Lust auf ein Projekt? Hier wäre ein Saab mit Geschichte!

Verändert Corona auch Ihr Leben? Möchten Sie Ihre Freizeit in Zukunft den Dingen widmen, die Sie schon immer tun wollten, es aber immer aufschoben? Der eigenen Vergänglichkeit trotzen und ein Auto mit Geschichte restaurieren? Dann wäre hier ein Projekt für Sie!  Einen Saab aus der Vorserie, der zu allem Glück auch noch mit einem prominenten Erstbesitzer aufwarten kann. Die Sache hat nur einen Haken. Sie brauchen viel Zeit und Geduld.

Saab Vorserie von 1989
Ein Testfahrzeug – Saab Vorserie von 1989

Ist Ihnen ein 911 zu gewöhnlich, ein VW Käfer geht gar nicht, und der W123 von Mercedes steht jetzt schon an jeder Ecke? Dann wäre dieser Schwede das passende Projekt. Individualität, eine Geschichte für das nächste Klassiker-Treffen, und jede Menge Abenteuer garantiert. In Polen wird ein Saab 9000 Sport angeboten, der aus der Vorserie von 1989 stammen soll. Mit dem Modelljahr 1990 wollte die Marketingabteilung der Saab Autodivision das sportliche Image des 9000 schärfen und eine Version im Stil des legendären Talladega Long Run auf den Markt bringen. 10 Fahrzeuge wurden vorab gebaut, alle in Rot mit Schiebedach und einem auffälligen Heckspoiler. Nach dem Ende der Testphase gingen 8 Exemplare an private Besitzer über. Meistens an Mitarbeiter und einer davon war Rolf Sarsten.

Der Saab von Rolf Sarsten

Sarsten war einer der beiden Leiter des Saab 9000 Projekts. Von ihm werden heute noch humorige Geschichten erzählt, wie der von der Preisverleihung einer Zeitschrift zur Wahl des Autos im Jahr 1984. Vor Sarsten bedankte sich der Audi-Vertreter im Namen der 2.500 Entwicklungsingenieure für die erwiesene Ehre. Sarsten griff diese Vorlage freudig auf. Im Namen aller 300 Ingenieure, die den Saab 9000 ermöglicht hatten, dankte er für die Wahl. Klein gegen Groß, Angreifer gegen Platzhirsch. So war die Zeit, als eine kleine Marke mit guten Ideen noch geniale Produkte auf die Räder stellen konnte und die Etablierten überraschte.

Vom Saab 9000 Sport wurden, unter verschiedenen Bezeichnungen, im Jahr 1990 rund 1.500 Exemplare verkauft. Es gab ihn nicht nur in Rot, auch weiße und blaue Exemplare liefen von den Bändern. Der größte Teil ging davon nach England und Deutschland. Nur wenige dürften heute noch existieren.

Eine wahre Rarität ist der 9000 Sport, der Rolf Sarsten zugeschrieben wird. Die Geschichte eines Prototyps ist glaubhaft, das Auto tauchte in den letzten Jahren immer wieder in diversen Foren auf. Bilder aus früheren, besseren Tagen finden sich in einem schwedischen Saab Forum, die Kilometerleistung von 340.000 scheint glaubwürdig. Nach der Saab Automobilabteilung wurde Rolf Sarsten Besitzer, er verkaufte ihn an seinen Bruder,  der ebenfalls bei Saab arbeitete, später kaufte er ihn zurück.

Ein Vorserien Fahrzeug, das ist selten

Mit dem Jahr 2013 verliert sich die Spur in den Foren, vor ein paar Monaten tauchte der Saab dann in Polen auf. Es scheinen in 7 Jahren keine Kilometer dazu gekommen zu sein, wahrscheinlich weil er ein Projekt für eine umfassende Restauration ist. Rost dürfte das größte Problem sein, nach vielen kleinen Mängeln und Gebrauchsspuren,  die sich gesammelt haben. Aber es winkt, im Ergebnis, ein Auto mit einzigartiger Historie und heute noch ansprechenden Fahrleistungen.

Lust auf ein Projekt? Das muss man wissen: In schwedischen Regalen gibt es für diese Fahrzeuge nichts mehr zu holen. Den Ur-9000 hat niemand mehr auf dem Radar, es hilft nur ein guter Kontakt zur engagierten Club-Szene und der Gang über schwedische Teilemärkte in der Nach-Corona-Zeit. Der 9000 ist kein Auto, das besonders kompliziert zu Restaurieren ist. Im Gegensatz zum 900 ist er einfach aufgebaut; ein Fahrzeug, das ein Roboter schweißen konnte. Trotzdem hat er seine spezifischen Eigenarten, besonders im Bereich der Turbotechnik. Tiefe Freundschaft zu einer Saab Werkstatt, die sich mit dem 9000 auskennt, ist sicher vom Vorteil.

Der Einstieg mit unter 2.000,00 € ist für ein Stück Geschichte und ein Vorserien-Fahrzeug gering. Etwas Recherche gehört freilich noch dazu, es gibt offene Fragen. Aber die Zeit ist gut investiert. Der 9000 Sport ist ein besonderes Fahrzeug. Das findet man nicht an jeder Straßenecke.

6 thoughts on “Lust auf ein Projekt? Hier wäre ein Saab mit Geschichte!

