Der Zeit voraus. Saab 9-X BioHybrid Concept.

Wir alle lieben den Aero X – den Supersportwagen von Saab, der nie gebaut wurde! Eine andere Studie bleibt etwas in seinem Schatten. Dabei war sie für die Zukunft der Marke das viel wichtigere Concept Car. Die Rede ist vom Saab 9-X BioHybrid, der 2008 in Genf vorgestellt wurde.

9-4X BioHybrid Concept auf Turbinen-Felgen vor den Turbinen im alten Kraftwerk in Trollhätta
9-4X BioHybrid Concept auf Turbinenfelgen – vor den Turbinen im alten Kraftwerk in Trollhättan. Bild: Archiv saabblog.net

Um die Geschichte hinter dem Concept zu verstehen, muss man tief in die Vergangenheit der Marke Saab eintauchen. 1990 war GM mit 50% in Trollhättan eingestiegen, 10 Jahre später übernahmen die Amerikaner die übrigen Anteile. GM liess Saab an der langen Leine laufen, oder die Schweden nahmen sich einfach ihre Freiheiten. Ganz nach Lesart, und von welcher Seite man das Geschehen betrachtet.

Saab benötigt eine dritte Modellreihe

Die relative Freiheit hatte Vor- und Nachteile. Saab konnte sich zwar in den GM Regalen bedienen, die benötigten Investitionen blieben aber aus. 2005, 15 Jahre nach dem Einstieg, stand man im Prinzip immer noch da, wo man begonnen hatte. Eine dritte Modellreihe? Fehlanzeige! Immer noch zwei Baureihen, überschaubare Stückzahlen, und wenig Perspektive. Unter Carl Peter Forster, seit 2005 Präsident von Saab und General Manager von GM Europe,  sollte sich das Bild ändern. Die überfällige Integration von Trollhättan in den Gesamt-Konzern begann, und damit verbunden ein großes Investitionsprogramm.

Für Saab waren die Veränderungen erst einmal schmerzlich. Kompetenzen wurden nach Rüsselsheim abgegeben, Mitarbeiter entlassen, Trollhättan wurde zum Standort der zweiten Wahl. Besonders hart traf es die Designabteilung. Große Teile wurden erst nach Göteborg, später auch nach Rüsselsheim verlagert. In der Stallbacka verblieb ein Rumpfteam, das nicht mehr besonders viel Einfluss hatte. Je nach Bedarf wurden GM und Opel Designer für Wochen oder Monate nach Trollhättan abgestellt, um Unterstützung zu leisten.

Ausgerechnet vor diesem Hintergrund entstanden bei Saab die schönsten Studien, wie der Aero X und eben das 9-X BioHybrid Concept. Der Mann hinter beiden Fahrzeugen war Anthony Lo, damals Director Advanced Design GM Europe. Lo hatte 1990 bei Audi begonnen, wechselte drei Jahre später zu Mercedes in die neuen Studios nach Yokohama. Dort lernte er Michael Maurer kennen und folgte ihm im Jahr 2000 nach Trollhättan. Als Maurer schon 2004 vom Göta Älv zu Porsche wechselte, blieb Lo zum Erstaunen der Branche bei GM und wurde Director Advanced Design.

GM Design bringt die schönsten Saab Studien

Dass Lo Saab verstanden hatte, sieht man an seinen Entwürfen. Das 9-X BioHybrid Concept ist Saab durch und durch. Die Fahrgastzelle ähnelt, in bester Saab Tradition, einer Pilotenkanzel. Der Verzicht auf Türgriffe und Aussenspiegel verstärkt den Flugzeugeindruck weiter. Versenkbare Kameras übertragen das Geschehen in den Innenraum, was die Studie verstörend aktuell erscheinen lässt. Was vor 11 Jahren angedacht war, das wird jetzt Wirklichkeit bei Audi und anderen Herstellern.

