Der Bilster Berg ruft (2/2)

Zurück zur Rallye Legende. Der Tag gehört dem WRX STI. Es ist seine Party,  und jeder Teilnehmer fiebert auf den Moment hin, wo er mit der Legende auf die Strecke darf. Der Zufall will es, dass ich für die Einführungsrunde im Fahrzeug des Instruktors lande. Eigentlich war das so nicht geplant, und wie es dazu kam, will ich nicht ausführen. Aber manche Zufälle sind Gold wert.

WRX STI. Ultimative Fahrmaschine und Legende die ihren Abschied nimmt.
WRX STI. Ultimative Fahrmaschine und Legende die ihren Abschied nimmt.

Werner Gusenbauer ist Driftprofi, hat mit seinem Sohn eine Driftschule am Nürburgring, und fuhr in diesem Jahr ebenfalls mit dem BRZ das 24 Stundenrennen auf dem Ring. Es geht auf die Strecke. Eine ruhige Einführungsrunde. Gusenbauer mit dem 200 PS BRZ mit sequenziellen Getriebe voraus, ein Hand am Steuer, die andere am Funkgerät. Eine hungrige Meute aufgeladener WRX hinterher, es geht auf die Westschleife mit ihren extremen Gefällen und Steigungen. Anspruchsvoll, und schon die zwei Bodenwellen vor der legendären Mausefalle mahnen zum Respekt. Dann geht es im Sturzflug mit einem 26% Gefälle den Berg hinunter, dann hoch.

Die Runden werden schneller, Gusenbauer bleibt ganz entspannt, moderiert – so,  als ob wir beide gerade eine Tüte mit Brötchen beim Bäcker holen würden. Während hinten die Teilnehmer schwitzen, kämpfen, sich optimieren und um Traktion kämpfen,  plaudern wir über das 24 Stundenrennen auf dem Ring. Beeindruckend !

Wie beeindruckend das ist,  merke ich, als ich dann selbst WRX STI fahren darf. Die Instruktionen im Ohr jage ich dem BRZ hinterher. Halte die Ideallinie so gut es geht, überwinde meinen inneren Schweinehund und bleibe auf dem Gas,  wo die Vernunft zur Bremse mahnt.

Der Grenzbereich des WRX liegt weit höher als mein persönlicher – ich habe keine Chance,  auch nur in Schlagdistanz des 100 PS schwächeren BRZ zu kommen. Und der WRX fasziniert. Der Turbo kommt nachdrücklich zur Sache, das Handling ist erste Sahne, die Rückmeldungen sind präzise. Vergesst alle Testberichte und Mäkeleien,  die es jemals über das Auto gab. Fahrt selbst, macht Euch eine eigene Meinung. Er ist, um es auf den Punkt zu bringen, ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk einer Fahrmaschine.

Das Training auf der Westschleife ist zu schnell vorbei. Es geht weiter mit einem Handlingparcour, Race-Talk mit Tim Schrick. Ich lerne viel an diesem Tag. Etwa,  wie man richtig im Auto sitzt, um die Kontrolle zu behalten. Oder wie man lenkt und optimal Kurven fährt.

Die Grenzen der Physik

Ab 18:00 Uhr ist es Zeit für das BBQ. Ich bin ausgelaugt, hungrig, durstig. Die Pause tut gut. Später geht es noch einmal auf die Strecke. Im WRX STI, der komplette Kurs ist offen. Die Legende fliegt, der Turbo-Boxer liefert Sound und Kraft der Allrad-Traktion. Andreas, mit dem ich mir das Cockpit teile, geht es viel ehrgeiziger an als ich. Nachdem er das Steuer übernommen hat,  hängen wir hinter dem Lead-Car, der Rest des Feldes folgt im weiten Abstand. In der Mausefalle spüren wir dann, wie der WRX mit den Grenzen der Physik verhandelt.

Der Tag war fordernd, vor allem für mich als ungeübten “Normal-Fahrer”. Und er war toll, denn Subaru Deutschland lieferte die perfekte, große Party für eine Motorsport-Legende. Mein erster wirklicher Kontakt mit einer Marke, die etwas Besonderes zu bieten hat. Ich habe jede Minute genossen. Ein entspanntes, nettes Publikum, ein großartiger Subaru Club vor Ort, eine sympathische Crew aus Friedberg und eine anspruchsvolle, moderne Strecke machten das Event zu etwas Speziellem.