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    Noch ein Hinweis wie es damals überhaupt zu dieser offiziellen 9000-Sport Version gekommen war:

    Saab bot zwar reichliches Sonderzubehör an, sei es Tuning-Leistungssteigerungen sowie Sportverkleidungen sprich Airflow-Kit’s, aber hatte zu jener Zeit für den damals aktuellen Vorreiter 9000, noch keine direkt sportliche Ausführung im Angebot, ausser den kleineren Bruder 900 tu-16s (marktabhängig aber noch nicht offiziell auch Aero genannt), dessen Karosserie zu jener Zeit leider teilweise schon veraltet, somit nicht mehr ausbaufähig war und sicherlich kein zukünftiges Zukunftspferd im Stall darstellte; sowie logischerweise auch noch die damals z.T. in Konkurrenz stehenden namenhaften Tuner Hirsch (in Zusammenarbeit mit Heuschmid), was zusätzliche sportlichere Motorleistung anbelangt, obwohl zwischen diese Parteien bereits eine gewisse Zusammenarbeit herrschte.

    Der 9000-Sport war noch vor der Ära GM auf die Beine gestellt worden und somit der leistungsstärkste in Eigenregie vorgestellte Saab-Motor. Der als Modellbaujahr darauf vorgestellte 9000-Sport mit Schrägschnauzer, der logischerweise vom CD übernommen wurde, war noch eine verspätete eigene Saab-Änderung, die gerade so gut schon auf diesem 9000-Sport im 1989 vorgestellt werden konnte, da sein Frontbasisaufbau schon dafür vorgesehen war; wenn nicht schon früher ab 1987 gleichzeitig mit der 900er-Faceliftänderung und 9000CD-Einführung, aber interne Angelegenheiten hatten dies zeitlich leider noch verhindert. Saab nahm es zu jener Zeit noch „gemütlich“ und mit organisatorischer Logik (für aussenstehende vorerst vermutlich eher kompliziert), was sich kurz darauf mit Teilnahme von GM schrittweise änderte.

    Um zukünftige Absatzverbesserungen zu erreichen, wurde daraus i.A. GM die „Combi-Coupé“-Karosserie auf CS-Variante modernisiert und er 2.3i-Sauger mit Saab-bekannter Turbo-Technologie vorerst mit viel zukunftsorientierender Technik zum „Ecosport-Prototypen“ vorgestellt wurde, was kurze Zeit darauf zur Einführung der definitiv angerkannten Modellbezeichnung 9000-Aero führte.

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    Weil es nicht direkt ein Prototyp war, sondern ein Test-Fahrzeug, von dessen gleich mehrere im Umlauf waren, dass man später für die normale Serienproduktion vorsah. Der Zufall will, dass dieses Sport-Modell heute eine extreme Seltenheit ist, da es nur für 1 Jahr angeboten wurde und zudem einige mechanische sowie Ausstattungs-Neuigkeiten für die Zukunftsmodelle Typ Aero beinhaltete; vermutlich waren diese erwähnten 10 Testfahrzeuge sogar noch leicht stärker motorisiert als die Serienproduktion. Dabei wäre noch interessant zu erfahren, ob sie schon mit Kat. versehen waren oder nicht, denn während jenen Jahren begann die weltweite Umrüstungsfase, und ausschliesslich auf diesem Modell gab es einige technische markante Leistungsunterschiede, die zu jenem Zeitpunkt im Saab-Werk als erste leistungsstärkste Serienmotorisierung zwar noch ohne Kat. aber dafür bereits die 200PS Hürde überschritt.

    Dieses Prozedere, dass Test-Fahrzeuge nach der Probefase verkauft wurden, war im Saab-Werk üblich, denn man musste auch damals irgendwie zu einer Zusatzeinnahme kommen, auch wenn es nur ein Teil des Neuwertes war, denn die Testfasen waren Aufwendig und Kostenintensiv! Es war ein ähnliches Vorgehen, wie mit Vorführfahrzeugen über die Importeuren, die bereits mit X-tausende km zu einem reduzierten Preis zum ersten Besitzer kamen. In der Saab-Szene sind einige solche „Sonderfahrzeuge“ an Treffen zu bewundern. Da damals die Produktion von Montag früh bis Freitag Mittag lief, stand den Ingenieuren jeden Freitag Nachmittag die gegebene Zeit für Sonderprojekte zur Verfügung. Die meisten davon kamen in die entsprechende Verkaufskanäle, somit kamen sie schlussendlich irgendwie im Umlauf, aber einiger Ausnahmen mussten aus Geheimgründen wieder verschrottet werden! Also könnt Ihr selber ausrechnen wie viele solch ähnliche Sonderfahrzeuge im Umlauf sind! Siehe andere Berichte von Tom wie kürzlich den Vorserien 99TU und weitere mehr.

    Jedenfalls Komplimente an Tom und Team, weiter so, Du hältst unsere gestorbene Saab-Marke mit Deinen Interessanten Berichte immer noch am Leben und in guter Erinnerung.

    Gi.Pi.

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    Das ist mein Auto 🙂 . Ich werde Ihnen gerne alles erzählen und mehr Fotos schicken. Email oder website: zkclassics.com.

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    Ein spannendes Objekt. Ich frage mich nur, warum die Schweden ein Auto mit so viel Historie nicht in ihrem Land behalten, denn dort gehört er eigentlich hin. Ich könnte ernsthaft schwach werden…

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    Das könnte ein sehr schönes Projekt werden….
    Wenn jemand Interesse haben sollte, und es Verständigungsprobleme gibt, bitte über Tom Kontaktdaten von mir anfordern…. Polnisch ist meine Muttersprache.

    Gruß an die Gemeinde

    Der Lizi

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