Ebenso das Motorenkonzept. Ein 1.4 Liter Turbo und 4 Elektromotoren plus Lithium Ionen Akkus sorgen für den Antrieb und 215 Km/h Höchstgeschwindigkeit. Heutige Plug-in-Hybride fahren mit ähnlichen Parametern vor. 105 Gramm CO2 emittiert der Saab auf 100 Kilometern im E85 Betrieb, tanken kann er natürlich auch fossile Energieträger. Mit einer Länge von 4.42 Metern zielte das 9-X Hybrid Concept auf die Premium-Modelle der Kompaktklasse.

Ein besonderes Highlight, und ohne Chance in der Serie, ist die aktive Aerodynamik des Concepts. Der Diffusor am Unterboden und ein Spoiler am Heck passen sich der jeweiligen Geschwindigkeit an und sorgen so für zusätzlichen Anpressdruck und Effizienz. Als weitere kleine Extravaganz trägt die Studie an der Front eine durchgehende LED Signatur. In Serie ging dieses Detail 10 Jahre später beim Hyundai Nexo. Und, wie beim 9-5 NG, so ziert das Heck eine Lichtleiste. Das Erkennungsmerkmal für die letzte Saab Generation.

9-X BioHybrid Concept = Saab 9-1

Eine kleine Baureihe wurde bei Saab über Jahre schmerzlich vermisst, sie hätte der Marke das nötige Volumen beschaffen können. Basierend auf der damals ziemlich neuen Delta Plattform von GM war das Concept Car weit mehr als nur eine Studie, es nahm viele Elemente des nie erschienen Saab 9-1 vorweg. 2010 oder 11 wäre der kompakte Saab auf den Markt gekommen, ohne Finanzkrise 2008 und die darauffolgende GM Insolvenz 2009.

Im Nachhinein bleibt festzustellen, dass GM 15 Jahre benötigte, um Saab zu verstehen und Investitionswillen zu entwickeln. Die Jahre zwischen 2005 und 2008 waren nicht ausreichend, um das Schicksal noch zu ändern und Versäumtes nachzuholen.

Unter Spyker-Regie wurde weiter an einem kleinen Saab gearbeitet, halbherzig, ohne die benötigten Mittel, was aber eine andere Geschichte ist. Der Saab 9-1 wäre angetreten gegen Audi A3 und 1er BMW, und er hätte Leben in die Kompaktklasse gebracht. Der heutige Erfolg von Volvo zeigt, das Autos aus Schweden willkommene Alternativen zur deutschen Premium-Monokultur sind. Der 9-1, basierend auf dem 9-X Hybrid Konzept wäre anders gewesen. Polarisiernd, fortschrittlicher, seiner Zeit voraus eben.

22 Gedanken zu „Der Zeit voraus. Saab 9-X BioHybrid Concept.

  • 18. Februar 2019 um 10:40 AM
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    Tja, schlappe 11 Jahre später wäre das Concept Car top aktuell. Ein Jammer, so viele gute Ansätze und nichts wurde Realität. SAAB fehlt mir, immer noch.

    21
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    • 18. Februar 2019 um 12:10 PM
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      Meinen Daumen …

      … (hoch) haben Sie, für diesen Kommentar. SAAB fehlt mir und es gab so viele gute Ansätze …

      Andererseits frage ich mich immer öfter, ob diese feine Marke in dieser oftmals unfeinen Welt überhaupt eine Chance gehabt hätte? Was nützt der beste aller möglichen Ansätze, wenn die politischen Rahmenbedingungen nicht stimmen?

      Was wäre an einem BioHybrid “11 Jahre später (…) top aktuell”, wenn es (in D) gar keine Biokraftstoffe mehr gibt? Und das, obwohl etliche PKW unterwegs sind, die E85 oder Bio-Diesel tanken könnten …

      Der CO2-neutrale Betrieb aller Diesel und von für Ethanol geeigneten “Benzinern” schien längst schon mal in greifbarer Nähe. Wir haben eine (oder etliche) Rolle(n) rückwärts gemacht. Aber hey, der deutschen Wirtschaft und den staatlichen Einnahmen hat das sehr gutgetan, oder?