Ein kurzer Gedanke am Rande.

Noch einmal ein kurzer Gedanke weg von Subaru, hin zu Saab. Das modernste und spannendste Rennresort Deutschlands wurde 2013 eröffnet. Im Jahr 2011, noch während der Bauphase, gab es bei Saab Deutschland den Gedanken,  dort zukünftig ein großes Saab Festival zu veranstalten. Die Marke hat es nicht mehr soweit geschafft. Aber es wäre ein toller Ort gewesen.

Nach Hause geht es im 9-3 Aero. Die Viggensitze sind fast so gut wie die Recaros des WRX STI. Und ja, mein Aero ist ähnlich unkomfortabel gefedert wie die Fahrmaschine von Subaru. Man spürt es auf den Landstrassen rund um den Bilster Berg, bis zur Autobahn sind es rund 50 Kilometer. Kurz vorher fasse ich Kraftstoff. Ich habe die Pole-Position, hinter mir stauen sich die Subarus. Ein WRX STI fliegt mit dunklem Boxer-Grollen ein. Proud of Boxer. Ja, das hat was !

Auf der Autobahn hat der Saab freien Lauf. 250 Kilometer Strecke sind es, und wo kein Limit ist,  darf der Turbo ran. Er macht das gut, richtig souverän. Die Kasseler Berge. Ich merke, wie ich anfange,  jede Autobahnkurve zu hinterfragen. OMG! Ja, ich sollte mich verbessern. Mein Lenkverhalten in schnellen Kurven, es ist nicht souverän. Ich habe etwas gelernt, und vielleicht frisst da ein Motorsport-Virus in mir. Oder ich habe mir so ein WRX-Subaru-BRZ-Ding eingefangen. Aber wer weiß das schon?

17 Gedanken zu „Der Bilster Berg ruft (2/2)

  • 30. Mai 2018 um 10:48 AM
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    Ich glaube der Wagen macht wirklich Laune, allerdings hat der Wagen auch einen entscheidenen Nachteil: Der Wagen hat es nicht mit understatement. Eine Prollkiste par excellence mit einer Frittentheke auf der Heckklappe welche direkt aus den 80ern entsprungen zu sein scheint. In der Schweiz habe ich den Wagen fast an jeder Ecke gesehen, hauptsächlich junge Leute denen ein Audi S3/S4 zu unauffällig oder zu teuer ist.
    Schade, etwas weniger auffällig, dafür ein schöneres Interieur und es wäre heute wirklich eine Saabalternative

    • 30. Mai 2018 um 11:25 AM
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      Wie immer eine sehr dezente Ausdrucksweise, lieber Daniel. Zu Deiner Beruhigung: Es gibt den WRX STI auch ohne Frittentheke, damit gefällt er besser. Das Interieur ist, nach der aktuellen Überarbeitung, wirklich gut gemacht. An der Verabreitung können sich andere Marken etwas abschneiden. Ich wollte mein 9-3 II wäre innen so solide.

      • 30. Mai 2018 um 11:55 AM
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        Mir sind klare Worte lieb…Was das Interieur betrifft: Die Verarbeitung ist wirklich gut wie bei vielen Japanern. Im erweiterten Familienkreis sind ein Legacy und Impreza unterwegs, da gibt es wirklich nichts zu meckern. Dennoch empfinde ich das Erscheinungsbild zu effekthascherisch und damit etwas “billig”. Auch wenn die aktuelle Variante in der Tat eine Verbesserung ist…

  • 30. Mai 2018 um 11:29 AM
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    Oh Mann, das macht Gänsehaut! Muss eine tolle Veranstaltung gewesen sein, da wird man etwas neidisch. Ich wollte Orio würde etwas in dieser Richtung machen, aber das bleibt wohl ein Träumchen.

  • 30. Mai 2018 um 11:33 AM
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    Irgendwie schon schade das es den WRX STI nicht mehr geben wird. Fand in immer toll. Einer der letzten seiner Art.

  • 30. Mai 2018 um 12:04 PM
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    Frittentheke … Danke für den Lacher des Tages
    You made my day.
    Danke auch an Tom für die emotionale Beschreibung des Subaru.

