Personeller Wechsel – Evergrande Auto sieht sich im Plan
Die Krise der Evergrande Gruppe, die in erster Linie eine Krise des chinesischen Immobilienmarktes ist, schwelt immer weiter. Heute gab es einen personellen Wechsel, der von symbolischer Kraft sein könnte. Ungeachtet dessen sieht sich Evergrande Auto weiter im Plan liegen und steuert unverändert den bisherigen Kurs.

Personeller Wechsel – Hui Ka Yan tritt zurück
Evergrande Gründer Hui Ka Yan (Xu Yiajin) verkündete heute seinen Rücktritt als Vorsitzender der Evergrande Tochter Hengda Real Estate Group. Eine Entscheidung mit Symbolcharakter. Hengda gilt als Flaggschiff der Evergrande Gruppe, befindet sich aber durch die Krise des Immobilienmarktes in ernsthaften Schwierigkeiten. Die Nachfolge tritt Zhao Changlong an. Er verantwortete bislang das profitable Dienstleistungsgeschäft der Gruppe.
Die Börse reagierte umgehend und schickte zum wiederholten Mal die Aktien auf Talfahrt. Auch Evergrande Auto (HK 0708) wurde vom Abwärtstrend erfasst und verlor bis zum Handelsschluss 5,11 %. Der Immobiliensektor in China ist mittlerweile ein Meer von Verlusten und Evergrande steht mit den Problemen nicht alleine. Peking reguliert die Blase, welche man über Jahre geschaffen hat, rigoros. Die großartigen Zeiten der Immobilien Milliardäre sind vorerst vorbei.
Evergrande Auto sieht sich im Plan
Während Immobilien in China das Gold von gestern sind, gelten Elektroautos und digitale Mobilität als der Coup von morgen. Evergrande Auto veröffentlichte am vergangenen Freitag ein Interview mit Evergrande Auto Präsident Liu Yongzhuo, das als ein Festhalten am E-Auto Geschäft und den bisherigen Plänen gewertet werden darf.
Die Produktion in den Evergrande Werken soll unverändert zum Jahresende starten. Zuerst als Testbetrieb, der rasch auf Stückzahlen hochgefahren wird. Die Stückzahl von 1 Million Elektroautos pro Jahr soll zügig erreicht werden, 2035 sollen 5 Millionen Elektroautos jährlich aus den hoch automatisierten Werken rollen.
Derzeit beschäftigt Evergrande Auto 8.796 Mitarbeiter, davon sollen 3.500 in Forschung und Entwicklung tätig sein. Es seien 22 international Top-Experten darunter, so Liu Yongzhuo.
Evergrande sieht Tesla als den Maßstab, den man schlagen wird. Sämtliche Hengchi Modell, so Yongzhuo, erreichen eine Reichweite von mindestens 700 Kilometern. Einige lägen sogar bei über 800 Kilometer. Damit läge die Marke Hengchi im Schnitt weit vor Tesla, stellt er fest.
Mit einem gravierenden Unterschied. Tesla baut und verkauft Autos. Evergrande hat 14 Fahrzeuge in der Entwicklung. In der Produktion oder beim Kunden ist noch keines davon angekommen.
Zum Vergleich: Tesla hat knapp 71.000 Mitarbeiter (Stand 2020).
Die Zahlen von Evergrande klingen für mich nicht so, als stünde man kurz vor einer Fertigung gleich mehrerer ebenbürtiger oder gar besserer Modelle in hohen Stückzahlen …
Man wird sehen, aber ich rechne mit erheblichen Verzögerungen.
Die zivile chinesische Luftfahrtindustrie hat mit der Ausnahme von 3 Prototypen übrigens auch noch immer nicht abgehoben. Die ist trotz aberwitziger Investitionen und staatlicher Subventionen mind. 15 Jahre hinter den Zielen zurück, welche sie vor 25 Jahren formuliert hat. Das ist schon fast ein Kunststück. Bei Airbus und Boeing amüsiert man sich prächtig. Die vollmundigen Ankündigungen von einst gleichen der aktuellen PR von Evergrande wie ein Ei dem anderen.
Unterdessen baut China Volvos. Übrigens mit rund 41.000 Mitarbeitern. Ist wohl nicht so einfach wie gedacht, einen nationalen Automobil- oder Luftfahrtkonzern auf dem Reis(s)brett zu entwerfen? Einen bestehenden international zu kaufen und fortzuführen (Volvo), ist da deutlich leichter. Es ist aber nicht ansatzweise so prestigeträchtig, wenn man nationalistisch denkt. Und das ist in China weit verbreitet …
Es gibt noch einen entscheidenden Unterschied: Tesla hat Kernkompetenzen, Evergrande kauft alles zu was zu haben ist.