„Goodbye and Hello again Saab“ auch in privater Hinsicht

Gibt es im Leben unvorhersehbare, aber irgendwie parallel stattfindende Ereignisse? In meinem Falle muss ich leider „ja“ sagen, was das Thema „Byebye Saab“ betrifft – jedoch war dieses „Byebye“ zumindest bei mir mit einem unverhofft schnellen „Hello again“ verbunden, wie wir am Ende dieses Beitrags lesen werden.

Lebensretter Saab 9-5. Bild: Ulrich Beitel
Lebensretter Saab 9-5. Bild: Ulrich Beitel

Seit 1980 begleitet mich diese sympathische Automarke mit großer Freude – mehrere 96, 900,I und ein 9-5 I machten die vielen Jahre zu einem Genusserlebnis. Jedoch schien zumindest mit dem 9-5 am 21.06. alles vorbei zu sein. Genau an dem Tag also, als in Trollhättan das Saab-Firmenschild abmontiert wurde.

Was war bei mir an diesem Tag geschehen? Früh morgens stieg ich guter Dinge in den 9-5 ein, um diesen vor unsere, nur einige hundert Meter entfernte, Hofeinfahrt zu fahren. Dabei freute ich mich noch über den Top-Zustand des Saab nach immerhin mehr als 320.000 km. Nicht zuletzt, weil ich ihm am Vortag noch eine stundenlange Pflegeaktion zukommen ließ.

Während dieser kurzen Fahrt verlor ich aus heiterem Himmel das Bewusstsein und prallte in einer 30er Zone ungebremst an eine Hausmauer. Nicht einmal den Aufprall nahm ich wahr. Glücklicherweise war kein Fußgänger oder ein anderes Auto in diesen Sekunden unterwegs. Glück im Unglück also. Gottseidank zeigten sich bei mir im Laufe der danach stattfindenden ärztlichen Untersuchungen keine körperlichen Defizite, die für diesen Blackout verantwortlich waren. War es ein intensiver Sekundenschlaf? Keine Ahnung… Die leichte Rippenprellung, verursacht durch den Sicherheitsgurt, war zu verschmerzen.

Die Front des Saab war jedenfalls ziemlich deformiert. Der unglaublich stabile Querträger hinter der Stoßstange hatte die Aufprallenergie an die beiden seitlichen Crash-Boxen weiter gegeben, die sich in vorbildlicher Weise ziehharmonikaartig verformten und somit die kinetische Energie weich absorbierten. Nicht einmal die drei Kühler hatten etwas abbekommen. Wieder ein Beweis, wie sich die passive Sicherheit im Laufe der Jahrzehnte weiter entwickelt hat. Der 96 wäre trotz des dicken Blechs aufgrund fehlender Energie absorbierender Bauteile bis in die Substanz zerstört worden.

Doch der 9-5 war nun mit Sicherheit erst einmal für längere Zeit zum Standzeug verurteilt, bis ich mittelfristig zum Austausch der Front kommen würde.

Was nun tun, da mich ich innerhalb kürzester Zeit um einen Autoersatz kümmern musste? War das Ende des Namens „Saab“ in Trollhättan nicht ein Wink des Schicksals, mich zumindest für das Alltagsauto von Saab zu trennen – das Genussauto, der 96, würde ja weiterhin gehegt und gepflegt werden?

Es gab ja einige verlockende Alternativen:
    • Lancia New Delta (auch wenn Fiat unter dem schönen Kleid steckt)?
    • Citroen Xantia oder den Nachfolger C5. Schließlich besaß ich vor Jahren einen Xantia, mit dem ich problemlose 470.000 km schaffte?
    • Oder doch wieder einen Saab? Falls Saab, dann jedoch einen 9-5 mit dem gleichen Motor wegen der Möglichkeit des Teiletauschs, falls der Unfallwagen nicht mehr gerettet werden könnte.

Viel wichtiger jedoch war meine emotionale Dankbarkeit gegenüber dem Unfall-Saab. Ich brachte es einfach nicht übers Herz, nach etwas anderem zu suchen. Nach kurzer, aber heftiger Suche im Internet fand sich der Ersatz: Ein 9-5 in Metallic-Chili-Rot, zwar kein Kombi und ausgerechnet mit automatischem Getriebe (bislang bin ich überzeugter Gegner von automatischen Getrieben, elektrischen Handbremsen, Assistenzsystemen, dem autonomen Fahren und auch gegen viel weiterem elektronischen Firlefanz). Aber zumindest ist es wieder ein Saab geworden.