      10
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      • 18. Februar 2019 um 12:32 PM
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        Ja, auch von mir den Daumen hoch für diesen Kommentar bzw. beide! Ich hätte meinen, fast inhaltsgleichen, von gerade eben gar nicht mehr abzuschicken brauchen, wenn ich Ihren vorher gelesen hätte.

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        • 18. Februar 2019 um 1:49 PM
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          Schön, dass Sie Ihren eigenen Kommentar online haben!

          Die Überschneidung und inhaltliche Doppelung liegt in der Natur der Sache. Bekommen wir (Abonnenten) nicht alle zeitgleich eine E-Mail? Lesen und schreiben wir nicht alle mehr oder weniger zeitgleich?

          Und doch schreiben wir nicht alle dasselbe. Ihren Kommentar mit dem jeweils aktuellen Blick nach F und den jüngsten Preisen für E 85 dort (ab 0,59 €/Liter – unglaublich!) hätte ich ansonsten sehr vermisst. Bitte lassen Sie sich niemals von einem meiner Kommentare oder irgendeinem andern Kommentar von einem eigenen abhalten.

          Es wäre ein Verlust. Übrigens war auch Ihre jüngste Tirade gegen SUVs ja schon von fast prophetischer Qualität. Zumindest musste ich an Ihren Kommentar denken, als ich gestern von Frau Fassbinder laß, dass sie und der Rest der Welt einen schönen SAAB 900 als wirtschaftlichen Totalschaden an einen forschen SUV-Fahrer verloren hätte …

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    • 18. Februar 2019 um 12:29 PM
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      Ob es mir zuviel Digitales und Bling Bling gehabt hätte, hätte ich nach einer ausgiebigen 🙂 Probefahrt entschieden. In jedem Fall ein großartiges Antriebskonzept, Bioethanol als Hybrid!

      Aber hätte es etwas an der rigiden Energiepolitik/Klientelpolitik für die deutsche Autoindustrie in Deutschland geändert? Gäbe es dann noch Bioethanol bei uns zu kaufen? Eher fraglich. Ich hoffe immer noch auf ein Abfärben der frz Energiepolitik auf D. Immer wenn ich Lust auf eine Mischung aus schlechter Laune und Vorfreude auf den nächsten Frankreich-Urlaub habe, schaue ich mir die offizielle frz Spritpreisseite im Netz an. Gestern Abend war es wieder so weit: Z.T. wird E85 an den weit über 1.000 Tankstellen für 0,59 angeboten, der Preis geht bis max. ca 0,70. Und der Absatz soll im letzten Jahr um 25 Prozent zugenommen haben, auch dank der Zulassung einer günstigen techn. Nachrüstungsbox für normale Benziner. Vielleicht sollten wir auch mal mit gelben Westen auf die Straßen gehen und FÜR die frz Spritpreispolitik und deren Übertragung auf D protestieren? 😉

      Viel zu viele “hätte”, “gäbe” und “sollte” – leider leider! Und Saab fehlt mir nicht nur immer noch, sondern immer mehr – jeden Tag! 🙂 Vielleicht sollte man doch (ein klitzekleines Bisschen) auf eine neue Entwicklung durch Koenigsegg hoffen? Eine Saab-Werkstatt meines Vertrauens fand das neulich gar nicht so abwegig … 🙂

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  • 18. Februar 2019 um 11:22 AM
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    Oh, wie cool, wäre vom Exterieur her mein Auto gewesen. Tolle Alternative zu den etablierten Fahrzeuge der Kompaktklasse. Das Interieur hat mir aber entschieden zuviel Digitales, zuviel Bling Bling. Ich fahre analog und mag analog einfach.

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  • 18. Februar 2019 um 12:29 PM
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    Sehr interessantes Artikel. Toll das endlich jemendem wie Anthony Lo die Moeglichkeiten von Saab gesehen und weiter entwickelt hat. Leider war das management in USA nicht ueberzeugt was mit Saab zu tun war. Aber gut diese Historie zu kennen.

