Am Anfang war der Eiserne Vorhang

„…das (ein Saab) war damals schon etwas besonderes. Und es steckt ein bisschen Ove in Martin, der einen weiteren tollen Beitrag zu unsere Aktion liefert. Lesen und genießen, mehr sag`ich nicht…

Saab 9-3 von Martin
Saab 9-3 von Martin

Wenn man wie ich 1978 in der Tschechoslowakei geboren wurde, war der Automobile Werdegang so gut wie bestimmt. Skoda war die einzige interessante Option eventuell ein Lada. Alles andere war nicht wirklich interessant (Trabant, Wartburg) ggf. unerreichbar wie ein Tatra. Wie es im Leben aber so ist kommt alles anders als man denkt, nicht zuletzt durch ein Saabgen welches mir mein Opa auf den Weg gegeben hat (wie sich aber erst später rausstellen sollte).

Meine erste Saab Begegnung hatte ich in der ersten Klasse, zu einer Zeit in der nur Skoda das Strassenbild bestimmten. Es war ein Saab 96 in unserer Straße. Er gehörte einer Mitschülerin die glaube ich, sich in der ersten Klasse mit Ihrem Namen vorgestellt hat und gleich danach sagte das Ihre Familie einen Saab fährt. Das war damals schon etwas ganz besonderes.

Es dauerte noch weitere 5 Jahre bis ich das erste mal in einen Saab steigen durfte. 1991 nach dem Mauerfall kaufte sich ein Freund der Familie einen Saab 900 Turbo in der Schweiz. Mit 12 Jahren war ich hin und weg von der Form der Sitze und den Vakuumgesteuerten Lüftungsdüsen und dem Crashverhalten, welches das Auto an Tag gelegt hat nachdem es einen Brückenpfeiler traf. Man konnte sagen das war es was die Saabflamme in mir entfacht hatte.

Nach einigen Skodas und einem Renault 19 (unser erstes „Westauto“), wir sind auch allmählich nach Deutschland umgezogen, ging es wieder darum ein Auto anzuschaffen. Keine Ahnung wie ich es mit 15 Jahren geschafft habe, fuhr mein Vater nach Bad Oldesloe und erwarb einen Saab 9000 CS 2,3 Turbo. Wie sich an dieser Stelle herausstellte war mein Opa schon immer Saab Fan jedoch war ein Saab 96 selbst für einen Klinikdirektor damals unerreichbar. Mit diesem Saab ereilte uns ein schwerer Unfall, bei dem ein unbeleuchteter LKW in Tschechien quer über eine Schnellstraße fuhr und wir mit 100 km/h ausweichend in das 1m tiefer liegendes Feld „geflogen“ sind (ohne jegliche Personenschäden). Dann ging es Schlag auf Schlag über einen Saab 9000 Aero, Saab 9-5 und etliche Schwedenurläube. Ich genoss es immer sehr wenn der Werkstadtersatzwagen vor der Tür stand und ich mit meiner Freundin Stundenlang über die Autobahnen fuhr und wir uns unsere gemeinsame Urläube, ja sogar ein gemeinsames Leben in Schweden träumten.

Saab Familie
Saab Familie

Irgendwann ging es darum ein eigenes Auto zu kaufen. Angespartes war da, jedoch war nach einer Saab 900 Cabrio Besichtigung schnell klar dass es nicht ausreichte Geld für den Kauf zu haben, sondern auch der Unterhalt (Reparaturen) gezahlt werden mussten. Nicht zuletzt war der Saab auch einfach zu groß für einen Studenten. Ich kaufte mir, bitte jetzt nicht erschlagen, einen BMW 318ti Compact. Das Auto war schick, klein und hat Spaß gemacht. Nur das Problem war es passte nicht zu mir. Irgendwann war auch dieses Auto Schrott und wurde durch einen Skoda Fabia ersetzt (zu erwähnen ist, dass parallel meine Eltern immer noch Saab Fahrer waren). Bis 2009 die erste Saab Pleite dazu führte das die Gebrauchtwagen Preise in den Keller rutschten. Ich Schlug zu und erwarb ein Traumauto. Ein Saab 9-3 Aero Convertible, der allmählich mit allem von Hirsch ausgerüstet ist was möglich war. Somit waren seit 1995 bis 2009 folgende Saabs im Besitz unserer Familie:

Saab 9000 CS 2,3 Turbo
Saab 9000 Aero
Saab 9-5 SE 2,0t Hirsch
Saab 9-3 CC 2,0t
Saab 9-3 SS 2,0t
Saab 9-3 SC Hirsch
Und mein Cabrio

Nachdem vor nunmehr zwei Jahren meine jetzige bessere Hälfte in mein Leben trat sollte meine Saab Leidenschaft gekrönt werden. Nach einem gemeinsamen Urlaub in Florida sollte es diese Jahr etwas besonderes werden. Da wir beide die Leidenschaft für Osteuropa Teilen und gerne Abenteuer beschreiten haben wir uns dazu entschlossen an der Baltic Sea Rallye teilzunehmen. 7.500 km, 10 Länder , 16 Tage Abenteuer. Eine Voraussetzung hierfür war ein mind. 20 Jahre altes Auto. Und hier witterte ich meine Chance mir einen weiteren Traum zu erfüllen, da sich schnell herausstellte das Saab der einzige Hersteller ist der eine ebene fast 2m liege Fläche für zwei bietet. Es war auch schnell klar dass ich keinen Turbo haben möchte mit dem ich durch Osteuropa fahre. Einen schönen Saab 900 CC zu finden für max. 2.500 € ist jedoch gar nicht einfach. Zuerst ging es nach Warschau, da stand ein vielversprechendes Auto mit französischen Kennzeichen, ohne Papiere. Wie sich herausstellte ein Opfer der französischen Umweltprämie. Anmeldung in Deutschland wäre kein Problem, nur rieten uns polnische Saab Liebhaber (die den 900 liebevoll Krokodil nennen) von einem Autokauf in Polen dringend ab. Eine Woche später dann die Entdeckung in Luxemburg ein Saab 900i in Aero Ausstattung (innen wie außen). Und dieser wartet momentan auf Zulassung. Leider macht es die deutsche Bürokratie nicht einfach.

Warum Saab? Weil ein bisschen Ove in mir steckt, weil ich immer noch Werte habe welche ich lebe. Der Weg des einfachsten Wiederstandes war noch nie etwas für mich. Und es ist mir ein Fest der wahre Nonkonformist unter den selbsternannten Nonkonformisten in deren Seelenlosen Audi’s mit einem Apple in der Hand zu sein. Ein Gentleman genießt subtil.

2 Gedanken zu „Am Anfang war der Eiserne Vorhang

  • Danke, sehr schöner Beitrag! Vielleicht hättest du in Amerika noch schnell einen 900 turbo nach Europa eintüten können, auf cars.com zB gibt es einige, die kribbelig machen.
    Ich bestell mir jetzt endlich dieses vielgenannte Buch mit Ove und seinem Saab.
    Beste Grüsse

  • Schöne Geschichte mit sehr passendem Schlussabsatz

Kommentare sind geschlossen.