Jetzt ist er so, wie ich ihn damals bestellt hätte

Es ist Mai 2015 – ein Freitag Abend. Ich sitze im Flieger von Stuttgart nach Hamburg. Meine Kunden haben mich bis zur letzten Minute auf Trab gehalten. Nun endlich habe ich aber ein paar Tage frei. Gleich zwei Highlights werden mich in den nächsten 10 Tagen erwarten. Zum einen mein neuer SAAB 9-5/2, den ich am Tag darauf abhole und natürlich das SAAB-Festival in Schweden.

DriveSense Drehregler
DriveSense Drehregler

Am nächsten Morgen fährt mich ein guter Freund von Hamburg nach Kiel, um meinen 9-5/2 beim Autohaus Lafrentz in Empfang zu nehmen. Noch nie hatte ich „blind“ ein Auto gekauft. Ich bin aufgeregt. Meine Gedanken kreisen permanent um die Fotos, die ich vom Auto kenne. Ich habe sie mir aufs iPhone kopiert, um sie mir jederzeit anschauen zu können – was ich auch (gefühlt) permanent tue.

Bilder sind das eine, die Realität oftmals das andere. Gerade ich, der jeden Tag beruflich mit Bildern zu tun hat und genau weiß, wie weit Bild und Realität auseinander liegen können. Wie sieht der Wagen in natura aus? Bestätigt sich der positive Eindruck, den ich am Telefon und anhand der Bilder habe? Hat das Team um Markus Lafrentz alle meine zusätzlichen Wünsche umgesetzt? Rückfahrkamera? Die Mashed-Metallic-Mittelkonsole? Das perforierte Aero-Lenkrad? Die Hirsch-Leistungssteigerung? Einen frischen Service und TÜV/AU? Etliche Telefonate gingen voraus und ich hatte schon das Gefühl, dass ich die Jungs in Kiel nerve. Da der 9-5/2-Bestand in einschlägigen Autobörsen doch extrem überschaubar ist – immer so um die 40 Fahrzeuge – findet man in der Regel nicht genau das, was man gerne hätte. Vor allem nicht, wenn man keinen V6 und keinen Diesel präferiert. Wenn es dann noch ein Aero mit überschaubarer Kilometerleistung und Automatik sein soll: Viel Spass bei der Suche. Dieser 9-5/2 allerdings kommt nun meinem Traumwagen erstaunlich nahe.

Endlich angekommen fahren wir auf den Hof. Und da steht er. Alle Bedenken sind auf einmal weg. Das ist meiner. Punkt. Die Augen leuchten und ich kann mein permanentes Grinsen kaum im Zaum halten. Ich bin begeistert. Die Formalitäten sind ruck-zuck erledigt und die mitgebrachten Schilder schnell angebracht. Markus Lafrentz nimmt sich viel Zeit, um mir alles am Auto genau zu erklären. Ja, ich habe das Gefühl, alles richtig gemacht zu haben. Nach fast zwei Stunden gehts los. Wieder in Richtung Hamburg. Ich lasse den Motor an und rolle beseelt vom Hof. Perfekt! Bis auf……

Ich hatte bis dahin zweimal einen 9-5/2 gefahren. Damals, 2010, bei der Präsentation einen V6 Aero auf 19 Zoll Felgen mit DriveSense und später noch mal einen Vector Biopower auf 18 Zoll Felgen ohne DriveSense. Beide Autos waren sehr komfortabel. Aber was ist das jetzt? Ein derartig hartes Fahrwerk habe ich nicht erwartet. Staubtrocken. Warum nur hat der Vorbesitzer kein Kreuz bei der Option „DriveSense“ gemacht? Er hat doch sonst fast überall einen Haken gesetzt!

Okay. Egal. Das ist jetzt so. Wo Licht ist, ist eben immer auch Schatten. In meinem Fall ist es aber viel mehr Licht und weniger Schatten. Man muss ja immer irgendwo auch einen Kompromiss machen. Letztendlich merke ich auf der Autobahn schnell, dass das Fahrwerk gar nicht so schlecht ist. Durch die Härte ist das Auto extrem verbindlich. Vor allem auch bei Geschwindigkeiten jenseits der 200 km/h fühlt sich der Wagen sehr sicher an.