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  • 18. Februar 2019 um 1:56 PM
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    Ein tolles Thema, schön daß Tom die Concept Cars aus der Versenkung holt. Wir jüngere Saab Fahrer kennen sie maximal aus dem Museum. Vor 11 Jahren war der Führerschein noch weit entfernt 🙂 Bitte weiter und mehr davon bringen!

    11
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  • 18. Februar 2019 um 4:16 PM
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    Die Form so feinsinnig, stimmig, kraftvoll, elegant. Die schräge Frontansicht vollkommen für mich. Die Technik Bio = lebenswichtig, heute mehr denn je. Es regt mich an, mich selbst bewußt so nachhaltig zu verhalten, Daß wir nicht Anderem nachweinen, sondern selber unser Bestes geben.

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  • 18. Februar 2019 um 11:45 PM
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    so ein 9-1 wäre optimal gewesen, ein kompakter AlltagsSaab, da hätten viele nicht zu einem Fremdfabrikat wechseln müssen. Hieß es nicht auch, dass ein 9-1 auf Basis eines Mini Cooper hätte entstehen sollen?

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    • 19. Februar 2019 um 9:32 AM
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      Saab-Spyker wollte auf Basis der Phoenix Plattform einen 9-1 mit (BMW)-Mini Motor bauen. Prototypen gab es schon. Und BMW plante die Produktion von Mini`s in der ehemaligen Saab Fabrik und einen Saab auf Mini Basis. Aber das ist eine andere Geschichte, mit dem 9-X BioHybrid hat es nicht direkt zu tun.

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      • 19. Februar 2019 um 9:54 AM
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        “Aber das ist eine andere Geschichte (…)”

        Prima. Die aktuelle Geschichte war spannend und erhellend. Tolle Bilder. Vielen Dank. Und schön, dass damit noch längst nicht alles gesagt ist. Dass man sich auf weitere SAAB-Geschichten (und Bilder) freuen kann. Perfekt.

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  • 19. Februar 2019 um 10:32 AM
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    Toller Artikel und vor allem auch Bilder, die ich nicht kannte. Wäre ein tolles Auto geworden. Gibt es eigentlich auch Bilder vom 9.3, der ja für 2012 angekündigt war.

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  • 20. Februar 2019 um 10:49 AM
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    WILL ICH DAS WISSEN?

    Schön, dass man die Beiträge hier mehrfach lesen kann. Sie sind spannend genug und man neigt dazu, beim ersten Lesen nicht alle Feinheiten zu erfassen …

    Der Saab 9-4X BioHybrid (!) bzw. die Bildunterschrift war mir entgangen. Es geht hier neben dem Concept Car also auch ganz beiläufig um einen serienreifen (?) Prototypen. Wie dicht liegen das Ende der VM-Ära/die Insolvenz und eine Markteinführung von Saab BioHybriden auseinander?

    9-4X und den neuen 9-5 SC habe ich auf der Händlertour ja noch gesehen. Der SC wäre mein nächste Auto geworden. Wären sie auch als BioHybride gekommen und wann, wenn es anders gelaufen wäre? Welche Spezifikation war angepeilt, wie hätten die Fahrzeugdaten ausgesehen? Und will ich das überhaupt wissen oder tut das zu sehr weh?

    Ja, doch, ich denke ich will es wissen …

    Der automobile Individualverkehr ist im Umbruch. Der politische Umgang mit dem Thema ist erstaunlich national. Wer hätte gedacht, dass Deutschland und Frankreich unter dem gemeinsamen Dach der EU das Thema E 85 überhaupt gegenteilig behandeln könnten?

    Es geht aber. Wie die Antriebskonzepte und Kraftstoffe der Zukunft aussehen, ist also längst noch nicht gesetzt. Und wenn die Visionen der Saab-Ingenieure die Insolvenz der Marke überdauern und überleben, dann gestaltet Saab noch posthum die Zukunft, redet irgendwie noch immer mit. Spannend. Ja, ich will es unbedingt wissen!

