SAAB Talk: Saab 007

Ein Schwede in Diensten ihrer britischen Majestät? Letzte Woche kamen einige Dutzend Mails von Lesern auf dem Blog zum Thema Saab 007. Was war geschehen? Der Focus hatte über das kaum bekannte Saab Projekt berichtet, und immer wieder kam die Frage, ob es den Wagen wirklich gegeben hat, ob er fahrtüchtig war oder ist und ob der Saab die Jahre überlebt hat.

Saab 007, im Diente ihrer Majestät im aktuellen Zustand.

Irgendwann habe ich es aufgegeben, jede Mail zu beantworten. Trotzdem meinen Dank für die vielen, vielen Hinweise,  die ein klares Indiz sind, welche Faszination die Marke Saab ausstrahlt. Statt dessen schreibe ich, für alle lesbar, einen kurzen Artikel zum Saab 007.

Ja, es gibt den Wagen, und ich habe ihn schon live gesehen. Allerdings hat mich damals die James Bond Geschichte nicht wirklich interessiert. Im Jahr 1981 hat Saab einen 900 Turbo nach „James Bond Spezifikation“ gebaut, so angetan war man in Trollhättan von der Geschichte. Der Saab 900 Turbo, genannt 007, leistungsgesteigert und ausgestattet mit vielen Extras wie schußfesten Reifen, Nachtsichtgerät, Head-Up Display und Panzerung, wurde in der folgenden Zeit viel bewegt.

Ein Agentenfahrzeug, das Hilfe braucht. Saab 900 007

Der Saab hat es niemals zum Filmruhm gebracht und ist trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, das wahre James Bond Auto. Denn würde man den Geheimagenten zu seinen Fahrzeugen befragen, würde in etwa folgende Einschätzung kommen: Aston Martin oder Lotus sind zu auffällig, schlecht fürs Geschäft. Die Fords zu langweilig und die BMWs nur eine bösartige Erfindung der Gegenseite. Der wahre Geheimagent im Dienste der Krone fährt Saab, weil schnell, sicher und Understatement und damit „very british“.

Mittlerweile sind mehr als 60.000 Meilen auf dem Tacho, und der Zustand des James Bond Saabs ist recht erbärmlich. Rost und ein schlechter Allgemeinzustand machen den Schweden im Dienste ihrer britischen Majestät nicht zu einem Ausstellungsstück. Bei unserem letzten Besuch stand er im Magazin des Saab Museums in Trollhättan, einer Sektion, wo es nicht gestattet ist, Bilder für die Öffentlichkeit zu machen.

Ausstattungsliste des Saab 007

Mark und ich halten sich natürlich an diese Absprachen. Aber die ehemaligen Administratoren, welche das Museum für kurze Zeit unter ihrer Verwaltung hatten,  haben Bilder vom 007 Saab gemacht, die wir hier veröffentlichen dürfen. Der Zustand des James Bond Saab drückt ganz deutlich die Probleme aus, die das Bilmuseum plagen. Es fehlt trotz allen ehrenamtlichen Engagements an Mitteln, um die vorhandenen Schätze zu restaurieren. Das Zauberwort heisst Geld, daran mangelt es immer noch.

Dass ein Saab Juwel, wie der Saab 007,  zurück an die Öffentlichkeit kommt, sollte in unser aller Interesse sein. Wir werden deshalb auch im nächsten Frühjahr erneut bei der Saab Gemeinschaft um Spenden für das Bilmuseum betteln, damit Autos wie der James Bond Saab bald für alle sichtbar im Museum glänzen können!

Bleibt noch das Geheimnis zu lüften, warum der Saab 900 Turbo niemals im Film zu sehen war. Die Antwort ist spekulativ, denn man könnte sich James Bond gut vorstellen wenn er – untermalt vom typischen Turbosound –  auf der Jagd nach den bösen Jungs ist. Vermutlich ist der Saab zu nahe dran an der Wirklichkeit. Geheimagenten bevorzugen unauffällige Autos, die aber über viel Leistung verfügen müssen. Saab hat solche Wagen gebaut. Relativ kompakt, nicht besonders auffällig, im zeitlosen Design, aber immer High Performance Cars für den Gentleman. Was wäre für den Secret Service besser geeignet als ein Saab Turbo aus Trollhättan?

