Saab News: Reuters analysiert den Saab – Pang Da Deal
Die Nachrichtenagentur Reuters hat eine umfangreiche Analyse ihrer Sicht der Partnerschaft von Saab mit dem chinesischen Mega – Autohändler Pang Da erstellt. China ist, das sollten wir nicht vergessen ein kommunistisches Land, die Presse staatlich gesteuert, mit einer Wirtschaft die dem Turbo-Kapitalismus fröhnt. Das macht die Lage und das Verstehen nicht einfacher.
Die Zentralregierung in Peking versucht seit Jahren die Kräfte der Branche zu bündeln, mächtige Provinzfürsten halten dagegen. Die Analyse von Reuters hilft uns die Situation der Automobilproduzenten in China, es gibt mehr als 100 davon, zu verstehen.
Einer Branche die zwischen staatlicher Reglementierung und Goldgräberstimmung hin und her gerissen wird. Ein langer Text, der es wert ist gelesen zu werden. Hier unsere Übersetzung:
Nachdem die Tinte trocken ist und der Champagner getrunken, sehen sich beide Seiten mit der nüchternen Realität einer verbleibenden, aber schwierigen Frage konfrontiert, den Segen der chinesischen Regierung zu gewinnen.
Die Genehmigung der Regierung zu bekommen ist immer ein schwieriger und undurchsichtiger Prozess, aber das Ergebnis ist in der jetzigen Zeit besonders unsicher und könnte ein Lehrstück für andere Bewerber im Autosektor werden.
In der Tat sagen die Analysten, nachdem sie das Kleingedruckte des Vertrages gelesen haben, ein weiterer Nischenabieter in Chinas aufstrebender Autoindustrie wiederstrebt dem Bemühen Pekings einige wenige, lokale Favoriten aufzubauen um im globalen Wettbewerb mitzuhalten.
“Obwohl der Vertrag die Wertschätzung der chinesischen Unternehmen für europäische Marken wiederspiegelt, ist es höchst unsicher dass die Regierung eine solche Allianz gut finden wird, wenn es die Politik ist mit wenigeren, stärkeren nationalen Marken zu arbeiten” sagte William Russo, ein Industrie-Veteran, der in Peking eine Consultant Firma mit Namen “Synergetics” betreibt.
Trotzdem sind Spyker CEO Victor Muller und Pang Da CEO Pang Quinghua optimistisch das Geschäft wie vereinbart abschließen zu können.
Die Saab Fabrik in Trollhättan, die sechs Wochen stillstand nachdem Zulieferer die Lieferungen auf Grund nicht bezahlter Rechnungen gestoppt hatten, produziert jetzt wieder nachdem Pang Da 30 Millionen € vorgestreckt hatte, ein Geschäft welches als Produkt Bestellung nicht die Genehmigung der Behörden erforderte.
Pang Da steht bereits im Kontakt mit den chinesischen Kontrolleuren, eingeschlossen der Nationalen Entwicklungs und Reform Komission (NDRC), eine mächtigen Behörden die das Schicksal von Saab entscheiden wird. Pang sagte die Gespräche wären in “guter Einvernahme” gelaufen.
Die Partner möchten eine Prodution in China innerhalb eines Jahres aufbauen und 50 Saab Vertriebspunkte bis zum Ende des Jahres 2011.
“Ich bin sehr optimistisch in diesem besonderen Fall, dass wir eine positive Entscheidung erhalten werden” sagte Spykers Victor Muller zu Reuters kurz nach Bekanntgabe des Pang Da Vertrags. “Wir brauchen die Entscheidung nicht morgen. Wir haben die Zeit uns auf alle Fragen vorzubereiten, welche die Regierung haben könnte und werden zeigen dass es eine saubere Investition ist.”
“Im schlimmsten Fall haben wir einen fantastischen Vertriebspartner der eine enorme Menge an Saabs in diesem Land verkaufen wird” sagte Muller weiter.