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    • 20. Februar 2019 um 3:01 PM
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      Ja, das war mir auch aufgefallen! Und ja, ich will das – trotz meiner Eigenschaft als famous SUV hater – auch wissen!! Lieber Tom, gibt es dazu vielleicht ein paar zusätzliche Infos? Wäre, trotz des sehr traurigen Beigeschmacks, interessant zu wissen, was da evtl. in den Startlöchern auch für 9-3 und 9-5 stand.

      Und bei Saab will ich bzgl. SUV mal nicht so sein … 🙂 Zu einer richtig anständigen “Tirade” gegen SUV (s.o. den Kommentar von Herbert H., über den ich mich sehr gefreut hatte :-)) werde ich nochmal gesondert bei sich bietender Gelegenheit ansetzen. Ich bin ein bisschen spät dran, jetzt sind dieser Blog-Artikel und die Kommentare dazu ja schon wieder von einem neueren überholt worden. (Vielen Dank für diese vielen hochinteressanten Artikel innerhalb so kurzer Zeit!) Aber zu einem herrlichen Rundumschlag gegen SUV gibt es ja bestimmt bald wieder Anlass, z.B. zum Thema Nachhaltigkeit! 🙂

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      • 21. Februar 2019 um 9:48 AM
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        An diesem Thema (SUVs) würde ich mich nicht abarbeiten …

        Ich verstehe was Sie meinen und es gibt sehr unangenehme Typen (sowohl Autos als auch Fahrer). Aber es gibt auch SUVs und Fahrer, denen ich nichts vorzuwerfen habe, die im Verkehr Rücksicht nehmen und ihre Fahrzeuge tatsächlich für Transportaufgaben nutzen, die ein SUV besser bewältigt.

        Gelassenheit ist für mich typisch SAAB (-Fahrer) und Toleranz steht uns besser zu Gesicht als “Hass”. Und sind wir nicht alle auf sie angewiesen, spätestens wenn wir in einer engen Straße einen Radfahrer überholen? Oder der Radfahrer, wenn er auf einem schmalen Waldweg Fußgängern begegnet, die ihm Platz machen?

        Beim Thema Nachhaltigkeit könnte ein SUV-Fahrer auch die Cabrio-Fraktion aufs Korn nehmen. Setzt man die Transportkapazitäten (5 bis 7 Sitzplätze vs. 2+2, Kofferraumvolumen und Anhängelast) mit dem Verbrauch an Ressourcen ins Verhältnis, schneidet ein Cabrio verdammt schlecht ab. Dass man auf der gleichen Plattform auch einen Kombi mit AHK hätte haben können, unterstreicht zusätzlich wo die Prioritäten lagen. Pures (und offenes) Fahrvergnügen!

        Das ist auch völlig okay. Ich wollte nur freundlich daran erinnern, dass wir alle in einem Glashaus sitzen, bevor Sie den Stein heben und zum Wurf ansetzen …

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        • 21. Februar 2019 um 12:55 PM
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          Ja, klar, da ist was Wahres dran – aber ich erlaube mir manchmal, etwas temperamentvoll, und vielleicht auch ein klitzekleines bisschen unlogisch zu sein. Nur im engsten Kreis, versteht sich, und irgendwie sind wir das ja alle manchmal, gell?

          Wobei ich das Transportargument kaum gelten lassen kann, meistens sieht man nur einzelne Fahrer bzw. oftmals Fahrerinnen (pfui, wie frauenfeindlich, bin selber eine, stelle mir aber immer vor, das sind die typischen Zahnarztgattinnen) in dem riesen Ungetüm sitzen, die dann immer die Mafiaverglasung und das Modell ohne Blinker haben. Dann wird urplötzlich ohne jeden erkennbaren Grund gebremst – und die geneigte Saab-Cabrio-Fahrerin direkt dahinter, die mal wieder nix sehen kann, fragt sich: Ist davor ein Verkehrshindernis oder hat die Dame nur mal wieder spontan ein Schuhgeschäft entdeckt?? 😉