Text: tom@saabblog.net

Bilder: saabblog.net

16 Gedanken zu „SAAB Talk: Saab 007

  • Wahnsinn! Ein Head-up Display im Jahr 1985. Da sieht man mal wieder, wie fortschrittlich SAAB seinerzeit schon war.

  • Ein cooler SAAB der unbedingt restauriert werden muss! Schon irre was im Museumsfundus so alles rumsteht.

  • Wenn für derartigen Spielkram Geld in die Hand genommen wird, spende ich mit Sicherheit keinen Cent für das Museum!

    Gibt es denn nicht sinnvollere Projekte, die unterstützt werden könnten?

    • wieso denn bitte Spielkram ? das ist auch Saabgeschichte und gehört natürlich resauriert und ins Museum . Und wo ist Saabgeschichte besser aufgehoben als im Saabmuseum .Lieber Joachim was sonst wäre den für dich würdig restauriert zu werden und in neuer Pracht dem Publikum des Saabmuseums gezeigt zu werden.

      • Ein Dienstwagen von 007, der es nicht bis in den Film geschafft hat, ist für mich kein Grund ihn aufzumöbeln!

        Außerdem halte ich die James Bond-Geschichten sowieso für totalen Schwachsinn!

        • Dein letzte Argument ist keins, Dein erstes aber sehr wohl 🙂

    • Volle Zustimmung. Ein Hirngespinst von Saab, einen 900er für Bond-Filme zu bauen und dann zu hoffen, dass die Produktionsfirma zugreift! Wie naiv geht’s denn noch? Der Wagen hat keine Bond-History, ist folglich nichts anderes als das Ergebnis diverser Bastelstunden bei Saab.
      Wenn das Geld knapp ist, dann sollte man es für wirklich wichtige Dinge reservieren.

      Abgesehen davon: Die Überzeugung des Autors, ein Saab wäre im Gegensatz zu Aston und Lotus das perfekte Bond-Auto gewesen, ist schon sehr amüsant! Schon bei BMW haben die Cineasten und Gralshüter den Kopf geschüttelt, bei einem Saab wären sie aus dem Kino gelaufen – da bin ich sicher.

  • was mich noch interessieren würde : woher hat der Wagen seine Km bzw. wer war der Glückliche der diesen Wagen besitzen und fahren durfte ? Der britische Geheimdienst doch sicher nicht.

    • … vielleicht fuhren ja damit auch Saab-Mitarbeiter undercover zu Ihren Bond-Girls. Die waren dann hin und weg von 007 und James musste nur noch die Ladefläche vergrößern …

      Sehr schöner Artikel, das macht den Blog so lesenswert.

      Ich bringe im nächsten Jahr mittlerweile über 300 EUR vom Saab Treffen im Bayerischen Wald persönlich ins Saab-Museum.

      Was wäre wohl aus Saab geworden, wäre dieses Auto ein Filmstar …

      Schöne Grüsse!

      Matthias

      • Schade um das schöne Geld, wenn es tatsächlich für derartigen Spielkram verwendet werden sollte.

        Der letzte Absatz ist doch hoffentlich nicht ernst gemeint!?

        • Heute schlechte Laune, lieber Joachim? Hoffentlich nicht, denn auch der Spielkram ist ein Teil von SAAB! 😉

      • Matthias: Klasse! Jeder Euro wird gebraucht!

      • Die Frage ist doch eher: Was wäre aus James Bond geworden, hätte der Agent diesen Wagen fahren müssen.

  • Aus gut unterrichteter Quelle habe ich gehört, dass der Phönix-Concept auch im Fundus des Museums ist. Jedoch kann er wegen einer Beschädigung nicht ausgestellt werden. Wenn das stimmt, sollte natürlich dieses wunderbare Einzelstück mit höchster Priorität wiederhergestellt werden. Falls dann noch Geld in der Kasse sein sollte, kann man sich auch dem 007 widmen.

  • Moin,
    Als Kind habe ich den Roman gelesen, in dem Bond den Wagen durch Schottland gejagt hat. Eindeutig geschichtliches Kulturgut und damit förderungswürdig.

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