Viel cooler als ein Tesla. Ein einzigartiger Saab 96 Electric.

Kein Verlangen nach einem Toyota Prius oder einem Nissan Leaf? Ein Tesla wäre auch nicht cool genug? Dann hilft der Blick auf einen Saab 96 Electric. Der transportiert eine Menge Individualität und Stil. Er könnte ein Retro-Auto aus Trollhättan sein, würde Saab noch Autos herstellen. Oder vielleicht auch ein Elektroauto von NEVS, hätte man dort den Mut,  etwas Außergewöhnliches zu wagen. Aber die Möglichkeit besteht wohl weniger.

Saab 96 Electric
Saab 96 Electric

Der Saab 96 Electric basiert auf einem Verbrenner aus dem Jahr 1969. Die Konvertierung zum Elektroauto fand im Jahr 2009 statt, und die Art, wie sie durchgeführt wurde, unterscheidet den 96 Electric von vielen anderen Umbauten. Der ursprüngliche Kühlergrill wurde geschlossen; es war nichts mehr vorhanden,  was eine Kühlung benötigt hätte. Im Ergebnis erscheint die Front so, wie sie ab Werk hätte sein können. Die 60er Jahre – elektrisch und cool.

So hätte ein Saab 96 Electric aussehen können

Die Instrumentierung reduziert sich auf das, was nötig ist. Der Tachometer wird durch eine Batteriezustandsanzeige und einen Spannungsmesser ergänzt – weitgehend im Stil der Jahre gehalten,  in denen der 96 in Trollhättan vom Band lief. Mit einem feinen Blick auf die Originalität – und wie sie hätte sein können. Allein die Tatsache, dass der Umbauer bei seinem Tun auf Displays und anderen Stilbruch konsequent verzichtet hat, ist eine Erwähnung wert.

Im früheren Motorraum und im Bereich der nicht mehr vorhandenen Rücksitzbank sind 10 Trojan T-1275 Batterien verteilt.  Zusammen mit dem 203-06-4001 Elektromotor von Advanced D.C. Motors Inc. erreicht der Saab 96 Electric eine maximale Geschwindigkeit von 100 km/h. Die Reichweite liegt ebenfalls bei 100 Kilometern.

Aus dem 96 wurde mit dem Umbau ein Zweisitzer und ein ideales Auto für die Stadt oder das Ferienhaus an der Algarve. Oder für jeden beliebigen Ferienort der Welt, wo die Strände traumhaft und endlos sind. Der 96 Electric steht aktuell auf einer bekannten Plattform zur Versteigerung. Sein Zustand wird als gut beschrieben. Was zu verbessern wäre sind Details. Im Innenraum ist viel nacktes Blech zu sehen, es fehlen die individuell anzufertigenden Verkleidungen für die Türen und den Bereich der früheren Rücksitzbank. Ein guter Sattler könnte die Restarbeiten erledigen, der Saab wäre stilistisch dann fast perfekt.

Über Stil und Individualität muss man nicht viel sagen. Ja, die Teslas und Leafs dieser Welt sind schneller. Sie fahren auch weiter. Aber gegen den 96 Electric sind sie nur Autos von der Stange. Langweilig und konform.

Bilder: Ebay (6)

9 Gedanken zu „Viel cooler als ein Tesla. Ein einzigartiger Saab 96 Electric.

  • Tolle Idee. Mal was anderes. Vor allem die Front.

    Technisch wahrscheinlich noch nicht so gut wie der 96er von AmpRevolt (www.amprevolt.com) und eine tolle Basis für denjenigen, der Elektroautos mag.

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  • Ich habe noch ein Pressefoto bei mir, mit einem Foto eines Saab 95 vom Oktober 1969 mit Elektroantrieb von Damals!

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  • Tolle Idee und ein Hingucker wäre auf Ladestationen allemal, wenn zu dem Saab ein Ladekabel hängt

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  • Ich mag zwar keine solche Umbauten von Oldtimern, aber hier muss man wirklich zugeben, dass es sehr Stilvoll umgesetzt wurde.

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  • Zurück in der Zukunft ?

    Ich finde ihn cool und gelungen. Aber ich finde ihn auch eher rück- als vorwärts gewandt …

    Der Elektromotor ist fast 60 Jahre älter als der Verbrenner. Tatsächlich waren Elektrokutschen mit Bleiakkumulatoren bis zum WW II zumindest in dt. Städten in der Überzahl.

    Müllabfuhr, Milchmänner, Post, Brauereien, die Straßenbahn und etliche mehr setzten nach dem Pferd auf Elektrokutschen bzw. elektrische Antriebe mit Blei oder Stromleitungen.

