Saab und Subaru – der Saab 9-6X – die vergebene Chance?

Im Saab Museum Trollhättan stehen Saab 9-6x und die Saab 9-4x BioPower Studie nebeneinander. Der Eine ging nie in Serie, der Andere wurde nur für kurze Zeit gebaut. Eine Gelegenheit, die wir nutzen, um  den Saab 9-6x genauer anzuschauen. Der 9-6x war in Zusammenarbeit mit Subaru entstanden. Er war reif für die Serie, doch dann kam aus Detroit das große rote Stopplicht.

Für Saab war ein SUV zwingend, um die Marke attraktiver zu machen. Denn die Strategen in den USA hatten den Trend schlicht verschlafen und versuchten, jetzt eine Lösung auf typische GM Art zu finden. Sprich, wir machen aus einem Subaru einen Saab.

Saab 9-6X und 9-4X BioPower Concept im Saab Museum
Saab 9-6X und 9-4X BioPower Concept im Saab Museum

Saab 9-6X – ein verkleideter Subaru

So etwas geht selten gut, was fast alle wissen. Nur eben die Amerikaner am Potomac nicht. Doch diesmal scheiterte das Projekt aus anderen, als den gewohnten Gründen. General Motors verkaufte 2005 seine Subaru Anteile und statt des 9-6X kam der Saab 9-7x. Ein hastig auf Saab gelabelter Chevrolet Trail Blazer, ein zuverlässiges und sehr amerikanisches Auto, der bis 2008 gebaut wurde. Meistens auf Halde, sodass der Abverkauf auch nach Produktionsende noch weiterging. Sozusagen der Flop nach dem Flop. Doch zurück zum Saab 9-6X.

Auf der Basis des Subaru Tribeca, mit 6 Zylinder Boxermotor, hätte der Japaner eine gute Grundlage für einen Saab abgeben können. Hätte! Das Außendesign nähert sich erst langsam der Aero X Studie an, nach deren Vorbild das Facelift am Saab 9-5 stattfand.

Zumindest die Front des SUV könnte als Saab durchgehen. Schlimm dagegen sieht es am Heck aus, hier kommt der Subaru durch und wir suchen Saab Gene mit der Lupe.

Die Front kann als Saab typisch durchgehen, wenn man mag.
Die Front kann als Saab typisch durchgehen, wenn man mag.

Wir suchen und finden – keine. Das Heck ist japanisch. Punkt. Im Innenraum ein ähnliches Bild. Ein Lenkrad mit Saab Logo, das war alles. Der Rest? Komplett 1:1 von Subaru übernommen. Das ist nicht unmodern aber eben kein Saab. Sogar beim 9-7x hatten  sich Detroit und Trollhättan mehr Mühe gegeben.

Es gab sogar ein Saab Designteam, das sich kümmerte. Mit Erfolg. Der Chevrolet Clone trägt sein Zündschloss dort, wo es bei Saab sein sollte.

Heck des Saab 9-6X - eindeutig Subaru
Heck des Saab 9-6X – eindeutig Subaru

Der Saab 9-6X ein Erfolg?

Der Subaru-Saab wäre kein Erfolg geworden. Er ist kein kleines Stück Saab, bis auf den Kühlergrill. Das ist zu wenig. Aus einer interessanten technischen Basis hätte man mehr machen können. Doch auch der Tribeca wurde für die Japaner kein Renner. Ein fehlender Diesel, ein mit 245 PS viel zu schwacher Benziner, um das schwere SUV standesgemäß zu beschleunigen.

Kein Turbo, der das Leistungsdefizit behoben hätte. Kein freundlicher Saab Tuner aus der Schweiz, der den Notstand hätte beseitigen können.

Nach dem Subaru Flop – außer Kosten nicht gewesen, und nach dem 9-7x Desaster hatte man in Detroit vielleicht gelernt. Oder man hatte einen kurzen Moment auf Carl-Peter Forster gehört, der damals bei GM Europe Einfluss und Ansehen hatte. Der Saab 9-4x, zu weiten Teilen wie sein Cadillac Bruder in Schweden entwickelt, wäre ein Erfolg geworden.

Für Saab der Rettungsanker und der Stückzahlen-Bringer auf den asiatischen Märkten. Aber das ist eine andere Geschichte.

Subaru oder Saab - der Innenraum
Subaru oder Saab – der Innenraum

Das ist eigentlich enttäuschend, ich hatte mir vom Saab 9-6x mehr erwartet. Mehr Saab, mehr Schweden und wenigstens etwas Eigenständigkeit. Aber komplette Fehlanzeige. Zwei Exemplare von diesem nie in Serie gegangenen Modell existieren weltweit. Beide sind im Besitz des Saab Museums in Trollhättan. Aber nur einer wurde bislang der Öffentlichkeit gezeigt. Im Magazin des Museums steht der Bruder, den die Presse noch nicht gesehen hat.

