Einsteigen mit dem Einstiegsmodell – der Saab 900c aus Arlöv

Einstiegsmodell, das klingt nach Verzicht und Entbehrung. Klar, ein Einstiegsmodell ist günstig, geizt mit Annehmlichkeiten und steht unter Generalverdacht, keinen Spaß zu machen. Das mag sein. Die Dinge drehen sich aber mit den Jahren. Dann kann ein verpönter Einsteiger interessant sein. Weil er rar ist. Und weil spartanisch auch Vorteile hat.

Denn was verfügbar ist, das kann auch nicht kaputtgehen. Das wäre eine ziemlich gute Grundeinstellung, wenn man mit einem Einstiegsmodell glücklich werden möchte.

Saab 900c - das Einstiegsmodell
Saab 900c – das Einstiegsmodell

Einsteigen mit dem Einstiegsmodell – der Saab 900c aus Arlöv

Saab und die Geschichte mit den Einstiegsmodellen. Eine ewig offene Flanke, die man auf verschiedene Arten zu füllen suchte. Es gab den Saab-Lancia 600 (Link), der im kalten skandinavischen Winter kapitulierte. Oder den Saab 90, der als Zwitter als Saab 99 und 900 für 3 Jahre das Einstiegsmodell gab.

Der Saab 900c präsentierte einen weiteren Versuch.

Im Prinzip ist er ein normaler Saab 900, den es mit 2, 3 oder 5 Türen gab. Als Motorisierung musste der B201 Motor mit Vergaser und 100 PS herhalten, eine Einspritzung oder gar Turbo gab es nicht. Entsprechend mager war die Ausstattung. Eine Servolenkung war Standard – mehr ging nicht. Natürlich konnte man den 900c mit Zubehör aufrüsten. Die Klimaanlage zum Beispiel gab es in diesen Jahren als Option, die der Saab Händler einbaute.

Aber wer wollte das schon?

Denn der klassische 900 gehört zu der seltenen Spezies von Fahrzeugen, die man auch ohne Klimaanlage gut fahren kann. Für das Prestige jedenfalls stand stets der Turbo, der 900 mit dem kleinen “c” am Heck war nur das Budget-Modell. Hergestellt wurde das günstige Modell nicht in Trollhättan.

Ein Saab Einstiegsmodell aus Arlöv

Zur Wahl standen das Werk in Arlöv, und die Fertigung in Finnland. Die Fabrik im schwedischen Arlöv erlangte mit dem 900c traurige Berühmtheit.

Nirgendwo bei Saab war die Qualität schlechter und wurde weniger auf Rostvorsorge geachtet. Die Folgen waren fatal. Arlöv Autos rosteten nach wenigen Jahren durch, sie verschwanden schnell vom Markt. Überlebende aus dieser Fabrik sind heute eine Rarität.

Gute Saab Qualität aus Finnland

Völlig anders lagen die Dinge im Werk in Nystad. Die finnische Saab Fertigung hatte nicht ohne Grund einen guten Ruf. Bei Saab Valmet liefen die besten Neuwagen im Konzern vom Band. Vielleicht war die Taktrate niedriger, eventuell könnten die finnischen Mitarbeiter auch motivierter gewesen sein. Rost wird bei den Autos aus Nystad erst im hohen Alter ein Thema, wenn überhaupt.

Ein Saab 900c aus dem Jahr 1988 und finnischer Herstellung wurde in Schweden versteigert (Link). Eine Ausführung mit zwei Türen, was den Wagen besonders individuell, und vielleicht sogar kultig macht. Er hat Gebrauchsspuren, einen hängenden Himmel und die üblichen Blasen am Handschuhfachdeckel. Aber für seine 32 Jahre ist er in einem schönen Zustand. Der Lack soll original sein, und da er im Norrland unterwegs war, und immer gepflegt wurde, ist Rost auch kein Thema.

Der Schätzpreis war niedrig, er lag bei umgerechnet unter 2.500 €. Spannend, denn auf dem Kilometerzähler stehen auch nur 132.920 Kilometer. Spätestens jetzt, mit der möglichen H-Zulassung im Hinterkopf, könnte ein Denkprozess einsetzen. Der Einstieg in die Klassiker Welt mit dem Einstiegsmodell erscheint attraktiv, verkauft wurde er mit umgerechnet 3.800 €.

Günstig, aber über dem Schätzwert. Von wegen ein verpöntes Einstiegsmodell.

Mit Bildmaterial von bilweb

6 Comments
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Volvaab Driver
Volvaab Driver
5 Jahre zuvor

P.S.

Man schaue sich die Seitenansicht dieses 900 an.
Die relative Hochbeinigkeit und die enorme Bodenfreiheit von Heck und Front.

Das gibt es so heute schon lange nicht mehr, obwohl man sich damals etwas dabei gedacht hat.

So ein Auto ist einfach herrlich, sollte man einmal im Leben gehabt haben. Ist ein gänzlich anderes Fahrgefühl mit vielen positiven Aspekten.

