60 Jahre Saab 32, Elektroautos, Projektsaab

Die Sommmerpause auf dem Blog ist vorüber, wir starten mit Nachrichten aus der Saab Welt. Diese Woche kommt es zum Spagat von stolzer Vergangenheit, Saab DNA in der Gegenwart und Zukunft,  die „Made by Trollhättan“ ist. Viel interessanter, kurzweiliger Lesestoff. Ausserdem kommt Paul, unser Projektsaab, in Fahrt.

Saab 32 Lansen. Copyright Saab AB
Saab 32 Lansen from F6 Wing. Copyright Saab AB

60 Jahre Saab 32 Lansen

Ein Saab Jet auf dem Blog ist ungewöhnlich. Es hat, das gebe ich offen zu, auch etwas mit Psychologie zu tun. Es ist Fakt,  dass Saab keine Autos mehr baut; den Konzern und die Wurzeln des Automobilbaus gibt es aber immer noch. Das sollten wir nicht vergessen. Ein historischer Saab Jet, die 32 „Lansen“, feiert ihr Jubiläum. Obwohl bereits im Dezember 1953 die ersten Flugzeuge den königlich schwedischen Luftstreitkräften übergeben wurden, gilt das Jahr 1956 als Ausgangspunkt für den 60. Geburtstag.

Für den Konzern war die „Lansen“ ein wichtiger Meilenstein. Die Saab 32 war das erste schwedische Strahlflugzeug,  das die Schallmauer durchbrechen konnte, Schweden die 5. Nation weltweit, die ein Flugzeug mit dieser Leistung liefern konnte.


Die Lansen blieb bis 1978 im Einsatz und damit viel länger als der Saab 93,  den die Automobilabteilung im Sommer 1955 vorstellte. Der Nachfolger des 92 war die Evolution vom 2- zum 3-Zylinder und der Sprung in die USA. 1956 holte der 93 als Debütant den sensationellen Gesamtsieg der Great Mountain Rallye und legte damit den Grundstein für den Erfolg auf dem US Markt. Noch ein Jubiläum – 1956 muss ein interessantes Jahr gewesen sein.

Von der Historie und den alten Zeiten der abrupte Schwenk in die Gegenwart. Elektroautos sind das Thema schlechthin,  und in den chinesischen Statistiken erscheint auch ein EV mit Saab DNA.

BAIC EU260 EV. Photo Credit: BAIC
BAIC EU260 EV. Photo Credit: BAIC
Saab Elektroauto in China Part 1

Der Markt für „New Energy Vehicles“ in China boomt. Im Juli meldeten die Statistiker einen stattlichen Zuwachs von 188%, 34.000 Fahrzeuge kamen auf die Straßen. Spannend, denn es ist ein EV mit Saab DNA darunter. Auf Rang 12 mit 1.135 Zulassungen finden wir das EU260 EV. Es basiert auf der 9-3 Plattform,  die von BAIC modifiziert wurde, hat ein Batteriepack mit 41.4 kWh von CATL und eine Reichweite von 260 Kilometern.

Das Rennen, wer in China das erste Elektroauto mit Saab DNA anbietet, ist somit gelaufen. BAIC war schneller als Trollhättan, NEVS startet erst 2017. Dann aber mit besseren Leistungsdaten. Wahrscheinlich.

Saab Elektroauto in China Part 2

Der Deal mit Saab ist für BAIC ein Volltreffer. Der alte Saab 9-5 und seine Turbomotoren sind äußerst erfolgreich, ausserdem wird der schwedische Veteran jetzt auch noch elektrifiziert. BAIC meldet den Produktionsstart für den EH400. Eine große Limousine, die auf dem 9-5 basiert, und die im April auf der Automesse in Peking vorgestellt wurde. Der EH 400 soll eine Reichweite von 400 Kilometern haben, Bilder zeigt CarNewsChina.