Im Angesicht der Erfolgsbilanz von Pang Da beim Vertrieb von Audi, Mercedes Benz, Subaru und anderen ausländischen Marken in China ist Pang Da wirklich ein guter Vertriebspartner sagen Analysten.
Es ist die Ambition von Saab vor Ort zu produzieren, die das große Fragezeichen aufwirft.
Nicht effiziente, undefinierte Marken.
Auch wenn China die USA als den größten Automarkt der Welt 2009 abgelöst hat, Chinas Autoindustrie bleibt schwach und stark fragmentiert. Die großen Städte in China sind überschwemmt von Amerikanischen, Japanischen und Europäischen Marken.
Es gibt einige wenige aufsteigende heimische Sterne, so wie die SAIC Motor Corp., aber die meisten der einheimschen Hersteller kämpfen noch immer damit ihr Image als Hersteller billiger, einfacher Produkte abzulegen, beliebt in kleinen Städten oder weniger wohlhabender Regionen im Binnenland.
China könnte der Rettungsanker für bankrotte westliche Marken sein und der Zugriff auf eine ausländische Kooperation könnte undurchsichtigen chinesischen Firmen mehr Durchsetzungsvermögen während der von der Regierung betriebenen Industrie Reorganisation verleihen, meinen die Beobachter.
Aber eine “sterbende Marke” mit gerade einmal 30.000 Einheiten 2011, knapp 2% des Audi Absatzes in China pro Jahr, hat einen geringen Wert für eine Industrie die bereits von zu vielen kleinen und uneffizienten Spielern geplagt wird.
“Saab hängt seit Jahren in den Seilen meint Michael Dunne, Präsident des Industrie Consulting Unternehmens Dunne & Co. Ltd “ist immer ein schrulliger Nischenanbieter gewesen, der in der Abhängigkeit seiner loyalen Kunden war. Ich bin mir nicht sicher wieviel Schlagkraft die Marke einer chinesischen Firma geben würde.”
Die beste Lösung für die chinesische Autoindustrie ist die Förderung einiger großer, starker Anbieter, die das Potential haben die nächste Erfolgsgeschichte nach Toyota und, noch mehr, nach Hyundai zu schreiben, die erst den Heimatmarkt dominierten und dann in das Ausland gingen, ist die Meinung der Beobachter.
“Schauen sie sich um, alle großen Exporteure haben zuerst den Heimatmarkt dominiert, das ist die Regel” sagte Scott Laprise, China Auto Analyst bei CLSA.
“Es ist sehr selten das dies passiert mit nicht effizienten und undefinierten Marken auf dem Heimatmarkt.”
Langsame, schmerzhafte Konsolidierung.
Die Technokraten in Peking haben seit langem die Vision einiger weniger und starker nationaler Anbieter, aber die Industrie entwickelte sich mit mehr als 100 Produzenten, einige bauen nur wenige tausend Autos pro Jahr.
Letztendlich will China nur zwei oder drei große Konzerne mit einer jährlichen Produktion von mehr als 2 Millionen Fahrzeugen jährlich haben, dazu vier oder fünf Anbieter mit mehr als einer Million produzierter Autos pro Jahr, so sagt ein Memorandum aus dem Jahr 2009.
Die Konsolidierung aber schreitet nur langsam und schmerzhaft voran, behindert durch Provinzregierungen die davon träumen ihr eigenes automobiles Königreich zu entwicklen.
Brilliance Auto in der nordöstlichen Provinz Liaoning wurde über Jahre hinweg erfolgreich vom größeren Rivalen FAW Group aus der Nachbarprovinz torpediert, sagte Wang Min, Gouverneur von Lianoning im März zu Reuters.
Chery Automobile und Jianghuai Automobile, zwei mittelgroße Anbieter in Ost-China, sind seit Jahren in Rivalitäten verstrickt und wiedersetzen sich der von den Regulatoren angeordneten Fusion.
Nach zwei großen Umstrukturierungen seit 2007 haben Chinas “Top 3” Hersteller, SAIC, Dongfeng und FAW, weniger als die Hälfte des nationalen Autoverkaufs im Jahr 2010.