Die höchste Kurvengeschwindigkeit mit der geringsten Seitenneigung gehört nicht dazu, aber wenn im Parkhafen nebenan sich mal wieder jemand die Frontschürze am Bordstein zerkratzt oder gar samt Nebelleuchten laut knirschend eindrückt, spätestens dann weiß man, dass es gute Gründe für die alte Bauweise gibt.

Ich könnte das ewig mit unzähligen Beispielen weiter ausführen – etwa aus dem Winter. Oder die Vorteile auf unbefestigten Straßen. Viel besser ist die Praxis. Das macht wirklich viel Spaß.
Habe selbst ein altes (allerdings Göteborger) Rau- und Hochbein im Fuhrpark und genieße den Kontrast zwischen und die jeweiligen Vorzüge von Alt und Jung. Kann ich wahrlich empfehlen – sei es nun Saab oder Volvo.

Volvaab Driver
Volvaab Driver
5 Jahre zuvor

@ StF,

1.000 Dank (in PS gemessen und noch immer knapp 740 Dank in Kilowatt …). Ganz genau das war meine Frage.

Ich habe selbst schon mehrere schwedische 4-Zylinder mit Zenith-Stromberg Vergasern besessen und bin noch mehr gefahren.

Besessen 2.0 bis 2.3 Liter mit 82 bis 115 PS und zwischendrin 2.1 mit 100 PS. Gefahren … ach, lassen wir das, es würde ausufern …

Kurz, ich bin persönlich durch mit dem Thema. Ansonsten würde mich dieses Angebot auch schlaflose Nächte kosten und sehr reizen.

Ich sehe das genau wie Tom. Dieser Saab ist der perfekte Einstieg sowohl in die Saab-Welt, als auch in die Oldtimer-Szene. 2 Fliegen mit einer Klappe. 100 PS in einem relativ leichten Auto? Das reicht allemal. Auf Feldwegen ist er vermutlich sogar schneller, als viele Neuwagen inkl. etlicher SUV. Bin auf den Preis gespannt …

Der Blog berichtet hoffentlich wieder über den Ausgang auch dieser Auktion.

StF
StF
5 Jahre zuvor

Aus der Erinnerung kann ich sagen, dass es den Vergasermotor mindestens bis 1987 gegeben haben muss, denn in dem Jahr ist der Saab 90 ausgelaufen, für den der 100 PS-Vergasermotor die einzig verfügbare Antriebsquelle war.

Bei einer Internetrecherche findet man nicht gleich etwas zu Saab-Vergasermotoren, bis man sich zu Auto-Data verirrt. Gemäß dieser Seite hat es den 100 PS Motor bis 1988 im Saab 900 gegeben (https://www.auto-data.net/de/saab-900-i-combi-coupe-2.0-c-100hp-11974), es wird aber leider nicht nach Märkten unterschieden.

Demnach muss das angebotene Fahrzeug aus dem letzten Modelljahr stammen, für das noch Vergasermotoren geordert werden konnten.

Volvaab Driver
Volvaab Driver
5 Jahre zuvor

@ Saabansbraten,

vielen Dank für die Infos. In D nur bis 1986, in Skandinavien aber bis Ende der 80er?
Demnach wäre ein 900 Sedan von 1988 mit Vergaser tatsächlich einer der letzten und jüngsten seiner Art.
Oder habe ich das falsch verstanden?

Taucht immer wieder mal auf? Mag so sein. Gilt aber auch für aussterbende Wale. Die Chance und Qualität dieses Angebots (rostfrei & unter 150.000) sollte man nicht leichtfertig abtun …

Saabansbraten
Saabansbraten
5 Jahre zuvor

900er mit Vergaser gab es seitens SAAB bis Ende der ’80er. Ich meine, der letzte Modelljahrgang in Deutschland mit Vergaserangebot war 1986. Vor allem für den skandinavischen Markt wurden die Vergasermodelle noch ein wenig länger gebaut.
Es gab die Einfachvergaser-Spar-900 auch ganz schlicht als “900” zu kaufen, ohne zusätzliches ‘c’ (für ‘carburetor’) in der Bezeichnung. Und es gab sie auch als Viertürer zu kaufen.
Es tauchen immer mal wieder noch solche Exemplare auf, explizite Seltenheit würde ich denen nicht zusagen.

@Herr Hürsch/Volvaab Driver:
Der Sedan wurde auch bis ins letzte Modelljahr der fest geschlossenen 900 (1993) produziert – die Angabe mit 1991 stimmt dann nicht.

Volvaab Driver
Volvaab Driver
5 Jahre zuvor

Einfach

Der ist einfach schön. Eine Frage: Wann wurden die Vergaser bei Saab eingestellt?

Der Sedan lief bis 1991 vom Band (lt. Wiki), aber zum Vergaser fehlen dort leider Daten.

Ist das Angebot einer der Letzten oder Vorletzten seiner schön einfachen und ehrlichen Art?