift zum Sammlerstück, zum Ausnahme-Fahrzeug, das Lieblingsauto ist er nicht.

Sammlerstück Saab Turbo X

Der Stoff, aus dem Sammlerstücke entstehen, wird aus wenigen Faktoren gewebt. Eine zwingende Voraussetzung ist der primäre Aufenthalt jenseits von Tageslicht. Sonne ist der natürliche Feind von Lack, Blech und Kunststoffen. Es sorgt für Alterung, das Gegenmittel sind dunkle, kühle Hallen und Garagen.

Der Kilometerstand muss gering sein, die Geschichte nachvollziehbar, die technische Historie auch. Der belgische Saab Turbo X ist zu dem geworden, was am 3. Oktober 2012 sicher nicht unsere Motivation war. Er ist ein Sammlerstück, ein Einhorn, das es so nur einmal gibt.

Ralf Muckelbauer hat sich nun entschieden, die Trennung einzuleiten. Er fährt weiterhin Saab, aber mit dem Lieblingsauto ist es so eine Sache. Der 9-5 NG  scheint diese Position zu behaupten, das Cabrio ist für den Sommer, der TX steht nur in Wartestellung. Er wird jetzt bei den einschlägigen Portalen angeboten. Mit neuen Reifen, frischem Service und allen Papieren ist er bereit für einen neuen Besitzer.

Wer bei dem Preis Probleme mit dem Kreislauf bekommt, dem kann ich nur Folgendes sagen: Es gibt den Saab nur einmal! Einen Besseren wird man nicht finden, und V6 Turbo, Allrad und 2,8 Liter Hubraum wird es in Zukunft sowieso nicht mehr geben.

Dafür aber alles elektrisch und subventioniert. Ein Computer-überwachtes und permanent gescanntes Fahren. Ganz ehrlich, wer will sich dem nicht möglichst lange entziehen?

4 thoughts on “Sammlerstück Saab Turbo X – hier kommt seine Geschichte

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    Meiner ist deutlich schöner , 19 Zoll Felgen , Handschaltung, Bose, Premiumleder, nur Tiefgarage, sogar Hirsch 300 PS, Carbonleder handgenäht durch S Herrn Ratzmann, Armaturenbrett, 90000 km , bestens scheckheftgepflegt…., wer möchte, gerne bei mir melden…….

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    Ich nehm lieber das Geld …

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    …es gibt immer noch zu viele gute SAAB, wenn man individuell unterwegs sein will relativiert sich jeder für einen SAAB aufgerufene Preis

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    Also ein Neuwagen, der in Bamberg wartet. Ein Saab Traum!

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