Das harte Sportfahrwerk lässt mir aber irgendwie keine Ruhe. Bei den Fahrten durch die Stadt spüre ich förmlich jeden Kanaldeckel. Der ein oder andere mag das sicherlich – ich mag es nicht. Es will für mich einfach nicht zu so einem Auto passen. Etwas in mir weigert sich, dass ich mich damit einfach abfinde. Ich überlege kurz sogar kleinere Felgen zu verwenden. 18 oder vielleicht sogar 17 Zoll? Aber mal ehrlich – auf einen Aero? Sicher nicht! Außerdem finde ich die 19 Zoll Edge-Felgen optisch perfekt für das Auto. Vielleicht das weichere Vector-Fahrwerk einbauen? Ich weiß nicht… Ich mag ja das Gefühl des Fahrwerks bei hohen Geschwindigkeiten. Also keine echte Option – auch das wäre letztendlich wieder ein Kompromiss.

Als ich ein paar Wochen später mit Markus Lafrentz spreche und ihm ganz nebenbei vom spröden Fahrwerk erzähle, fällt folgender Satz: „Wir können bald DriveSense nachrüsten.“ Habe ich mich da gerade verhört? Ich frage genauer nach. Er erklärt mir ausführlich, was bei einer solchen Aktion alles gemacht wird und dass das Auto für zweieinhalb Tage in der Werkstatt eingeplant werden müsse. In etwa – weil ganz genau könne er es noch nicht sagen, sie hätten es ja noch nie gemacht. Alles nur theoretisch.

Es rumort in mir. Tagelang, wochenlang. Als ich in Frankfurt Freunde besuche, die ebenfalls einen 9-5/2 Biopower Aero haben, erzähle ich ihnen von meinem DriveSense-Gespräch. Sofort werde ich gefragt, ob ich ihren Wagen mal fahren wolle. Dann könne ich das mit dem DriveSense mal testen. Ich bejahe. Jetzt ist es aber so, dass dieses Auto kein „echter“ Aero ist, sondern ein umgebauter Vector. Alles wurde auf das höhere Aero-Ausstattungsniveau gebracht. Felgen, Stoßfänger, ja sogar die Sitze, das Lenkrad bis hin zu den Einstiegsleisten. Nur das Fahrwerk blieb unangetastet. Hinzu kommt, dass dies ein Fahrzeug mit US Spezifikation ist. Es ist also ganz sicher anders abgestimmt, als die Fahrzeuge für Europa. Aber immerhin habe ich jetzt mal die Möglichkeit, die Spreizung der Modi zu testen. Wie ist der Unterschied von Comfort zu Sport? Auf jeden Fall sehr spürbar. Das „erfahre“ ich. Der Sport-Modus in diesem Auto ist jedoch deutlich komfortabler, als mein starres Aero-Sportfahrwerk. Wenn nun mein Comfort-Modus so wäre wie hier der Sport-Modus, dann wäre das ein absoluter Knaller und ich wäre mehr als zufrieden..

Ein paar Tage später bekomme ich einen Anruf aus Schweden. Ein Freund ist gerade dort unterwegs und auf der Suche nach einem 9-5/2. Er kennt mein Auto, ist schon oft mit- und auch selbst gefahren. Daher soll es bei ihm definitiv kein Aero werden. Zu hart sei die Federung. Er hatte aber soeben trotzdem einen Aero probegefahren – ein bisschen auch für mich um zu berichten. Einen Biopower mit DriveSense. Gespannt frage ich: „UUUUUND??? Wie fühlt sich der Comfort-Modus an?“ Seine Antwort hätte besser nicht sein können: „Er fühlt sich so an, wie man es von einem Auto in dieser Klasse erwarten würde.“

Ich nehme sofort den Hörer in die Hand und rufe in Kiel an. Der Termin ist daraufhin schnell gemacht. Mittwoch, 20. April 2016, 15 Uhr. 2,5 Tage werden für mich eingeplant. Wenn der Wagen aber schon einmal da ist, sollen zum Fahrwerk noch ein paar Sachen hinzukommen. Ein fälliges Software-Update, die Bremsen und natürlich der Kundendienst. „Kein Problem.“ sagt man mir. Das passt.