“China braucht nicht mehr Autohersteller. Wenn wir weiter machen und alle ausländischen Hersteller kaufen die in Schwierigkeiten sind, dann verlängern wir nur den schmerzhaften Prozess, den die Konsolidierung erfordert” sagt Scott Laprise von der CLSA.
Aufschrei der Medien.
Die Erfolgsbilanz von Chinas Übersee Erwerbungen ist bestenfalls gemischt. Die Behörden unterstützten Geelys 1.5 Milliarden $ Übernahme von Volvo, die den Chinesen die völlige Kontrolle über die legendäre skandinavische Automarke gab, verweigerten aber dem kleinen Maschinenbauer Sichuan Tenzhong Heavy Industries den Kauf der heute nicht mehr existierenden Marke “Hummer” 2009.
Im Falle Tenzhong gaben die von der Regierung gesteurten Medien den ersten Hinweis auf den Ausgang. Ein Tag nachdem der Vertrag mit Hummer an die Öffentlichkeit kam, veröffentlichte die staatlich gelenkte Nachrichtenagentur Xinhua einen scharf formulierten Kommentar, gerichtet an Tenhzhong und andere, mit der Warnung die “großen Träume in kleine Stücke zu zerschlagen” wenn man weiterhin dubiosen und riskanten Geschäften nachgehe.
Dises Mal sind die chinesischen Medien gleichermaßen kritisch gegenüber der Pang Da Beziehung als auch gegenüber der Verbindung mit Hawtai die nach 10 Tagen beendet wurde. Führende Finanzblätter und Websites brachten Geschichten, dass die NDRC nicht besonders unterstützend in der Verbindung von Saab mit Pang Da sei, zitierten dabei ungenannte Quellen.
Saabs größte Hoffnung sagen Beobachter aus Übersee, ist eine der großen, staatlich unterstützten, Automobil Gruppen mit an Bord zu nehmen, welche die Durchsetzungskraft gegenüber den Regulatoren hat.
Aber jeder dieser “Top Produzenten” ist schon seit Jahren mit drei der größten weltweiten Anbietern verbunden, so wird es nicht einfach als Minderheitsgesellschafter bei Saab einzusteigen. Beijing Automotive Industry Holding Co. (BAIC) , welche 2009 200 Millionen $ für alte Saab Platformen zahlte, ist einer der möglichen Partner.
“BAIC hatte die Möglichkeit die Firma zu einem früheren Zeitpunkt zu kaufen und entschied sich dagengen. Sie glauben die eigene Marke zu etwas aufbauen zu können, was mehr Strahlkraft hat als Saab” sagte Dunne von Dunne & Co.
“Wenn Preis und Bedingungen jetzt besonders attraktiv wären, könnte ich mir vorstellen dass BAIC zurückkommt und die Marke kauft.”
BAIC, nach Milliardeninvestionen um eigene Oberklasse Fahrzeuge auf gekaufter Saab Technologie aufzubauen, verweigerte dazu jede Stellungnahme.
Quellen: Reuters, ReporterFang Yan und Ken Wills, Tim Kelly Tokyo.
Übersetzung: tom@saabblog.net
Anmerkung: Saab erleidet das Schicksal des zu spät auf den chinesischen Markt kommenden. Die Regierung möchte eine Konsolidierung durchziehen.
Das Versäumniss der GM Ära keine Produktion in China aufgebaut zu haben rächt sich nun. Ein Schritt zur Produktion in China, den GM schon vor weit mehr als 10 Jahren hätte gehen müssen, wurde nicht vollzogen und Saab zahlt auch jetzt wieder für Fehlentscheidungen aus Detroit.
Auch Opel, wie ehemals Saab unter der fürsorgenden Aufsicht des GM Mutterschiffes, bekommt aktuell in China kein Bein auf den Boden. Es wird jetzt schwer, aber es ins nicht unmöglich, den richtigen Partner für eine Produktion zu finden.