Der Nachfolger. Natürlich ein 9-5. Bild: Ulrich Beitel
Der Nachfolger. Natürlich ein 9-5. Bild: Ulrich Beitel

Aber was würde in einem hoffentlich nicht mehr vorkommenden (Un)Fall in einigen Jahren passieren? Die Auswahl an geeigneten Alltags-Saab wäre dann sicher nur noch sehr beschränkt, so wie wir es von anderen, bereits verblichenen Automarken kennen: Panhard, Simca, Glas, Borgward und neuerdings Lancia.

Das Resumée:

Unglaublich viel Glück im Unglück gehabt, ein Saab ist vertrauenerweckend sicher und die Saab-Leidenschaft lässt mich auch weiterhin nicht mehr los.

Danke an Ulrich  für seine Saab Summertime Story! Habt auch Ihr etwas zum Thema Saab zu erzählen?

Die Geschichte einer unvergesslichen Urlaubsreise, eine Restauration, der erste Kontakt mit der Marke aus Trollhättan oder einfach warum Saab zum automobilen Leben dazu gehört…

Was immer es ist, schreibt uns. Wir bedanken uns mit Saab Literatur und saabigen Kleinigkeiten für jeden veröffentlichten Artikel!

3 thoughts on “„Goodbye and Hello again Saab“ auch in privater Hinsicht

  • Der Verkehr mag vor 25 Jahren mancherorts gefährlicher gewesen sein, darum war ein Auto mit hoher passiver Sicherheit wie ein Saab damals um so wichtiger und ist es bis heute.

    Allerdings sehe ich heute viele Auffahrunfälle insbesondere bei Rückstaus vor Autobahnbaustellen. Da krachen oft genug LKW, deren Fahrer eingenickt oder abgelenkt sind, auf das Stauende und verursachen erhebliche Sach- und Personenschäden. Da sind Assistenzsysteme für Abstand und Notbremsfunktion sehr sinnvoll, um Menschenleben zu schützen.

  • “Es ist nicht alles abzulehnen was an Technik heute angeboten wird.”

    Das stimmt schon, aber vieles was heute angeboten wird dient mitnichten der Sicherheit.
    Oder es soll ihr dienen, leistet aber nicht annähernd den von den Herstellern behaupteten Beitrag.

    Wenn ich heute meinen Oldtimer fahre, fühle ich mich im Verkehr erheblich entspannter und deutlich sicherer, als ich mich mit dem Auto vor etlichen Jahren gefühlt hätte. Wie kommt’s?

    Straßen und Verkehr, Verkehrsführung so wie das Verkehrsverhalten haben sich in der gleichen Zeit, in der immer mehr Technik und Assistenzen Einzug hielten, ebenfalls erheblich verändert.

    Man kann sich heute gar nicht mehr vorstellen, was auf deutschen Straßen vor 25 Jahren los war. Unfallträchtige Kreuzungen wurden durch Kreisverkehre ersetzt, die Promillegrenzen und das Tempolimit gesenkt, Strafen wurden erhöht.

    Vor 25 Jahren ist man in der Stadt noch von Besoffenen überholt worden, wenn man in einer 30er Zone Strich 80 nach Tacho fuhr.

    Natürlich war die 30er Zone damals noch gar keine. Und das was heute ein verantwortungsloser Raser ist, war damals ein ganz normaler Fahrer wie jeder andere, denen bei Tacho Strich 80 (Tacho geht ein wenig vor, Abzug der Toleranz) nichtmal ein einziger Punkt drohte …

    Das waren verdammt raue und gefährliche Sitten auf schlechten Straßen. Wären damals die Autos von heute gefahren, wäre – davon bin ich fest überzeugt – auch nicht so viel weniger passiert.

  • Dein Schutzengel und der Saab haben gute Arbeit geleistet. Ein Assistenzsystem, welches es heutzutage in modernen Autos gibt, nämlich der Notbremsassistent hätte bei dem niedrigen Tempo wohl einen Aufprall verhindert. Es ist nicht alles abzulehnen was an Technik heute angeboten wird.
    Würden noch Saab gebaut, dann hätten sie heute auch einen Notbremsassistenten serienmäßig.

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