Als ich ein paar Tage vorher nochmals in Kiel anrufe und mit der Bitte um eine neue Frontscheibe ums Eck komme, kann man diesem Wunsch leider nicht nachkommen. Dazu sei die Zeit einfach zu knapp und die Werkstatt momentan zu ausgelastet. Eine halbe Stunde später klingelt jedoch das Telefon und Markus Lafrentz fragt mich nur: „Du hast den Spurhalte-Assistenten und HeadUp-Display, oder?“ Ich bejahe und bekomme zu hören, dass wohl nur Verrückte in der Werkstatt arbeiten würden. Er bestelle dann jetzt mal die passende Scheibe, denn die Jungs wollen sie dann nach Feierabend noch einbauen. Klasse!

Am Mittwoch, den 20. April, ist es endlich soweit. Es geht los. 5 Uhr morgens starten mein Partner und ich in Richtung Kiel. Hoffentlich kommt nichts dazwischen und wir kommen gut durch, denn wir haben nicht nur eine Verabredung um 15 Uhr im Autohaus, sondern später noch eine mit der Stena-Germanica in Richtung Göteborg. Während also der 9-5/2 in Kiel bleibt, geht es mit einem Werkstatt-Ersatzwagen nach Schweden. Der Plan ist, dass wir am Sonntag Abend die Fähre zurück nehmen um dann am Montag Vormittag den aufgerüsteten 9-5/2 wieder zu bekommen. Wir alle finden: Ein guter Plan.

In Kiel angekommen, tauschen wir nach einem ausführlichen Benzingespräch die Schlüssel. 9-5/2 Biopower gegen 9-3 SC TID. Der blaue Kombi ist sauber und vollgetankt. So muss das sein. Das der 9-3 schon über 285.000 Kilometer auf dem Buckel hat, merkt man ihm in keiner Weise an. Schnell haben wir uns angefreundet und ich stelle am Ende des Trips fest, dass mir der Kombi ans Herz gewachsen ist. Der Motor ist völlig ausreichend, steht gut im Futter und ist extrem sparsam. Das Getriebe ist nicht ausgenudelt, das Fahrwerk ist eher auf Reisen, als auf Sport ausgelegt, nichts ist ausgeleiert, abgeranzt oder verbraucht. Das Navigationssystem ist zwar etwas lahm, aber meiner Meinung nach um Längen besser als das in meinem 9-5/2. Und man hat vor Allem eines: Platz.

Natürlich ist die Zeit in Schweden schon auch ein bisschen „SAABisch“. Es steht ein Ausflug ins SAAB-Museum an und „zufälligerweise“ ist am Tag des Trollhättan-Ausflugs – im Rahmen eines Open-Door-Events im INNOVATIUM – ein SAAB-Flohmarkt. Als ein echter Geheimtipp entpuppt sich aber das AEROSEUM am Göteborger City-Flughafen. Schwer zu finden weil schlecht ausgeschildert wird man aber mit SAAB-Militärflugzeugen zum Anfassen belohnt. Wer wollte nicht schon immer mal in einer SAAB-Draken oder SAAB-Viggen sitzen? Dort kein Problem. In einem verzweigen, unterirdischen Hangar stehen unzählige Militärflugzeuge und Hubschrauber. Kein Hochglanz-Museum, aber eines zum Anfassen. Ach ja, einen SAAB 99 Friction-Tester kann man natürlich auch bewundern 🙂