    Der 96 hier mit all seinen Reduktionen gegenüber dem Original (Sitzplätze, Höchstgeschwindigkeit, Reichweite), ist quasi die perfekte Verkörperung dafür, warum damals (ab den 1920ern) das Pendel langsam in Richtung der Motorkutschen ausschlug …

    Bei aller Euphorie für elektrische Konzepte, sollte man schon auch den historischen Hintergrund im Blick behalten – frappierend, wie sich die Problematik (Raum, Gewicht, Reichweite, Ladezeiten, Ressourcen) der Gegenwart und Vergangenheit gleichen …

    P.S.
    Dazu passt es auch, dass der Hybrid über 100 Jahre alt ist. Jedes militärische U-Boot seit WW I ist genau das – entweder ein Hybrid oder später auch atomgetrieben …

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  • Bei der Deutschen Bundesbahn klappte es ganz gut mit dem Akkuantrieb. Aber bei der DB hatte man kein Interesse mehr an Akkuantrieb….es wurde wieder auf den Diesel gesetzt .
    Ich denke, bei der Bahn könnte man viel besser Akkuantriebe einsetzen als bei einem PKW.

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  • @ Capri 73,

    charmanter Gedanke. Vielleicht genau die richtige Lösung, um auch den Rangierbetrieb zu dekarbonisieren, stillgelegte Strecken ohne großen Aufwand zu reaktivieren und gering frequentierte kostendeckend zu befahren?

    Die Akkus könnten in Tendern mitgeführt werden, sodass Triebwagen oder Rangierloks selbst gar nicht ans Netz müssten und ohne Ladezeit 24/7 im Einsatz sein könnten.

    Deutschland ist voll mit ehemaligen Trassen und ehemaligen Bahnhofsgebäuden. Obwohl viel abgerissen, um- und überbaut wurde, der Schienenverkehr längst ein Thema auch für Historiker und Archäologen ist …

    Die Bahn war einst und langjährig sehr kreativ, um selbst kleine Orte anzubinden und auch geringes Fracht- und Passagieraufkommen kostendeckend zu bewältigen.
    Zur Not kamen leichte Schienenbusse zum Einsatz.

    Heute könnte der Akkubetrieb diese Lücke sinnvoll füllen und womöglich Strecken lukrativ machen, für die eine Oberleitung zu stellen, zu warten und erhalten sich nicht rechnet?

    Die Verbindung zwischen Post und Bahn war auch mal so innig, dass in kleineren Orten das Postamt vielfach direkt im Bahnhofsgebäude untergebracht war.

    Heute schwadronieren wir von (Energie-) Effizienz und Umweltschutz und träumen davon, dass Amazone jedes Paket einzeln mit einer elektrischen Drohne von einer Basis im Nirgendwo direkt vor die Haustür fliegt, während wir im ICE oder einem Tesla sitzend und im Internet surfend und bestellend die Welt retten …

    Irgendwas scheint mir an dieser Vision nicht richtig. Je höher der Aufwand (und Konsum), desto Umweltschutz?

    Ich hoffe, die Bahn liest hier mit. Vielleicht fallen ihr dann ein paar sinnvolle Alternativen zu EVs, Drohnen, ICE und Co ein?

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  • Hallo Herr Hürsch, sie haben mich nicht richtig verstanden. Die Ideen von Ihnen gab es alles schon bei der DB. Im September 1995 wurden die letzten Akkutriebwagen der DB ausgemustert. Es gab über 200 Exemplare der sehr leistungsfähigen Baureihe 515 ( ETA 150 ). Die Akkus ( 22 Tonnen )waren unter dem Wagenboden angebracht und wurden durch die Firma VARTA gewartet. Dadurch waren diese Fahrzeuge über 35 Jahre sehr zuverlässig !
    Die DB verfügte auch über die entsprechende Ladeinfrastruktur !
    Ich empfehle Ihnen den Film vom Eisenbahn-Kurier : Akkublitz und Zigarre
    Die DB hatte aber kein Interesse mehr an neuen Fahrzeugen mit moderner Technik.
    Umweltschutz gilt nur für den kleinen Bürger, nicht für den Staat, sobald es Geld kostet !
    Das ganze Gerede um das Elektroauto ist Heuchelei !
    Ich fahre deswegen auch weiter Diesel , so wie das unsere DB auch macht.

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  • Hallo Capri 73,

    “Gilt nur für (…)” sehe ich genauso wie Sie. Daher ja auch mein Sermon über den Rückzug der Bahn aus dem ländlichen Raum, vom Güterverkehr etc. …

    Es ist von der Politik reichlich wohlfeil, den Straßenverkehr unter solchen Rahmenbedingungen ins Visier zu nehmen.

    So lange die Bahn sich mit Prestigeprojekten vorwiegend als Alternative zu Inlandsflügen generiert, sich im Güterverkehr auf Unverzichtbares konzentriert, hat sie dem Straßenverkehr wenig entgegenzusetzen, bleibt ihr Beitrag zum Umweltschutz marginal …

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