          Es geht mir einerseits um diesen Sicherheitsaspekt des “davor und hindurch nix sehen könnens” und andererseits um die ästhetische Zumutung dieser Dinger. Über die Fahrweise der Fahrer kann ich nicht signifikant erhöht Negatives berichten (abgesehen davon, dass viele ihr Gefährt augenscheinlich nicht ganz beherrschen, zB beim Einparken oder in engen Autobahnbaustellen, sehe ich jedenfalls immer wieder). Nichtblinken u.ä. sind ja mittlerweile leider weit verbreitet. Am rabiatesten erscheinen mir hier in der Stadt übrigens die Smart- Fahrer.

          Und bzgl. Transport/Nachhaltigkeit finde ich Kombis wesentlich sinnvoller und ästhetischer, aber die sind – dank der aus USA herübergeschwemmten SUV-Manie – ja leider im Aussterben begriffen. Habe neulich z.B. gehört, dass VW den Passat einstellen will. Hier im Westen von HH erscheint mir übrigens das am meisten verbreitete SUV-Modell der Porsche Cayenne zu sein, mit etwas Abstand gefolgt von den jeweils riesigsten Modellen von BMW, Audi, Mercedes und Volvo (ich belaste meine Gehirnzellen jetzt mal nicht mit den ganzen tollen X- Q- oder sonstwie-Modellbezeichnungen). Alle immer nagelneu. Deren Nachhaltigkeit dürfte doch sehr fragwürdig sein …

          Nix gegen entsprechende Gefährte für Landwirte, Förster, Tierärzte, Dschungelsafaris etc. Aber hier in der Stadt? Da tuts auch sicher ein Kombi genauso gut. Aber ich vergaß: Wir haben in HH ja so viele unbefestigte Wege, extreme Steigungen, unwegsames Gelände, reißende Wilbäche ohne Brücken … 😉

          Sorry, jetzt habe ich mich ja doch noch umfänglich ausgekotzt! 🙂 Aber das war’s dann auch zu dem Thema. Hoffentlich liest es überhaupt irgendjemand …

          P.S. Das Saab-Cabrio hat übrigens (bei geschlossenem Verdeck) einen wirklich riesigen Kofferraum, das ist jedes Mal wieder beeindruckend! Sie werden nicht glauben, was wir da schon alles reinbekommen haben, zB meterlange Blumenkästen usw. (Aber demnächst gibt’s ja jetzt noch einen zusätzlichen 9-3 SC.) Und im Urlaub nehmen wir (bzw. ich leider) auch immer Massen an Klamotten und anderem Klimbim mit – und wenn man dann angekommen und von der Autobahn runter ist, lädt man alles aus und kann vor Ort offen cruisen. Das geht nur mit den Raumwunder-Saab-Cabrios.

          Fazit:: Ich LIEBE SAAB und den Blog und HASSE weiterhin SUV (nicht deren Fahrer)! 🙂

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          • 21. Februar 2019 um 2:24 PM
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            HASS & LIEBE …

            … behalte ich Menschen vor, die sich eines beider Gefühle redlich verdient haben. Ist der inflationäre Gebrauch dieser beiden und der extremsten aller Wörter nicht auch aus den USA nach Europa geschwappt? Vielleicht sogar zeitgleich mit der SUV-Welle, deren Ursprung Sie ebenfalls dort verorten?

            Mir behagt das nicht. Die mildere Form mit all ihren Abstufungen, etwas mehr oder weniger, möglicherweise auch ganz und gar nicht zu mögen, sollte “die alte Welt” sich unbedingt erhalten. Nur so eine Idee.

            Ansonsten hatte ich bereits alles gesagt, was mir zum Thema SUV oder SUV-Hater in den Sinn kam …
            Ich bleibe also auch dabei. Mein Fazit ist und bleibt der Wunsch nach mehr Toleranz und nach weniger Hass.