  • 30. Mai 2018 um 2:28 PM
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    Wie immer sehr cool geschrieben. Macht Subaru interessant für mich. Was für ein Zufall, mein SAAB Freundlicher verkauft auch Subarus 😀

  • 30. Mai 2018 um 4:09 PM
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    Eine Info, auf die mich auch das Team von Muckelbauer hingewiesen hat, bringt Saab und Subaru gefühlt noch näher zusammen. Denn beide Marken haben den gleichen Ursprung, beide kommen aus dem Flugzeugbau.

    • 30. Mai 2018 um 4:56 PM
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      Stimmt. Und wenn man sich mit Subaru näher beschäftigt, dann findet man noch mehr. Der Hang zu Understatement (abgesehen vom WRX STI), das konsequente Durchziehen eigener technischer Lösungen, und Subaru liefert viel Auto für`s Geld. Und mit Sicherheit findet man noch mehr Gemeinsamkeiten, auch wenn ein Subaru in der Summer aller Dinge doch völlig anders als ein Saab ist.

    • 31. Mai 2018 um 10:57 AM
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      Subaru kommt aus dem Flugzeugbau?

      Das wusste ich gar nicht. Da muss man die Geschichte wohl umschreiben. Der “Boxeraufstand” wird ja allgemein in China verortet. Dabei kommt er in Wahrheit also aus Japan …

      In jedem Fall finde ich es cool, wenn kleinere Firmen oder Marken im Automobilbau noch immer ihr eigenes Ding durchziehen und das in Form alltagstauglicher Autos. Viele solcher Marken sind es ja nicht mehr. Mein Blick fällt da auch immer wieder auf Alfa. Schade, dass die keinen Kombi im Programm haben. Ich muss wohl mal wieder die Webseite von Subaru angucken …

      • 31. Mai 2018 um 2:16 PM
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        Flugzeugbau seit 1917. Subaru ist übrigens nur bei uns eine kleine Marke. 1 Mio Allrad PKW pro Jahr sind schon eine Nummer.

        • 31. Mai 2018 um 8:39 PM
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          Oh ja, das ist ‘ne Nummer …

          … zumal die Modellpalette ja klein und speziell ist. Wer kauft eine Million “Nischenprodukte”? Wie ist dieser Absatz global verteilt? Spannende Fragen, spannende Marke. Zweifellos …

          • 31. Mai 2018 um 9:20 PM
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            Die eine Hälfte kaufen die Amerikaner, die andere der Rest der Welt. Mit Legacy und Ascent gibt es in den USA große Modelle, die wir nicht bekommen. Und in Japan gibt es Sambar, Dias, Justy und Chiffon. Letzterer ist ein Kei-Car, für das man keinen Parkplatz nachweisen muss. Subaru ist in diesem Geschäft traditionell erfolgreich. So genug Subaru, morgen geht es mit Saab weiter, bevor die Leser ausflippen… 😉

          • 31. Mai 2018 um 10:39 PM
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            Was ist ein Kei-Car? Ist das so etwas wie ein Kaiten mit Rädern?

            Scherz!

  • 30. Mai 2018 um 9:27 PM
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    Vielen vielen dank für diesen tollen Bericht, da wäre ich auch gerne dabei gewesen, Subaru sind genauso faszinierend wie Saab, eine kleine Marke, die eben anders ist. Was ich bei den neuen Subarus schade finde ist, dass es nicht mehr die Rahmenlosen Fenster gibt

  • 31. Mai 2018 um 8:58 PM
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    Bin selbst von einem 9-3x auf einen Outback gewechselt, der 9-3X mit dem XWD und eLSD war sehr fahraktiv, da kommt der Outback nicht mit, ist aber auch 1,5 Mal größer mit längeren Radstand und die Grundauslegung des Fahrwerks ist auch anders, wobei ich auch sagen muss dass ich selten ein Auto dieser Größe (fast 5m) gefahren bin das derartig neutral um die Kurve geht. Auch bin ich ein Fan der eigenen schrulligen Lösungen (z.B.: Eyesight) den echt niedrigen Servicekosten 30% weniger als bei meinem 9-3 und diese ich komm überall durch und rauf Attitüde 🙂

    • 31. Mai 2018 um 9:13 PM
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      Danke Alex. Ich muss zugeben dass ich in der Woche vor dem Bilster Berg auch erstmals Outback gefahren bin. Das Fahrwerk fand ich bemerkenswert, es hat wahre Komfortqualitäten. Mich hat das Konzept des Outbacks überzeugt (nein, ich habe keinen bestellt), er ist eine gute Wahl. Viel Spaß damit!

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