SAAB News: Saab Folk Race in Trollhättan
Trifft man in Trollhättan einen Saab Veteranen, dann kommt irgendwann die Rede auf sein Motorsport Engagement. Fast jeder von ihnen ist irgendwann einmal Rallye oder Folk Race Rennen gefahren. Nicht immer im Saab. Ein Fiat, ein Opel oder auch ein VW Käfer. Alles ist möglich. Hauptsache es ist günstig und es fährt.

Die Schweden haben Benzin im Blut oder in den Genen, was auch die Erklärung wäre warum man im Norden so gute Autos baut. Auf dem Weg aus der Stadt in Richtung Saab Werk liegt am Rande des Stallbacka Industrie Gebiets das Gelände des SMK Trollhättan. Auf der “Knattecrossbanan” wird Crosskart, Rally Cross und Folk Race gefahren. Die spezielle, sehr skandinavische Art, des Stock Car Rennens und kommt ursprünglich aus Finnland.

Das Folk Race ist in erster Linie ein preiswerter und deshalb populärer Weg für jeden mit Benzin im Blut seiner Motorsport Leidenschaft zu frönen. Spass ist keine Frage des Geldes und Kostengründen werden antike Autos eingesetzt. In Schweden spricht man daher gerne vom “Folk-Race-Tot” als letzte Station für alte Autos. Also keine Veranstaltung für Menschen die im Oldtimer nur rollendes Kulturgut sehen.

Bei den Rennen selbst geht es überraschend gesittet zu. Man verhält sich fair, bewusstes Rammen des Gegners ist ausdrücklich verboten.
In Trollhättan ist das Folk Race ein Vergnügen von Jung und Alt. Die Veranstaltung hat ein klein wenig “Volksfest” Flair. Kinder laufen an der Rennstrecke entlang und durchs Fahrerlager, Schweden aller gesellschaftlicher Schichten treffen sich um gemeinsam Spass an ihrem benzinlastigen Hobby zu haben.

Neben der Rennstrecke geht es nicht nur um Autos. Gespräche über Kinder, Schule, Beruf finden statt. Das Folk Race ist der Rahmen für gesellschaftliche Aktivitäten.
In Trollhättan sind natürlich vorwiegend alte Saab, Saab 900, Saab 90 oder 99, oder Saab 9000 am Start. Aber auch Volvo oder Audi und VW sind zu finden.

Die Atmosphäre der Rennen ist schwer zu beschreiben. Die Luft riecht nach Benzin, es knattert und dröhnt aus jeder Ecke. Nach dem Startsignal geht es einen Hügel hoch, aufgeregt kommentiert von der Rennleitung. Und völlig unverständlich für uns. Dann mit Vollgas in die erste Kurve, meist mit Kontakt zum Nachbarn. Schlamm spritzt, die Fahrzeuge driften wie Walter Röhrl zu seiner besten Zeit in Richtung der Geraden. Dann noch zwei enge Kurven, ein Tritt aufs Gaspedal und mit Vollast ab den Hügel hinunter.

Die Strecke ist mit 2.400 Metern recht kurz, für die Zuschauer gut einsehbar, die maximale Geschwindigkeit der Renner liegt bei 80 Km/h. Wer die Kurven nicht packt oder wo die Technik versagt, da ist schnelle Hilfe da. Ein Radlader gabelt den Rennwagen auf und bringt ihn zurück ins Fahrerlager.
Eine Gesetzmäßigkeit gibt es – scheinbar. Uns gefällt sie. Saab gewinnt immer, Volvo nie. Und auch bei Saabs gibt es eine interne Hierarchie. Ein 9000er ist im Zweifelsfall schneller als ein 900er. Audi und Opel liegen immer zwischendrin. Zumindest bei unserem Besuch war es so.

Was vielleicht auch daran liegt, dass die Saabs klein, wendig und meist Turbo-geladen sind. Einer der wenigen Volvos, rosa lackiert, hingegen ein riesiger, schwerer und daher langsamer Kombi mit Schrankwand Qualitäten. Göteborg gegen Trollhättan, das ewige Duell. Saab baute schon immer die sportlicheren Autos.
Pilotiert wurde der Volvo von einer talentierten weiblichen Pilotin, denn auch das Folk Race ist schon lange keine reine Männerdomäne mehr.
Im Fahrerlager ist Grobwerkzeug und Improvisation gefragt. Stemmeisen und manchmal auch das Schweißgerät. Nach jedem Lauf kommt die Crew, beult die Türen aus und macht die Kiste klar für das nächste Rennen. Das Fahrercamp ist für jedermann frei zugänglich, die Abfahrt von der Rennpiste kreuzt die Zufahrt zum Fahrerlager. In Deutschland unvorstellbar. Also ist Vorsicht beim Besuch angesagt.
Folk Race ist ein Event für die ganze Familie, die auch dann den kompletten Samstag an der Rennstrecke verbringt. Spaß, Benzingespräche und ein cooles Hobby. Für Trollhättan Besucher ein klare Empfehlung von unserer Seite.
Text: tom@saabblog.net