Eine andere Karosserie Variante. Bislang unter Verschluss, sie ist ein zweitüriges Exemplar. Überraschung! Irgendwann, wenn man die Zeit dafür gekommen sieht, wird man sie hervorholen und in die Ausstellung rollen. Bis dahin bleibt der unbekannte 9-6X eines der vielen Geheimnisse, die in Trollhättan gehütet werden.

11 thoughts on “Saab und Subaru – der Saab 9-6X – die vergebene Chance?

  • Volvo hatte und hat sehr viel Erfolg mit dem XC90 hier in USA. Das Auto verkauft sich besser als V70 und XC70. Daran wollte Saab nun anknuepfen. Aber leider nicht mit eigenen Modellen. Dass der 9-7x nur ein Oldsmobile Bravada mit leicht geaenderter Front und anderem Armaturenbrett war, war auch den amerikanischen Kaeufern schnell klar. So baut man kein Image eines Luxus SUV auf.
    Und der 9-2x (Saabaru) war auch nicht erfolgreicher. Ein bisschen Karosseriemodifikationen reichen nicht aus. Der 9-4x ging dann schoen eher in die richtige Richtung als eigenstaendiges SUV, kam aber viel zu spaet. Der konnte Saab in USA nicht mehr retten.
    Die haetten besser viel frueher eigenstaendige SUVs entwickeln sollen als so einen Bloedsinn wie den Cadillac BLS.

  • Für Saab würde es heute sicherlich Sinn machen eine solche Partnerschaft einzugehen, gerade um den Vertriebskanal offen zu halten. Ob ein SUV zu Saab passt ist ein anderes Ding.
    Aber die Designsprache muss erhalten bleiben und hat mit dem 95-2 Cockpit (Tacho) schon zu viel Zugeständnisse gemacht.

  • So glad the 9-6x didn’t go into production – the Subaru Tribeca was one of the ugliest vehicles ever!
    GM never understood how to manage a premium brand like Saab, instead they just kept trying to repackage Opel/Vauxhall and Subaru platforms in a Saab skin.
    At least Saab in Sweden smiled at GM then did things the way they wanted to, but the US was flooded with rebadged Subarus and other GM products.

  • Bitte nicht steinigen: Aber den 9²x finde ich gar nicht schlecht – besonders als Aero gefällt er mir!

  • Die zweite, nicht gezeigte Variante des 9-6X war von der Idee her interessanter, aber ob die Version je gekommen wäre? Trotzdem aus meiner Sicht gut, dass dieses Ding nicht auf die Straße kam. Allerdings wieder unnötig Geld verpulvert.

  • Habe gerade in der Financial Times Deutschland gelesen, dass Schweden die SAAB Parts AB die nächsten 7 Jahre behält.

    Da kein Bieter die Seit vergangenem Freitag gilt diese Mission als gescheitert. Bo Lundgren, Chef der Behörde, gab auf einer Pressekonferenz kleinlaut zu Protokoll, bisher sei keiner der ehemaligen Saab-Bieter bereit, 2,2 Mrd. Kronen für die Sparte zu zahlen. Daher habe sich die Schuldenbehörde entschlossen, den Teilehandel für die nächsten Jahre selbst zu übernehmen. Mit Kotflügeln und Scheibenwischern könne man mehr Geld verdienen als jetzt mit einem schnellen Verkauf unter Wert, so Lundgren.

    http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/autoindustrie/:volkseigener-betrieb-schwedens-regierung-expandiert-mit-ersatzteilen-von-saab/70048739.html

    Was soll denn das:
    Nun, wo wir alle glaubten und hofften mit der neuen Aufstockung von über 400 Mio Euro von Youngman, für SAAB Automobile AB und SAAB Parts AB, müsse der Deal perfekt sein???

  • Hi,

    ich muß aber sagen das Design des Subaru ist speziell innen klasse. Die durchgängige Gestaltung vom Cockpit in die Seitenverkleidungen – alle Achtung.
    Aber halt nicht Saab was ja der eigentliche Grund der Berichterstattung ist 🙂

  • Kennt eigentlich noch jemand den 9-2X? Der wurde meines Wissens nach in den USA verkauft und ist gelegentlich unter dem namen “Saabaru” zu finden. War ein umgelabelter Subaru Kombi… und auch nie ein Kassenschlager.

  • Der zweite 96x war auf der Inventarliste zu sehen, als es um den Verkauf des Museums ging… Mit Bild im bekannten PDF! 😉 Sah für mich aber noch übler aus, als der in der Ausstellung… Zum Glück kamen diese Vehikel nie in den Handel.

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