Am Sonntag Abend geht es wieder auf die Fähre. Viel zu kurz war der Ausflug – wir wären sehr gern noch geblieben. Andererseits steigt natürlich auch die Spannung auf den nächsten Tag ins Unermessliche. Da mein 9-5/2 der erste ist, bei dem das DriveSense-Fahrwerk nachgerüstet wird, gibt es da von Seiten der Werkstatt keinerlei Routine. In der Theorie ist ja alles klar. Und in der Praxis? Gibt es Komplikationen? Wird das Auto fertig sein? Hat alles funktioniert wie gedacht? Der Aufwand ist ja doch sehr groß. Alle Stoßdämpfer kommen neu. An jedem der Dämpfer befindet sich jetzt ein Sensor. Dann die Verkabelung zum neuen Drehschalter in der Mittelkonsole. Wenn alles montiert ist, kommt die Programmierung. Hierzu wird die Software ausgelesen, die neue Ausstattung in Schweden einprogrammiert und später wieder aufs Auto gespielt. Insgesamt erfahren so 8 Steuergeräte ein Upgrade. Letztendlich muss man dem Auto ja mitteilen, dass es jetzt über DriveSense verfügt. Hinzu kommt zu all dem Aufwand die neue Frontscheibe, die neuen Bremsen rundum, eine komplette Inspektion, ein Navi-Update sowie ein Hirsch-Update. Oh mann, bin ich aufgeregt.

Ausgeschlafen und mit einem Frühstück im Bauch geht, es dann am Montag Morgen direkt vom Fähranleger zur Werkstatt. Dort angekommen, erfahre ich, dass mein Auto gerade auf Probefahrt ist. Ich bin beruhigt, das die Zeit wohl ausgereicht hat und sich unsere Weiterreise nicht auf den Nachmittag oder Abend verschiebt. Im späteren Gespräch mit dem Mechaniker wird nochmal klar, welcher Aufwand dahinter steht und das etliche Überstunden für die Montage nötig waren. Ein Aufwand, der sich jedoch gelohnt hat. In einer Einweisung in das „neue“ System erfahre ich, was nun alles möglich ist. Lenkung, Gasannahme und Fahrwerk bekommen je nach Modus eine eigene Charakteristika.

Nach fast einer Stunde SAAB-Talk gehts dann endlich los wieder in Richtung Süden. Ich lasse den Motor an und rolle beseelt vom Hof. Perfekt!
Diesmal ohne das „bis auf…“, denn ich bemerke schon auf den ersten 10 Metern den Unterschied. Auf dem Rückweg teste ich ausführlich und mit kindlicher Begeisterung die drei Modi: Sport – Intelligent – Komfort. Ja, genau SO (!) und nicht anders muss sich für mich ein modernes Auto in dieser Klasse anfühlen. Im Sportmodus bestimmt und direkt – im Komfortmodus angenehm soft, aber nicht schwammig. Das DriveSense-Fahrwerk macht aus meinem 9-5/2 nun endgültig einen komfortablen Reisewagen. Jetzt ist er so, wie ich ihn damals bestellt hätte. Naja, fast… 🙂

Vielen Dank an das SAAB-Team in Kiel. Ich bin begeistert.

Danke an Nico für seine Saab Geschichte! Habt auch Ihr etwas zum Thema Saab zu erzählen?

Die Geschichte einer unvergesslichen Urlaubsreise, eine Restauration, der erste Kontakt mit der Marke aus Trollhättan oder einfach warum Saab zum automobilen Leben dazu gehört. Was immer es ist, schreibt uns. Wir freuen uns darauf!

7 Gedanken zu „Jetzt ist er so, wie ich ihn damals bestellt hätte

  • Ja, genau so muss es sich anfühlen

  • sehr schöne geschichte!

  • To get a comfortable 9-5 II, it was necessary to simply throw out staff Monroe shock absorbers, and then install from KYB shock absorbers.

  • Ich kann mich 100% finden in was Nico hier geschrieben hat. Werde am Tag des Pilots Wanted bestimmt mal mit Herrn Lafrentz reden. Wenn dies moeglich ist….. das ist Spitze.

    • Ich kann das „Update“ nur empfehlen.

      • Habe ich gut verstanden da3 du auch ein Vector hast?

  • Hi guys, it is very nice story and for very important. Just one question..do you think this drive sence woul also fit 95 2.0TiD? I am driving this car more than 4 years and was thinking exactly about drive sence modul since I got the car. Can you please advise? If yes I am going for this as well! Thank you! Michal

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