            P.S.
            Ich denke, ich hatte sie schon richtig verstanden. Aber wissen wir zuverlässig, dass das SUV, welches uns gerade innerstädtisch, unterbesetzt und auf befestigten Wegen begegnet, niemals irgendeinen angemessen Zweck erfüllt? Und selbst wenn das mit hoher Wahrscheinlichkeit und auf die Mehrheit der SUVs zuträfe, was gäbe mir das Recht, deshalb alle anderen über den selben Kamm zu scheren und sie alle unisono zu hassen?

  • 21. Februar 2019 um 4:55 PM
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    Nix für ungut und natürlich haben Sie alles richtig verstanden! War eh mit einem kleinen Augenzwinkern gemeint. Manchmal tut es einfach gut, sich – wenn auch im stillen Kämmerlein oder allein im, den Bling-Bling-SUVs (nicht nur) ästhetisch überlegenen, Saab – auch ein bisschen bewusst künstlich zu echauffieren. Zumal ja eh kein Kräutlein gegen den seit der Jahrtausendwende vorherrschenden SUV-Trend gewachsen zu sein scheint. Macht mehr Spaß, als immer nur still auf diese schwarzen Klötze zu gucken und eben nix zu sehen.

    Und emotional verbandelt sind wir mit unseren Saabs ja allemal, so dass man sicherlich auf gewisse Weise von „Liebe“ (nicht nur zum Blog, wie neulich ja mehrfach von einigen Lesern bekundet) sprechen kann. Wie formulierte Frau Faßbinder neulich so schön: Sie hat zu ihren beiden 900ern eine ähnliche Beziehung wie zu einem Haustier! 🙂

    Und wozu hat der liebe Gott für Transportaufgaben (auf befestigten Straßen und nicht im Gelände) denn schließlich den Kombi erfunden – und wozu wurde er von den „lieben Trolls“ dann noch in eine perfekte und ästhetische Form gegossen? (9-3 SC und 9-5 SC Chrombrille und 9-5 NG SC)?

    In diesem Sinne und mit mehreren Augenzwinkern wünsche ich ab morgen schon mal ein schönes Wochenende mit und in der Chrombrille! 😉

    Antwort
    • 21. Februar 2019 um 7:13 PM
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      Ja, Ihnen auch ein schönes WE.

      Was man nicht vergessen sollte ist, dass ein SUV von heute auch nur noch die Geländequalitäten und die Bodenfreiheit eines beliebigen der älteren Volvos hat. In der Basismotorisierung haben die Dinger ja meist nichtmal mehr Allradantrieb. Sogar Land Rover bietet heute 2 by 4 an …

      Dass heute viele Menschen meinen und glauben ein SUV zu brauchen, hat auch damit zu tun, dass alle anderen Autos mittlerweile nur noch für die Autobahn optimiert sind. Aber selbst dort klappt nicht immer alles. Sobald man einen Rastplatz ansteuert, riskiert man es, beim Einparken seine Frontschürze an die Bordsteinkante zu verlieren …

      Ich muss selber manchmal Feldwege fahren. Mit meinem alten Göteborger kann ich da mit 100 Sachen lang brettern und muss über Schlaglöcher gar nicht nachdenken. Im SAAB 9-5 habe ich auf dem selben Weg trotz äußerster Konzentration und etlicher Ausweichmanöver schon mit Tempo 20 bis 30 das Gefühl, ich würde den armen Wagen komplett in alle Einzelteile zerlegen.

      Was ist nachhaltiger und welche Gesamtbilanz sieht besser aus? Ist es eine Welt, in der noch der einsamste Hof in Frankreich, Schweden oder Deutschland über eine breite geteerte An-, Zu- und Auffahrt verfügt, oder eine Welt, in der man ganz einfach ein Auto mit 2 cm mehr Federweg und Bodenfreiheit kaufen kann? 10 Km Teerweg vs. 2 cm Federweg …

      Ich hätte nie gedacht, mich jemals verständnisvoll gegenüber SUV-Fahrern zu äußern. Aber an den Dingern ist schon was dran. Je tiefer alle anderen Autos gelegt werden, desto mehr …

      Antwort
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