Während der Blogpause kamen inflationär viele Meldungen zum Thema Elektroautos in mein Postfach. Es ist schwer den Überblick zu behalten. Kontinuierlich kommen neue Unternehmen dazu, alte und etablierte Anbieter schließen sich an. Daimler wird noch dieses Jahr ein schwäbisches Gegenmittel zum Tesla S mit 600 Kilometern Reichweite präsentieren. Angeblich will man dazu eine neue Automarke etablieren. Und VW verkündete, dass man bis zu  Jahr 2025 der größte Anbieter der Welt für Elektroautos werden möchte. Kleiner und bescheidener geht es wohl nicht. Stuttgart, Wolfsburg, Trollhättan. Auch dort entwickeln sich Dinge,  die interessant sind, sie kommen ebenfalls in dieser Woche auf dem Blog.

Jetzt nochmals der Blick zurück… Im Magazin des Saab Museums steht ein ganz besonderer 9-5. Eine schwarze Limousine aus dem Jahr 1999, etwas über 30.000 Kilometer sind auf dem Zähler, unter der Haube ein 1.5 Liter 5-Zylinder mit 225 PS und variabler Kompression.

Infiniti bringt die variable Kompression

Der Saab SVC Motor war das Ergebnis genialer Ingenieurskunst, die in den 80er Jahren bei Saab ihren Anfang nahm. Saab APC Control im 900 und die Trionic im 9000 waren zwei Meilensteine; die revolutionäre variable Kompression wäre der nächste geworden. GM zog 2000 mit der endgültigen Übernahme von Saab dem Projekt den Stecker, obwohl nur noch „Komfortprobleme“ zu lösen waren.

Was Saab nicht vollenden durfte, womit Porsche sich beschäftigt, das hat Infiniti zur Serienreife entwickelt. Die Kompression im 2 Liter Turbo 4-Zylinder variiert zwischen 8:1 und 14:1, 272 PS Leistung sollen anstehen. Premiere wird der VC-T Motor 2018 im Infiniti QX50 feiern. Waren Saab Ingenieure so visionär, dass die Ideen von vor fast 20 Jahren auch heute noch so aktuell sind? Es hat den Anschein.

Neuigkeiten von Paul

Womit machen wir weiter? Interessante Neuigkeiten in der Stallbacka warten auf Veröffentlichung, unser Projektsaab ist heute beim professionellen Aufbereiter. Dann geht es weiter zum Bekleben, die Zulassung steht an, und dann muss Paul leider noch einmal zurück in die Werkstatt. Denn er hat ein kleines Problem.

Updates folgen.

8 Gedanken zu „60 Jahre Saab 32, Elektroautos, Projektsaab

  • Welcome back, Tom!
    Freue mich sehr, dass es hier auf dem Blog nun wieder mit interessanten – immer sehr lesenswerten – Artikeln weitergeht. Hierfür schon einmal vielen Dank im Voraus!

    Viele Grüße
    Joachim

  • Jeder Urlaub geht einmal zu Ende… doch Herzlich Willkommen 🙂 sind die neuen Infos allemal! Vielen Dank dafür und für den „Rest“ des Jahres kreative Ideen…. 😉

    • Danke, wir arbeiten daran dass der „Rest“ richtig interessant wird!

  • Und immer wieder weht der Wehmut. Was wäre wohl passiert und wo wäre Saab Automobile heute, hätte VM zu gebotener Zeit an Baic verkauft. Jetzt gibt’s von Baic eben Borgwards

    • Das mit BAIC wird Borgward nicht gerne lesen. Von chinesischen Genen oder gar einer möglichen Gleichheit mit anderen Fahrzeugen des Konzerns distanziert man sich heftigst.

  • Wenn`s aber offensichtlich so ist. Heute steht in meiner regionalen Tageszeitung Teckbote ( Nähe Stuttgart, Sitz von Borgward ) dass man bei Borgward mit dem Verkaufsstart in China zufrieden ist. Ich denke wir sollten mal den Verkaufsstart in Deutschland abwarten. Wenn die Presse mal die ersten Tests mit den Fahrzeugen machen darf und man erste Vergleichstests lesen kann wird sich zeigen ob es ausreicht chinesische Fahrzeuge einzubürgern.

    • Borgward hat sich für uns als Blog sowieso erledigt. Einar Hareide ist nicht mehr dabei, damit auch keine Spannung auf neue Arbeiten eiese ehemaligen Saab Designers mehr.

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